MS bei Kindern: Was bestimmt die Prognose?

30. April 2015
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Die internationale Forschungsallianz GRACE-MS untersucht die Diagnose- und Therapieoptionen bei Kindern mit Multipler Sklerose. Erstmals konnte sie die prognostische Bedeutung von Optikusneuritis auf das Risiko für die MS-Entstehung belegen und konkretisieren.

Die Multiple Sklerose (MS) beginnt aus unbekannten Gründen bei drei bis fünf Prozent der Betroffenen bereits im Kindesalter. „Gerade bei dieser jungen Patientengruppe gibt es viele offene Fragen zur richtigen Diagnose und Therapie“, sagt Privatdozent Dr. Mathias Buttmann von der Neurologischen Universitätsklinik Würzburg. So müssten bei Kindern bei der Diagnosestellung zum Beispiel Erkrankungen zusätzlich berücksichtigt werden, die im Erwachsenenalter kaum eine Rolle spielen. Zudem seien die diagnostischen Kriterien der MS bei Kindern weniger gut etabliert als bei Erwachsenen. „Auch bei der Therapie besteht Forschungsbedarf“, ergänzt Dr. Nicole Heußinger, Neuropädiaterin am Klinikum Aschaffenburg. Während es für Erwachsene inzwischen viele, in Studien gut untersuchte Medikamente gebe, fehlten solche kontrollierten Studien für Kinder mit MS.

Optikusneuritis – was nun?

In einem ersten gemeinsamen Projekt untersuchten die Forscher an 357 Kindern mit einer isolierten Optikusneurits rückblickend, welche Faktoren eine Prognose zur Entstehung einer MS im weiteren Verlauf erlauben. Diese Frage hat eine unmittelbare, praktische Bedeutung für die Entscheidung über den frühen Beginn einer vorbeugenden Therapie. Schließlich ist die Sehnervenentzündung im Kindesalter eine sehr seltene Erkrankung, die häufiger als bei Erwachsenen beidseitig auftritt und seltener als bei Erwachsenen in eine MS übergeht. Im Rahmen der aktuellen Arbeit wurden frühere, kleinere Studien darin bestätigt, dass ein höheres Alter und ein pathologischer Befund in der MRT des Kopfes voneinander unabhängige Risikofaktoren dafür darstellen, im Verlauf eine MS zu entwickeln.

Liquor und MRT weisen den Weg

Erstmals belegt werden konnte außerdem die prognostische Bedeutung des Liquorbefunds bei Kindern mit Optikusneuritis: Der Nachweis oligoklonaler Banden ging mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einher, im Verlauf eine MS zu entwickeln. Besonders hoch war zudem die kombinierte Aussagekraft der cMRT und des Liquors: Ein auffälliger Befund in beiden Untersuchungen bedeutete ein mehr als 20-mal höheres MS-Risiko, als es bei unauffälligen Befunden beider Untersuchungen der Fall war. „Diese wichtigen Ergebnisse haben unmittelbare Bedeutung für die diagnostische Abklärung und Behandlung von Kindern mit Optikusneuritis. Nach diesem gelungenen Auftakt hoffen wir, im Rahmen von GRACE-MS noch viel mehr für Kinder mit MS zu erreichen“, kommentieren Dr. Heußinger und Dr. Buttmann.

Originalpublikation:

Oligoclonal bands predict multiple sclerosis in children with optic neuritis
Nicole Heußinger et al.; Annals of Neurology, doi: 10.1002/ana.24409

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