Services: Darf’s ein bisschen mehr sein?

26. Mai 2015
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In den nächsten Jahren wird das Spektrum apothekerlicher Leistungen ohne Zweifel weiter wachsen. Jetzt zeigt eine Studie, welchen Mehrwert entsprechende Services für Diabetes-Patienten haben. Eine Studie zu chronischer Herzmuskelschwäche lief weniger erfreulich an.

Wohin die Reise geht: Jörg Saatkamp, Leiter des Instituts für Management in der Gesundheitswirtschaft (IMAG) und Professor für Gesundheitsökonomik an der Hochschule Zittau/Görlitz, sieht Apotheker stärker in der Rolle, Leistungen aus dem Bereich Prävention anzubieten. Sowohl der erste Gesundheitsmarkt, sprich GKV– und PKV-Leistungen, als auch der zweite Gesundheitsmarkt, also privat zu zahlende Services, wachsen stetig. Momentan gilt der zweite Markt als große Chance: Studien zufolge sind rund 50 Prozent aller Kunden bereit, eigenes Geld in ihre Gesundheit zu investieren. Die Kehrseite: Saatkamp zufolge achten 43 Prozent nicht darauf, ob tatsächlich Apotheker hinter einem gewissen Thema stehen. Inhaber sehen sich stärker als bislang dem Wettbewerb mit anderen Dienstleistern ausgesetzt.

Außen vor statt mit dabei

Noch ein Blick auf den ersten Gesundheitsmarkt. Zwar plant die Bundesregierung mit ihrem umstrittenen Präventionsgesetz, mehr Geld in diesem Bereich auszugeben. Welche Summen tatsächlich in öffentlichen Apotheken landen, ist fraglich. Bei einer Anhörung im Bundestag Ende April hatten Gesundheitspolitiker die ABDA erst gar nicht eingeladen. Mit einer schriftlichen Stellungnahme war es getan. Zwei zentrale Themen des Papiers: Kollegen vor Ort könnten den Impfstatus honorarpflichtig überprüfen und über Bluttests Menschen mit einem hohen Diabetesrisiko identifizieren. In diesem Zusammenhang äußerte sich auch das Wissenschaftliche Institut für Prävention im Gesundheitswesen (WIPiG) via Brief an Politiker. Noch im Bundestagswahlkampf sei das Engagement von Apothekern bei der Prävention begrüßt worden, so WIPIG-Sprecherin Cynthia Milz. „Doch die Umsetzung, der erste Gesetzesentwurf, der Ende 2014 vom BMG präsentiert wurde, hat uns schwer enttäuscht.“ Apotheker seien überzeugt, ein erfolgreiches Präventionsgesetz könne nur gelingen, falls alle wesentlichen Akteure des Gesundheitswesens einbezogen würden – insbesondere diejenigen, die einen niedrigschwelligen Zugang zur Bevölkerung haben. Die Fakten sprechen für sich: Zuletzt haben Wissenschaftler Resultate des GLICEMIA-Programms zur Diabetesprävention präsentiert.

Beratung macht gesund

Am Projekt waren 42 Apotheken und 1.092 Personen mit Diabetesrisiko beteiligt. Von ihnen schlossen 977 nach einem Jahr die Studie ab. Primärer Endpunkt war die Änderung des Diabetesrisikos, über den FINDRISK-Fragebogen ermittelt. Vitalparameter rund um Blutzucker, Blutdruck, Body Mass Index, Sport und Lebensqualität kamen als sekundäre Endpunkte mit hinzu. Teilnehmer der Interventionsgruppe erhielten drei persönliche Beratungsgespräche und fünf Gruppenschulungen innerhalb eines Jahres, bei denen gemeinsam mit dem Apotheker individuelle Gesundheitsziele definiert und Wissen für eine langfristige Lebensstiländerung vermittelt wurden. Eine Kontrollgruppe ohne entsprechende Maßnahmen kam hinzu. Und siehe da – etwa 50 Prozent aller Menschen in der Interventionsgruppe berichteten von einer deutlichen Verbesserung ihres Gesundheitszustands (Vergleich: 25 Prozent). Das subjektive Erleben der Symptome war stark zurückgegangen. Zu den objektiven Parametern: Nach einem Jahr hatte sich das Diabetesrisiko der betreuten Teilnehmer hochsignifikant reduziert. Sie nahmen stärker ab und bewegten sich mehr. „Die Studie belegt, dass Präventionsmaßnahmen durch die Apotheke bei Volkskrankheiten wie Diabetes nicht nur theoretisch sinnvoll, sondern auch praktisch durchführbar sind“, sagt ABDA-Präsident Friedemann Schmidt.

Taktischer Schachzug

Dass Apotheker gerade Typ-2-Diabetes in den Fokus ihrer Prävention gestellt haben, gilt bei Experten als kluger Zug: Fachgesellschaften gehen davon aus, dass sich die Zahl an Patienten bis 2035 auf 592 Millionen weltweit erhöhen wird. Krankenkassen haben schon jetzt ihr Interesse bekundet. Ein Patient mit der Stoffwechselerkrankung verursacht je nach Komplikationen um bis zu vierfach höhere Kosten. Auch haben Forscher im Rahmen von Studien gezeigt, dass Präventionsprogramme unter gesundheitsökonomischen Aspekten Sinn machen. Weitere Tätigkeitsfelder sind neben Diabetes Beratungsprogramme zur Tabakentwöhnung oder das Präventionsprogramm „Herzensangelegenheiten 50+“. Alles eitel Sonnenschein? Keineswegs: PHARM-CHF, die multizentrische Studie zur Verbesserung der Einnahmetreue bei chronischer Herzinsuffizienz, nahm einen unerfreulichen Verlauf. Ursprünglich wollten Apotheker mehr als 2.000 Patienten aufnehmen – im Januar schraubten sie das Soll auf „250+“ herunter. Auch die Zahl an teilnehmenden Apotheken und Arztpraxen blieb weit hinter anfänglichen Erwartungen zurück. Dafür wurde die Laufzeit um zwei Jahre erhöht. Mit ersten Resultaten ist in 2017 zu rechnen. Bis dahin sollten sich öffentliche Apotheken ohnehin positioniert haben.

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1 Kommentar:

Selbstst. Apothekerin

Mit der Honorierung entsprechend dem Personal- und Zeitaufwand steht und fällt jedes Programm

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