Herzratenvariabilität: Einflussfaktor Alltagslärm

3. Mai 2013
Teilen

Alltagslärm kann sich negativ auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. Ein möglicher Wirkmechanismus wurde bisher kaum in Studien untersucht. Forscher konnten nun zeigen, dass auch Geräusche des alltäglichen Lebens die Herzratenvariabilität beeinflussen.

Der Zusammenhang von Lärmbelastung, v.a. hohen Lärmintensitäten, und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist aus früheren Studien bekannt. Die Wissenschaftler um Ute Kraus von der Arbeitsgruppe “Environmental Risks”, unter der Leitung von Dr. Alexandra Schneider am Institut für Epidemiologie II (EPI II) am Helmholtz Zentrum München (HMGU), haben nun auch die Folgen unserer täglichen Geräuschkulisse untersucht und dabei herausgefunden, dass diese ebenfalls gesundheitliche Risiken birgt.

Auswertung der KORA-Studie
Die Wissenschaftler werteten Daten einer Studie an Teilnehmern der bevölkerungsbasierten KORA-Studie aus. 110 Teilnehmer wurden wiederholt mit Messgeräten ausgestattet, die über ca. sechs Stunden sowohl die Herzfrequenz, als auch den Umgebungslärm aufzeichneten. Die Lautstärkenwerte wurden bei einem Grenzwert von 65 dB in zwei Gruppen eingeteilt und für jede Gruppe wurden die zugehörigen Herzraten bzw. die Herzratenvariabilität (HRV) analysiert. Die HRV beschreibt die Anpassungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems an momentane Erfordernisse und wird durch das autonome Nervensystem gesteuert. Das autonome Nervensystem besteht aus Nervengruppen des sogenannten Sympathikus und Parasympathikus. Eine Aktivierung des Sympathikus sowie eine Dämpfung des Parasympathikus führen zu einer Erniedrigung der HRV. Eine niedrige HRV stellt einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar.

Nicht allgemeingültig
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die HRV bei einem Anstieg des Lärms um 5 dB sowohl im Bereich von hoher als auch niedriger Lautstärkenintensität reduziert war. “Die Studie zeigt, dass nicht nur höhere Lärmintensitäten Stresswirkung und Gesundheitsschäden zur Folge haben, sondern auch niedrigere Lärmintensitäten negative Gesundheitseffekte verursachen können”, sagt Prof. Dr. Annette Peters, Direktorin des EPI II. “Aktuell untersuchen wir die Quellen von Lärm aus dem täglichen Umfeld. Dabei wäre es auch interessant, die Studie an jüngeren Teilnehmern unter Einbezug des Belästigungsempfindens sowie anderer Gesundheitsparameter, wie z.B. dem Blutdruck, zu wiederholen.” Da das durchschnittliche Alter der Studienpopulation bei 61 Jahren lag, ist eine generelle Übertragung der Ergebnisse auf die Gesamtbevölkerung nur eingeschränkt möglich.

Neue Ansätze entwickeln
Umweltfaktoren und Lebensstil tragen wesentlich zu der Entstehung weit verbreiteter Erkrankungen in Deutschland, wie Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes mellitus, bei. Ziel ist es, neue Ansätze für Diagnose, Therapie und Prävention der großen Volkskrankheiten zu entwickeln.

Originalpublikation

Individual Day-Time Noise Exposure during Routine Activities and Heart Rate Variability in Adults: A Repeated Measures Study, Environmental Health Perspectives

Kraus, U. et al.; Environ Health Perspect; http://dx.doi.org/10.1289/ehp.1205606; 2013

21 Wertungen (4.14 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

2 Kommentare:

Andrea Bevc
Andrea Bevc

Wesentlich in diesem Zusammenhang ist, daß eine generelle Übertragung der vorliegenden Ergebnisse auf die Gesamtbevölkerung ohne Beachtung des individuellen Umfeldes und der cognitiven Grundleistung in keinster Weise möglich
ist. Weitere differenzierte UntersuchungeSSINND aus diesem GRRRund unnnerlässlichh.

#2 |
  0
Prof. Dr. Dr. Wulf von Restorff
Prof. Dr. Dr. Wulf von Restorff

Da ist ein wenig Unfug in dem Artikel:
“Eine niedrige HRV stellt einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar.”
Dann müsste jedes schnellere Gehen mit HF ohne HRV bereits ein Risiko sein, dabei ist Sport doch gesund.

Dem Berichterstatter scheint unbekannt, dass die HRV mit dem Alter deutlich abnimmt (beim statistischen Mittelwertsmenschen).

“haben nun auch die Folgen unserer täglichen Geräuschkulisse untersucht und dabei herausgefunden, dass diese ebenfalls gesundheitliche Risiken birgt.” eine kühne Behauptung, wenn keine Verlaufsbeobachtung berichtet wird.

MfG
WvR (Physiologe)

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: