Testosteron: Androgen fördert „Wir-Gefühl“

22. Mai 2015
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Dass eine hohe Konzentration von Testosteron im Blut den Menschen aggressiv macht, ist bekannt. Neu ist, dass das Sexualhormon auch soziales Verhalten unterstützt. Testosteron fördert bei Männern den Verzicht auf persönliche Vorteile zum Wohle einer übergeordneten Gruppe.

Testosteron ist bekannt für seinen Einfluss auf das Verhalten in Situationen von Konkurrenz bzw. Wettbewerb und Bedrohung, und man verbindet mit dem Hormon eher negative Eigenschaften wie erhöhte Aggressionsbereitschaft, Dominanz oder unsoziales Verhalten. Obwohl es auch Studien gibt, die einen prosozialen Effekt von Testosteron nachweisen konnten, wurden bisher Faktoren wie „Gruppenzugehörigkeit“ nicht in Testosteron-Verhaltensstudien einbezogen. Daher hat Luise Reimers, Doktorandin im Forschungsteam von Jun.-Prof. Dr. Esther Diekhof (Arbeitsgruppe Neuroendokrinologie in der Abteilung Humanbiologie am Biozentrum Grindel der Universität Hamburg) erforscht, inwiefern Testosteron das Verhalten während einer Konkurrenzsituation zwischen Gruppen beeinflusst.

Bei der Studie wurden 50 männliche Fußballfans getestet, die am Computer ein sogenanntes Gefangenendilemma spielen mussten. Das Gefangenendilemma wird in der Verhaltensforschung angewendet, um Altruismus in Form von kooperativem Verhalten bzw. Egoismus zu erforschen. Bei dem Spiel wird untersucht, inwieweit die Spieler nur ihren eigenen Nutzen maximieren oder auch die Interessen anderer in ihre Entscheidungen mit einbeziehen und mit ihnen kooperieren. Die körpereigene Testosteronkonzentration wurde anhand von Speichelproben gemessen, die am Morgen des Testtages abgegeben wurden.

Persönlicher Gewinn oder Gruppenerfolg?

Die Fußballfans spielten das Gefangenendilemma auf zweierlei Weise: Zum einen sollten sie für sich selbst Punkte sammeln. Zum anderen gab es einen Wettbewerb, bei dem sie in der Gruppe gegen Fans der anderen Vereine spielen sollten und am Ende der Verein gewann, der als Gruppe die meisten Punkte hatte – die Teilnehmer mussten also zwischen persönlichem Gewinn und dem Erfolg ihrer Gruppe abwägen.

Die Daten zeigten, dass Testosteron bei Männern z.B. den Verzicht auf persönliche Vorteile zum Wohle der eigenen Gruppe oder eine erhöhte Kooperationsbereitschaft gegenüber eigenen Gruppenmitgliedern fördert. Dies galt vor allem in Situationen, bei denen sie sich für die eigene Gruppe einsetzen und gegen andere behaupten mussten.

Originalpublikation:

Testosterone is associated with cooperation during intergroup competition by enhancing parochial altruism
Luise Reimers et al.; Frontiers in Neuroscience, doi: 10.3389/fnins.2015.00183; 2015

18 Wertungen (4.44 ø)

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5 Kommentare:

Dr. Riva Gallieri
Dr. Riva Gallieri

Zustimmung #1!!! Tatsächlich gibt es von Natur aus nicht zu viel, sondern eher zu wenig davon:
http://tinyurl.com/nzjkvhe

Dass auch zuviel schädlich ist, ist daher eher “Therapierfolg”, sprich Doping.
Da gibt es dann sogar psychische Störungen und einen plötzlichen Herztod, bei einem Olympiasieger mitten im Leben.
Der Begriff “Andropause” ist sicher falsch und die (modemäßige) Gabe im Alter bedenklich, wenn nicht eine klare Unterfunktion vorliegt.

#5 |
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Gast-Frau
Gast-Frau

schön, dass es noch Testosteron gibt

#4 |
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Heilpraktiker

Testosteron macht eben sehr viel eher aktiv als agressiv

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Dr. Wolfram Dorrmann
Dr. Wolfram Dorrmann

Außerdem: Wenn das Testostern nicht als unabhängige Variable systematisch variiert wurde, sondern nur die körpereigene Testosteronkonzentration anhand von Speichelproben gemessen wurde, kann dieses Ergebnis leider nicht sehr ernstgenommen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass hier kovariierende Faktoren eine große Rolle spielen und nur Scheinkorrelationen gefunden wurden, dürfte sehr hoch sein.

#2 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

“Dass eine hohe Konzentration von Testosteron im Blut den Menschen aggressiv” war schon immer falsch und nur so ein dummer feministischer Spruch.
Ein bekannter US-Hormonforscher hat die Testosteron-Wirkung einmal so beschrieben:
auf einem hohen Berg stehen zwei Häuser, in einem wohnt der Pfarrer als Symbol der Friedfertigkeit, in dem anderen ein Anwalt als Symbol für Angriff (=Aggression).
Zwei Menschen mit einem Problem wollen nach oben um Rat zu holen.
Welchen Einfluss hat das Testosteron?
Der mit dem höheren Testosteronspiegel ist schneller oben,
das hat aber keinen Einfluss darauf ob er zum Pfarrer geht oder zum Anwalt.

#1 |
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