Phytopharma: Frisch aus der Hexenküche

19. Mai 2015
Teilen

US-amerikanische Apotheker warnen derzeit vor vermeintlich harmlosen pflanzlichen Präparaten. Etliche Phytopharmaka enthalten nicht deklarierte Zusätze von Amphetaminen. Verbraucher sollten stärker sensibilisiert werden, fordert die FDA.

Ein neuer Skandal aus den Staaten: Amerikanische Hersteller pflanzlicher Nahrungsergänzungsmittel und Phytopharmaka haben Inhaltsstoffe über Jahre hinweg nicht beziehungsweise falsch deklariert. Davon sind mehrere Schlankheits- und Fitnessmittel betroffen.

Zulassung umgangen

Ihr Trick: Um Patienten zu ködern, gaben sie geheimnisvolle Extrakte aus Pflanzen an. Durch die Deklaration als Nahrungsergänzungsmittel umgingen sie klinische Prüfungen und sonstige Hürden der Zulassung trickreich. Regelmäßige Kontrollen der US Food and Drug Administration gibt es nicht. Einzelne Stichproben anlässlich der Markteinführung waren unauffällig.

Gefährliche Geheimnisse

Dass Phytopharmaka aus Fernost Phosphodiesterase-5-Hemmer wie Sildenafil enthalten, überrascht Apotheker schon lange nicht mehr. Wissenschaftler berichten jetzt von einer weitaus größeren Tragweite unerlaubter Inhaltsstoffe: Elf von 21 untersuchten Proben enthielten Amphetaminzusätze, teilweise in „beträchtlicher Menge“, wie Forscher jetzt berichten. Dabei handelt es sich um beta-Methylphenethylamin (BMPEA). Dieses Derivat ist zwar seit den 1930er-Jahren bekannt. Allerdings haben Apotheker nie untersucht, welche Effekte das Pharmakon tatsächlich zeigt. US-Hersteller deklarieren BMPEA in Schlankheitsmitteln nicht, sondern weisen auf Inhaltsstoffe von Acacia rigidula als „natural weight loss“ hin. Besagte Pflanze ist selbst bei Botanikern recht unbekannt. Erst jetzt berichten Experten, BMPEA sei eben kein Bestandteil des ominösen Hülsenfrüchtlers.

Auf nach Europa

Grund genug für die FDA, eine entsprechende Warnung über Fachmedien zu verbreiten. Auch für Deutschland hat das Thema Relevanz: Reisende bringen aus den USA oft entsprechende Präparate mit. Sie kaufen aber auch über diverse Online-Apotheken außerhalb europäischer Grenzen ein. Grund genug, auch bei uns einmal mehr vor gefährlichen Importen zu warnen.

8 Wertungen (4.5 ø)
Forschung, Pharmazie

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

3 Kommentare:

Gast
Gast

am gefährlichsten sind diese holistischen bunten Perlen,
das steht ja schon symbolisch natürlich in der Biebel

#3 |
  0
Apotheker

Kleinen Kindern erklärt ma, dass Sie diese schönen bunten Beeren nicht essen sollen … als Erwachsene haben Sie dies offenbar wieder vergessen?
Die Natur hält reichlich Gifte und schädliche Wirkstoffe bereit – nur weil ein paar fremde Schriftzeichen drauf stehen und irgendein Z-Promi dafür wirbt werden diese Mittel dann bestellt/gekauft und konsumiert.
Ich finde so etwas sehr mutig!
Phytopharmaka sind eben Arzneimittel und man kann diese ordentlich deklariert und nach GMP-Richtlinien hergestellt kaufen – in der Apotheke (und einige auch in der Drogerie). Dort wird man in der Regel auch dazu beraten bzw. bekommt seine Fragen beantwortet … wenn nicht würde ich wo anders kaufen!
Weniger Qualität sollte man nicht akzeptieren

#2 |
  0

Phytopharmaka sollten ausschliesslich im Reformhaus, Apotheke oder Bioladen gekauft werden oder im Internet über entsprechende Portale.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: