Fehler im System: Der ärztliche Patient

9. Juni 2015
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Viele Ärzte sind kränker als ihre Patienten. Aus Angst, den Anforderungen von Vorgesetzten, Patienten und an sich selbst nicht mehr gerecht zu werden, helfen sich zahlreiche Ärzte selbst – und das meist ausschließlich. Kostendruck und Personalmangel verstärken das Problem.

Ärzte haben gute Chancen auf ein außergewöhnlich langes Leben. Medizinhistoriker Professor Robert Jütte schreibt in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift: „Journalisten, Psychologen und Chemiker haben eine deutlich geringere Lebenserwartung als Ärzte, Ingenieure oder gar Geistliche, wie eine groß angelegte Studie des Schweizer Bundesamts für Statistik nachwies.“

Während Männer der Gesamtbevölkerung in Deutschland im Schnitt eine Lebenserwartung von 79,5 Jahren haben, erreichen Ärzte durchschnittlich ein Alter von 83,9 Jahren. Frauen der Gesamtbevölkerung werden im Durchschnitt 83,7 Jahre alt, Ärztinnen sogar 87,1 Jahre. Diese Zahlen implizieren zunächst, dass Ärzte aufgrund der längeren Lebenserwartung auch gesünder sind als die Gesamtbevölkerung – ein Trugschluss.

Ungeimpft, unsportlich und ohne Hausarzt

Wenn Sie nicht gegen Hepatitis und Grippe geimpft sind, gehören Sie zum Großteil der Ärzte, die darauf ebenfalls keinen Wert legen. Treiben Sie Sport oder bewegen Sie sich regelmäßig? Jeder fünfte Arzt hat dafür entweder keine Zeit oder findet keinen Gefallen daran, wie Recherchen der „Welt“ ergeben haben. Wider besseren Wissens verzichtet die Hälfte der Ärztinnen sogar darauf, regelmäßig ihre Brüste abzutasten. Von 4.000 von der Universität Los Angeles befragten Ärzte soll zudem jeder zweite angegeben haben, keinen Hausarzt zu haben. Einer Erhebung der Europäischen Gemeinschaft zufolge raucht hierzulande jeder vierte Arzt. Auch Alkoholmissbrauch ist unter den Medizinern weit verbreitet: Laut Schätzungen sind in Deutschland 8.300 Ärztinnen und Ärzte alkoholabhängig.

Hohe Suizidrate

Auch um die seelische Gesundheit von Ärzten könnte es besser stehen. Eine Umfrage unter Schweizer Allgemeinmedizinern ergab: 43 % der Ärzte bestätigen, einen Kollegen persönlich gekannt zu haben, der Suizid begangen hat. Fast ein Drittel (28 %) erklärten, sie hätten selbst eine suizidale Phase durchgemacht. 5 % der Ärzte hatten aktuell Suizidgedanken.

Psychosomatische Beschwerden werden ignoriert

Den Großteil ihrer Zeit verbringen Ärzte damit, sich um die Gesundheit anderer zu kümmern. Doch warum verweigern sich Ärzte häufig dem, was sie ihren Patienten dringend empfehlen würden? Oft lässt es der Arbeitsalltag eines Arztes kaum zu, erholsame Pausen zu machen, einfach einmal „nein“ zu sagen, wenn gerade alles zu viel wird. „Wenn ich natürlich jahrelang von früh um sieben bis in die Nacht halb elf arbeite, meldet sich irgendwann der Körper. Und das ist ja oft so, dass bei Ärzten gerade psychosomatische Beschwerden ignoriert werden oder mit eigenen Mitteln und Methoden, die man eben so kennt, bekämpft werden“, sagte Psychiater Peter Lippmann gegenüber dem Deutschlandfunk. Kostendruck und Personalabbau in vielen Kliniken verschärften das Problem.

Arbeitszeiten von bis zu 80 Stunden in der Woche, Schicht- und Bereitschaftsdienste reißen Ärzte nicht selten aus ihrem sozialen Umfeld und machen ein Privatleben nahezu unmöglich. Partnerschaften scheitern, Familien zerbrechen – außerhalb des Berufs stellt sich Einsamkeit ein.

Behandlung durch Kollegen? Niemals!

Viele Ärzte tun sich schwer, im Krankheitsfall Hilfe von Kollegen anzunehmen. Eine schriftliche Umfrage des Universitätsspitals Genf ergab: Von 1.784 befragten Schweizer Ärzten wollte sich jeder Dritte nicht von anderen Ärzten behandeln lassen. Doch warum scheint die Selbstbehandlung der sicherste Weg aus der Krankheit zu sein? „In die Patientenrolle zu schlüpfen erzeugt bei vielen Kollegen ein unbehagliches Gefühl. Denn damit zeigt man, sich in einem bestimmten medizinischen Gebiet nicht gut genug auszukennen, um sich selbst behandeln zu können“, erklärt Anästhesistin Dr. Christiane Ambs.

Von den Schweizer Medizinern gab nur jeder Fünfte an, einen Hausarzt zu haben. Die Hälfte der Befragten hatte im letzten Jahr darauf verzichtet, sich von einem Kollegen wegen gesundheitlicher Probleme behandeln zu lassen. Von denen, die es doch wagten, vertrauten sich 13 Prozent ihrem Hausarzt, 8 Prozent einem Psychiater oder Psychologen und 28 Prozent einem anderen Arzt an. Immerhin 57 Prozent der Ärztinnen hatten im letzten Jahr einen Gynäkologen aufgesucht. 90 Prozent der befragten Ärzte und Ärztinnen gaben an, sich selbst zu behandeln. 65 Prozent von ihnen hatten sich in den letzten sieben Tagen sogar mit Medikamenten therapiert – ein Drittel davon griff zu Schmerzmitteln, 14 Prozent zu Beruhigungsmitteln und 6 Prozent zu Antidepressiva.

„Lässt man sich von einem Kollegen behandeln, schwingt stets die Angst mit, er könne etwas Wichtiges übersehen oder eine falsche Diagnose stellen“, so Ambs. Auch das Wissen um medizinische Extremfälle lasse Ärzte entweder zu Hypochondern oder Verdrängern werden. „Bei starken Kopfschmerzen schleichen sich auch Gedanken an einen nicht operierbaren Hirntumor ein, obwohl es sich wahrscheinlich nur um eine Nackenverspannung handelt“, so die Anästhesistin.

Warum Ärzte – aller Abhängigkeiten, Krankheiten und Wehwehchen zum Trotz – rein statistisch betrachtet trotzdem länger leben als Vertreter anderer Berufsgruppen, bleibt weiterhin ungeklärt.

144 Wertungen (4.45 ø)

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40 Kommentare:

Gast
Gast

Ich verstehe nicht, warum man als Arzt besonders suizidgefährdet sein soll. Man hat doch einen Beruf, der einem sehr viele Erfolgserlebnisse beschert, was ich von einem Großteil meiner Patienten nicht behaupten kann. Natürlich gibt es unter ihnen nicht wenige, die es geradezu darauf anlegen, einen herunterzuziehen. Mit diesen halte ich mich nicht lange auf. Hier muss man eben eine klare Trennungslinie haben: es sind und bleiben deren Probleme, nicht meine. Ich kann beraten, handeln müssen sie aber selbst. Und was die Freizeit betrifft: mit der wüsste ich schon was anzufangen, wenn ich nur mehr davon hätte. Das Rentenalter habe ich schon erreicht und die Vernunft sagt: aufhören. Aber ich mache trotzdem weiter. Aus Leidenschaft.

#40 |
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Gast
Gast

Das Ärzte oft keine Hausarzt haben ist doch hoffentlich noch nachvollziehbar.

#39 |
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Ärztin
Ärztin

der Eid des Hypokrates hat nicht das Geringste mit Genf zu tun,
natürlich ist er in der Neuzeit nicht mehr allzu “populär” beim Volk,
das Verbot der Abtreibung, schon von Sibylle genannt, ist ja das größte Ärgernis.
Das heute heiß diskutierte aktive Töten passt da natürlich noch weniger
und hier die Schweiz alles andere als “Vorbild”.
Moderne “Medizinethiker” kann man dagegen nicht ernst nehmen, da sie den gerade aktuellen Politikern nach dem Mund reden und beim Krieg führen in aller Welt schweigen.

#38 |
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Gast
Gast

der eid des hippokrates^^ das ist ja mal sowas von outdatet ;)
und im genfer gelöbiniss (so heißt das, was alle meinen wenn sie vom “eid des hippokrates” sprechen……) steht das nicht drin.
das sollte eigentlich eine sache sein, welche auf gegenseitigkeit und kollegialität beruht – einander helfen und unterstützend zur seite stehen…

#37 |
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Ärztin
Ärztin

hallo Kollegin#30, das muss jeder selbst entscheiden,
die Krankenhausärzte bekommen heute regelmäßig Ärger, wenn Sie es nicht machen, auch Chefärzte.
Ich spreche auch schon mal offen drüber, weil ich eine hohe Selbstbeteiligung habe,
also generell eigentlich alles selbst bezahlen muss.

#36 |
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Sibylle
Sibylle

also keine Abtreibungen mehr, @Anna?

#35 |
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Nichtmedizinische Berufe

@Gast, nein sicher kein Kompliment -eher ein freundlich gemeinter Anstoss, sich auf den Eid/Inhalt zu besinnen. Oder ist der schon zu alt? Ich finde, er hat über die Zeit nichts an Aktualit eingebüßt….

#34 |
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Ärztin
Ärztin

Ich bin privat versichert, aber von Kollegen, wenn ich denn mal eine(n) brauche,
bekomme ich immer eine Rechnung. Naja, von irgendwas müssen Ärzte ja auch leben.
Durch die Honorarzahlungen der Krankenkassen werden wir bestimmt nicht reich.

#33 |
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Gast
Gast

@Anna Wojcik was möchten Sie dem Leser bitte mit dieser Übersetzung mitteilen?
Ein Kompliment für Ärzte?

#32 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ha!
Im Eid des Hypokrates steht’s geschrieben: Ärzte/Ärztinnen behandeln sich untereinander kostenlos.

Und nicht nur das. Diejenigen, die sich so gar nicht an diesen Eid halten wollen werden argumentieren, dass der Eid “immer wieder” umgeschrieben wurde. Ich werde ihn kopieren, bei mir tragen und auf Verlangen vorzeigen :-)

Hier nochmal zum nachlesen; Quelle Wikipedia

„Ich schwöre und rufe Apollon, den Arzt, und Asklepios und Hygieia und Panakeia und alle Götter und Göttinnen zu Zeugen an, dass ich diesen Eid und diesen Vertrag nach meiner Fähigkeit und nach meiner Einsicht erfüllen werde.

Ich werde den, der mich diese Kunst gelehrt hat, gleich meinen Eltern achten, ihn an meinem Unterricht teilnehmen lassen, ihm, wenn er in Not gerät, von dem Meinigen abgeben, seine Nachkommen gleich meinen Brüdern halten und sie diese Kunst lehren, wenn sie sie zu lernen verlangen, ohne Entgelt und Vertrag. Und ich werde an Vorschriften, Vorlesungen und aller übrigen Unterweisung meine Söhne und die meines Lehrers und die vertraglich verpflichteten und nach der ärztlichen Sitte vereidigten Schüler teilnehmen lassen, sonst aber niemanden.
Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden.
Auch werde ich niemandem ein tödliches Gift geben, auch nicht, wenn ich darum gebeten werde, und ich werde auch niemanden dabei beraten; auch werde ich keiner Frau ein Abtreibungsmittel geben. Rein und fromm werde ich mein Leben und meine Kunst bewahren.
Ich werde nicht schneiden, sogar Steinleidende nicht, sondern werde das den Männern überlassen, die dieses Handwerk ausüben.
In alle Häuser, in die ich komme, werde ich zum Nutzen der Kranken hineingehen, frei von jedem bewussten Unrecht und jeder Übeltat, besonders von jedem geschlechtlichen Missbrauch an Frauen und Männern, Freien und Sklaven.
Was ich bei der Behandlung oder auch außerhalb meiner Praxis im Umgange mit Menschen sehe und höre, das man nicht weiterreden darf, werde ich verschweigen und als Geheimnis bewahren.
Wenn ich diesen Eid erfülle und nicht breche, so sei mir beschieden, in meinem Leben und in meiner Kunst voranzukommen indem ich Ansehen bei allen Menschen für alle Zeit gewinne; wenn ich ihn aber übertrete und breche, so geschehe mir das Gegenteil.“

#31 |
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Ärztin
Ärztin

@Anna Wojcik, na klar, es gibt, auch wenn (zwangsweise) selten geworden, immer noch Ärzte, die ihre Kollegen sogar kostenlos behandeln.
Hilft letztlich auch den Patienten, wenn der Dr. schnell wieder gesund ist.
Steht so ähnlich ja schon im Eid des Hypokrates, ca. 2500 Jahr alt.

#26 und #27 Ärzte gehen selbstverständlich erheblich seltener “zu Ärzten”, weil sie sich (bei Lappalien) in der Regel selbst behandeln,
das für nicht selten dazu, dass sie eher zu spät zu Kollegen gehen,
man kann ja nicht Spezialist für alles sein.
Deshalb sind sie bei Krankenversicherungen als Kunden besonders beliebt.

#30 |
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Gast
Gast

Das mit dem längeren Leben der Ärzte, wo ist das her? Ich kenne nur gegenteilige Statistiken, die vom durchschnittlich kürzeren Leben der Berufsgruppe der Mediziner berichten.

#29 |
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Nichtmedizinische Berufe

#25, Ärztin:

Ihr Zitat: “@Remedias Cortes, Sie haben richtig erkannt,
die werden eher besser behandelt,
nun das will ich auch schwer hoffen.”
#25 | 10. Juni 2015 um 22:06

Frage: “Die” -also die Ärzte- werden “eher besser behandelt”… besser als wer?
Doch wohl nicht besser als die Patienten, hm?

#28 |
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Dr. rer. nat. habil. Willibald Schliemann
Dr. rer. nat. habil. Willibald Schliemann

Gute Frage!

#27 |
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Gast
Gast

Als Nicht-Arzt frage ich mich:

Werden Ärzte so alt, weil sie nicht zum Arzt gehen, oder werden sie so alt, weil sie permanent beim Arzt sind?

#26 |
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Ärztin
Ärztin

@Remedias Cortes, Sie haben richtig erkannt,
die werden eher besser behandelt,
nun das will ich auch schwer hoffen.

#25 |
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Nichtmedizinische Berufe

Habe ich vergessen , anzufügen, kenne ich aber durch Berichte von zwei Ärzten aus Familie- und Bekanntenkreis: WENN ein Herr Doctor mal zum Kollegen geht, wird er bevorzugt behandelt, und der Kollege will sich keinesfalls blamieren, gibt sich also besonders viel Mühe. UND Ärzte sind ohnehin fast immer Privatpatienten.

#24 |
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Nichtmedizinische Berufe

“Warum Ärzte – aller Abhängigkeiten, Krankheiten und Wehwehchen zum Trotz – rein statistisch betrachtet trotzdem länger leben als Vertreter anderer Berufsgruppen, bleibt weiterhin ungeklärt.” – hmmmpf, ein Schelm , wer Böses dabei denkt: Ärzte leben länger, WEIL sie nicht zu anderen Ärzten gehen. Somit bleibt ihnen die Verabreichung von Medikamenten mit potentiell tödlichen Neben und Wechselwirkungen, Fehlbehandlungen, Krankenhauskeinem, falschen Diagnosen etc. erspart.

#23 |
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Die statistisch längere Lebenserwartung allein auf den Beruf zurückzuführen, halte ich für gewagt.
Die Zurückhaltung der Ärzte, bei eigenem Missempfinden einen Kollegen zu konsultieren, hat doch sicher enge Grenzen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Arzt, der z. B. Symptome einer akuten Appendizitis an sich bemerkt, lange zögern wird, sich einem chirurgischen Kollegen anzuvertrauen.
Vice versa glaube ich auch, dass kaum ein Arzt besonders erfreut sein wird, einen Kollegen behandeln zu dürfen/müssen. :)

@#3 Dr Matthias Kratofiel: IQ und (fachliche) Bildung sind zwei paar Schuh. Ärzte müssen ein Fleissstudium erfolgreich absolvieren, aber sie haben nicht alle einen überdurchschnittlichen IQ.

#22 |
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Gast
Gast

aus ein paar Jahren statistischer Unterschiede bei ca. 80 Millionen Menschen sollte man nicht so viel Aufhebens machen.
Zweifellos ist es eine schöner Beruf, der eher überdurchschnittlichen Einsatz fordert gerade auch auf “Akademiker-Niveau”, wer muss da schon noch nachts Bereitschaftsdienst machen,
um so beschämender die permanente Kritik an Ärzten, wahrscheinlich Missgunst.

#21 |
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Dr. Claudia Schroeder
Dr. Claudia Schroeder

Leider betrifft die Überarbeitung nicht nur die angestellten Mediziner. Ich erlebe als Niedergelassene ein derart exorbitant aufkommendes Verwaltungsaufkommen, welches nicht oder nur sehr kostspielig zu delegieren ist und Erholungsphasen reduziert oder eben die Behandlungszeiten. Diese lassen sich aber aufgrund des hohen Praxisstundensatzes durch Personalkosten, (unnötige) Kosten durch Verwaltungs- und Kontrollarbeiten nicht reduzieren, weil sonst die eigene Lebenshaltung nicht mehr möglich ist. Schade, dass hier seitens der Politik und auch der Kammern den Freiberuflern nur Steine in den Weg gelegt werden. Letztlich sind auch die Freiberufler in der Vergangenheit für eine fluktuierende Wirtschaft mit verantwortlich gewesen. Bei einem solchen Kostendruck ist jede Stunde, die nicht beim Patienten verbracht wird, eine Minusstunde. Läßt man sich dann auf Krankheitstage ein? Eher nicht! Außerdem: welcher Patient hat schon gerne eine offen kundgetan kranke Ärztin oder Arzt? Beispiel Magen-Darm-Infekt: die Mitarbeiterin läßt sich zur Erholung eine Woche krankschreiben, der Chef steht schon am nächsten Tag wieder in der Praxis. Welcher Patient möchte wissen, dass der Arzt das Wochenende im Bett verbracht hat, nur um Montag wieder in der Praxis stehen zu können? Welcher Patient hat gern seine seit Wochen feststehenden Termine verschoben aus Rücksicht auf den Arzt?

#20 |
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Dr. Claudia Schroeder
Dr. Claudia Schroeder

Sehr geehrter Herr Kollege Klein,
es ist für mich unfassbar, einen Kommentar insbesondere einem Zahnarzt gegenüber zu schreiben – gespickt mit Rechtschreibfehlern – und diese Zunft lediglich zurückzuschieben “auf die Zähne”. Anscheinend ist bei Ihnen noch nicht die wissenschaftliche Literatur vieler medizinischer und zahnmedizinischer Zusammenhänge angekommen. Daher empfehle ich dringendst ein intensives Studium zumindest dieses Forums, um entsprechende Wissensdefizite aufzuarbeiten. Abgesehen von der Tatsache, dass ich die Art und Weise, einen Kollegen auf dieser Plattform derart zu degradieren, nicht angebracht empfinde und a priori auch nicht zu einem kollegialem fachlichen interdisziplinären Miteinander führt. Würden wir dies in unserem Berufsalltag mehr ausleben, wäre eine bessere Versorgung sowohl für unsere Patienten aber auch für uns selbst aufgrund eines Vertrauensvorsprungs gewährleistet. Somit wären dann auch Kommentare wie von Frau Wojcik als nichtmedizinische Kommentatorin überfällig.

#19 |
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Gast
Gast

@Anna Wojcik: Ist ja alles furchtbar! Schwarz und Weiß(Kittel)!

Wobei überarbeitete Ärzte in Universitätskliniken tatsächlich ein Risiko für den Patienten sind. 70 Arbeitsstunden pro Woche (und teilweise noch viel mehr) lassen viele Kollegen nicht richtig schlafen. Auch schwere Konzentrationsfehler können dann die Folge sein. Hier müssen sich die Patienten mit den Ärzten und mit den Pflegenden solidarisieren. Denn die fatalen Entscheidungen hin zu unzureichenden Personalschlüsseln werden von BWLern getroffen, die der Patient nie zu Gesicht bekommt. Der “Marburger Bund” konnte als Berufsgewerkschaft zumindest Einiges an Arbeitszeitbegrenzungen im Sinne der Patientensicherheit erreichen.

Die SPD/CDU im Berliner Bundestag (Arbeitsministerin Andrea Nahles, SPD) hat jetzt allerdings das Streikrecht für Berufsgewerkschaften de-facto abgeschafft. Das gab es schon einmal im Jahr 1933: https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BChrerkreis_der_vereinigten_Gewerkschaften

Diese aktuelle Gesetzgebung aus Berlin erschwert den gewerkschaftlichen Einsatz für geregelte Arbeitszeiten, die der Behandlungssicherheit der Patienten dienen würden. Hier braucht es die gemeinsame Solidarität von Patienten, Ärzten und Pflegepersonal.

#18 |
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Nichtmedizinische Berufe

Und was ist mit den Patienten? Wenn ich das lese, wird mir Angst und Bange!
Das ist ja unfassbar, solche Ärzte auf die Patienten loszulassen. Hier wird Negativ-Werbung unter Kollegen betrieben. Ein kranker Arzt der nicht zum Arzt geht weil er ihnen nicht traut? Ja gehts noch???

#17 |
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Michael Krüger
Michael Krüger

Vielleicht liegt es aber auch an der Gehaltsstufe und dem Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebenserwartung…
http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Kontrovers/Rente67/Zusammenhang-Einkommen-Lebenserwartung.pdf

#16 |
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Es ist schwer auf der anderen Seite zu stehen und die Kontrolle abzugeben. Durch manchen Schmarrn, den wir bei Kollegen sehn, wollen wir uns nicht in das Krankenhaushamsterrad begeben, wenn wir bspw. Bauchweh haben. Außerdem haben die meisten Kollegen das “Pech” privat versichert zu sein. Da langt dann die ganze Fachärzteschaft zu, wenn man auf der Krankenhausschwelle erscheint. Aber nicht nur deshalb. Die “helfende Seite” hätte dann ja auch Angst, bei uns etwas zu übersehen. Alles hat 2 Seiten.
Wenn man sich als erfahrener Arzt in der Ärztelandschaft gut auskennt, findet man einen guten Arzt seines Vertrauens und kann auch dort die Kontrolle abgeben. Das ist wichtig. Sonst doktert man nur leicht schwachköpfig an sich herum. Man ist selbst sein schlechtester Patient. Doch einen derartigen Kollegen zu finden, erfordert Besonnenheit und langes Suchen.
Im akuten Notfall haben auch wir keine andere Wahl. Hier sollte man sich gut überlegen, welche Klinik man ansteuert. Wichtigtuer gibt es leider überall. Auch bei Kollegen.-

#15 |
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Michael Krüger
Michael Krüger

Vielleicht werden wir Ärzte so alt, weil wir nicht zum Arzt gehen… uuuups

#14 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ich kann mir ein leicht diabolisches Grinsen leider nicht verkneifen… Und dabei glaubte ich bis vor wenigen Minuten, der Patient als solcher wäre allein mit seinen Ängsten und Besorgnissen. Im Unterschied zu ihm wird natürlich für die Mediziner sofort eine Studie angelegt und das verständnisvolle Bedauern ist spürbar, ebenso wie das Mitgefühl mit diesem teils geschundenem Berufsstand… Wie schön, dass es offenbar eine ausgleichende Gerechtigkeit gibt! Fazit: jetzt habe ich noch mehr Ängste und Besorgnisse zum Arzt/Ärztin zu gehen.
Entschuldigung, ich las gerade in Goethes Faust….

#13 |
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Gast
Gast

… und da glaubt man man wäre alleine!

Herzlichen Dank für den Beitrag

#12 |
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Ärztin
Ärztin

Leider muss ich Herrn Sautter recht geben, auch ich habe schon haarsträubende Fälle erlebt, die meinen Patienten während eines Krankenhausaufenthaltes passiert sind.
Einer davon würde “um ein Haar” heute mit einem unnötigen anus praeter
herumlaufen. Ob solchen Erlebens überlegt man sich schon, ob man “zum Arzt geht”.

#11 |
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Biochemiker

Mich den Kollegen anschließend, fiele mir als Argument noch der Placebo-Effekt ein, den das Gefühl der Kontrolle des eigenen Schicksals mit sich bringt, ist man doch als Insider nicht ganz so ohnmächtig einer fremden Welt ausgeliefert und kann den Wert einer Therapie und die Kompetenz des Kollegen etwas besser eruieren als der gemeine Patient. Nicht auszudenken, wie alt wir werden könnten, wenn nicht gerade auch dies – und die Widerlichkeiten des Klinikalltags – uns nicht permanent nach dem Leben trachten würden…

#10 |
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Dr. E. Girth
Dr. E. Girth

Es ist aus der Forschung der Salutogenese, die sich mit den Ursachen des Gesundbleibens befasst, bekannt, dass ein besonders wichtiger Faktor fuer ein langes Leben ist, Engagement zu haben, etwas zu tun, was einem am Herzen liegt. Auch wenn viele Ärztinnen und Ärzte dies bei Ihren Patienten viel zu wenig beachten, ist dies vielleicht du ihr eigenes langes Leben von Bedeutung. Glücklicherweise sind wir mehrheitlich doch nicht nur Gesundheitstechniker und Karrieristen und werden trotz des Irrsinns in einer zunehmend ökonomisierten Medizin belohnt dafür, nicht aufzugeben, uns fuer unsere Patienten zu engagieren.

#9 |
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Ja -alles richtig-man weiß halt ein wenig “Bescheid” aber eben nicht perfekt und teilweise fast nix. Ver- und Abläufe kennt man oft. Und—mein lieber Scholli- was man als Kollege zwischen hervorragender ärztlicher und medizinischer Qualität und horrendem , nachlässigem und grob fehlerhaftem Unsinn erlebt–ist auch höchst erstaunlich. Ich lasse es dabei.
Aber “vertrauensvoll” irgendwohin zu watscheln, halte ich auch für riskant.

#8 |
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P. Klein, Arzt
P. Klein, Arzt

→→→→….herr kratofiel…. leiben sie bei ihren zaehnen….solch ein dummer kommentar zeugt von unkenntnis, ignoranz und selbstueberschaetzung…eben wesentl. kriterien unseres berufsstandes…behandeln sie krokodile.. werden no h aelter…IQ?..und vielleicht halten sie dann bald die klappe…

…ansonsten alles lang bekannt…viele, zuviele wochenstunden ueber jahrzehnte.. ueberforderung ist u bleibt ein unwort nach dem motto…”wir doch nicht”…leistungstraeger am rande des wahnsinns

#7 |
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Durch das viele Wissen in Bezug auf Krankheiten und mögliche Folgen kann bewirken, immer auch nur das “Schlimmste” einer Diagnose zu befürchten. Daraus entsteht natürlich dann auch die Angst und resultiernd daraus die Verdrängung

#6 |
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Ärztin
Ärztin

Vielleicht spielt die Angst mit, der Kollege könnte einem genau das sagen, was man selbst zwar weiß, aber zu verdrängen sucht.

#5 |
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Durch einen schweren Verkehrsunfall bin ich im Rollstuhl gelandet. Da gibt es viel zu erleben. Da werde ich zum Beispiel gefragt, warum ich die Fachsprache verstehe. Der Neurologe meint, meine Nerven Leitungs Geschwindigkeit sei vermindert und daraus resultieren meine Kraftlosigkeitund meine Schmerzen. Diese Reihe habe ich munter fort gesetzt in meinem Buch “Mensch ohne Schatten” Wehe dem, der als Arzt ins Krankenhaus kommt.

#4 |
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Vielleicht spielt hier der IQ auch eine Rolle.

#3 |
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Studentin der Pharmazie

Arzt ist auch nur Mensch…cèst la vie!

#2 |
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Arzt
Arzt

“zum Trotz” ist nicht ganz korrekt, da diese Minderheit eben KLEINER ist als bei anderen.
Man feiert als Arzt seltener krank, arbeitet länger,
was offensichtlich der Gesundheit doch eher förderlich ist.
Kann ja auch bereits eine primäre Selektion sein bei der Berufswahl.
Gesünder als Frühpension und Faulenzen z.B. bei Lehrern :-)
Na klar ist man besonders kritisch bei Kollegen, wenn es mal um mich selbst geht,
eine Überraschung?

#1 |
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