PTA-Ausbildung: Steinzeit war gestern

16. Dezember 2011
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PTA – ohne sie ginge nichts mehr in öffentlichen Apotheken von heute. Doch warum entschließen sich immer weniger junge Leute zu dieser Fachausbildung? Und reicht es aus, nur den Lehrplan zu entstauben – oder fehlen berufliche respektive finanzielle Perspektiven?

Bereits 1954 lamentierten Approbierte, sie bräuchten neben Apothekenhelfern einen weiteren Assistenzberuf. Dieser Wunsch erfüllte sich erst Jahre später – 1968 erschienen die ersten pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) auf der Bildfläche. Und zwar aus gutem Grund: Durch Neustrukturierungen des Pharmaziestudiums gab es plötzlich keine Apothekerassistenten („Vorexaminierte“) mehr. Fachlicher Ersatz musste gefunden werden.

„Von untergeordneten Aufgaben entlasten“

Seit diesem historischen Startschuss hat sich viel getan – pharmazeutisch, aber auch ökonomisch. Und so wurden PTA anno Domini noch eingestellt, um Apotheker „von untergeordneten Aufgaben zu entlasten“ (eine Broschüre von 1968), zur tragenden Säule in Handverkauf und Rezeptur. Verbände schätzen, dass mittlerweile rund 70 bis 80 Prozent der Kundenkontakte über diese Berufsgruppe laufen. Wenn sich Apotheken dem demografischen Wandel entsprechend aufstellen, werden auf PTA noch weitere Tätigkeiten zukommen. Dennoch ist Sand im Getriebe der Ausbildung. Das entsprechende „Gesetz über den Beruf des pharmazeutisch-technischen Assistenten“ sei laut Bernadette Linnertz, Vizechefin des Bundesverbands Pharmazeutisch-technischer AssistentInnen (BVpta), über Jahre nur unwesentlich geändert worden und bilde die Realität nicht mehr ab. Und Ingrid Heberle, Leiterin der Fachgruppe PTA bei der Apothekengewerkschaft ADEXA, ergänzt: „Allgemeinverbindliche Ausbildungsinhalte wie bei vergleichbaren Assistenzberufen fehlen.“ Auch der Bundesverband der Apotheker im öffentlichen Dienst – Unterricht und Ausbildung (BApÖD) hat sich die Harmonisierung des Lehrplans auf die Fahnen geschrieben. Auf der letzten Hauptversammlung forderten die Mitglieder den Vorstand deshalb auf, „eine Arbeitsgruppe einzurichten, die detaillierte Vorschläge erarbeiten soll“, und zwar bis Ende 2011. Das Thema brennt immer mehr unter den Nägeln, kommen generelle Zukunftssorgen der Branche noch mit hinzu.

Heiß umkämpft

Kein Wunder, dass sich immer weniger junge Menschen zu einer PTA-Ausbildung entschließen. Mittlerweile sind die Folgen schmerzhaft zu spüren, allein in Rheinland-Pfalz fehlen laut einer Studie der Uni Frankfurt rund 300 PTA. Andere Kammerbezirke stehen nicht besser da: „In Hessen wird derzeit nur die Hälfte der eigentlich benötigten PTA an Schulen ausgebildet“, sagt der Marburger Apotheker Thorsten Junk – er engagiert sich für den Fortbestand entsprechender Ausbildungseinrichtungen. Bundesweit wird von bis zu 3.000 fehlenden Kräften gesprochen. Darauf reagierten Standesvertreter gleich mit zwei Anträgen auf dem letzten Apothekertag in Düsseldorf: Die Hauptversammlung der Apotheker sprach sich dafür aus, „eine qualitativ hochwertige Ausbildung kompetenter PTA in ausreichender Zahl weiterhin zu ermöglichen“. Außerdem verwies man den Antrag, „Maßnahmen zu ergreifen, damit das Berufsbild der PTA dem europäischen Vergleich mit anderen Gesundheitsberufen standhält“, an den zuständigen Ausschuss. Fromme Wünsche, doch es ist an der Zeit, zu handeln. Und das beginnt beim Curriculum für PTA-Schulen.

Job von morgen – Lehrplan von vorgestern?

ADEXA hat zusammen mit dem BVpta an einem neuen Ausbildungskonzept gearbeitet. Ein Ergebnis diverser Arbeitsgruppensitzungen: „Inhalte der Ausbildung müssen modernisiert und vereinheitlicht werden“, sagt Ingrid Heberle. Neuer Stoff rund um die Beratungspraxis, speziell Selbstmedikation, klinische Pharmazie, pharmazeutische Betreuung, Interaktionen oder auch ökonomische Fragestellungen ist jedoch im aktuellen Zeitrahmen nicht mehr unterzubringen – sprich eine Verlängerung auf drei Jahre muss her. Das hat noch andere Gründe, gilt es doch, den Unterricht an europäische Mindeststandards anzupassen. Auch sinkt das Niveau allgemeinbildender Schulen immer weiter. Fächer wie Deutsch, Mathematik oder Fremdsprachen werden vielleicht schon bald zur Pflicht, allein schon, um die Fachhochschulreife als weitere Perspektive zu bieten. „Die Optionen, sich im Beruf weiter entwickeln zu können, sind momentan nur außerhalb der Apotheke beziehungsweise Krankenhausapotheke gegeben“, so BVpta-Bundesvorsitzende Sabine Pfeiffer van Rijswijk. Sollte aber ein Bachelor in Pharmazie kommen, könnten PTA Plätze füllen, die die in Rente gehenden Pharmazieingenieure beziehungsweise Apothekerassistenten hinterlassen. Stichwort Vertretungsbefugnis: „Die Aufgabe kann dann auch die Bachelor-PTA übernehmen“, ist sich Pfeiffer sicher. Das wiederum erzeugt bei Approbierten Gänsehaut. „Wir wollen nicht den Apotheker zweiter Klasse“, hieß es dazu aus den Reihen des Apothekerverbands Westfalen-Lippe.

Gut ausgebildet für gutes Geld

Sollte die Novellierung – wann auch immer – umgesetzt werden, kann das teuer werden und auch die Existenz so mancher Schule gefährden. Tanja Kratt, Zweite Vorsitzende von ADEXA, rechnet mit bis zu 1.200 Euro mehr pro Ausbildungsplatz und Monat. Das dürfte für viele unbezahlbar sein, macht bereits die aktuelle Situation Sorgen: Mitte dieses Jahres stand in Marburg eine Ausbildungseinrichtung vor dem wirtschaftlichen Aus, nachdem sich die Deutsche Angestellten-Akademie aus der Förderung zurückgezogen hatte. Pro Person lagen die Kursgebühren ohnehin schon bei 360 Euro pro Monat, weitere 125 Euro schoss der europäische Sozialfonds zu. Ausgereicht hat das trotzdem nicht. Schließlich retteten drei örtliche Apotheker unter Federführung von Thorsten Junk die Institution. Andere Kammerbezirke stehen nicht besser da: Eine Mitgliederversammlung der Landesapothekerkammer Westfalen-Lippe beschloss, zum Erhalt von fünf PTA-Schulen 270 Euro „Solidaritätszuschlag“ pro Apotheke einzuführen – das Defizit der Ausbildungsstätten betrug in Summe 185.000 Euro. Kommunale Träger zogen sich mehr und mehr aus der Verantwortung zurück, ein bundesweites Problem. Zwangsläufig werden mit der Ausbildungsnovellierung auch die Kursgebühren steigen, und damit drängen sich auch Fragen nach dem späteren Gehalt auf. Tanja Kratt: „Eine bessere und vor allem teure Ausbildung bedeutet mittelfristig auch bessere Löhne.“ Doch welche Kompetenzen bekommen gut bezahlte, gut ausgebildete Fachkräfte?

Neue Ausbildung – alter Apothekenzopf

Anlässlich des Besuchs einer öffentlichen Apotheke interessierte sich Staatssekretärin Ulrike Flach (FDP) vom Bundesministerium für Gesundheit vor allem für die Tätigkeitsbereiche der PTA. Laut Sabine Pfeiffer sei die wortwörtliche Umsetzung der Aufsichtspflicht von Apothekern nicht möglich, allein schon wegen der Zahl an Kundenkontakten. Doch die Befugnisse passen auch jetzt schon nicht mehr zum Buchstaben des Gesetzes. „‘Unter Aufsicht des Apothekers‘ möchten wir ersetzen durch ‚unter Verantwortung des Apothekers‘, weil das der täglichen Realität entspricht.“ PTA wüssten genau, wo die Grenzen ihrer Beratung seien und wann die wissenschaftliche Kompetenz des Apothekers gefragt sei. Wo hingegen die Grenzen von PKA liegen, ist wieder eine andere Frage, hält ein Referentenentwurf zur neuen Apothekenbetriebsordnung hartnäckig am folgenden Passus fest: „Die Herstellung und Prüfung von Arzneimitteln, für die ein Qualitätsmanagementsystem (…) erforderlich ist, darf auch durch nichtpharmazeutisches Personal erfolgen, soweit es entsprechend qualifiziert ist, über die bei den jeweiligen Tätigkeiten gebotene Sorgfalt nachweislich zu Anfang und danach fortlaufend unterwiesen wird und unter Aufsicht eines Apothekers arbeitet.“ Nicht gerade ein Beitrag zur viel gepriesenen Qualitätssteigerung. Und nicht gerade motivierend für PTA, die unter anderem dafür eine teure, lange Ausbildung absolviert haben.

Bei der Novellierung ist jetzt die Politik am Zuge. Mitte Oktober ging ein Konzeptvorschlag der ADEXA-Fachgruppe PTA an das Bundesministerium für Gesundheit, inhaltlich ist Ulrike Flach zuständig. Ihr Haus hat aber momentan ganz andere Sorgen wie die Apothekenbetriebsordnung oder die Pflegereform. Man darf gespannt sein, welche Priorität die Reform der PTA-Ausbildung haben wird.

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Medizin, Pharmazie

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12 Kommentare:

Volker Keudel
Volker Keudel

PTA ist ein “Frauenberuf” im negativen Sinne der alten Zeiten. Wenig Gehalt, wenig Befugnisse, aber in der Realität siehr es heute schon lange anders aus.
Nur wenn der Beruf fachlich und gehaltsmäßig in das neue Jahrtausend gebracht wird, kann der Mangel bekämpft werden.

#12 |
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Claudia Drees
Claudia Drees

Die neue Apothekenbetriebsordnung sieht eine Abstufung der PTA-Arbeit vor.Für mich ist dadurch der Rückgang der PTA-Interessenten eine logische Folgerung.Eine Verlängerung der Ausbildung auf 3 Jahre halte ich für nicht nötig. Eine PTA erweitert ihr Wissen im Berufsleben.Fortbildungen haben mein
PTA-Berufsleben über viele Jahre erweitert. Ich finde den Plan den PTA Beruf in der neuen Apothekenbertriebsordnung derart herab zustufen nicht richtig.

#11 |
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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Herstellung und Prüfung von Arzneimitteln durch PKA? Entschuldigung, aber wofür hab ich denn dann gelernt? Und in meine Ausbildung nicht unwesentlich viel Geld investiert?

#10 |
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Apotheker

Aufstiegsmöglichkeiten für bewährte PTA sind längst überfällig, weil dies dem Engagement und der täglichen Leistung dieser Berufsgruppe entspricht. Außerdem würden sich dadurch wieder mehr leistungsfähige, junge Menschen für eine Ausbildung zum PTA entscheiden.
Für die Erlangung einer (kurzfristigen) Vertretungsbefugnis braucht es jedoch nicht unbedingt einen Bachelor-Abschluss: Bestimmte Weiterbildungen oder eine Art “Meister-Kurs” wären auch geeignet.

#9 |
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Ingeborg Wildenau
Ingeborg Wildenau

Die Ausbildung an den PTA-Schulen ist doch sehr gut und die Lehrpläne übervoll. Vielleicht sollte man das Praktikum in der Apotheke auf ein Jahr verlängern und den PTA`s mehr Kompetenzen einräumen.Die steigenden fachlichen Anforderungen an den Apotheker erfordern in Zukunft eigenständigarbeitende Assistenten, die dem Apotheker zu Seite stehen und ihn entlasten. Die öffentliche Apotheke kann sich leider immer weniger angestellte Apotheker leisten. Im eurpäischen Ausland findet der hohe Ausbildungsstand der deutschen PTA durchaus Beachtung.

#8 |
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Brigitte Zimmermann
Brigitte Zimmermann

Als ich die Ausbildung begann durften PTA’s entsprechend den Vorexaminierten vertreten. Unsere Ausbildung war wesentlich besser als die der Vorexaminierten – nur hatten wir damals gar keine Lobby, so wurde die Vertretungsbefügnis einfach zurückgenommen und der Beruf der/des PTA zurückgestuft. Die Verdienstmöglichkeiten sind auch bescheiden und für so eine Berufsaussicht auch noch Geld auszugeben, das überlegen sich junge Leute mit Recht.
MfG
Brigitte Zimmermann

#7 |
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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Hallo,

ich mache grad eine Ausbildung zur PTA und habe das Gefühl diese werden gar nicht so viel gebraucht. Wohne in Gera und hab ganz schöne Schwierigkeiten einen Platz für meine praktische Ausbildung zu finden.

#6 |
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Frau Ortrud Lamb
Frau Ortrud Lamb

Es ist beschämend wie wenig sich in all den Jahren seit meines Examens beim Gehalt getan hat.
Bei dem Gehalt ist weder eine private Altersvorsorge noch
die Versorgung einer Familie möglich.
Und mit wenig Gehalt gibt es wenig Rente.
Es bleibt nur der Weg in die Pharmaindustrie,um ein ver-
nünftiges Einkommen zu erhalten.
Kein Wunder,daß der Beruf ausstirbt.

#5 |
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Die Approbationsordnung wurde geändert, um die PTA etablieren zu können und nicht umgekehrt. Hätte es weiterhin Vorexaminierte gegeben, hätte sich die PTA niemals durchgesetzt, da erstere viel mehr Rechte hatten.

#4 |
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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Ich kann nur begrüßen, wenn endlich etwas für interessierte PTAs geschaffen wird, und die neue Möglichkeit der Bachelor-PTA ist auf jedenfall eine Lösung, natürlich unter der Voraussetzung eines abgestimmten Lehr-/Studienplans. Die zeiten des Pharmazieingeneurs sind mitlerweile wohl wirklich vorbei. Nachdem es keine Aufstiegsmöglichkeiten in der öffentlichen Apotheke gibt, könnte das eine Alternative werden, ohne den Schritt aus dem üblichen Berufsbild anstreben zu müssen
MfG

#3 |
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Apotheker

Die PTA ist für die öffentliche Apotheke unentbehrlich. Vielleicht sollte die Ausbildung um 6 Monate verlängert werden, um weitere Inhalte zu vermitteln. Die Vergütung bleibt wie bei den angestellten Apothekern ein Problem. Besonders wenn die teure, privatfinanzierte Ausbildung refinanziert werden muß. Leider gab es auch Zeiten, wo die Arbeitslosigkeit bei dem Stellenabgeboten (PTA) doch sehr bemerkbar machte. Die finanzielle Situation vieler öffentlicher Apotheken ist natürlich auch zu berücksichtigen. Ob man noch zu einer Ausbildung raten kann ?

#2 |
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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Es wird höchste Zeit,den Beruf der oder des PTAs zu verbessern. Ich gehörte zur ersten Generation PTA und uns wurde in Aussicht gestellt, gleiche oder sogar bessere Ausbildung als die der ehemaligen Altvorexaminierten zu erhalten. Man hatte uns dann nicht die Vertretungsbefugnis erteilt, weil Altvorexaminierte dagegen klagten.
Unsere Ausbildung war wesentlich besser als die 2jährige Ausbildung der Studenten in der Apo mit 1mal wöchentlichem Unterricht.;(, die bis heute sogar Urlaubsvertretungen übernehmen dürfen.
Eine Familie kann man von den Gehältern nicht ernähren, Aufstiegsmöglichkeiten gibt es auch keine. Ob sich daran etwas ändert, wenn das Kind Bachelor-PTA genannt wird?
MfG
L.Keiser

#1 |
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