Komplementärmedizin: Evidenzbasierte Selbst-Placebisierung?

18. Mai 2015
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Konzentrations- und Entspannungsübungen verbessern Physiologie und Heilung. Sie sind Teil der Komplementärmedizin, die es aufgrund unseriöser Heilsversprechen zu Recht schwer hat. Ein seriöser, integrierter Ansatz könnte das tatsächliche Potential auf breiter Basis nutzen.

Kritiker in Deutschland sprechen von einem „populistischen Kniefall“ der modernen Medizin – oder auch von einer „konzeptionellen Beliebigkeit“. Komplementär– und Alternativmedizin haben es gerade wegen unseriöser Heilsversprechen von Scharlatanen und Wunderheilern schwer, obwohl der Patientenwunsch eine ganz andere Sprache zu sprechen scheint. Homöopathie, Akupunktur und Techniken der traditionellen chinesischen Medizin werden von Jahr zu Jahr beliebter.

Glaube an die Heiler

In den USA gibt es um die „Alternative zur Schulmedizin“ weniger Aufregung. Begriffe wie „Salutogenese“ oder „Resilienz“ stehen dort im Ausbildungskonzept vieler medizinischer Fakultäten. Darunter finden sich auch die ganz prominenten Namen wie das Memorial Sloan Kettering oder Harvard. Dort hat man früh erkannt, dass sich etwa die Mind-Body-Medizin und gesicherte Erkenntnisse der EBM (Evidenzbasierte Medizin) durchaus nicht ausschließen.

Mind-Body-Medizin versucht, seelische und neuronale Aktionen für die Genesung zu nutzen. Zu ihr gehört etwa „Achtsamkeit“, die Einübung von fokussierter Wahrnehmung mittels Konzentrationsübungen oder auch Meditationen. Den Begriff brachte der amerikanische Molekularbiologe Kabat-Zinn aus der asiatischen Spiritualität mit und passte ihn an die westliche Kultur an. Die Wirkung geht dabei über einfache Entspannungsübungen für den Körper hinaus, und zielt auf eine nachhaltige Wirkung gegen Krankheiten. Letztendlich lernt der Mensch dabei auch, seine Stoffwechselreaktionen durch kognitive Prozesse zu steuern und für seine Gesundheit positiv zu nutzen.

Stress-Management: Länger leben mit und ohne Krankheit

Der Einfluss solcher Übungen auf den Stoffwechsel ist inzwischen vielfach bewiesen. Er schüttet weniger Kortisol aus, ebenso verändern sich die Spiegel von Zytokinen und anderen Regulatoren des Immunsystems. Die Folgen einer solchen Steuerung und der Wiederherstellung eines seelischen Gleichgewichts finden sich in den Berichten medizinischer Fachzeitschriften: Optimisten erholen sich besser von medizinischen Prozeduren wie etwa einer koronaren Bypass-OP, überstehen Infektionen leichter und haben durchweg ein längeres Leben.

Eine kleine Studie von Tobias Esch an Studierenden in Coburg zeigte den Effekt eines achtwöchigen Stress-Management-Trainings mit den Mitteln der Mind-Body-Medizin: Nicht nur Lebensqualität und Stressresistenz sowie psychisches Wohlbefinden stiegen an. Auch der körperliche Gesundheitszustand verbesserte sich. Nachweisbare Erfolge erzielte diese Art der Komplementär-Heilkunde schließlich bei Multipler Sklerose, wo sich unter anderem die Fatigue-Symptome besserten.

Kognitiv aktivierte Radikal-Inhibitoren

Stammesgeschichtlich alte Gehirnteile im limbischen System wie etwa die Amygdala sind wesentlich an Selbstheilungsmechanismen beteiligt, vielfach aktiviert durch Dopamin. Veränderungen lassen sich durch entsprechende Bildgebung schon nach elf Trainingsstunden bemerken. Dabei reichen, so Elissa Epel [Paywall] von der University of California, schon ein paar Minuten Konzentration auf den eigenen Atem in den Pausen zwischen der Arbeit. Im Vergleich zu Stressgeplagten ist bei ausgeglichenen Menschen das sympathische Nervensystem gedämpft, das parasympathische dafür stärker aktiviert. Stress und Angst, zwei natürliche Reaktionen aus der Frühzeit menschlichen Lebens, bilden, wenn sie nicht mehr abgestellt werden können, Radikale, die wiederum unerwünschte Stoffwechselprodukte erzeugen. Auch die Telomerase-Spiegel, wahrscheinlich mit bedeutender Rolle beim Alterungsprozess, sind bei Menschen niedriger, die gelernt haben, ihren Stresspegel selber zu regulieren. Schließlich zeigen die Genaktivierungsmuster in Leukozyten bei Teilnehmern von Anti-Stress-Kursen schon nach wenigen Wochen signifikante Unterschiede und ähneln jenen, die jahrelang Yoga praktizieren.

Placebo – funktionelle objektivierbare Besserungen

Wahrscheinlich wirken die gesundheitsfördernden Mechanismen der Mind-Body-Medizin auch auf unbewusste Weise. Was aber im Gehirn von Geübt-Ausgeglichenen vor sich geht, ähnelt auch den Reaktionen jener Menschen, die in klinischen Studien vom Placebo-Effekt profitieren. Wahrscheinlich sind es auch hier die positive Erwartung und der Glaube an den Effekt der Behandlung, die entsprechende heilbringende Prozesse stimulieren. Das Placebo wirkt sogar dann, wenn der Patient aufgeklärt und sich dessen bewusst ist, dass seine Pille nicht den Wirkstoff aus der Pharmaforschung enthält, und vom Arzt erfährt, dass seine Arznei schon vielen anderen Kranken geholfen hat. 

Wer weiß, dass Patienten in Deutschland jedes fünfte Medikament nicht oder nicht richtig einnehmen, dass zwei von fünf Pillen gegen Depressionen und 50 Prozent aller Antihypertonika im Abfall landen, der wird schon aus ökonomischen Gründen versuchen, Placebos einen neuen Stellenwert zu geben. So wie es die Bundesärztekammer 2011 in einer mehr als 200-seitigen Stellungnahme getan hat. Eine Expertise von Klaus Linde und Karin Meissner legt den Schluss nahe, „dass Placebointerventionen zwar nicht in den pathogenetischen Prozess einer Erkrankung eingreifen, jedoch sehr wohl funktionelle, objektivierbare Besserungen hervorrufen können“.

In der Praxis, soviel ist sicher, wirken sich Rituale günstig auf die Heilserwartungen des Patienten und damit auch auf seine realen Heilungschancen aus. Eine Spritze, ein Rezept und vor allen Dingen ein Arzt, der seinen Patienten nicht nur durch Handeln, sondern auch mit Worten von seinen Qualitäten überzeugt, steigern die Genesungsrate. Wenn der Arzt mit einer Placebotherapie nicht den Vertrauensvorschuss des Patienten missbraucht, sondern ihn über den Hintergrund seiner Vorschläge informiert, gerät er auch nicht in Konflikt mit dem Selbstbestimmungsrecht des Kranken und seinem eigenen Berufsethos.

Auslagerung der Menschlichkeit

Zulauf bekommen Vertreter alternativer Heilmethoden vor allem deswegen, weil bei ihnen ein größeres Zeitbudget an Zuwendung zum Patienten vorhanden ist. Jutta Hübner von der deutschen Krebsgesellschaft spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer Auslagerung der Aufgabe „Menschlichkeit“ auf zusätzliche Behandler und meint damit die Vertreter alternativer Therapien. „Eine gefährliche Entwicklung“, meint nicht nur sie.

Schon seit dem Jahr 2000 bemüht sich der Arbeitskreis „Pluralismus in der Medizin“ um ein Zusammenkommen von traditioneller Schulmedizin und Therapieformen, die darüber hinausgehen. Das vom ehemaligen Ärztekammer-Präsidenten Hoppe mitbegründete Dialogforum will aber auch unseriöse und fragwürdige Heilslehren abgrenzen. Die ärztliche Therapiefreiheit und Individualität in der Patientenbehandlung mit einer höheren Eigenverantwortung des Patienten kombinieren, so stellen sich die Mitglieder eine integrative Medizin der Zukunft vor. Auf der Webseite des Dialogforums finden sich Links zu Datenbanken der Komplementärmedizin, Literaturhinweise und Hinweise auf Veranstaltungen und Forschungsinstitutionen.

Seriöser Wirknachweis wichtig

Bei aller Begeisterung für die „Integrative Medizin“ sollte man die weitere Entwicklung aufmerksam und wachsam verfolgen. In einem kritischen Artikel zur integrativen Onkologie schreibt etwa David Gorski von der Wayne State University in Detroit in ,Nature Reviews Cancer‘: „Unglücklicherweise beobachten wir, dass zumindest die derzeitige Form integrativer Medizin einen beträchtlichen Teil an schlechter und Pseudowissenschaft einschließt“. Es stimmt: Für viele Anwendungen, die sich zuweilen den Mantel der Mind-Body-Medizin umhängen, gibt es noch keine oder nur sehr wenige gute Studien.

Die Hürden, die ein neuer Wirkstoff oder eine neue Therapieoption in der Schulmedizin bis zur Anerkennung nehmen muss, sollten für Naturheilkunde und die anderen alternativen Medizinformen nicht kleiner sein. Nicht nur die große Nachfrage unzufriedener Patienten, sondern auch die Chancen, die Psyche ebenso wie die genaue Kenntnis des menschlichen Stoffwechsels für die Heilung zu nutzen, könnten einer seriösen Form der sogenannten Mind-Body-Medizin zu einer verheißungsvollen Zukunft verhelfen.

139 Wertungen (3.81 ø)

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28 Kommentare:

Gast
Gast

Ich denke bei einer ganzheitlichen (holistischen) Entfernung eines kranken Großzehennagels – ist gar nicht so einfach wie es klingt – muss man dann den Gesunden auf dem anderen Fuß umbedingt auch entfernen.
Erfordert dann etwas mehr Überzeugungsarbeit, also Konversations-Mühe und
-Talent. Das muss dann natürlich entsprechend holistisch honoriert werden.

#28 |
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Gast
Gast

Leute, Leute… Ganzheitliche Behandlung eines Herzinfarktes? Katheterintervention, Medikamentös, nutritiv, Verhaltenstraining, physisches Training. Wird allerdings die Psyche und/oder ein Phytopräparat vergessen, findet sich immer ein Heilpraktiker und stimmt zusammen mit dem Patienten das Klagelied der vernachlässigten Ganzheitlichkeit an. Dabei war die Akutklinik+Reha+Coronarsportgruppe und regelmäßiger Vor(dann wohl eher Nach-)sorge eigentlich vielmehr ganzheitlich, oder? Der Marketingfehler unserer Schulmedizin ist die Verabreichung des eigentlich (fast) ganzheitlichen Therapieansatzes als gedankliche Trennkost. Hier ist der Hausarzt gefragt, der leider immer weniger Zeit für geschickte Kommunikation haben wird zwischen Hausbesuchsfahrten und dem Ausfüllen von diversen Kassenformularen. Und ja, die Eignung individueller Gesundheitsleistungen zum Placebisieren ist geradezu evident.

#27 |
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Friedel Emmerich
Friedel Emmerich

hallo @GABA und alle ganzheitliche Experten.
Wie stellt man sich bitte die ganzheitliche Behandlung eines Herzinfarktes
oder einer akuten Binddarmentzündung oder von Krampfadern vor?

#26 |
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Heilpraktiker

In dieser Darstellung liegt eine gute Zukunft! Danke!

#25 |
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GABA
GABA

Ganzheitlichkeit mag in der Medizin zu kurz kommen. Sie ist ein Ideal, nach dem man streben, dass man aber nur sehr bedingt erreichen kann UND die Medizin ist sehr viel ganzheitlicher (erfasst also mehr Aspekte) als jede Alternative zur Medizin, welche auch immer dies sein mögen.
Jeder ist selbst für die eigene Ernährung verantwortlich. Weder kann noch will die Medizin hier Vorschriften etablieren. Empfehlungen auf wissenschaftlicher Basis entsprechend dem aktuellen Wissensstand werden sehr wohl ausgesprochen, Patienten, für die dies relevant ist werden entsprechend aufgeklärt, allerdings nicht selten mit geringem Nutzen. Häufig werden lieber Tabletten geschluckt, als Ernährungsgewohnheiten geändert. Auch dies ist kein Versäumnis der etablierten Hochschulmedizin.
Was das Ganze nun mit Phyto”chemikalien” zu tun haben soll erschließt sich mir jedenfalls nicht.

#24 |
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Gast
Gast

Ich denke es ist kaum zu leugnen dass eine ganzheitliche Sichtweise auf den Patienten in der klassischen Schulmedizin absolut zu kurz kommt.
Dabei kann ich persönlich überhaupt nicht nachvollziehen weshalb im Medizin Studium so wenig ernährungswissenschaftliches Fachwissen z.B. über die Auswirkungen von adäquater Ernährung gelehrt wird.
Der Therapiefaktor von optimaler Ernährung wird viel zu sehr ausgeblendet, dabei sind Wirksamkeiten von Phytochemikalien durch gute Studien ausreichend belegt.

#23 |
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GABA
GABA

Patienten werden halt durch Slogans wie die versprochene Sanftheit, Ganzheitlichkeit und Natürlichkeit angelockt. Und man glaubt auch gerne, dass es “uraltes Heilswissen” geben würde.
Dass Menschen auf Werbung reagieren zeigt, dass Werbung gut ist, nicht das Produkt.

#22 |
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Heilpraktiker Karlheinz Sauer
Heilpraktiker Karlheinz Sauer

Ich habe auch den Artikel von Frau Dr. Hübner gelesen und es ist erschreckend, dass die “Menschlichkeit” ausgelagert wird.
Das erkennt man dann auch am Abrechnungswesen der Krankenkassen, wieviel der Arzt noch für seine Behandlung bekommt. Für die “Menschlichkeit” wird er nicht bezahlt. Das ist grausam genug.
Noch spannender ist es, dass Patienten im sehr hohen Maße die Komplementärmedizin Alternativmedizin aufsuchen. Diese müssen sie meistens selbst bezahlen.
Oftmals kann nachgelesen werden, dass die Krankenkosten gesenkt werden.
Wenn man jetzt noch evidenzbasierende Studien benötigt, kann ich selbst nicht nachvollziehen.

#21 |
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GABA
GABA

Ein großes Problem ist schon die relative Unschärfe in den Begrifflichkeiten. Vieles, was unter “Alternativmedizin” oder “Komplementärmedizin” angeboten wird ist schlicht nicht, was auf der Verpackung steht. Häufig ist es Paramedizin also GAR KEINE Medizin.
Eine wissenschaftlich orientierte und auf Evidenz gründende Medizin sollte den angesprochenen “populistischen Kniefall” in keinem Fall vollziehen.
Es geht hier nicht nur um die Methoden sondern auch um schlecht ausgebildete (wenn überhaupt) nichtärztliche Anbieter solcher Methoden.

Eine großer Schritt in die richtige Richtung wäre es das Heilpraktikerwesen und das Geistheilerwesen nicht weiter zu dulden.

Paramedizin ist, auch durch teils fragwürdige Versprechungen stark in Mode und ich sehe ein größer werdendes Problem in Diagnoseverschleppung und damit Therapieverschleppung, weil sich Menschen irgendwelchen Hobbyheilern anvertrauen.

#20 |
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Dr. Riva Gallieri
Dr. Riva Gallieri

@Dr. Klaus Umbreit, besonders schlimm ist dieser Trägheitsstress.
Man kann einfach nicht mehr vernünftig schlafen, wenn man schon den halben Tag verpennt hat.
@Karl-Heinz Licht den brutalen Stress gabs vielleicht bei den Norwegern auf den Lofoten,
aber nicht in Afrika, wo die Bananen in den Mund gewachsen sind,
das macht auch tiefgreifende Unterschiede in der Volksmentalität.

#19 |
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Heilpraktikerin

Warum werden eigentlich Komplementärmedizin, Alternativmedizin, Akupunktur und andere wissenschaftlich bewiesene Methoden immer gleich mit in den Topf “Heiler, unseriöse Heilversprechen” geworfen?
Wenigstens in einem Fachforum sollte man erwarten können, dass getrenntes auch getrennt bleibt. Heilpraktiker bieten beispielsweise Akupunktur, Injektionen, Labormedizin und Behandlung mit Medikamenten an. Heiler dürfen das nicht. Ein Heilpraktiker (so denn keines der wenigen schwarzen Schafe einer jeden Zunft) wird sich hüten, ein Heilversprechen abzugeben. Ich selbst betone es immer ausdrücklich, dass es in der Medizin, egal welcher Sparte, keine Garantien geben kann.
Ein Heilpraktiker hat sich einer Prüfung zur Anerkennung unterzogen und ist bei den Gesundheitsämtern mit seiner Praxis registriert. Für ihn gibt es Regeln und gesetzliche Vorgaben.
Ein Heiler hat das alles nicht. Er darf keine Medikamente verordnen und nicht invasiv arbeiten. Er darf auch keine Diagnosen stellen. Ein Heiler kann jeder sein. Auch jemand ohne abgeschlossene Schul- und Berufsausbildung. Sogar ohne Wohnsitz und ohne Praxis.
Somit kann der zitierte Wunsch der Patienten nach Homöopathie, Akupunktur und den Techniken der traditionellen chinesischen Medizin überhaupt nichts mit Wunderheilern und Scharlatanen zu tun haben. Diese können diese Wünsche naturgemäß nicht mal ansatzweise befriedigen. Sollten sie das tun, so könnten sie sich leicht vor dem Strafrichter wiederfinden. So etwas würde jedoch mit Freude von der Boulevardpresse ausgeschlachtet werden.
Da das nicht passiert, halte ich diesen suggestiven Zusammenhang für schlicht nicht wahrheitsdienlich. Hier ist eine konkrete und wissende Zuordnung journalistisch notwendig.

Sonst ein guter Artikel, der Weg ist aber noch sehr lang bis sich so mancher Geist dem ihm bisher Unbekannten öffnet.

#18 |
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Dr. Riva Gallieri
Dr. Riva Gallieri

Dr.sc.agr. Ludgera Warnecke merken Sie sich einfach, dass es “die Schulmedizin” gar nicht gibt, das wird leider nur missbraucht und soll wohl “die Ärzte” heißen.
Und bei Psychiatern und vor allem Psychologen verschwimmt die Grenze zwischen seriöser und unseriöser Medizin zuhehends, da hat #1 völlig recht.
“Tiefenpsychologie” a la Sigmund Freud ist EINDEUTIG Pseudowissenschaft.
Ich kannte auch einen Kinderarzt (Professor), der bei Neurodermitis der Mutter ernsthaft eingeredet hat, dass sie ihr Kind als Baby zu wenig geliebt hat.
Wem ist bei so einem Unsinn bitte geholfen???
Und trotzdem verdient man noch Geld damit.

#17 |
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Heilpraktikerin

Über diese Artikel, in denen Naturheilverfahren dargestellt werden, als könnten sie nur ergänzend eingesetzt werden, kann ich mich nur ärgern. Ich, als praktizierende Homöopathin, und das erfolgreich, sehe viele gute Heilungsverläufe, die die Schulmedizin so schnell und ohne durch eine andere Krankheit zu ersetzen, nicht hinbekommt. Und zu mir kommen Patienten, die die Schulmedizin schon ausgiebig ausprobiert haben. Das mit dem Placeboeffekt immer abzutun finde ich erbärmlich und engstirnig. Ich selbst bin zur Homöopathie gekommen, weil die Schulmedizin meinem Kind die Neurodermitis nicht nehmen konnte. Geglaubt habe ich das aber. Nachdem alle Versuche, und ich habe große Geduld, nicht fruchteten, habe ich erst die Homöopathie in Anspruch genommen, auch nur als Versuch. Und siehe da, mein Kind wurde gesund, ohne Asthma zu entwickeln und ich trage diese Erfahrung und viele andere in die Welt. Erfahrung ist zwar nicht zu messen, überzeugt mich aber, da selbst erlebt!

#16 |
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DocCheck News Redaktion
DocCheck News Redaktion

Liebe Leser,

vielen Dank für Ihre zahlreichen Kommentare.

Bitte beachten Sie jedoch die Netiquette und diskutieren Sie sachlich und themenbezogen.

Ihre DocCheck News Redaktion

#15 |
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Markus Schlager
Markus Schlager

Hach, und sie bewegt sich doch!… die Schulmedizin. Schön! Danke, Herr Lederer, es könnte ein Anfang sein ;-)

#14 |
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Der chronische Stress als “Gift” für das Alter ist nicht das “zu viel” an Kortisol (s. Kaiser/Kley: Cortisontherapie. Das Hormon des Lebens), sondern sein Defizit bei der Glykogen-Versorgung der Neurone durch Trägheit der entsprechenden Enzyme. Deshalb sind die diversen Ruhe-Phasen als Erholung der großé Vorteil! Nicht ohne Grund leben die meisten 100jährigen in den Bergdörfern der Abruzen oder Sardiniens. (beschrieben von Marc Chatenieu).

#13 |
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Dr. Michael H. Süß
Dr. Michael H. Süß

Internationale Studien zeigen zunehmend, dass alle stressassoziierten Krankheisbilder mit einer Störung im Zusammenwirken von Herz, Nervensystem und Emotionen einhergehen. Dieses Zusammenwirken wird über das vegetative Nervensystem gesteuert. Leider hat das vegetative Nervensystem in Deutschland keine Lobby. Es wäre wünschenswert, wenn sich im Rahmen einer Integrativen Medizin oder auch Mind-Body-Medizin die seelenlose Körpermedizin und die körperlose Seelenmedizin vereinigen würden, im Sinne aller Patienten mit Prozessen von Chronifizierung und Degeneration.

#12 |
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Wolfgang
Wolfgang

Es gibt sowohl alternative als auch komplementäre medizinisch berechtigte Maßnahmen. So kann man alternativ (!) zu Metformin auch naturheilkundlich einen Diabetes mellitus behandeln, indem man eine spezielle Diät einhält und ein mind. 1 stündiges Ausdauertraining täglich durchführt. Es ist eine Frage der Motivation und der Individualität, die die klassische Klientel des Homöopathen mitbringt!

Dann gibt es für Diabetes auch Mineralstoffe (z.B. Zink) und Pflanzenextrakte, die in der komplementären Situation verabreicht werden. Dies wäre eine Möglichkeit für weniger motivierte Patienten, d.h. sogar zweitrangig in der Bedeutung!

Ich bin nicht der Meinung, daß die NHK nur die Schulmedizin ergänzen kann.

#11 |
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Medizinjournalist

Noch besser ist es den Körper mit all seinen genialen Einrichtungen zur Heilung zu aktivieren und zusätzlich die Mind-Body-Methoden einzusetzen. Er reagiert auf Anforderung. Eine Spezies, die nahezu keine Chancen auf diesem Planeten hatte – also wir – ist auf brutalen Mangel eingerichtet und muss sich anstrengen, um an Nahrung zu kommen. Diese direkte Abhängigkeit unseres Körpers von echter Anstrengung werden wir nie los. Da liegen die großen und die billigen Chancen, gesund zu werden und zu bleiben. Artgerechte Haltung und die Medizin darf ein wenig helfen. Aktuell sind wir in der Phase, wir machen und essen gar nichts mehr, was gesund ist und gehen lieber in die Werkstatt. Absolut grauselig diese Konsumherden.

Noch grauseliger ist nur die Überschrift dieses Artikels. Sie zeigt deutlich, wie weit weg wir von Selbsterkenntnis sind.

#10 |
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@Dr. med. Susanne Bihlmaier #1: Sie haben es auf en Punkt gebracht. Ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Es geht nicht um ein “entweder oder”, sondern um begleitende, unterstützende naturheilkundliche Maßnahmen! ES GIBT NUR EINE MEDIZIN, die alles Hilfreiche für den Patienten leistet.
Diagnostik und gegebenenfals Primärbehandlung muss schulmedizinisch gesichert sein. Dennoch sollten Möglicheiten, aber auch Risiken naturheilkundlicher Methoden nicht unterschätzt werden. Daher ist eine seriöse, umfassende HP-Ausbildung unerlässlich.
Ich halte es zudem für wichtig, bei der Naturheilkunde stärker methodenspezifisch zu differenzieren. Homöopathie ist nicht ein Synonym für Naturheilkunde, sondern nur ein kleiner – mit relativ wenig wissenschaftlicher Evidenz ausgestatteter – Teilbereich. Akupunktur, Neuraltherapie. Blutegel haben ihre Wirksamkeit dagegen evident unter Beweis gestellt und schließen den obsoleten Graben zur Schulmedizin. Naturlich gilt auch bei diesen Methoden – nicht als alternative, sondern als ergänzende Therapie!
Placebo-Effekt ist ein Segen – für die gesamte Medizin.

Sehr guter Arikel, Herr Lederer – Danke!

#9 |
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Gast
Gast

Complement, war das nicht gegen Hepatitis C??????

#8 |
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Psychotherapeut

“Konzentrations- und Entspannungsübungen verbessern Physiologie und Heilung. Sie sind Teil der Komplementärmedizin, die es aufgrund unseriöser Heilsversprechen zu Recht schwer hat.”
So generell wie hier formuliert sind diese Aussagen falsch. Bei genauerer Betrachtung:
Erster Satz nur je nach Diagnose richtig. Der zweite Satz macht zwei Aussagen gleichzeitig: davon ist der erster Teilsatz komplett falsch, der zweiter Teilsatz nur teilweise richtig, da es DIE Komplementärmedizin gar nicht gibt.
Entspannungsmethoden wie PMR oder Autogenes Training oder auch Biofeedback sind gut erforscht und seit langem Teil der Mainstream-Psychotherapie und keineswegs irgendwie esoterisch-komplementär oder unseriös. Die vegetative Wirkung ist gesichert und auch augenscheinevident. Es gibt wohl keine psychosomatische Abteilung in Deutschland, die nicht systematische Entspannungsmethoden anbietet. Achtsamkeitsbasierte Interventionen – hier als “Konzentrationsübungen” bezeichnet sind heutzutage beispielsweise weltweit in der Therapie von Borderline-Persönlichkeitsstörungen unverzichtbar und innerhalb der Verhaltenstherapie – genauer: Dialektisch Behaviorale Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung – unverzichtbar geworden und auch erforscht und manualisiert.

#7 |
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Heilpraktikerin

Mal wieder eine Art der Voreingenommenheit, die ich als HP (psych., für die die´s genau möchten) nicht leiden kann.
Wir wissen dass z.B. Probanden, die hypnotisiert (Leerhypnose) wurden, hinterher Veränderungen des Blutbildes zeigen, u.a. Lk-Wert.
Woanders, GB, USA,… werden diese Techniken bereits in Krankenhausabläufen genutzt, mit Effekten der besseren Beschwerdefreiheit und Heilung sowohl der Patienten als auch des Klinikbudgets.
In einem bekannten Fall in den USA, es wurde eine Abteilung geteilt und für eine ein Hypnotherapeut eingestellt und die Kosten dann verglichen, betrug die Ersparnis etwa 1/3.
Entspannung, hypnotische Phänomene (Analgesie, Anästhesie etc.), Biofeedback und viele andere gehören nicht der “Alternativmedizin” – hier wohl eher abschätzig bzw. im Sinne von Pseudowissenschaft gebraucht – an, sondern der Schulmedizin, weil Teil der Psychologie dh. Verhaltenspsychologie – siehe z.B. Lerntheorien, und diese sind seit ewigen Zeiten im Gebrauch und werden seit weniger ewigen Zeiten wissenschaftlich erklärt, werden woanders mit Erfolg genutzt und wir leisten uns hier fast immer noch die Hexenver-brennung. Man möge sich doch bitte kundig machen.
Aus dieser Sicht haben “pseudowissenschaftliche” Techniken, auch wenn sie mit weniger Einblick in die Materie angewendet werden, durchaus ihren Sinn und ihre Berechtigung, egal wie man jetzt zu dem Personenkreis steht mit dem diese in Verbindung gebracht werden.

#6 |
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Herr Lederer sollte sich mit Pauschalisierungen zurückhalten, denn auch nicht alle journalistisch Tätigen schreiben Unwahrheiten und hätten es somit zu Recht schwer.
Solch nahetretenden Untertitel verleiden es mir, den Artikel weiter zu lesen.

#5 |
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Bevor ich begann klassische Homöopathie zu praktizieren arbeitete ich als normale Psychiaterin in bereits 5 Jahre in einer psychiatrischen Klinik. Mit Homöopathie sah ich bei den mir bekannten seit Jahren chronifizierten PatientInnen Erfolge. Bei neuen Pat. brauchte ich 1/3 weniger Therapiestunden. Das war keine Placebowirkung, da ich ja die gleiche Therapeutin war und zu beginn keineswegs überzeugt von der Wirkung war. Ich arbeite jetzt systemisch orientiert in einer Gruppenpraxis mit körperorientierten Therapeuten zusammen, wo wir exakte Indikation für die verschiedenenTherapieformen stellen. Mit überraschenden Resultaten.

#4 |
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Grundsätzlich stimme ich den Aussagen des Artikels zu. Ich bin selbst komplementärmedizinisch tätig. Jedoch hat die Nachweisbarkeit und Überprüfbarkeit gerade der psychovegetativ wirksamen Methoden ihre Grenzen. Auch die evidenzbasierte Medizin orientiert sich nicht nur nach doppelblind Studien sondern auch nach der Empirie. Dies ist ausdrücklich in den Vorgaben einer evidenzbasierten Medizin angegeben. Es gibt nur wenige gesicherte Erkenntnisse auch in der heutigen evidenzbasierten Medizin. In der Praxis weiß jeder klinisch tätige Kollege, dass die Erfahrung und die spezielle Patientensituation den Ausschlag für einen optimalen Therapieansatz sind.

#3 |
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Psychotherapeut

“Die Hürden, die … eine neue Therapieoption in der Schulmedizin bis zur Anerkennung nehmen muss, sollten … für die anderen alternativen Medizinformen nicht kleiner sein.” Nett gesagt: “muss” und “sollte”. Aber bitte das auch mal zu ende denken und ne Lösung präsentieren.
Das Problem der sog.”evidenzbasierten Medizin” ist ja auch, dass nicht alle Therapien die selben fairen Chancen haben, so umfassend und teuer beforscht zu werden, wie es für ein profitträchtiges neues Medikament von Pharmakonzernen getan werden kann. Hier ist evidenzbasierte Medizin leider wohl auch = kapitalbasierte Medizin. Die schräge Logik: Was nicht beforscht wird ist nicht evidenzbasiert. Das riecht stark nach geheucheltem pseudo-Wissenschaftsethos. Welcher Pharmakonzern würde beispielsweise Geld ausgeben, den therapeutischen Nutzen von schnödem Marihuana bei konventionell austherapierten PTSD-Kriegsveteranen der US-Army “evidenzbasiert” fair und umfassend statistisch zu erfassen? Wie schwierig das ist, mit beschränkten Mitteln und gegen den politischen Wind dennoch sauber zu forschen zeigt sich an Dr. Sue Sisley, die genau das versucht hat: https://www.youtube.com/watch?v=e5g0tnTOCwU Sicher gibt es noch viele weitere Bespiele für unfairen Kapital-Selektivismus, der manchmal als erhabener Wissenschaftsethos daher kommt, sich evidenzbasiert nennt und dann als gesundheitspolitische Keule gegen andere Ansätze benutzt werden kann. In dem Artikel hätte ich mir eine differenziertere Darstellung der verschiedenen Probleme mit der Evidenzbasierung gewünscht, anstatt immer nur beim “man sollte” zu bleiben. Aber vielleicht sollt ja auch nur etwas gezündelt werden – hat bei mir funktioniert ;)

#2 |
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Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

Zu beachten für die Diskussion: Komplementär heisst laut Duden “ergänzend”, nicht(!!!) alternativ. Und ergänzend bedeutet, dass die konventionellen Verfahren ergänzt werden, nicht ersetzt durch jegliche “Alternativverfahren”. Damit will m.E. jeder Therapeut, jede Therapeutin der/die komplementäre Verfahren einsetzt, auch aufzeigen, dass erstens die konventionellen Verfahren akzeptiert werden und es zweitens um ein PLUS FÜR die Patienten geht, nicht um Rechthaberei auf dem Rücken der Patienten.

#1 |
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