ALS: TBK1-Mutation stoppt Interaktion

27. April 2015
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Sowohl bei der familiären Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) als auch der Frontotemporalen Demenz (FTD) finden sich Mutationen im Gen TBK1. Mit der Entdeckung von TBK1 als ALS-Gen erschließt sich ein ganzes Netzwerk von Genen, deren Mutation ALS verursachen könnte.

Prof. Dr. Jochen Weishaupt und sein Forscherteam haben in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Humangenetik in München die DNA von 252 Personen mit familiärer ALS sowie die von 827 gesunden Menschen untersucht. Dabei haben sie bei den ALS-Patienten in einem Gen namens TBK1 acht Mutationen entdeckt, die in diesen Patienten ALS verursachen. Diese Mutationen wurden bei den gesunden Personen und den zusätzlich 1.010 getesteten Personen, bei denen sich die ALS sporadisch entwickelt hat, nicht gefunden.

TBK1 steuert Entzündungen und baut beschädigte Proteine der Zelle ab

Das TBK1-Gen steht für ein Protein, das Entzündungen steuert und beschädigte Proteine der Zellen abbaut. „Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir noch nicht, welche dieser beiden grundsätzlichen Funktionen die relevantere im Zusammenhang mit ALS ist. Fest steht, dass in Zellen, in denen mindestens eine der beiden Gen-Kopien von TBK1 mutiert ist, das entsprechende Protein nicht mehr ausreichend produziert wird oder nicht mehr mit wichtigen anderen Proteinen interagieren kann,“ erläutert Weishaupt. TBK1 interagiert mit zwei weiteren „Zellreinigungs“-Genen, OPTN und SQSTM1, deren Mutationen ebenfalls für ALS verantwortlich gemacht werden. Somit erschließt sich mit der Entdeckung von TBK1 als ALS-Gen erstmalig ein ganzes Netzwerk von Genen, deren Mutation ALS verursachen kann.

Nach jetzigem Stand ist TBK1 zwar nur in etwa zwei Prozent der Fälle bei den an familiärer Form erkrankten ALS-Patienten in Deutschland und Schweden nachweisbar, erlaubt aber dennoch wichtige Hinweise auf prinzipielle Vorgänge in den Gehirnzellen, welche zum Ausbruch von ALS oder FTD führen, was für die Grundlagenforschung von großer Bedeutung ist und zur Entwicklung neuer Therapieprinzipien führen könnte. Als nächstes gilt es herauszufinden, ob die TBK1-Genmutation auch in anderen Ländern gefunden wird und welche dadurch ausgelösten Veränderungen in der Zelle am wichtigsten sind.

Originalpublikation:

Haploinsufficiency of TBK1 causes familial ALS and fronto-temporal dementia
Jochen Weishaupt et al.; Nature Neuroscience, doi: 10.1038/nn.4000; 2015

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