Depression: Placeboeffekt klammert Schwere aus

27. Mai 2015
Teilen

Ältere Menschen mit einer depressiven Störung sprechen bei einer Behandlung mit Medikamenten stärker auf Placebo an als Patienten im Erwachsenenalter. Zudem spielt, unabhängig vom Schweregrad der Depression, die psychosoziale Unterstützung eine große Rolle.

Die Altersdepression ist die meistverbreitete psychische Störung bei älteren Menschen. Sie hat einen stark negativen Einfluss auf die Lebensqualität und Funktionsfähigkeit sowie den Verlauf von körperlichen Erkrankungen. Richtlinien zur Behandlung empfehlen neben psychotherapeutischen Interventionen neuere Antidepressiva.

Bei Erwachsenen lassen sich laut bisherigen Studien gewisse Vorteile der Antidepressiva gegenüber Placebobehandlungen nachweisen. Die Effekte sind aber moderat und werden von der Schwere der ursprünglichen depressiven Symptomatik bestimmt: Stark depressive Erwachsene sprechen stärker auf Medikamente im Vergleich zum Placebo an. Wie sich nun bei älteren Patienten der Schweregrad der Depression auf die Placeboeffekte auswirkt, haben nun Cosima Locher MSc, Dr. Joe Kossowsky und Prof. Jens Gaab von der Fakultät für Psychologie der Universität Basel erforscht.

Soziale Unterstützung erklärt Placeboeffekt

Zusammen mit der Harvard Medical School analysierten sie die Daten von 19 Studien, die insgesamt 5.737 ältere Menschen ab 55 Jahren untersucht hatten. Die Ergebnisse zeigen, dass hier bei der Behandlung grosse Placeboeffekte beobachtet werden können. Diese sind bei der Altersdepression nicht vom ursprünglichen Schweregrad der Depression abhängig.

Die Autoren gehen aufgrund ihrer Metaanalyse davon aus, dass bei einer medikamentösen Behandlung von altersdepressiven Patienten vor allem die psychosoziale Unterstützung einen hohen Anteil des Placeboeffekts erklärt – und damit auch der Behandlungsreaktion. „Diese Erkenntnis ist besonders wichtig für die Behandlung älterer Personen mit depressiven Störungen. Bedeutsam sind hier nämlich die persönliche Zuwendung und die subjektive Plausibilität der Behandlung – und zwar unabhängig vom Schwergrad der Depression, wie wir fanden“, sagt Mitautor Prof. Jens Gaab.

Originalpublikationen:

Moderation of antidepressant and placebo outcomes by baseline severity in late-life depression: A systematic review and meta-analysis
Cosima Locher et al.; Journal of Affective Disorders, doi: 10.1016/j.jad.2015.03.062; 2015

14 Wertungen (4.36 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

3 Kommentare:

Gast
Gast

Dürfen Psychologen rezeptpflichtige Medikamente verschreiben???

Wenn ja saeit wann?

#3 |
  0
Freya Matthiessen
Freya Matthiessen

ERWACHSENE VERSCHIEDENER ALTERSGRUPPEN…..
Nach nochmaligem Lesen des englischen Originaltexts:
Begriffe im Abstract: mixed-aged depression [of adults]. Late-life depression, depressed elderly people….
Freya Matthiessen (Gast)

#2 |
  0
Freya Matthiessen
Freya Matthiessen

„Ältere Menschen mit einer depressiven Störung sprechen bei einer Behandlung mit Medikamenten stärker auf Placebo an als Patienten im Erwachsenenalter“. (DocCheck)
Ältere Menschen (ab 55?) sind sldo keine Erwachsenen? Sondern? Vielleicht ab 55 „Greise?.
Wie viele „Greise“ – nach so einer Definition – sind DocCheck-Autoren?
Dürfen die Filme für „Erwachsene ab 18 Jahren“ anschauen?
Müssen die eine Bar um 22 Uhr verlassen, die nichterwachsenen Greise?
Originaltext:
„Zusammen mit der Harvard Medical School analysierten sie die Daten von 19 Studien, die insgesamt 5.737 ältere Menschen ab 55 Jahren untersucht hatten“. (ate-life depression: A systematic review and meta-analysis. (Cosima Locher et al)

Freya Matthiessen – Gast

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: