Multiples Myelom: Therapieschemata im Vergleich

28. April 2015
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Zur Behandlung des Multiplen Myeloms setzen Onkologen meist eine von zwei etablierten Wirkstoffkombinationen ein. Ein direkter Vergleich zeigt: Das Therapieschema mit Cyclophosphamid zeigt vor allem hinsichtlich des Nebenwirkungsprofils signifikante Vorteile.

Rund 5.800 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu am Multiplen Myelom, einer bislang meist unheilbaren Krebserkrankung des blutbildenden Knochenmarks. Eine Hochdosis-Chemotherapie gefolgt von einer Transplantation mit eigenen Stammzellen aus dem Knochenmark ist heute die wirksamste Behandlungsform für jüngere Patienten und bietet die Chance auf langfristige Krankheitskontrolle. Neue Medikamente in Kombination mit der Stammzelltransplantation haben den krankheitsfreien Zeitraum und das Gesamtüberleben bei Patienten im Alter bis zu 70 Jahren inzwischen auf über zehn Jahre verlängert.

Um bei der Blutstammzelltransplantation vor der Entnahme der gesunden Stammzellen die Krebszellen möglichst weit zu reduzieren, werden Myelompatienten in der Regel mit drei bis vier Zyklen einer Kombinationschemotherapie behandelt. Hämatoonkologen stehen dazu mehrere bewährte Wirkstoffkombinationen zur Verfügung, die meist das Krebsmedikament Bortezomib enthalten. Bei diesen Kombinationen kommt in Deutschland zu Bortezomib noch Cortison sowie oft entweder das Medikament Cyclophosphamid oder Doxorubicin hinzu. Bislang werden diese als gleichwertig angesehen. Ein direkter Vergleich in einer großen, multizentrischen Studie unter Federführung des Universitätsklinikums Heidelberg zeigt: Die eine Wirkstoffkombination ist besonders in Bezug auf die Nebenwirkungen deutlich überlegen. Patienten, die diese Chemotherapie erhalten, leiden seltener unter Nervenschmerzen oder Blutgerinnungsveränderungen. Außerdem müssen sie während der Behandlung seltener stationär aufgenommen werden. An der Studie mit 504 Patienten, der bislang größten Studie dieser Art in Deutschland, beteiligten sich 31 gößtenteils universitäre Zentren und 75 niedergelassene Onkologen.

Weniger Nebenwirkungen und Krankenhausaufenthalte

Der Anteil der Patienten, die sehr gut auf die Behandlung ansprechen, ist bei beiden Kombinations-Chemotherapien (Cyclophosphamid oder Doxorubicin) vergleichbar und liegt bei rund einem Drittel. Relevante Unterschiede zeigten sich jedoch bei der Anzahl an Patienten, die gar nicht auf die Behandlung ansprachen: Dies waren in der Cyclophosphamid-Gruppe nur ein Patient (0,4 Prozent), in der Doxorubicin-Gruppe 12 Patienten (4,8 Prozent). Auch bei den Nebenwirkungen zeigten sich deutliche Unterschiede: In der Cyclophosphamid-Gruppe musste sich nur etwa ein Viertel (24 Prozent) der Patienten wegen schwerer Nebenwirkungen wie Infektionen, oder Blutgerinnungsveränderungen stationär behandeln lassen, in der Doxorubicin-Gruppe waren es dagegen ein Drittel (32,7 Prozent). „Ausgehend von diesen eindeutigen Ergebnissen empfehlen wir, falls keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, die Wirkstoffkombination mit Cyclophosphamid vorzuziehen“, sagt Erstautor Dr. Elias Mai vom Heidelberger Myelomzentrum. „Bei diesem Nebenwirkungsprofil sind sogar vier Zyklen Chemotherapie vor der Stammzellentnahme sinnvoll. Das kann den anschließenden Behandlungserfolg verbessern.“

Originalpublikation:

Phase III trial of bortezomib, cyclophosphamide, dexamethasone (VCD) versus bortezomib, doxorubicin, dexamethasone (PAd) in newly-diagnosed myeloma
Elias K. Mai et al.; , doi: 10.1038/leu.2015.80; 2015

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