Industrie: Kampf um Köpfe

12. Juni 2015
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Approbierte, PTA und PKA haben derzeit gute Chancen auf eine Karriere bei pharmazeutischen Herstellern. Das berichten Industrieverbände. Konzerne locken mit höheren Gehältern und attraktiveren Arbeitsbedingungen als bei öffentlichen Apotheken.

Experten händeringend gesucht: Wie der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) berichtet, würde jeder fünfte Konzern gerne Fachkräfte einstellen. 21,6 Prozent benötigen Personal aus dem naturwissenschaftlichen, medizinischen oder kaufmännischen Bereich. „Derzeit sind mehr als 25 Prozent der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Betrieben über 50 Jahre alt. Wir gehen daher davon aus, dass unsere Mitgliedsfirmen auch in den kommenden Jahren einen hohen Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften haben“, sagt BAH-Vize Dr. Hermann Kortland. An der Befragung nahmen Konzerne mit insgesamt 51.370 Mitarbeitern teil.

Vielfältige Qualifikationen

Der jetzt veröffentlichten Studie zufolge haben fast 60 Prozent aller Angestellten in der pharmazeutischen Industrie eine abgeschlossene Berufsausbildung. Und über 30 Prozent können ein Fachhochschul- beziehungsweise Hochschulstudium vorweisen. Jeder zweite Betrieb bildet Jugendliche aus – etwa Pharmakanten, Chemielaboranten, Industrie- oder Bürokaufleute. In öffentlichen Apotheken geht die Zahl an Ausbildungsplätzen und Jobs für PKA immer weiter zurück. Das haben Umfragen bei Inhabern vor wenigen Monaten gezeigt.

Attraktive Arbeitsplätze

Nicht der einzige Unterschied: Pharmafirmen argumentieren offensiv mit attraktiven Arbeitsbedingungen. Mehr als 60 Prozent aller Konzerne ermöglichen ihren Beschäftigten, von zu Hause aus zu arbeiten. Und 25 Prozent der Betriebe haben eine firmeneigene Kinderbetreuung. Im betrieblichen Gesundheitsmanagement engagieren sich 54 Prozent aller befragten Konzerne. Davon sind öffentliche Apotheken weit entfernt.

Gute Gehälter

Ähnlich groß entpuppen sich die Unterschiede beim Salär. In öffentlichen Apotheken erwartet Berufsanfänger ein tarifliches Gehalt von monatlich knapp 3.200 Euro, also rund 41.000 Euro im Jahr. Ab dem elften Berufsjahr (3.850 Euro pro Monat, 50.000 Euro pro Jahr) ist Schicht im Schacht – aber nicht bei der Industrie. Monatliche Bruttogehälter schwanken zwischen 4.000 und 15.000 Euro brutto, je nach Verantwortungsbereich, Berufserfahrung und Tätigkeit.

Selbständigkeit als Option

Approbierten bleibt noch als Option jenseits von Firmen, über die eigene Apotheke nachzudenken. Bis 2020 geht Schätzungen zufolge jeder dritte Inhaber in Rente, und Nachwuchs wird auch hier händeringend gesucht. Untersuchungen der apoBank zufolge geht der Trend klar in Richtung Übernahme und Filialisierung. Neugründungen gelten als riskantes Unterfangen.

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