Heilpraktiker: Beruf sucht Berufsordnung

15. Juli 2015

Für den Beruf des Heilpraktikers existieren weder einheitliche Ausbildungsstandards noch eine verbindliche Berufsordnung. Kein Wunder also, dass viele Ärzte den Heilpraktikern kritisch gegenüberstehen – dem Willen vieler Patienten entspricht das erstaunlicherweise nicht.

Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland mehr als 40.000 Heilpraktiker, ihre Zahl hat sich von 2000 bis 2011 fast verdreifacht. Verbindliche Regeln für diese Berufsgruppe gibt es jedoch nur wenige, und auch bei vielen Gesetzesvorhaben werden Heilpraktiker gerne ausgeklammert – wie jüngst beim Referentenentwurf für ein Gesetz gegen Korruption im Gesundheitswesen. Während Ärzte sich also künftig den Kopf darüber zerbrechen dürfen, ab wann ein kleines Geschenk als Bestechung gilt und was genau unzulässige Vorteilsnahme ist, gelten Heilpraktiker scheinbar nicht als vollwertige Mitglieder des Gesundheitswesens. Und das, obwohl sie in vielen Bereichen dieselben Leistungen erbringen wie Ärzte. Anamnese, Blutentnahme, Diagnosestellung, Therapie: Das Tätigkeiten-Spektrum ist breit gefächert.

Mehr Zeit für Patienten

Was also unterscheidet den Besuch beim Heilpraktiker vom Arztbesuch? Ein wichtiger Punkt ist, dass der Patient für den Besuch beim Heilpraktiker häufig in die eigene Tasche greifen muss, denn die gesetzlichen Krankenkassen dürfen die Kosten für eine Behandlung beim Heilpraktiker nicht übernehmen. Es gibt allerdings entsprechende GKV-Zusatzversicherungen und PKV-Angebote, die eine Kostenübernahme mancher Heilpraktikerleistungen ermöglichen. Tatsächlich scheinen die Kosten für viele Bundesbürger ein entscheidendes Kriterium zu sein: Einer 2013 im Auftrag der Ergo Direkt Versicherung veröffentlichten Umfrage zufolge würden 69 % der Befragten die Behandlung durch einen Heilpraktiker zumindest in Erwägung ziehen, 10 % würden den Heilpraktiker sogar bei vielen Erkrankungen auf jeden Fall aufsuchen – wenn die Krankenkasse die Kosten übernähme.

Weshalb die Patienten trotz diskussionswürdiger Diagnose- und Therapieansätze sowie finanzieller Hürden zunehmend einen Heilpraktiker aufsuchen, das liegt für Beate Sanladerer, Heilpraktikerin mit eigener Praxis, auf der Hand: „Der wesentliche Unterschied zum Arztbesuch liegt sicherlich schon im Faktor Zeit“, erklärt sie. Ein Behandlungstermin beim Heilpraktiker nehme in der Regel mindestens 30 und bis zu 90 Minuten in Anspruch, zum Beispiel für eine Erstanamnese. Nur ein Dutzend Patienten am Tag, das wären für Ärzte geradezu paradiesische Zustände. Tatsächlich behandeln Ärzte einer Hochrechnung der Barmer-GEK zufolge im Mittel 45 Patienten pro Tag – das macht gerade einmal 8 Minuten Zeit pro Patient. Kein Wunder also, dass sich 75 % der deutschen Hausärzte mehr Zeit für die Patientenberatung wünschen.

Angesichts von ärztlicher Zeitnot und Patientenwille scheint es eigentlich keine schlechte Idee zu sein, einige ärztliche Leistungen an entsprechend ausgebildetes Fachpersonal zu übertragen oder gar ganz abzugeben. Delegation und Substitution heißen hier die Zauberwörter – welche Leistungen der Arzt an wen delegieren darf, ist in der Vereinbarung über die Delegation ärztlicher Leistungen geregelt. Von Heilpraktikern ist aber auch dort keine Rede, denn die Berufsordnungen der einzelnen Landesärztekammern untersagen zurecht eine enge Zusammenarbeit mit Heilpraktikern. Zur Begründung heißt es beispielsweise bei der Ärztekammer Nordrhein, dass die Berufsordnung für Heilpraktiker rechtlich unverbindlich sei und grundlegende Rahmenbedingungen wie die Schweigepflicht nicht für sie gelten würden.

Eine Frage der (Aus-)Bildung

Das mangelnde Vertrauen der Ärzteschaft in die Heilpraktikerzunft geht einer 2013 veröffentlichten Umfrage der Universität Regensburg zufolge insbesondere auf mangelndes Vertrauen in die Heilpraktiker-Ausbildung zurück. Die befragten Ärzte äußerten zudem die Sorge, dass die Heilpraktiker aufgrund fehlender Qualifikation gegebenenfalls die Grenzen ihrer Behandlungsfähigkeit nicht erkennen könnten. Weiterhin waren die Befragten der Meinung, dass das Arzt-Patienten-Verhältnis durch Heilpraktiker gestört werden könnte, wenn diese schulmedizinische Diagnosen und Therapien gänzlich infrage stellten. Dies könne beispielsweise dazu führen, dass der Patient die ärztliche Therapie abbreche.

Helfen könnte hier ein neues Heilpraktikergesetz – seit es im Jahr 1939 in Kraft getreten ist, hat sich an dem archaisch anmutenden Gesetz nämlich wenig getan. Eine Regelung von Rechten und Pflichten sucht man hier vergeblich, es findet sich nur der Hinweis, dass man die Erteilung einer Erlaubnis benötigt, um als Heilpraktiker tätig zu sein. Zur Erlangung der Erlaubnis genügt es, beim zuständigen Gesundheitsamt eine schriftliche und mündliche Prüfung abzulegen. In diesen Prüfungen wird jedoch lediglich schulmedizinisches Wissen abgefragt, um sicherzustellen, dass der zukünftige Heilpraktiker keine „Gefahr für die Volksgesundheit“ darstellt, wie es in der ersten Durchführungsverordnung des Heilpraktikergesetzes heißt. Für die spätere Arbeit relevante Kenntnisse über komplementäre und alternative Heilverfahren sind dagegen nicht prüfungsrelevant. Auch bleibt es dem Prüfling selbst überlassen, wie er sich das für die Prüfung und das spätere Berufsleben nötige Wissen aneignet. Eine beliebte Möglichkeit sind Heilpraktikerschulen, doch deren Unterrichtsinhalte sind keineswegs einheitlich oder gar verbindlich. Zudem überprüft niemand, ob der angehende Heilpraktiker auch tatsächlich die erforderlichen praktischen Fähigkeiten besitzt, um beispielsweise invasive Verfahren wie Blutentnahmen, Injektionen und Infusionen korrekt anzuwenden.

Fachprüfung dank Volkswille

Die Schweiz geht hier einen anderen Weg: Seit einer Volksabstimmung im Jahr 2009 sind Bund und Kantone dazu verpflichtet, die Komplementärmedizin in das Gesundheitssystem zu integrieren. Die Umsetzung läuft noch, doch seit dem 28. April 2015 gibt es den in allen Kantonen anerkannten und geschützten Titel „Naturheilpraktiker mit eidgenössischem Diplom“ in vier verschiedenen Fachrichtungen: Ayurveda-Medizin, Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Traditionelle Europäische Naturheilkunde (TEN). Auch in Deutschland könnten eine verbindliche Berufsordnung und definierte Qualitätsstandards dazu beitragen, dass Vertrauen vieler Ärzte in eine mögliche Zusammenarbeit zu verbessern.

33 Wertungen (2.58 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

17 Kommentare:

Heilpraktikerin

Noch eine Heilpraktikerhetzerin????? Wie oft den noch????

#17 |
  0
Svenja Langer-Jensen
Svenja Langer-Jensen

#: “Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland mehr als 40.000 Heilpraktiker, ihre Zahl hat sich von 2000 bis 2011 fast verdreifacht.”

Viele HP erstreben mit ihrer Zulassung nur eine weitere Qualifikationsstufe in ihrem ausgeübten Heilhilfsberuf.

So liegt der geschätzte Anteil der Physiotherapeuten bei den neu zugelassenen HP inzwischen bei >25%. Bei den Heilpraktikern für Psychotherapie ist der Anteil der Diplompsychologen mit >33% sogar noch höher.

Von den restlichen zugelassenen HP übt nur eine geringe Zahl , vermutlich

#16 |
  0
Markus van Drahl
Markus van Drahl

Was haben Moses und Ärzte gemeinsam? Ihr erstes Gebot: Du sollst keine Götter neben mir haben.

#15 |
  1
Petra Ostermeier
Petra Ostermeier

Nun, sicherlich wissen die Ärzte auch, welche Fragen in der HP-Prüfung gefragt werden und wie hoch die Durchfallquote ist! Wer also die HP-Prüfung geschafft hat, ist keineswegs unwissend.
Wie auch Ärzte, müssen sich auch HP’s fortbilden. Ich glaube nicht, dass auch nur ein einziger HP invasiv arbeitet, ohne sich nicht vorher erfolgreich schulen zu lassen. Zudem ist der Faktor “Zeit” durchaus ein Argument. Viele Patienten sind mittlerweile durchaus bereit, die Kosten beim HP zu übernehmen, da die angebotenen Leistungen beim Arzt auch immer weniger werden und Zusatzleistungen ebenfalls aus eigener Tasche bezahlt werden müssen.
Ich persönlich (selbst seit 8 Jahren Heilpraktikerin in eigener Praxis), würde mir wünschen, dass Schul- und Alternativmedizin Hand in Hand gehen, statt sich zu bekämpfen. – Zum Wohle der Patienten – Denn ich habe damals meine Praxis eröffnet, um Menschen helfen zu können und ich hoffe, dies ist ebenfalls der Grund der praktizierenden Ärzte.
Insgesamt sollte der Respekt gegenseitig hoch gehalten werden: “Wer heilt hat recht”!

#14 |
  1
Gast
Gast

Nun, neben der Schweigepflicht gibt es einige Punkte, die offensichtlich nicht bekannt sind. So sitzen in der Prüfungskommission auch Ärzte, es werden Fallbeispiele behandelt und es gibt Fragen, bei denen auch Ärzte ins Grübeln kommen würden. Bitte besser und gerechter Informieren.

#13 |
  0
Heilpraktiker

zu #6 “… einen Nazi Beruf …”

Die Vorstellung, der Heilpraktiker sei 1939 von den Nationalsozialisten quasi als irgendeine Art “Arztersatz” erfunden worden, ist grundlegend falsch und wäre auch in keiner Weise nachvollziehbar. Statt dessen waren bis 1939 Heilertätigkeiten allen erlaubt. Dem Gedanken entsprechend, jede Berufsausübung denen vozubehalten, die dem Regime passten, wurde 1939 dann u.a. nicht nur der Gewerbeschein als Erlaubnis ausgestaltet, sondern es wurden auch die „Heilertätigkeiten“ nur noch einen bestimmten Personenkreis erlaubt. Und so hat das HPG nicht bestimmten Menschen (Heilpraktikern) ihre Tätigkeit erlaubt, das war sie nämlich, sondern anderen (unliebsamen Personen) die Tätigkeit verboten.

Das Heilpraktikergesetz sollte ursprünglich übrigens auch nur noch für eine Übergangszeit (bis 1949) Heilpraktiker überhaupt zulassen. Der entsprechende Beendigungs-Paragraph ist dann nach Kriegsende aber durch Beschluss der Alliierten aufgehoben worden.

Und im Übrigen kenne ich Leute, die vermuten, es sei dem Unbehagen und den Vorbehalten der verbeamteten Ärzte in den Gesundheitsämtern gegenüber Heilpraktikern zu verdanken, dass heutzutage bei der Zitierung des Heilpraktikergesetzes das Jahr 1939, ansonsten in der juristischen Zitierung völlig unüblich, meist dazu genannt wird. So spricht bezeichnender Weise niemand vom Bürgerlichen Gesetzbuch 1900, dem Strafgesetzbuch 1871 oder dem Straßenverkehrsgesetz 1909. Aber wohl in jeder Heilpraktikererlaubnis steht Heilpraktikergesetz 1939. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

#12 |
  0
Heilpraktiker

Eine Berufs- und vor allem eine Ausbildungsordnung für Heilpraktiker? Aber sicher wäre das wünschenswert. Nicht weil, wie bei Ärzten auch, ernsthaft Gefahr droht, bei der Verordnung von otc-Präparaten bestochen zu werden und auch nicht, weil die Schweigepflicht ein drängendes Problem wäre.

Nein, sondern weil Arzt und Heilpraktier sehr viel näher beieinander stehen, als das die Ärzte wahrhaben wollen: So auch das Bundesverfassungsgericht

BVerfG, 1 BvR 784/03 vom 2.3.2004:
Arzt und Heilpraktiker stehen einander im Behandlungsansatz … nahe. Wer einen Heilpraktiker aufsucht, wird den Arzt … für entbehrlich halten, weil ein Teil der ärztlichen Funktion vom Heilpraktiker übernommen werden darf. Deshalb wird bei den Heilpraktikern das Vorliegen … medizinischer Kenntnisse geprüft und für die Erteilung der Erlaubnis vorausgesetzt. Die Heilpraktikererlaubnis bestärkt den Patienten … in der Erwartung, sich in die Hände eines nach heilkundlichen Maßstäben Geprüften zu begeben.

Das Problem des Artikels:

Was gesagt werden sollte, spiegelt sich wohl am ehesten in der Formluierung “diskussionswürdige Diagnose- und Therapieansätze”. Danke, an der Stelle, dass Sie nicht den Begriff “fragwürdig”, “gefährlich”, “obskur” oder “abwegig” gewählt haben, wie das an dieser Stelle sonst so gerne geschieht.

Allerdings würden Sie sich wundern, wenn Sie tatsächlich mal einen HP aufsuchen würden. In den Grundlagen von Diagnose- und Therapieansätzen unterscheiden sich nämlich Heilpraktiker/innen nicht von Ärzten. Und die Ihnen vermutlich vorschwebenden “diskussionswürdigen Diagnose- und Therapieansätze”, die es zweifelsfrei gibt, können Sie genauso gut in Artzpraxen finden.

Zu #9 und #10:
Das, was man allgemein unter der Schweigepflicht versteht, nämlich die Strafbewehrung der Verletzung von Privatgeheimnissen in § 203 StGB gilt wirklich neben den Ärzten usw. nur für einen “anderen Heilberuf, der für die Berufsausübung oder die Führung der Berufsbezeichnung eine staatlich geregelte Ausbildung erfordert”. Und dazu zählt der HP erkennbar nicht. Also ist die Verletzung des Privatgeheimnisses für den HP nach herrschender Meinung nicht nach § 203 StGB unter Strafe gestellt. Vermutlich ein Versehen des Gesetzgebers. Die Bestimmungen der nicht hinreichend verbindlichen HP-Ordnung/en ersetzen die Strafbewehrung nicht.

#11 |
  0
Heilpraktiker

Frau Aho-Ritter scheint nicht ausreichend informiert zu sein und geht von falschen Voraussetzungen aus.
Bei den Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern geht es nicht allein um die Zeit, die sie für den Patienten aufwenden. Hervorzuheben ist die persönliche Hinwendung zum Patienten in seiner Gesamtheit mit all seinen Problemen.

Es geht nicht, um es vorweg zu sagen, darum, das Vertrauen der Ärzte für eine mögliche Zusammenarbeit zu verbessern. Es geht erst einmal um das Vertrauen der Patienten durch Leistung und Erfolg.

Im übrigen gibt es vielfach Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Heilpraktikern unabhängig von irgendwelchen Regeln. Dort, wo sich der Arzt auch etwas Mühe macht, unvoreingenommen zu sein.

Selbstverständlich gibt es eine Schweigepflicht auch für Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker.
Auch für Heilpraktiker gilt u.a. das Patientenrechtegesetz.

Wenn die Autorin vergeblich Rechte und Pflichten sucht, muß gefragt werden ob sie dies überhaupt versucht hat.

Berufsbild – Berufsordnung, der sich die Mitglieder in den Verbänden unterwerfen – Ethikrichtlinien – Patientenrechtegesetz.

Sorgfaltspflichturteil des BGH, welches den Heilpraktikern schon auferlegt, sich in den von ihm ausgeübten Diagnose- und Therapieverfahren so aus- und weiterzubilden wie dies von einem Arzt erwartet würde.
Und die Weiterbildungsmaßnahmen der Heilpraktiker gehen weit darüber hinaus.

Dem Heilpraktiker wird nach seiner Überprüfung bestätigt, daß er kein Risiko für den Patienten darstellt. Welcher andere Beruf kann dies so aufweisen.

Im übrigen mag sich die Autorin einmal der Überprüfung vor dem Gesundheitsamt unterziehen. Nicht umsonst sind im Sinne der Qualitätsanforderung die Durchfallquoten sehr hoch.

Und nicht ohne Grund sind die Prämien für die Berufshaftpflichtversicherung der Heilpraktiker im untersten Bereich angesiedelt. Weil eben keine nennenswerten Risiken vom Heilpraktiker ausgehen.

Die Zufriedenheit der Patienten und die hohe Erfolgsquote der Heilpraktiker in ihrer täglichen Arbeit sprechen eine eindeutige Sprache. Eine Änderung des Heilpraktikergesetzes ist nicht erforderlich und würde sich nur zum Nachteil für die Patienten auswirken.
Der freie Beruf Heilpraktiker mit dem bestehendem Heilpraktikergesetz ist die beste Grundlage auch weiterhin für das erfolgreiche Wirken.

Bernd Schmidt
Vorsitzender HBB – Heilpraktiker Berufs-Bund
http://www.heilpraktiker-berufs-bund.de

#10 |
  1
Barbara Prem
Barbara Prem

Heilpraktiker haben sehr wohl Schweigeepflicht !

#9 |
  3

Interessant! Wieso kann man nur schätzen wie viele HP´s es gibt? Es gibt doch eine Prüfung und nach Bestehen dieser eine Zulassung. Gibt auch eine Menge Gesetze und Verordnungen an die sich jeder HP halten muss. Ansonsten stimme ich hier weitestgehend zu.

#8 |
  0
Margit Pesch
Margit Pesch

Eine Änderung der Heilpraktikerausbildung sowie darüber hinausgehend eine verbindliche Berufsordnung und eine eigene Heilpraktiker-Kammer, (analog Ärzten und Psychologen) würde ich sehr begrüßen. Ebenso die gesetzlich verankerte Schweigepflicht für Heilpraktiker, die bisher nur verbandsintern bei den einzelnen Berufsverbänden ausdrücklich geregelt ist.
Im Gegensatz zu der Auffassung vieler Kollegen, ist eine Schweigepflicht für Heilpraktiker gesetzlich nicht geregelt. In § 203 StGB (Strafgesetzbuch) ist eine abschließende Aufzählung der einzelnen Berufsgruppen aufgelistet, die einer Schweigepflicht unterliegen. Hier fehlt die Berufsgruppe der Heilpraktiker, lediglich sind assistierende Heilberufe, Gesundheits – und Krankenpfleger ausdrücklich genannt. Der Heilpraktiker als solcher, gehört aber nicht zu diesem Personenkreis, da er nicht weisungsgebunden, sondern eigenständig arbeiten kann und in seiner Therapiefreiheit nicht eingeschränkt ist – bis auf die gesetzlichen Ausnahmen.
Es wäre ebenso wünschenswert, nach gesetzlicher Zulassung als Heilpraktiker, für bestimmte Therapiemethoden (u.a. Homöopathie, TCM, Ayurveda, Osteopathie ) eine verbindliche dreijährige Weiterbildung zu etablieren, bevor der Heilpraktiker diese Therapierichtung eigenständig ausüben dürfte – analog der Facharzt Ausbildung. Ich denke, dies würde der Therapiefreiheit nicht entgegenstehen, sondern mehr Sicherheit für Patienten und der kritischen Ärzteschaft verleihen. Ich selbst bin Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Klassische Homöopathie und führe seit über 20 Jahren erfolgreich eine homöopathische Praxis.
Meiner Meinung nach, sollte eine verbindliche Ausbildungsrichtlinie für Heilpraktiker von Gesetzgeber in Angriff genommen werden. Bisher kann jeder, der sich zum Heilpraktiker berufen fühlt, auch ohne Ausbildungsnachweis sich beim Gesundheitsamt zur Überprüfung anmelden. Das ist doch etwas zu wenig, oder? Aus diesem Blickwickel heraus, verstehe ich auch die überaus kritische und ablehnende Haltung der Ärzteschaft gegenüber uns Heilpraktiker.

#7 |
  1
Heilpraktiker Stefan Graf
Heilpraktiker Stefan Graf

Ich bin auch dafür dass man HPs mit ins Gesundheitssystem mit aufnimmt.
Bei den Pysios hat man es schließlich auch geschafft einen Nazi Beruf ins Gesundheitssystem einzugliedern, warum man das bei den HPs nicht schafft, versteh ich nicht.
Ich habe auch die Erfahrung gemacht dass die Verbände sich dagegen wehren. Angeblich kann man dann nicht mehr frei arbeiten. Völliger Schwachsinn sag ich nur. Wenn man es schaffen könnte das Heilpraktiker in geprüften Fachgebieten, mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen könnten, würde es eine sinnvolle Ergänzung fürs Allgemeinwohl geben.

#6 |
  1
Heilpraktikerin

Vielen Dank für Ihren Beitrag.
Genau das ist das Problem für viele HeilpraktikerInnen die sich dem medizinischen Standard anpassen wollen. Ich beispielsweise habe für jeden Patienten offen nachzulesen meine Zusatzqualifikationen auszulegen. Ich bin auch wie viele Ärzte sogar der Meinung, dass ein sog. Spritzenschein zu machen ist. Meinen habe ich mit einigen Kollegen über 2 Wochen gemacht mit schriftlicher und praktischer Prüfung mit ärztlicher Überprüfung. Das bedeutet, ein Arzt wollte während der praktischen Prüfung bei mir die immer verlangte subkutan Injektion und die korrekte Bilderbuch Blutabnahme sehen. Bei meiner mitgeprüften Kollegin wieder subkutan und intramuskulär. Fehler hierbei hätten die Prüfung nicht bestehen lassen.
Auch arbeite ich mit den Hausärzten bzw behandelnden Ärzten meiner Patienten gut zusammen. Das heißt auch, meine Patienten sind ihren Ärzten gegenüber nicht eingeschüchtert zuzugeben, dass sie eine Heilpraktikerin besuchen. Unsicherheiten meinerseits, also wenn es außerhalb meines Fachbereiches ist gebe ich an Ärzte ab.
Die Anforderungen des Gesundheitsamtes sind auch erheblich angezogen worden und setzt ein kontinuierliches sowie straffes Lernprogramm voraus. Meine damaligen Bemühungen um einen Praktikumsplatz wurden oft mit Füßen getreten. Doch dank mancher Ärzte die “uns” wohlgesonnen sind waren Hospitationen möglich.
Ich möchte eigentlich mit all dem mitteilen, dass auch den Heilpraktikern sehr daran gelegen ist den Anforderungen gerecht zu werden und den Berufsstand nach außen aufzuwerten. Denn letztendlich liegt uns das Wohlergehen und die bestmögliche Therapie für den Patienten am Herzen. Wenn man die Heilkunde mit der Schulmedizin so zusammen bringen kann, dass dem Patienten geholfen wird, wäre es die perfekte Versorgung.

#5 |
  0
Heilpraktiker

Ich bin seit über 30 Jahren als Heilpraktiker in einer Vollzeitpraxis tätig und habe in der Zeit, als ich noch im Verband als Beirat tätig war, vergeblich versucht, die Vorstände dafür zu begeistern, die Heilpraktikerausbildung zu verändern. Mir schweben schon immer ein bundeseinheitliche Standards für Ausbildung und Abschlußprüfung vor, mit dem Ziel, Heilpraktiker und Ärzte in Ergänzung zu sehen. Dann wäre es auch möglich, daß Ärzte und Heilpraktiker sich in der Patientenversorgung ergänzen, jede Gruppe mit den ihr eigenen Schwerpunkten. Eine Bachelorähnliche Prüfung, die auch Elemente der klinischen Medizin enthalten sollte, zum besseren gegenseitigen Verständnis, würde dem nahe kommen, ohne die ursprünglichen Ideale aufzugeben. Es ist jedoch bei der Komplexität vonheute nicht mehr nachzuvollziehen, daß eine abgeschlossene Volksschule und ein Führungszeugnis einschließlich einer Überprüfung dessen, was ich nachher nicht tun darf, ausreichen.
Aber hier muß auch der Wille in der Politik vorhanden sein. Was ich nicht will, ist eine gegenseitige Ausgrenzung beider Berufsgruppen, den sie haben alle ihren Platz im Gesundheitswesen, gerade weil sie sich ergänzen und nicht ausschließen.

#4 |
  1
Markowsky HP
Markowsky HP

Leider muss ich kritisieren das die Recherchen zu dem Artikel recht oberflächlich waren.
Ich bin seit 30 Jahren Heilpraktiker und bilde als Dozent auch HPA aus, sowie führe ich Trainings für die Prüfung durch. Um eine solche Prüfung schriftlich, mündlich und praktisch vor dem Gesundheitsamt zu bestehen, müssen schon sehr fundierte Kenntnisse vorhanden sein.
Und was auch sehr wichtig ist, wenn der Heilpraktiker keinen Erfolg bei seinem Patienten hat, die oft sehr chron. Beschwerden bzw. schulmedizinisch austherapierte Erkrankungen hat, kommt keiner mehr!
Nur erfolgreiche Heilpraktiker bestehen auf dem heiß umkämpften “Gesundheitsmarkt” .
Und ……. Wer würde sich eigentlich um die chron. Kranken und austherapierten Menschen sonst kümmern?

#3 |
  0
Josef Hubert Brandenberg
Josef Hubert Brandenberg

Was will ein Arzt an HP´s delegieren? HP´s sind selbständig arbeitende Heilkundler, die nicht auf Zuweisung von Patienten angewiesen sind, so wie dies z.B. bei Physiotherapeuten ist.
Das für den HP keine Schweigepflicht gilt, ist absoluter Unsinn. Ab diesem Punkt habe ich dann aufgehört zu lesen. Sehr schlecht recherchiert!

#2 |
  0
HPA
HPA

Leider ist der Artikel in einigen Teilen nicht gut recherchiert, denn der Heilpraktiker ist sehr deutlich an Rechte und Pflichten gebunden. Auch die Überprüfung von Kenntnissen bzgl. Injektionen und Infusionen sind sehr wohl Teil der amtsärztlichen Überprüfung. Hier eine Zusammenfassung aus einem jüngst gesprochenen Urteil des Verwaltungsgerichtes NRW, welches die zwingenden Inhalte der Heilpraktikerprüfung auflistet:
– Berufs- und Gesetzeskunde, insbesondere rechtliche Grenzen sowie Grenzen und Gefahren diagnostischer und therapeutischer Methoden bei der nichtärztlichen Ausübung der Heilkunde,
– grundlegende Kenntnisse der Anatomie und Physiologie einschließlich der pathologischen Anatomie und
– Grundkenntnisse in der allgemeinen Krankheitslehre, Erkennung und Unterscheidung von häufigen Krankheiten, insbesondere der Stoffwechselkrankheiten, der Herz-Kreislauf-Krankheiten, der degenerativen und übertragbaren Krankheiten, der bösartigen Neubildungen sowie seelischer Erkrankungen,
– Erkennung und Erstversorgung akuter Notfälle und lebensbedrohender Zustände
– Praxishygiene, Desinfektion und Sterilisationsmaßnahmen, Pflichten nach der Medizinproduktebetreiberverordnung,
– Technik der Anamneseerhebung, Methoden der unmittelbaren Krankenuntersuchung (Inspektion, Palpation, Perkussion, Auskultation, Reflexprüfung, Puls- und Blutdruckmessung),
– Bewertung grundlegender Laborwerte,
– Injektions- und Punktionstechniken.

Unterstützenswert finde ich eine einheitliche Regelung der Ausbildung zur Ausübung der Heilkunde, denn was sich da an “Heilpraktikerschulen” so auf dem Markt tummelt, ist mitunter grausig….

#1 |
  0


Copyright © 2018 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: