Bakterielle Infektionen: Starthilfe für Tumorabwehr

15. Mai 2015
Teilen

Die T-Zelle ist im Mausmodell für die Tumorbekämpfung ein unerlässlicher Zelltyp. Kommt es zu einer bakteriellen Infektion, löst dies eine Immunreaktion aus, bei der TNF-Alpha freigesetzt wird: Tumorgewebe stirbt ab und tumorgerichtete T-Zellen werden aktiviert.

Eine Reihe Bakterien wurden in den letzten Jahren als Mittel gegen Krebsgeschwüre getestet. Ein Balanceakt, denn einige der vielversprechendsten Kandidaten sind selbst gefährliche Krankheitserreger. So haben beispielsweise Salmonellen zwar eine ausgeprägte Anti-Tumor-Aktivität, können aber auch zu Sepsis führen. „Bisher ist das perfekte Bakterium für die Behandlung von Krebs noch nicht gefunden“, sagt Dr. Christian Stern, Erstautor der Studie. „Obwohl schon länger klar ist, dass nicht die Bakterien allein für die Tumorabstoßung verantwortlich sind, wurden die immunologischen Hintergründe der bakteriellen Tumor-Bekämpfung bisher noch nicht detailliert untersucht.“

Welche Rolle spielt das Immunsystem?

Die Forscher interessierte in dieser Studie weniger, wie die Bakterien gegen den Tumor wirken, sondern wie das Immunsystem daran beteiligt ist. „Wir haben T-Zellen als entscheidenden und unerlässlichen Zelltyp für die Tumorbekämpfung in Mäusen identifiziert. Alle anderen in Frage kommenden Zellen des Immunsystems konnten wir weitgehend ausschließen.“ sagt Dr. Siegfried Weiß.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Bakterien selbst eine viel geringere Rolle spielen, als bisher angenommen. Sie leisten lediglich Starthilfe für die körpereigene Abwehr: Die Infektion löst eine Immunreaktion aus, bei der der Botenstoff TNF-alpha freigesetzt wird. Dadurch werden im Tumor Blutgefäße zerstört und er stirbt teilweise ab. Außerdem werden gegen den tumorgerichtete T-Zellen aktiviert, die bereits vor der Infektion vorhanden sind, sich aber in einem Ruhezustand befinden. Getrieben durch die Bakterien greifen diese gezielt den restlichen Tumor an und können ihn sogar komplett auflösen.

Immun gegen Tumorzellen

„Geheilte Mäuse entwickeln dadurch eine spezifische Immunität gegen die Tumorzellen. Kommt es also erneut zu der Entwicklung desselben Tumors wie zum Beispiel bei Metastasierung, sollten diese ebenfalls abgestoßen werden“, sagt Stern. Neben den zytotoxischen T-Zellen, deren Spezialgebiet das Abtöten von infizierten oder entarteten Zellen ist, waren auch die sogenannten T-Helferzellen allein in der Lage Tumore zu zerstören. Normalerweise haben diese Sorte T-Zellen nur eine Vermittlerrolle und greifen nicht aktiv derartige Zellen an.

„Wir konnten erstmals genauer zeigen, welchen Beitrag das Immunsystem in der Bakterien-vermittelten Tumortherapie leistet und dass sich ein wirkungsvolles immunologisches Gedächtnis ausbildet“, sagt Weiß. Das bessere Verständnis kann helfen, die Therapie zu verbessern und bringt die Forscher einen Schritt näher an ihr Ziel, diese eines Tages beim Menschen anwenden zu können.

Originalpublikation:

Induction of CD4+ and CD8+ anti-tumor effector T cell responses by bacteria mediated tumor therapy
Christian Stern et al.; International Journal of Cancer, doi: 10.1002/ijc.29567; 2015

17 Wertungen (4.82 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

1 Kommentar:

Gast
Gast

Könnte dann die massive Gabe von Antibiotika in den letzten 50-100 Jahren für das zunehmend massive Auftreten von Krebs verantwortlich sein?

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: