Rauchertherapie: Keine Angst vorm Aufhören

29. Mai 2015
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Viele Raucher wollen aufhören, scheitern aber an der Angst, dass das Rauchverlangen danach unerträglich bleibt. Die Angst ist unbegründet, da bei einem Großteil der Entwöhnten nach einem halben Jahr kein Verlangen mehr besteht und die verbesserte Lebensqualität überwiegt.

Eine aktuelle Studie mit Teilnehmer der dreiwöchigen stationären Rauchertherapie zeigt, dass die Angst vor dem Aufhören unbegründet ist. „Die meisten können sich nicht vorstellen, dass es ihnen danach besser geht, selbst wenn sie durchs Rauchen richtig krank geworden sind“, sagt Rudolf Schoberberger vom Institut für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Wien anlässlich des Welt-Nichtrauchertags am Sonntag, den 31. Mai.

Laut aktuellen Umfragen möchte knapp ein Viertel aller Raucher in Österreich den Tabak-Konsum verringern, ein Drittel möchte ganz aufhören. 37 Prozent haben bereits versucht, aufzuhören. Eine große Barriere ist die Angst, dass die Entzugserscheinungen unerträglich sein werden. „Je stärker die Nikotinabhängigkeit ist, umso stärker ist diese Angst“, sagt der MedUni Wien-Experte.

42 Prozent halten durch

Bis zu 100 stark nikotinabhängige Österreicher nehmen jährlich die Möglichkeit wahr, an einer stationären Rauchertherapie teilzunehmen. In den drei Wochen, die wie ein Kuraufenthalt organisiert sind, gibt es Gruppen- und Einzelbetreuung, Ernährungsberatung, zudem wird ein Manual mit 80 Seiten mit vielen Fragestellungen rund ums Rauchen und Aufhören abgearbeitet. Schoberberger: „Ganz wichtig ist auch, dass die Betroffenen für drei Wochen aus ihrem normalen Alltagstrott rauskommen. Das hilft sehr beim Aufhören.“

Die Sozialmediziner der MedUni Wien haben nun die Erfolgsrate der stationären Rauchertherapie erhoben. Das wichtigste Resultat: „Jenen, die nachhaltig mit dem Rauchen aufgehört haben, geht es langfristig viel besser. Von 270 befragten Teilnehmern haben mehr als 42 Prozent ein Jahr nach ihrer stationären Rauchertherapie gesagt, dass es ihnen gesundheitlich und auch generell besser geht und sie nach wie vor nicht rauchen.“ 30 Prozent haben danach wieder angefangen zu rauchen, der Rest ist nicht zu den Kontrollterminen erschienen. „Bei unserer Befragung zeigt sich eine signifikante Steigerung der Zufriedenheit mit dem Schlaf, aber auch mit Atmung und Mobilität“, fasst Schoberberger zusammen. Auch der Medikamentengebrauch an sich ist bei dieser Gruppe deutlich zurückgegangen.

Deutliche Verbesserung in jedem Lebensbereich

Die Ergebnisse lassen sich auch mit Zahlen belegen: Vor der Therapie gaben 23,2 Prozent der jetzigen Nichtraucher an, häufig Herz-Kreislaufbeschwerden zu haben, nach nur einem halben Jahr verringerte sich dieser Wert auf 5,8 Prozent. Das Allgemeinbefinden wurde zu Beginn der Therapie von 31,4 Prozent als häufig beeinträchtigt bezeichnet, danach waren es nur noch 7,5 Prozent. Eine deutliche Verbesserung gibt es auch in Bezug auf Schlaf: Vor der Therapie war jeder Zweite der jetzigen Nichtraucher mit dem Schlaf unzufrieden und befürchtete negative Auswirkungen auf die Gesundheit, nun sind es nur noch 22,4 Prozent.

Schoberberger: „Tabak-Abstinenz führt zu einer deutlichen gesundheitlichen Verbesserung und zu mehr Lebenszufriedenheit. Zugleich ist das Rauchverlangen bei den meisten Entwöhnten schon nach einem halben Jahr überhaupt kein Thema mehr. Die Angst vor dem Aufhören ist unbegründet.“

Originalpublikationen:

Heavy dependent nicotine smokers – Newfound lifestyle appreciation after quitting successfully. Experiences from inpatient smoking cessation therapy
Rudolf Schoberberger et al.; Public Health, doi: 10.1016/j.puhe.2015.02.011; 2015

20 Wertungen (3.85 ø)

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6 Kommentare:

Peter Jablonski
Peter Jablonski

Nach geschätzten 30 Jahren mit Fluppe in der Hand und einem Konsum von etwa eher 15 als 20 Zigaretten täglich ist die gesamte Prozedur des Rauchens zum festen Bestandteil des Lebens geworden. Ein Tag “ohne” ist nichts – na ja – schon mal ein Anfang. “Nach einem halben Jahr bekommst Du zum ersten Mal wieder Luft” sagte ein Freund. Und tatsächlich nach Monaten fällt das Atmen leichter, nach nun 1 1/2 Jahren ist es unangenehm durch Räume zu laufen in denen geraucht wurde. Und natürlich ist es gesünder.

Ich kann leider die Zeit nicht zurückdrehen, kann aber demjenigen sagen der früh anfing zu rauchen, dass er gar nicht weis was er verpasst nur weil er bei Stress etwas braucht um sich daran festzuhalten. Vom Saulus zum Paulus? Ja, stimmt. Es ist nicht nur mittlerweile zu teuer, natürlich gesünder, ja ganz einfach: ich kriege wieder Luft … !

Ermahnungen, schlimme Bilder, Berichte über soundsoviel Tote im Jahr werden kaum jemanden bewegen mit dem Rauchen aufzuhören; es muss ein Wille von innen kommen, aus einem selbst. Dann klappt es auch. Die ersten Monate sind hart, doch später sagt man sich: wie konnte ich so dumm sein und rauchen? Was fehlt mir jetzt dass ich es tat? Nichts. Es war nur die Sucht …

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Ärztin
Ärztin

komische Überschrift,
im Vordergrund der “Angst” ist das Rauchen selbst.
Und das mit Recht.

#5 |
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Gast
Gast

Naja Herr Schoen, sicherlich sind diese Erkenntnisse nicht neu oder bahnbrechend, jedoch nötig sie immer wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Deshalb finde ich es interessant und vor allem wichtig, das dieses Thema immer wieder und wieder irgendwo diskutiert und publiziert wird. Rauchen ist nunmal ein großes Problem unserer Gesellschaft. Und ich denke DocCheck wollte mit diesem Thema auch auf den morgigen Weltnichtrauchertag aufmerksam machen. Vielleicht sollten es die Raucher mal probieren morgen ohne Zigarette auszukommen.

#4 |
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Wieder so eine Untersuchung, die niemand braucht. Hoffentlich sind dabei wenigstens zwei, drei Promotionen rausgesprungen.

#3 |
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Medizinjournalist

Ferngesteuert: Das Belohnungssystem macht also auch schon beim blosen Denken an’s Aufhören rechtzeitig Angst, damit wir die “begünstigenden Aspekte” auch brav beibehalten.

#2 |
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Das ist jetzt aber nicht bahnbrechend neu.

#1 |
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