Strahlung: Kleine Dosis manipuliert Genregulation

28. April 2015
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Auch sehr schwache Strahlung kann physiologische Veränderungen in der Zelle bewirken, die anders und stärker sind als bisher angenommen. Das LNT-Modell hätte damit bei schwacher Bestrahlung keine Gültigkeit mehr. Eine neue Sichtweise auf die Rolle der täglichen Strahlenexposition?

Sehr niedrig dosierte Strahlung hat Auswirkungen auf die Zelle, die man bisher nicht kannte. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam rund um Dr. Valerie Brid O’Leary am Institut für Strahlenbiologie am Helmholtz Zentrum München. Insbesondere die Aktivität von Teilen des nicht-kodierenden Genoms sorgt dafür, dass auch Strahlungsdosen unter 0.1 Gray Ausdruck in der Ausprägung bestimmter Botenstoffe finden. Dies wirft einerseits ein neues Licht auf die Wirkung ionisierender Strahlung, andererseits hilft es bei der Aufklärung der Funktionen von nicht-kodierenden Teilen des Genoms.

Schwache Bestrahlung mit Auswirkung auf Methylierung

Bei der Einschätzung der Strahlenwirkung folgte bisher die Lehrmeinung dem LNT-Modell (engl. Linear No Threshold), das davon ausgeht, dass die Gefährlichkeit von Strahlung linear mit abnehmender Dosis fällt. O’Leary und ihr Team konnten nun aber nachweisen, dass beispielsweise die Expression von MAT2A, einem Tumor-Suppressor-Gen, durch einen Abschnitt der nicht-kodierenden RNA mit dem Namen PARTICLE reguliert wird. Dieser wiederum lässt sich bereits durch sehr niedrig dosierte Strahlung aktivieren. Sie scheint Auswirkungen auf die Methylierung zu haben.

„Ob das einen Einfluss auf das Krebsrisiko hat, lässt sich mit unseren heutigen Untersuchungen noch nicht sagen, aber es ist nicht ausgeschlossen“, sagt O’Leary. „Viel wichtiger aber ist die Tatsache, dass wir zeigen konnten, dass es Strahlenwirkungen gibt, die bisher überhaupt nicht bekannt waren. Das ist ein völlig neues Forschungsgebiet.“

LNT-Modell  widerlegt

Die Forscher konnten damit untermauern, dass die Auswirkungen auch geringster Dosen physiologische Veränderungen in den Zellen nach sich ziehen, die über die Mutation von Genen, wie man sie als Strahlenschäden bisher kannte, weit hinausgehen. Das LNT-Modell verliert damit, so die Forscher, seine Gültigkeit bei schwacher Bestrahlung.

Auch wenn bisher noch zu wenig konkrete Einzelheiten bekannt sind, könnte diese Erkenntnis auf lange Sicht weitreichende Folgen haben bei der Abschätzung der Wirkung von Strahlentherapie oder für den Arbeitsschutz. Im nächsten Schritt will das Forscherteam weitere Abschnitte der nicht-kodierenden RNA und ihre Rolle bei der Strahlenwirkung untersuchen.

Originalpublikation:

PARTICLE, a Triplex-Forming Long ncRNA, Regulates Locus-Specific Methylation in Response to Low-Dose Irradiation
Valerie Brid O’Leary et al.; Cell Reports, doi: 10.1016/j.celrep.2015.03.043; 2015

24 Wertungen (4.71 ø)

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13 Kommentare:

Gast
Gast

es sind sogar 15 erloschene “natürliche” Atomreaktoren in Westafrika

#13 |
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Arzt
Arzt

nach den vielen Quellen in#8
liegt die optimale Dosis für den Mensch wahrscheinlich bei ca. 100mSv/Jahr,
die gibt es nirgendwo in Deutschland.
Eine Rö-Assistentin darf nur max 20/Jahr bekommen,
sonst gibt es Berufsverbot.

#12 |
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Gast
Gast

pardon, Freud´scher Verschreiber:
“14 erloschene “natürliche” Atomreaktoren gefunden.”
muss es natürlich heißen,
nicht erfunden.

#11 |
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Gast
Gast

Ich frag mich auch immer wieder, warum die Medien EINSCHLIEßLICH Dockckeck immer wieder so einen Blödsinn über “genetische” Strahlenschäden bringen,
obwohl sie KEINEN EINZIGEN solchen Schaden vorzeigen können!!!
Keinen einzigen!!!
Es gab in Deutschland nach dem Weltkrieg historisch etwa 10.000 Kontergan-Missbildungen, 4.000 Rötelmissbildungen, danach fast nur noch Alkohol-Missbildungen, (Tabak -> Frühgeburt)
aber keine einzigen Strahlungsmissbildung!!!!
Keine einzige!!!
Und das bei dieser extremen Strahlenschutzüberwachung!!!
Es waren sogar Schwangere dabei, historisch!,
die röntgenologisch durchleuchtet wurden um Aufnahmen zur Embryobewegung zu filmen,
heute natürlich strengstens verboten.
Keine Strahlenmissbildung!
So etwas muss doch dem “Helmholtz-Institut in München” bekannt sein.
Es gibt ja im Netz sogar gefälschte manipulierte Fotos zu Missbildungen,
um Atomangst zu schüren.
Aber wer ernsthaft nachforscht, wird nicht einmal in Japan nach den Atombomben fündig! In Tschernobyl sowieso nicht.
In Westafrika (Gabun) hat man sogar 14 erloschene “natürliche” Atomreaktoren erfunden. Muss ein wahrer Schock für die Naturanbeter sein,
deswegen schweigt man lieber darüber.
http://de.wikipedia.org/wiki/Naturreaktor_Oklo

Das sollte sich langsam ändern!!!
Wie die angebliche Schädlichkeit des
lebenswichtigen CO2

#10 |
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Nichtmedizinische Berufe

In Wahrheit sind die DEUTSCHEN was die Atomenergie betrifft hinterhältig mit der Wiedervereinigung und Tschernobyl umgegangen. Die Regimekritiker der DDR wussten Bescheid, nur diejenigen die weiter LÜGEN sitzen im TV. Auch Frau Merkel wollte erst nach Fukushima einlenken.
Frau Merkel hat nie bedacht das die Gründe für eine Ausreise aus der DDR vielschichtig waren. Es gibt von den Russen bessere Filme als der Film “The Day after!” von den Amis. Ich schätze Frau Merkel war in Berlin nie im KINO.
Den Atomkraftgegner in der BRD haben sie die FRESSE eingeschlagen.

#9 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Eine schöne Zusammenfassung von Kritikern des
offiziell vorgeschriebenen LNT-Modells (linear no-threshold) von 10 Wissenschaftlern aus 5 Ländern gab es Ende
2013 hier:

doi: 10.2203/dose-response.13-044.Socol. eCollection 2014.
oder
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24910586
Titel:
Commentary: ethical issues of current health-protection policies on low-dose ionizing radiation.
daraus:
“The present LNT-model-based regulations impose excessive costs on the society. For example, the median-cost medical program is 5000 times more cost-efficient in saving lives than controlling radiation emissions. There are also lives lost: e.g., following Fukushima accident, more than 1000 disaster-related yet non-radiogenic premature deaths were officially registered among the population evacuated due to radiation concerns.”

Wenn man “Vorsorge” vor einer nicht existierenden Gefahr betreibt wie in Fukoshima, und diese Vorsorge 1000 Todesopfer kosten,
so muss man darüber reden, liebes Helmholtz-Institut in München!

Gott sei dank ist bei diesen 10 Wissenschaftler auch ein mutiger Deutscher dabei:
o. Professor Dr. med., em.
Ludwig E. Feinendegen
bravo, Herr Professor!

#8 |
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Gast
Gast

Das gilt nicht nur für Ramsar sondern für alle “high background radiation areas” (HBRAs) unserer Erde, z.B. hier erwähnt unter “The Radiation Paradox”
http://www.sciencemag.org/content/309/5736/883.1.full
daraus:
“The most interesting feature in all these cases is that the people living in these HBRAs do not appear to suffer any adverse health effects as a result of their high exposures to radiation. On the contrary, in some cases the individuals living in these HBRAs appear to be even healthier and to live longer than those living in control areas that are not classified as HBRAs.”
Übersetzung:
Das Interessanteste Detail in all diesen Fällen, dass Menschen in diesen HBRAs [High Background Radiation Area] leben ist, dass keine negativen Gesundheitseffekte beobachtet werden können. Im Gegenteil, man sieht in einigen Fällen, dass Individuen, die in solchen Gebieten leben sogar gesünder sind und eine grössere Lebenserwartung aufweisen als Individuen, die nicht in solchen Regionen leben.

Für Deutschland ist das z.B. der Schwarzwald

#7 |
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Gast
Gast

Hier was über sehr sehr hohe “natürliche” Radioaktivität:
http://www.windland.ch/doku_allgemein/Karam_Ramsar_natuerliche_Radioaktivitaet.pdf

Das mehrfache von Fukushima

#6 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Leider ist das Helmholtz-Zentrum München berüchtigt für Schauermärchen über Strahlenwirkung, natürlich immer streng begrenzt, wenn dabei der Mensch als Verursacher eine Rolle spielt,
reine politische Pseudowissenschaft.
Dass man einer Strahlung nicht ansehen kann wer sie verursacht hat, sollte einem Naturwissenschaftler bekannt sein.

#5 |
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Radiologe
Radiologe

@Prof. Dr. Roland Glaser, können Sie nicht lesen #1?
Die LNT ist ein Märchen,
im übrigen ist der Mensch kein Auto sondern ein biologisches Geschöpf mit einem “Umgebungsoptimum”. Die LNT für Radioaktivität wäre der allererste Fall einer LINEAREN Dosiswirkungskurve für Umgebungsfaktoren überhaupt.
Sie ist eine menschliche Modellerfindung, keine Realität.
Radioaktivität IST natürlich, nennen Sie mir einen Ort im Universum ohne Radioaktivität. Auch der Mensch selbst strahlt radioaktiv, das sollten Sie als Biologe wissen,
so sehr, dass man damit die genaueste Messung des intrazellulären Volumens machen kann (K40).
http://de.wikipedia.org/wiki/40K-Messung
Auch Wärmestrahlung ist mit dem Leben nicht vereinbar, wenn sie zu heftig ist,
Eiweißdenaturierung ab 50°C, bei 80° geht auch das stabile DNS kapput.
Trotzdem gibt es bekanntlich “Wärmetherapie”, wie es Radontherapie gibt.
Informieren Sie sich besser!
Es sind übrigen Radon-Bäder, keine Radium-Bäder,
ein Gas, das eingeatmet wird. Sie müssen Sich über “Dosierungen” informieren.
Hier noch über Tschernobyl:
Observations on the Chernobyl Disaster and LNT
Zbigniew Jaworowski, aus 2010,
sollte sich auch langsam herumgesprochen haben
http://tinyurl.com/pq25xj3

#4 |
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Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

@ Professor Glaser “Die Russen haben vor 50 Jahren Felder mit Spaltprodukten gedüngt um die Ernte zu erhöhen!” wo haben Sie denn diese Info her ?

#3 |
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Das LNT-Modell besagt ja: “No Threshold”, denn die Effekte verschwinden letztlich im Bereich natürlicher Strahlung und möglicher Reparaturen. Der Artikel von O’Leary et al. überzeugt mich auch nicht. Das Märchen von der Gesundheitsförderung schwacher Strahlen ist vielleicht für den Radiologen tröstlich, hilft auch den Betreibern der Radium-Bädern, ist aber halt nur ein Märchen aus den Anfängen der Radiobiologie, immer wieder aufgewärmt, aber nie nachgewiesen (Die Russen haben vor 50 Jahren Felder mit Spaltprodukten gedüngt um die Ernte zu erhöhen!, in den 20-er Jahren wurde radioaktive Zahnpasta angepriesen ….). Die Strahlenbiophysik ist voll von Hysterie und Euphorie.

#2 |
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Radiologe
Radiologe

“Schwache Strahlung” ist für jeden Fachmann GESUNDHEITSFÖRDERND,
deshalb ist das politische “LNT-Modell” längst widerlegt.
Das Helmholtz Zentrum München soll einpacken, wenn es das nicht weis!
Warum leben Röntgeassistentinnen und Mitarbeiter von Kernkraftwerken länger?
Ein besonders schönes Beispiel dafür war die (unbeabsichtigte) Kobalt60-Bestrahlung in Taiwan, die die Krebsrate drastisch reduziert hat.
“Is Chronic Radiation an Effective Prophylaxis Against Cancer?”
Journal of American Physicians and Surgeons Volume 9 Number 1 Spring 2004

#1 |
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