Werbung: Maulkorb für Apotheker

8. Mai 2015
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Health Professionals müssen beim Marketing nicht nur das HWG beachten. Geht es um Nahrungsmittel mit pharmakologischem Effekt, steckt die Health Claims-Verordnung einen engen Rahmen ab. Für eine Apothekerin ging der Schuss nach hinten los.

Werbung mit Tücken: Beim Kauf von Lebensmitteln achten Konsumenten stark auf Gesundheitsaussagen, sogenannte Health Claims. Eine Studie von Agrifood Consulting und der Georg-August-Universität Göttingen zeigt mögliche Problemfelder: Auf zwei von drei Packungen fanden Experten potenziell irreführende Aussagen zur Wirkung. Auftraggeber der Untersuchung „Gesundheitsversprechen auf Lebensmittelverpackungen“ waren der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und das Projekt Lebensmittelklarheit. Marktforscher haben insgesamt 2.250 Konsumenten befragt.

Ärger mit Gewürzen

Konsumentenschützer sind hellhörig geworden und behalten den Markt im Auge. Jetzt hat die Verbraucherzentrale Sachsen eine Pharmazeutin abgemahnt. Über Flyer beschrieb sie die vermeintlich heilende Wirkung von Kurkuma. Gelbwurz sei nicht nur ein Küchengewürz. Vielmehr schütze die Pflanze vor Alzheimer und Krebs oder helfe gegen entzündliche Prozesse im Körper. Zusammen mit einer Probe des Wunderpülverchens landeten Pamphlete bei Kunden. Die Verbraucherzentrale Sachsen bewertete derartige Aussagen als „wettbewerbswidrig“ und sprach in ihrer Stellungnahme von „Verbrauchertäuschung“. Sie forderte die Apothekenleiterin auf, entsprechende Behauptungen für ein Lebensmittel künftig zu unterlassen. Die Gescholtene hat sich dazu verpflichtet, ab sofort heilberufliche Aussagen über Kurkuma nicht mehr zu veröffentlichen. „Das ist gut so, allerdings nur ein kleiner Schritt in Richtung ehrlichere Gesundheitswerbung für Lebensmittel“, erklärt Anne-Katrin Wiesemann, Referentin Lebensmittelrecht bei der Verbraucherzentrale Sachsen.

„Unzutreffende und absurde Werbeaussagen“

Die Expertin sieht darin keinen Einzelfall. Nach ihrer Einschätzung nehme Werbung mit „halbseidenen Gesundheitsversprechen gerade für Inhaltsstoffe von Pflanzen enorm zu“. Auch in Meinungs- oder Bewertungsforen sei „eine Flut unzutreffender und absurder Wirkaussagen“ zu finden. Konsumenten sollten sich nicht dazu verleiten lassen, Lebensmittel – sei es als Gewürz oder komprimiert in einer Kapsel zur Nahrungsergänzung – zu verwenden, in der Annahme, es könne ein ausreichendes und erfolgversprechendes Mittel zur Selbstbehandlung oder Vorbeugung einer Krankheit sein.

Schnell online

Sachsens Verbraucherschützer raten jetzt allen Bürgern mit ähnlichen Erfahrungen, sich online direkt zu beschweren. Ein vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördertes Portal ermögliche die Eingabe entsprechender Meldungen.

11 Wertungen (4.64 ø)

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12 Kommentare:

Dr. Bayerl
Dr. Bayerl

Grundsätzlich sind “Naturstoffe” ja nichts anderes als “künstliche” Medikamente, denn wir kennen sehr wirksame Gifte in der Natur aber auch die “essentiellen”, also lebensnotwendigen Mikronährstoffe und eine ganze Reihe von sog. “sekundären Pflanzenstoffen” die eindeutig auch potentielle therapeutische Wirkung haben.
Viele Arzneimittel sind ja nichts anderes wie abgewandelte Naturstoffe, vom alten “Digitalis” (Fingerhut) bis zu modernen Chemotherapeutika.
Dabei sind “im Markt” die Naturmittel eindeutig benachteiligt, weil Sie viel weniger “beforscht” sind, schlicht aus finanziellen Gründen. Man kann sie nicht patentieren.
Aufwendig “beforschte” Arztneimittel (Phase 1-4) DÜRFEN daher bei Zulassung Nebenwirkungen haben, Nahrungsergänzung dagegen nicht
und werbende Wirkungsformulierungen sind ebenfalls rechtlich begrenzt, abgesehen davon, dass sie ebenfalls sicher belegt sein müssen.

#12 |
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DocCheck News Redaktion
DocCheck News Redaktion

Liebe Leser,

vielen Dank für Ihre zahlreichen Kommentare.
Bitte bedenken Sie dabei jedoch die Netiquette und diskutieren Sie sachlich.

Ihre DocCheck News Redaktion

#11 |
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Arzt
Arzt

Der Farbstoff Cucurmin=Safran ist verantwortlich für die Wirkung von Kukurma,

“backe backe Kuchen..” war richtig

#10 |
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Gast
Gast

also positiv wird schwer, da Kurkuma nunmal ungleich Safran… wenn “Arzt” seinen wikipedia-link mal lesen (und verstehen!) würde ;-)
und die liebe Apothekerin sollte vielleicht einfach ihren Job machen und Werbung Werbung sein lassen. Mondschein hin, Mondschein her.

#9 |
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Arzt
Arzt

Wahrscheinlich spezielle SafranPflanze bei Vollmond gepflückt mit Extrapreis für Heilpraktiker

#8 |
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Gast
Gast

was sollen bitte die “Spitzfindigkeiten” #4 und #6

kann man das bitte positiv formulieren, damit die Leser vielleicht Teilhabe an ihrer Weisheit haben dürfen?
Und damit die Apothekerin für ihr Reklameprospekt etwas lernt?

#7 |
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Erwin Müller
Erwin Müller

@arzt: vielleicht hätten Sie Ihren Link mal VORHER gelesen… *seufz* und Sie wundern sich, weshalb Kurkuma im Laden immer so billig ist :-)

#6 |
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Arzt
Arzt

zu #4 “seit wann ist Curcuma = Safran?”

immer schon:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kurkuma

#5 |
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Bernd Jas
Bernd Jas

@Gast2#,

seit wann ist Curcuma = Safran?
Curcuma ist zwar auch gelb, hat aber mit Safran nicht das geringste gemein.

@Hanna Busse,

der heilige Gral ERNÄHRUNG, welche Krankheit ist nicht durch sie bedingt, auf jeden Fall wenn man den multiplen Werbeaussagen der Nahrungsmittel-, Pharmaindustrie und der sämtlichen selbsternannten Ernährungsphilosophen Glauben schenkt.
Wenn Sie ernährungstechnisch was lernen wollen hören Sie mal genau hin was Ihr Darmhirn Ihnen zu berichten hat.

#4 |
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Hanna Busse
Hanna Busse

Oh!!!! Hier, haben aber einige Leute Angst, dass sich ganz Deutschland gesund ernährt und keine Arzneimittel mehr braucht.
Ist doch schön, wenn der Patient Ernährungstipps bekommt. Manchmal hilft eben schon die richtige Ernährung.
Indiens Krankheitsstatistik z.B. hinsichtlich Prostatatkrebs zeigt, dass die was besser machen als wir Deutschen. Vielleicht können wir von denen ernährungstechnisch was lernen? Was essen die denn so? Und welche Krankheiten haben die denn auffallend weniger als wir?
Die Verbraucherzentrale verbietet Fachkräften, solche Infos an uns weiterzugeben? Ich dachte, die sind zu unserem Wohl da?

#3 |
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Gast
Gast

#1, ich hoffe ja! Für Aussagen über Nahrungsergänzung, das sind KEINE Medikamente,
benötigt man tatsächlich fast einen Juristen um die richtige Formulierung zu finden,
auch wenn manches ja zweifellos sehr nützlich ist.
Alle Vitamine und Spurenelemente fallen ja auch darunter.

Cucurma ist das alte Gewürz Safran was schon im “backe backe Kuchen..” vorkommt, oder auch Gelbwurz genannt und sicher (nachweislich) förderlich für die Verdauung wie andere Gewürze. Das darf gesagt werden :-)
Es gibt durchaus auch Hinweise auf weitere stoffwechselförderliche Effekte,
hierzu muss man allerdings bei Verkauf und Werbung bestimmte Regeln einhalten.
Ob die immer eingehalten werden, bezweifle ich allerdings.
Hier gilt dann die alte Regel, wo kein Kläger, da kein Richter.

#2 |
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Apothekerin

Gilt das auch für Hersteller von Curcuma Kapseln???

#1 |
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