Feinstaub: Demenz Is In The Air

11. Mai 2015
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Wer an einer vielbefahrenen Straße wohnt, der muss sich Sorgen um seine Gehirnfunktionen machen. Bereits ein geringer Anstieg der Feinstaubkonzentration wirkt sich negativ aus: Stille Hirninfarkte häufen sich, die unter anderem das Demenz-Risiko erhöhen.

Das Leben in der Großstadt bietet zahlreiche Vorteile: ein vielfältiges Kulturprogramm, eine gute Auswahl an Schulen, Universitäten, Arbeitsplätzen, Fortbildungsmöglichkeiten sowie ein nahezu unerschöpfliches Angebot an Sport- und Freizeitaktivitäten. Doch Stadtluft kann auch die Gehirnfunktionen schädigen, wie eine aktuelle Studie [Paywall] im Fachmagazin „Stroke“ belegt. Wissenschaftler des Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston haben untersucht, welche Auswirkungen die Feinstaub-Belastung in Großstädten auf das menschliche Gehirn hat.

Hirnscans zeigen den Zusammenhang

Dass Luftverschmutzung das Schlaganfallrisiko erhöhen kann, ist lange bekannt. Die Forscher konnten nun zeigen, dass eine Langzeit-Belastung mit Feinstaub auch die menschlichen Gehirnstrukturen schädigen und bei älteren Erwachsenen zu einer Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen führen kann. Dafür werteten sie die MRT-Aufnahmen der Gehirne von mehr als 900 über 60-Jährigen aus und bestimmten das Volumen einzelner Hirnareale. Dazu gehörte das gesamte zerebrale Hirnvolumen, das als Marker für die altersbedingte Hirnatrophie gilt und das Volumen des Hippocampus, das Veränderungen in dem Bereich des Gehirns widerspiegelt, der Erinnerungen steuert. Außerdem erfassten die Forscher das Volumen der Hyperintensität der weißen Substanz, das als Maß für pathologische Veränderungen und Alterungsprozesse herangezogen werden kann. Sie suchten nach Indizien für Blutgerinnsel und kleine Hirninfarkte. Ausgeschlossen waren Probanden, die unter Demenz litten oder bereits einen Schlaganfall hatten.

Feinstaub lässt das Hirn schrumpfen

Die Daten aus den Hirnscans brachten die Wissenschaftler nun in Korrelation mit den Wohnorten der Probanden. Je nachdem, wie nahe die Studienteilnehmer an großen Straßen lebten, variierte ihre Belastung mit Feinstaub mit einer Größe von 2,5 Mikrometern Größe (PM 2,5).

 

Info zum Feinstaub
Als Feinstaub bezeichnet man winzige Partikel in der Luft, die mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar sind. Lediglich während bestimmter Wetterlagen kann man Feinstaub in Form einer Dunstglocke sehen. Die Teilchen in der Luft sinken nicht sofort zu Boden, sondern verweilen eine gewisse Zeit in der Atmosphäre. Je nach Korngröße der Staubteilchen wird der Feinstaub in sogenannte Fraktionen unterteilt: Unter PM10 versteht man alle Staubteilchen, deren aerodynamischer Durchmesser kleiner als 10 Mikrometer (das sind 10 millionstel Meter) ist. Eine Teilmenge der PM10-Fraktion sind die feineren Teilchen, deren aerodynamischer Durchmesser weniger als 2,5 Mikrometer beträgt. Diese bezeichnet man als „Feinfraktion“ oder 2,5 (im Gegensatz dazu den Größenbereich 2,5 bis 10 Mikrometer „Grobfraktion“). Die kleinsten von ihnen, mit einem aerodynamischen Durchmesser von weniger als 0,1 Mikrometer (das sind 100 milliardstel Meter), sind die ultrafeinen Partikel, erklärt das Umweltbundesamt.

 

Schnellerer Schrumpfungsprozess

Tatsächlich scheint Feinstaub das menschliche Gehirn massiv zu beeinflussen: Probanden mit höheren Feinstaubbelastungen hatten im Durchschnitt ein geringeres Hirnvolumen, ihr Gehirn unterlag einem schnelleren Schrumpfungsprozess als das von weniger mit Feinstaub belasteten Probanden. Außerdem erlitten sie mehr stille Hirninfarkte. Dabei handelt es sich um kleine Schlaganfälle, die von den Betroffenen nicht wahrgenommen werden. „Das sind erschreckende Ergebnisse“, so Studienleiterin Wilker. „Stille Infarkte erhöhen bekanntlich das Risiko für größere Schlaganfälle, aber auch für Demenz, Koordinationsprobleme und Depressionen.“

Linearer Zusammenhang erkannt

Wie die Wissenschaftler berichten, gab es sogar einen linearen Zusammenhang zwischen Belastung und Folgen: Für jeden Anstieg der Feinstaubbelastung um zwei Mikrogramm pro Kubikmeter Luft hatten die Probanden ein 46 Prozent höheres Risiko für stille Schlaganfälle. Außerdem ließ der Anstieg der Feinstaubbelastung um zwei Mikrogramm pro Kubikmeter Luft das Hirnvolumen der Probanden auf Werte eines ein Jahr älteren Menschen schrumpfen. Je höher die Belastung, desto „älter“ war demnach das Gehirn der Teilnehmer. Die Studie deutet an, dass für diese Effekte bereits die heutige Feinstaubbelastung der meisten Städte ausreicht.

Feinstaub kann durch komplexe chemische Reaktionen in der Atmosphäre entstehen oder vom Menschen verursacht sein. Menschen-gemachte Faktoren sind unter anderem Kraftfahrzeuge (PKW, LKW), Heizkraftwerke, Müllverbrennungsanlagen, Öfen und Heizungen in Wohnhäusern, Tierhaltung sowie bestimmte Industrieprozesse. In Ballungsgebieten ist vor allem der Straßenverkehr eine zentrale Feinstaubquelle. Dabei gelangt Feinstaub nicht nur aus Motoren – vorrangig aus Dieselmotoren – in die Luft, sondern auch durch Bremsen- und Reifenabrieb sowie durch die Aufwirbelung des Staubes auf der Straßenoberfläche.

Wie wirkt Feinstaub?

Zum einen können sich an der Oberfläche des Feinstaubes schädliche Substanzen wie Schwermetalle oder krebserzeugende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe anlagern. Auch die Staubpartikel selbst stellen ein Gesundheitsrisiko dar: Je kleiner die Staubpartikel sind, desto größer ist das Risiko zu erkranken. Kleine Partikel dringen nämlich tiefer in die Atemwege ein als größere. Dadurch gelangen sie in Bereiche, von wo sie beim Ausatmen nicht wieder ausgeschieden werden. Ultrafeine Partikel können zudem über die Lungenbläschen in die Blutbahn vordringen und sich über das Blut im Körper verteilen. Welche Prozesse der Feinstaub in Gehirn genau verändert, müssen weitere Studien aber erst noch klären.

Feinstaub ist immer schädlich

Wie die WHO festgestellt hat, gibt es keine Feinstaubkonzentration, unterhalb derer keine schädigende Wirkung zu erwarten ist. Nicht nur kurzzeitig erhöhte Konzentrationen führen zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen, gerade längerfristig vorliegende, geringere Konzentrationen wirken gesundheitsschädigend. Die Feinstaubbelastung sollte also immer so gering wie möglich sein.

Zur Entwicklung der Feinstaubbelastung in Deutschland ist auf der Webseite des Umweltbundesamts folgendes zu lesen: „Die seit 2005 geltenden Grenzwerte werden vor allem an stark vom Verkehr beeinflussten Standorten in Städten und Ballungsräumen noch immer überschritten. Durch die eingeleiteten zusätzlichen Maßnahmen ist mit einem Rückgang zu rechnen.“ Ob dieser jedoch ausreichen wird, um die Gesundheit von Anwohnern nicht zu gefährden, bleibt fraglich.

Originalpublikation:

Long-Term Exposure to Fine Particulate Matter, Residential Proximity to Major Roads and Measures of Brain Structure [Paywall]
Elissa H. Wilker et al.; Stroke, doi: 10.1161/STROKEAHA.114.008348; 2015

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Forschung, Medizin, Neurologie

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28 Kommentare:

Arzt
Arzt

pardon Schreibfehler, muss heißen:
confounder
http://de.wikipedia.org/wiki/Störfaktor (etwas holprig beschrieben)
also z.B. Raucher, Übergewicht, “soziale Schicht” und natürlich der Lärmstress.
Windmühlen machen ja auch Hirnschäden!

#28 |
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Arzt
Arzt

Eigentlich sind ja die Leute aus Boston mit ihrer Framinhgham-Kohorte exzellente Statistiker, aber die “proximity to major roadways” ist doch ein bischen schwach,
wer wohnt da schon (residential)? Und ist es an Hauptstraßen nur der Feinstaub?
Oder vielleicht der Lärm?
Und wird da nicht gerade deshalb weniger gelüftet?
und wenn da gelüftet wird mit geschlossenen Fenstern und diesen nicht ganz unproblematischen “Klimaanlagen”, typisch für USA?

Klingt daher eher wie ein Auftrag!

#27 |
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Arzt
Arzt

Da es auf dem Land mehr Demens gibt als in der Stadt,
ist das schon mal epidemiologisch widerlegt.
Das bedeutet nicht, dass es anderswo wie in Kalkutta schlimmer ist.
Der zweite Schwachpunkt sind die nicht klar genannten Cionfounder

#26 |
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Naturwissenschaftler

mein Bemerkung:
Es wäre für das Fachpublikum sehr interessant, wenn zu erfahren ist, OB die o.g. aktuelle STUDIE [Paywall] im Fachmagazin „Stroke“ mit ihren Wissenschaftlern von Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston) eine KURZFRISTIGE klinische Studie oder STUDIE mit LANGZEITBEOBACTUNG.
Dann ist das Konfidenzintervall der herangezogenen aller relevanten klinischen Parameter zuverlässig.

#25 |
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Arzt
Arzt

Hauptsächlich ein Milben(kot)problem. Ich rate zu einem Teppich und einem geeigneten Staubsauger (mit Feinstaubfilter). Der Teppich halbiert ungefähr den Feinstaubgehalt.
Auch in zu trockener Luft (Heizung im Winter) “schwebt” deutlich mehr, als bei 60-80% Luftfeuchtigkeit (optimal für den Mensch).
Es gibt Bett- und besonders Matratzenbezüge (für Allergiker),
die sind “milbendicht”. Milben sind auch kälteempfindlich, das Kopfkissen morgens ins kalte offene Fenster oder Balkon legen, soll sie abtöten, es wird sogar der Kühlschrank empfohlen (Platz?), jedenfalls besser als Chemikalien.

Insgesamt scheint mir das Risiko aber nahe 0 zu liegen bei üblicher “Reinlichkeit”,
kein Federkopfkissen hält ewig.
Ausnahme ist nur der Allergiker, was auch für Pilz in der Wohnung gilt.
Auch hier wird in der Regel zu wenig gelüftet, bei Baumängeln.

#24 |
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Pharmareferent

Ich wäre natürlich interessiert daran, wie ich Feinstaub in zumindest Schlafzimmer minimieren kann. Luft-Umwälzanlage?
MfG
Peter Huberts

#23 |
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Prof. H. Scherthan
Prof. H. Scherthan

Studien über das Ausmaß und die Auswirkungen von Feinstaubbelastung bei Berufskraftfahrern wären sicher auch sehr interessant. Erhöhte kardiovaskuläre Risiken sind in dieser Berufsgruppe bekannt.

#22 |
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Dr. Bayerl
Dr. Bayerl

Feinstaub ist daher keineswegs IMMER schädlich, über Silizium bzw. SiO2, die häufigste Verbindung der Erdkruste wurde viel Grundlagenforschung der Bergbau-BG in Bochum gemacht, heute schon fast vergessen.
Wahrscheinlich ist das ein essentieller Nahrungsbestandteil, bei Tieren schon nachgewiesen, bei Menschen technisch schwierig, weil es keine SiO2-freie Umwelt gibt. Es ist also IMMER davon etwas in der Luft.
SiO2 als größerer Kristall (Quarzsand) ist sehr schwer wasserlöslich, sonst hätten sich die Sandstrände der Ozeane schon aufgelöst. Deshalb tun sich die Kristalle in der Lunge, wenn sie groß genug sind schwer, das “Lyphozytensystem”, Makrophagen etc. schaffen es nicht, sie aufzulösen, je größer sie sind, nicht je kleiner sie sind, es gibt lymphatische Granulome beim Abbauversuch,
aber NICHT die hier beschriebenen “Zivilisationsschäden” wie Herzinfarkt und Lungenkrebs (Raucher). Paradoxerweise leben die eher länger. Heute ist die Silikose bei uns praktisch ausgestorben (Arbeitsschutz).

#21 |
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Gast
Gast

zu#18 “weniger ist mehr”, das trifft zu für weniger Steuern,
vor allem für idiotische Pseudoumweltpolitik,
wie diese hoch subventionierten umwelt-und menschenschädlichen Denkmäler der Dummheit,
die Riesenwindmühlen.

#20 |
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Gast
Gast

Herr. Dr. Bayerl #16, bezügl. Silikose bei Kumpels im Bergbau versus Saharabewohner: es ist nicht die aufgenommene Menge an SiO2 entscheidend, sondern dessen äußere Form. Während im Bergbau die Staubteilchen durch die Art der Freisetzung scharfkantige Strukturen besitzen, die in den Alveolen besonders aggressiv wirken und so leicht aufgenommen werden, ist der Saharastaub durch ewiglange Verwehung rundgeschliffen. Daher findet man auch bei Beduinen keine Silikose, wohl aber bei den Erz- und Kohlekumpels. Weiterhin ist auch die Partikelgröße von entscheidender Bedeutung, näheres siehe Begründung der Max. erlaubten Arbeitsplatzkonzentrationen (MAK) für SiO2.

#19 |
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Bürgerin Marina Bausmer
Bürgerin Marina Bausmer

Wege die Mobilität fordern, und zurückfordern – Manchmal ist weniger mehr. Wege aus dem Verkehrskollaps wie kürzere Wege die auch gelaufen oder mit öffentlichen oder DB bewältigt werden können und ohne das viele Gepäck , was man immer braucht für alle Fälle auch ohne Schulranzen der täglich hin und her… Die Zeitstressituationen d.h. wenig Zeit viel vor -Zum Sport , zum Einkauf, zum Termin zur Arbeit von dort aus zurück… –

#18 |
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Arzt
Arzt

hallo @Johannes Reinders, interessante Frage:
nach einer Demenz-Schätzung von 2012 von Bundesländern
ist der geringste Demenz-Anteil mit 1,54% in Berlin mit 3.838 Ew./km2,
gefolgt von Hamburg mit 1,62% mit 2.312 Ew/km2
Baden-Württemberg liegt auch mit 1,73% bei 279 Ew/km2 noch knapp unter
dem Bundesdurchschnitt von 1,82% und 226 Ew/km2, drüber liegt
Mecklenburg-Vorpommern mit 1,88% bei nur 69 Ew/km2 (Rekord)
wird aber noch übertroffen vom Rekordhalter
Sachsen mit 2,23% bei 220 Ew/km2

Autos scheinen also Demenz zu verhindern

#17 |
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Dr.med.Bayerl
Dr.med.Bayerl

Prof. Günter Wagner, jetzt kommen wir schon der Sache etwas näher!
Schwermetalle und toxische Chemie und nicht einfach “Staub” ist seriös.
Bleiverbot für den Treibstoff war ein großer Fortschritt.
Mein bevorzugtes Beispiel ist ja das SiO2 (früher Staublunge im Bergbau), das scheint bis zu einer gewissen Menge sogar gesund zu sein (Saharabewohner).
Neurotoxisch und von der aufgenommenen Menge des modernen Menschen auch relevant ist das Aluminium. Insbesondere durch Nahrungskontakt (Schüssel, Pfannen).

#16 |
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Gast
Gast

@Marko S. Ranz wenn Sie vom Bau sind kennen Sie auch den Arbeitsschutz (BG) und die Mac-Werten, die um Potenzen höher sind, als auf der Straße, bis man eine Maske zum Staubschutz tragen muss, heute gar nicht so selten. Die kennt auch der Desinfektor, der auch Feinstaubmasken tragen müssen, die noch Viren rausfiltern (FFP3).
Wichtig ist auch der Zusammenhang mit der Luftfeuchtigkeit, auch für die geheizte Wohnung im Winter (zu trocken!) die den Feinstaubgehalt stark beeinflusst.
Je trockener, desto mehr Feinstaub und mehr “Grippe”-Übertragung.

#15 |
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Prof. Günter Wagner
Prof. Günter Wagner

Das Hochgefährliche an diesem Feinstaub sind doch, wie Frau Schmitzer völlig korrekt bemerkt, insbesondere die sich anlagernden Fremdstoffe wie z.B. Schwermetalle oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Diese können vom Körper wegen ihrer Kleinheit nicht “vearbeitet” werden.
Solche Probleme lassen sich eigentlich leicht reduzieren: schauen wir doch mal nach, wo diese polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe denn Verwendung finden: in einer Vielzahl von alltäglichen Gebrauchsgegenständen wie z.B. “coolen” Sportschuhen. Ehe das Gehirn schrumpft, sollten wir es nutzen…….

#14 |
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Gast
Gast

Feinstaub gibt es überall, das weis jede Hausfrau und durch “Bewegung” wird er permanent aufgewirbelt und kann sich nicht absetzen.
Er wird deshalb nicht von Autos mit modernen Katalysatoren ERZEUGT!!!
Es gint sogar Untersuchungen, dass solche Fahrzeuge wie ein Staubsauger, diesen vermindern:
dreckige Luft geht vorne rein und saubere kommt hinten raus.
Also auf dem Teppich bleiben Autofeinde.

Die Wohnung ist das größere Problem, hier bringt Lüften auch in der Innenstadt immer Vorteile.
Der Lärm ist nicht unwichtig, aber ein anderes Thema.

#13 |
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Dr.med.Bayerl
Dr.med.Bayerl

korrektur:
800 ppm im Wald, Grenzwert für die Innenstadt 50ppm.
(parts per million)
nicht pps

#12 |
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Dr.med.Bayerl
Dr.med.Bayerl

Ein Märchen wird auch durch häufige Wiederholung nicht richtiger.
Erstens ist es völlig unwissenschaftlich, nur die Größe der Schwebstoffe als Kriterium zu betrachte. Auch im Wald gibt es “Feinstaub”, das geht bis 800 pps verglichen mit dem Grenzwert der Innenstädte von 50 ppm. In der Sahara ist das oft noch schlimmer.
Und in einer Wohnung wird durchschnittlich 60 ppm gemessen. An vielen Arbeitsplätzen ist die Belastung wesentlich höher. Es sollte daher etwas mehr über das “Klima” in geschlossenen Räumen gesprochen werden, wenn das so gefährlich sein soll.
Selbstverständlich sind Katalysatoren für Autos sinnvoll und nützlich,
nur die “grüne Polemik” gegen das Autofahren ist einfach unerträglich. Man macht das zur Ablenkung der unsinnigen PKW-Maut die eine “Bewegungsprofil” für JEDEN Autofahrer ermöglicht. GPS und handy-Überwachung aller Bürger reichen noch nicht.

#11 |
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D.O., BSc. Stephan Klemm
D.O., BSc. Stephan Klemm

Ich möchte Frau Schmitzer an dieser Stelle einmal danken für die stets interessante Themenwahl und journalistische Aufarbeitung derselben. Herzlichen Dank!

#10 |
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Es gibt auch den nicht zu vernachlässigenden Zusammenhang zwischen stark befahrenen Strassen, Lärm, Hypertonus und cerebraler Funktionsstörung.

#9 |
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Johannes Reinders
Johannes Reinders

Stuttgart hat die höchste Feinstaubbelastung von allen deutschen Städten. Demzu-
folge müssten Demenzerkrankungen überdimensional und messbar vorkommen.
Die Zahlen würden mich interessieren.

#8 |
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Marko S. Ranz
Marko S. Ranz

Marko S. Ranz
Bausachverständiger

Feinstaub stellt wohl mit Sicherheit ein gesundheitliches Risiko dar, die Frage ist nur was ist die Quelle für solchen Feinstaub.
Ist es tatsächlich der vielgescholtene Straßenverkehr oder sind weniger beachtete häusliche Quellen wie der ständige Einsatz von sog. Staubsaugern (genauer müßten diese Geräte Saugstauber heißen) oder das ständige aufwirbeln durch den Einsatz von Luftheizungen (Heizkörper / Radiatoren wie heute im Wohnungsbau üblich) nicht doch die potentiell größeren Quellen?

#7 |
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NICHT NUR ‘STROKES’ – AUCH AKUTE KORONARSYNDROME SIND SMOGBEDINGT!
Die hier referierte, aktuelle Studie im Fachmagazin “Stroke” mit dem Titel “Long-Term Exposure to Fine Particulate Matter, Residential Proximity to Major Roads and Measures of Brain Structure” von E. H. Wilker et al.
doi: 10.1161/STROKEAHA.114.008348; 2015
wird zwanglos ergänzt durch eine vergleichbare Metaanalyse über Kurzzeit-Effekte: “Short term exposure to air pollution and stroke: systematic review and meta-analysis” von Anoop Shah (Universität Edinburgh/GB) im British Medical Journal – BMJ 2015; 350: h1295 – bei Feinstaub-Exposition, Schlaganfall-Häufung und Smog-Alarm.
Mit einer älteren Publikation aus dem BMJ von 2011 (doi:10.1136/bmj.d5531) zu ACS- und Myokard-I n f a r k t-Häufung unter dem Einfluss von Luftverschmutzung: “The effects of hourly differences in air pollution on the risk of myocardial infarction: case crossover analysis of the MINAP database” von K Bhaskaran et al. wollten Epidemiologen der “London School of Hygiene and Tropical Medicine” belegen, dass hochgradige Umweltbelastungen mit erhöhter myokardialer Morbidität korrelieren. Die spezifische Erhöhung des Myokardinfarktrisikos ist in vereinzelten Studien als K u r z z e i t-Effekt wenige Stunden nach Atemluftbelastung nachgewiesen worden. Im BMJ wurde der Einfluss der als Feinstaub PM10 (‘pollution model’) bezeichneten Staubfraktion (50% der Teilchen mit einem Durchmesser von 10 µm) u n d Stickstoffdioxyd NO2 auf die Ereignisrate in 15 Regionen Groß-Britanniens bei STEMI-, Non-STEMI-Herzinfarkten und Troponin-positivem akutem Koronarsyndrom (ACS) in den Krankenhausberichten untersucht. Dabei waren Ozon- und Kohlenmonoxid- (CO) Luftbelastungen überraschenderweise eher kardioprotektiv wirksam bzw. Schwefeldioxid (SO2) ohne messbare Auswirkung.
Das Risiko eines Herzinfarktes war allerdings nur bis zu 6 Stunden nach Exposition mit höherer verkehrsbedingter Luftverschmutzung von PM10 und NO2 erhöht (“Myocardial infarction risk was transiently increased up to 6 hours after exposure to higher levels of the traffic associated pollutants PM10 and NO2”). Keine der Luft verschmutzenden Substanzen zeigte einen Langzeiteffekt bis zu 72 Stunden danach mit weiterer Erhöhung des Myokardinfarktrisikos. Einschränkend diskutierten die BMJ-Autoren, dass der etablierte Effekt von Luftverschmutzung auf die allgemeine kardiorespiratorische Morbidität und Mortalität nicht nur speziell auf den Herzinfarkt übertragen werden könnte. Es müsse noch weitere, unerforschte Mechanismen geben.
In einer weiteren Studie in “Circulation” wurden L a n g z e i t-Effekte von Luftverschmutzung auf die erhöhte Mortalität nach stattgehabtem Myokardinfarkt in Abhängigkeit von der Nähe des Wohnortes zu vielbefahrenen und auch lauten Hauptverkehrsstraßen untersucht: “Residential Proximity to Major Roadway and 10-Year All-Cause Mortality After Myocardial Infarction” von
J. I. Rosenbloom et al. Diese Circulation-Studie kann Erkenntnislücken natürlich nicht vollständig schließen, beschreibt aber zusätzlich nachweislich die erhöhte Mortalität bei stattgehabtem Myokardinfarkt in Abhängigkeit von der Nähe des Wohnortes zu vielbefahrenen und auch lauten Hauptverkehrsstraßen.
Circulation. 2012; 125: 2197-2203 Published online before print May 7, 2012, –
doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.111.085811 und
http://circ.ahajournals.org/content/125/18/2197.abstract
Die staubig schmutzige “Cannery Row” (Straße der Ölsardinen) von John Steinbeck wird also zur “Coronary Road” bzw. zur “Stroke-Road” mutieren.

#6 |
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Martin Bökenkamp
Martin Bökenkamp

Wie viele Raucher wohnen an viel befahrenen Straßen? Und wie wirkt sich das Rauchen auf Gehirnfunktionen aus? Warum wird dieser Aspekt nicht erwähnt?

#5 |
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Dr. Peter Mandry
Dr. Peter Mandry

Cave! Die Korrelation begründet noch keine Kausalität. Menschen, die auf Ihre Gesundheit achten, bevorzugen wahrscheinlich nicht oder nur wenig belastete Gebiete.

#4 |
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Dieter Fehniger
Dieter Fehniger

Womit sich das Innerstädtische Verkehrsproblem in machen Straßen doch von
alleine löst. Je mehr Verkehr je weniger Anwohner.

#3 |
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Medizintechniker

Die “Studie” zeigt nicht den sozialen Zusammenhang der Straßenbürger. Die behänden, gesellschaftlich geschicktere “Spezie” lebt meist am grünen Stadtrand oder in der Provinz … Man sollte erst alle Parameter einsetzen, um ein ehrliches Gesamtbild zu bekommen, sonst nickt man mit dem Mainstream

#2 |
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Heilpraktikerin

Feinstaub lässt sich mit einer modernen Technologie, sozusagen als Nebeneffekt bei der E-Smog Neutralisation, messbar um 40% reduzieren. So etwas gehört in jeden Haushalt und in jedes Großraumbüro mit Laserdrucker etc.

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