Attraktivität: Eyetracking misst Aufmerksamkeit

29. April 2015
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Attraktive Gesichter fesseln die Aufmerksamkeit: dies gilt besonders für Männer, die schöne Frauengesichter sehen. Das ergab die Analyse des Blickverhaltens. Unabhängig vom Geschlecht werden schöne Gesichter zudem länger angesehen als unattraktive.

Aus der Attraktivitätsforschung ist schon länger bekannt, dass bestimmte Merkmale, wie zum Beispiel die Symmetrie eines Gesichts, allgemein als schön bewertet werden. Weniger bekannt ist, ob das, was man schön findet, auch unwillkürlich die Aufmerksamkeit beeinflusst. Eine Forschergruppe um den Kognitionspsychologen Ulrich Ansorge ist der Frage nachgegangen, ob die Attraktivität von Gesichtern Auswirkungen auf Aufmerksamkeit und auf schnelle, sprunghafte Augenbewegungen hat – und ob es hierbei möglicherweise Geschlechtsunterschiede gibt.

Blicke bleiben an schönen Gesichtern länger hängen

Im ersten Experiment zeigten sie 40 Probanden am Computer Bilder von unterschiedlich attraktiven Männer- und Frauengesichtern. Nach einer Sekunde erschien zusätzlich ein Punkt auf dem Bildschirm und die Aufgabe der Versuchsteilnehmer bestand darin, so schnell wie möglich auf diesen Punkt zu schauen. Es wurde registriert, wie lange es dauerte, bis der Punkt fixiert wurde und welche Augenbewegungen dabei erfolgten. Nach Abschluss mehrerer Versuchsdurchgänge beurteilten die Probanden zusätzlich alle Gesichter hinsichtlich ihrer Attraktivität.

Es zeigte sich, dass die Aufmerksamkeit von attraktiven Gesichtern langsamer abgewandt wurde als von weniger attraktiven Gesichtern. Betrachter bleiben bei einem schönen Gesicht also länger „hängen“.

Männer reagieren schneller auf attraktive weibliche Gesichter

Im zweiten Experiment wollten die Forscher wissen, ob schöne Gesichter die Aufmerksamkeit bei Frauen und Männern in gleichem Maße anziehen. Dazu wurden 20 Frauen und 20 Männern am Bildschirm gleichzeitig zwei schöne Gesichter unterschiedlichen Geschlechts gezeigt. Zunächst sollten sie einen Punkt in der Mitte des Bildschirms zwischen den Gesichtern fixieren. Nach kurzer Zeit erschien um ein Gesicht ein grüner und um das andere ein gelber Rahmen. Die Beteiligten sollten ihren Blick so schnell wie möglich auf das Gesicht im gelben Rahmen lenken. Mal befand sich im gelben Rahmen das Gesicht einer schönen Frau, mal das Gesicht eines schönen Mannes.

Die Autoren analysierten auch hier wieder Reaktionsgeschwindigkeit und Blickbewegungen. Sie fanden, dass männliche Versuchspersonen schneller auf attraktive weibliche Gesichter als auf attraktive männliche Gesichter reagierten – während es bei weiblichen Versuchspersonen keinen solchen Effekt gab. Frauen reagierten sowohl auf attraktive Männer als auch auf attraktive Frauengesichter ähnlich schnell.

Methode auf andere Sachverhalte anwendbar

Auch die subjektiven Attraktivitätsurteile in beiden Experimenten zeigten, dass Männer Frauengesichter als attraktiver bewerteten als die Gesichter von anderen Männern.
„Schöne Gesichter bekommen mehr Aufmerksamkeit. Das konnten wir mit unserer Analyse des Blickverhaltens zeigen. Zwar haben wir uns vor allem auf die Schönheit der Gesichter beschränkt, aber unsere Methoden kann man problemlos auf andere Objekte und Fragestellungen anwenden“, sagt Christian Valuch, der die Studie durchgeführt hat.

„Ein besseres Verständnis der menschlichen Aufmerksamkeit ist zum Beispiel auch für die gute Gestaltung von Unterrichtsmaterialien und Medieninhalten, wie Büchern oder Videos und die klinische Forschung relevant, die zunehmend an Aufmerksamkeitsprozessen interessiert ist“, ergänzt Prof. Ulrich Ansorge.

Originalpublikation:

Using eye tracking to test for individual differences in attention to attractive faces
Christian Valuch et al.; Frontiers in Psychology, doi: 10.3389/fpsyg.2015.00042; 2015

9 Wertungen (4.67 ø)

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3 Kommentare:

Ives Maintenant MD
Ives Maintenant MD

Freuen wir uns doch über alles “schöne” auf der Welt,
was gibts daran denn zu meckern,
ist doch selten genug.

Dachte allerdings bisher dass Frau optisch “aufmerksamer” ist als Mann.

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Nichtmedizinische Berufe

Wenn die oder der SCHÖNE blöd ist hilft die SCHÖNHEIT nichts. SCHÖNHEIT kann also soviel MÜLL erzählen wie sie will. KÜNSTLICH erzeugte Welt von SCIENTOLOGIE.
Realitätsfremd. Sie helfen nicht sondern sie VERFREMDEN die Welt und die REALIÄT. Marketing Nicht INHALTE und WISSEN. KLONEN.
Ohne SCHNIPPELN und künstlich sind sie nichts.
Dabei werden selbst Schulreisen nicht mehr nach Schönheit der Schülerinnen vergeben sondern nach LOSEN:
Auch MEDIZINSTUDIENPLÄTZE werden verlost. Also RUSSISCH ROULETTE.
Soll man jetzt bei den Schülern die nicht im Flieger saßen sagen HÄSSLCIH hat überlebt? Pech oder Glück?
Sie haben ja den DARWINISMUS und Rassismus erst geschürt.

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Prof. Dr. med. Gerd E. Rosemann
Prof. Dr. med. Gerd E. Rosemann

Besucher R. Arzt
Frage: Wurde auch die sexuelle Orientierung der männlichen Probanden erfragt, möglicherweise hätten Homophile zu einer anderen Verhaltensweise als Heteros, der vermutlich weitaus größeren Zahl der Teilnehmer, tendiert?

#1 |
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