Blutspende: Richter sehen rosa

15. Mai 2015
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In vielen Ländern Europas werden Blutkonserven bei jedem außergewöhnlichen Ereignis zur Mangelware. Trotzdem untersagen Behörden Männern, die Sex mit Männern haben, jegliche Blutspenden. Auf europäischer Ebene formiert sich Widerstand.

Deutschland, Februar 2015. Durch die Winterferien und durch eine starke Grippewelle fehlten in Berlin und Brandenburg plötzlich Blutkonserven. Kliniken rufen alle Bürgerinnen und Bürger an die Nadel. Nicht jeder Freiwillige ist willkommen: Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), dürfen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz kein Blut spenden – unabhängig von ihrem tatsächlichen Risikoverhalten. In den letzten Jahren kritisierten Interessenverbände, aber auch Ärzte, die geltende Praxis.

„Offenkundige indirekte Diskriminierung“

Mitte 2014 landete die Thematik beim Europäischen Gerichtshof (EuGH). Generalanwalt Paolo Mengozzi schrieb in seinem Schlussantrag, sexuelle Beziehungen zwischen zwei Männern seien allein kein Verhalten, das einen dauerhaften Ausschluss vom Blutspenden rechtfertige. Es ging zwar um Fälle aus Frankreich. Die Aussage lässt sich auf andere Staaten jedoch direkt übertragen. Verbiete eine Regierung allen homo- oder bisexuellen Männer die Blutspende, sei dies eine „offenkundige indirekte Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in Verbindung mit der sexuellen Orientierung“, so Mengozzi weiter.

Erst testen, dann ausschließen

Ende April fällten Richter schließlich ihr Urteil (C-528/13) – eine Gratwanderung zwischen Political Correctness und medizinischer Risikoabwägung. Darin heißt es, Blutspende-Verbote für MSM könnten in „bestimmten Situationen“ gerechtfertigt sein. Verantwortliche hätten jedoch zu klären, ob es keine geeigneten Alternativen anstelle des Verbots gäbe. Richter verweisen in diesem Zusammenhang auf Fragebögen, um ein potenziell riskantes Sexualverhalten zu identifizieren. Medizinisch etablierte Testmethoden gelten ohnehin als unverzichtbar, schließlich muss nicht jede Angabe der Wahrheit entsprechen. Ob homosexuelle Männer wirklich die am stärksten von HIV-Neuinfektionen betroffene Bevölkerungsgruppe sind, wie von der französischen Regierung behauptet, ist Gegenstand weiterer Anhörungen.

7 Wertungen (2 ø)

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13 Kommentare:

Ärztin
Ärztin

Im arztfeindlichen Deutschland ist ja auch nicht der Spender haftbar der eine AIDS-infizierte BLutspende geleistet hat, auch nicht die Blutspendestelle,
sondern der Arzt, die Ärztin, die diese Konserve einem Kranken anlegt.

#13 |
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Elvira M.
Elvira M.

@Doris Dengel für die Übertragung von Blut auf einen Kranken benötigt man schon große Sicherheit, deshalb haben Blutspendedienste gerne “Stammkunden”, die sie gut kennen, keine “Gelegenheitsspender”, siehe auch#1 BSE-Kontakt, die ganz abgelehnt werden.
“Konserven” können nicht lange gelagert werden, es sei denn sie werden “zerlegt” und verarbeitet. Will man hier sicher einen AIDS-Virus ausschließen, müsste man auch 2015 6 Wochen warten und dann eine erneute frische Blutprobe vom Spender abnehmen. Wie anspruchsvoll solche Homos heute sind, sieht man ja an Beitrag #2 und #3, wo der Entzug der Approbation gefordert wird, die werden dann auch einen 2. Bluttest als Diskriminierung ablehnen.
Ein Restrisiko bleibt weil Deutschland ja zwar eine namentliche Meldepflicht für Masen, Mumps, Röteln und Keuchhusten hat, an denen kaum einer stirbt,
aber merkwürdigerweise NICHT für AIDS, woran 2012 noch ca. 500 Menschen gestorben sind. Wer soll das noch verstehen?

#12 |
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Ärztin
Ärztin

Vorsicht Arzt, sonst verlierst du deine Approbation!
das ist doch politisch incorrect,
siehe #2 und #3, immer ja sagen, besonders in Deutschland bei Sex,
außer zwischen Mann und Frau, da muss der Mann immer bestraft werden,
das ist doch praktisch.

#11 |
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Arzt
Arzt

Ich finde es absolut lächerlich, dass jemand vor Gericht geht, weil man sein Blut nicht möchte, egal warum.

#10 |
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Gast
Gast

@Doris Dengel Sie würden so eine Konserve akzeptieren?
Als Patientin?

#9 |
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Arzthelferin

Es gibt ja nun auch genug heterosexuelle Männer und Frauen, die Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern haben. Und das sicherlich auch nicht immer geschützt.

Es gibt in jeder Beziehungsform treue und untreue Partner, aber homosexuelle Männer werden einfach mal pauschal vorverurteilt und von der Blutspende ausgeschlossen.

Davon abgesehen, kann man im Fragebogen falsche Angaben zum Sexualleben machen, wer will das denn bitte kontrollieren?

#8 |
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auch Chirurg
auch Chirurg

gute Nachricht für alle Risikobereiten,
das “diagnostische Fenster” für den AIDS-Test wurde 2015 in Deutschland
von 12 Wochen auf 6 Wochen verkürzt.
schlechte Nachricht,
die Zahl der Infizierten steigt immer noch.
Wir sind bei Über 80.000 in Deutschland,
die größte Gruppe davon wurde ja schon in #1 genannt.

#7 |
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auch Chirurg
auch Chirurg

in der Uni, in der ich gelernt habe,
haben (fast) alle Stationsärzte der Dialyse damals Hepatitis (B) bekommen,
hat sie üblicherweise für 3-4 Monate krank gemacht.

#6 |
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Hautarzt
Hautarzt

Ich oute mich hier auch öffentlich als Hetero,
und finde es ich es abartig, dass die die Homos immer die Minderheit der Heteros angreifen.
Und noch regelmäßig tolle Paraden zur unserer Verhöhnung veranstalten.

#5 |
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Elvira M.
Elvira M.

Ich halte es für diskriminierend, das Wort Homo als diskriminierend zu bezeichnen.

#4 |
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Elvira M.
Elvira M.

Chirurg, +#3 Sie halten es für diskriminierend, nicht Blut spenden zu dürfen?
Worin sehen Sie bitte eine Beschimpfung?
Ich kann keine in #1 erkennen
Sie halten es für diskriminierend über sexuell übertragbare Erkrankungen zu reden?
Wie konnten Sie überhaupt Chirurg werden?
Ich wäre für eine persönliche Meldepflicht für AIDS, egal wodurch aquiriert.
Gerade damit z.B. Labor und Chirurg sich bei einer Behandlungsmaßnahme nicht infizieren. War ja schon bei Hepatitis früher schlimm genug.

#3 |
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Chirurg
Chirurg

Ich bitte den diskriminierenden und menschenfeindlichen Kommentar von #1 zu entfernen, da ich mich nicht als Homo beschimpfen lassen möchte.
Ich lebe in einer monogamen, wundervollen Beziehung (übrigens ohne Analverkehr).
Die Schilderungen von #1 sind beleidigend und verallgemeinernd und sind deswegen unverzüglich zu entfernen.
Ich schlage diesem Herrn den sofortigen Berufswechsel in Verbindung mit einer Entzug der Approbation vor.
Wer so antiquierte Ansichten hat, darf nicht mehr praktizieren.

#2 |
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Arzt
Arzt

Dass besonders männliche Homos AIDS-Überträger Nr.1 sind, weis doch nun jedes Kind, Herr oder Frau doccheck,
das macht die Kombination von häufigem Partnerwechsel und Analverkehr.
Leider sind die Intervalle zwischen Infektion und damit Infektiosität und positiven Bluttests recht groß.
Auch Menschen, die früheren örtlichen BSE-Kontakt (Rinder, Schafe) hatten OHNE krank zu sein, sind für Blutspende mindestens 20 Jahre ausgeschlossen, rein epidemiologisch ohne Laborbefund.
Es gibt kein Recht auf Blutspende, das ist eine medizinische Indikation, keine politische.

#1 |
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