China: Technik aus dem Land des Schwächelns

12. Juni 2015
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Korrupte Ärzte, gefälschte Medikamente: Chinas Gesundheitssystem hat mit vielfältigen Problemen zu kämpfen. Was der Staat nicht schafft, wollen jetzt IT-Konzerne schaffen: eine bezahlbare Versorgung für alle. Grundsätzliche Schwächen lassen sich so aber nicht lösen.

Wer in China derzeit krank wird, hat schlechte Karten. Patienten klagen über lange Wartezeiten beim Arzt und horrende Preise für Medikamente. Ganz klar, Fälschungen aus dubioser Quelle gibt es für weniger Geld. Jetzt versuchen Konzerne, dieses Vakuum zu füllen – schließlich gilt China als größter Gesundheitsmarkt im Gesundheitsbereich nach den USA.

Alibaba schlägt zu

Die Alibaba Group, Betreiber der B2B-Plattform Alibaba.com und des Online-Auktionshauses Taobao, hat jetzt Nägel mit Köpfen gemacht. Über das Tochterunternehmen Ali Health will der Konzern den Arzneimittelmarkt kräftig aufmischen und Plattformen für den Preisvergleich bei Medikamenten entwickeln. Zum Hintergrund: Da Ärzte und Krankenhausangestellte derzeit schlecht bezahlt werden, lassen sie sich die Medikamentenabgabe von Patienten vergolden – und greifen zusätzlich Provisionen der Pharmaindustrie ab. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping will dagegen mit aller Härte vorgehen, blieb aber momentan noch recht erfolglos. Insofern gilt Alibabas Strategie als erwünschte Maßnahme bei mächtigen Kadern.

App in die Apotheke

Ein erstes Pilotprojekt läuft in der Provinz Hebei nahe Peking. Per Smartphone-App fotografieren Patienten ihr Rezept und übertragen entsprechende Bilddaten auf ein Portal. Dann schlägt die Stunde von Apothekern. Sie geben ihr Gebot für das jeweilige Präparat ab. Der günstigste Kollege erhält im Sinne einer Reverse Auction den Zuschlag und muss gleichzeitig für die Lieferung sorgen. Zahlungen wickelt Alibaba über AliPay ab. Tencent, ein mächtiger Konkurrent, arbeitet zeitgleich an neuen Funktionalitäten bei der Messaging- und Calling-App WeChat. Ab sofort können User Termine bei Ärzten reservieren oder Medikamente digital bezahlen. Vergleichsportale für Arzneimittel gelten als nächster, konsequenter Schritt.

Problem erkannt, aber nicht gelöst

Patienten und Krankenversicherungen werden von der digitalen Strategie kurzfristig profitieren. Experten kritisieren aber, dass Führungsriegen das eigentliche Problem nicht angehen, sprich die schlechte Finanzsituation chinesischer Krankenhäuser. Staatliche Häuser erhalten momentan vergleichsweise niedrig angesetzte Pauschalen, die bei komplexeren Behandlungen nicht einmal die Unkosten decken.

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