USA: Apotheker des Todes

24. April 2015
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US-Pharmazeuten lassen sich nicht länger für den Vollzug von Todesstrafen instrumentalisieren. Mehrere Verbände verabschiedeten Resolutionen gegen die Zweckentfremdung von Präparaten: ein wichtiges Zeichen, aber kein Hinderungsgrund, weiter Hinrichtungen durchzuführen.

US-amerikanische Behörden klagen über Lieferengpässe der besonderen Art: Nachdem in Strafvollzugseinrichtungen mit Todeszelle schon letztes Jahr Thiopental und Pentobarbital knapp geworden sind, suchen Behörden nach neuen Möglichkeiten. Der Hintergrund: Sowohl europäische als auch amerikanische Pharmakonzerne hatten die Belieferung von Justizbehörden mit Hinrichtungsgiften gestoppt. Medikamente sollten Menschenleben verbessern und nicht beenden, teilte beispielsweise der Pentobarbital-Hersteller Lundbeck mit. Und Fresenius hatte US-Händler vertraglich verpflichtet, kein Propofol für Exekutionen zu verwenden.

Apotheker instrumentalisiert

Kürzlich entdeckten Medienvertreter bei Behörden ein neues Schlupfloch. South Dakota, Pennsylvania oder Colorado ließen Apotheker Giftspritzen mit Thiopental oder Pentobarbital als Rezepturen herstellen. Sie umgingen den Boykott und traten gegenüber pharmazeutischen Herstellern nicht in Erscheinung. Wie NBC berichtet, sei die Qualität mancher Parenteralia zweifelhaft. Vor rund einem Jahr verstarb ein Straftäter nach 43-minütigen Todeskampf – eine neue Betäubungsmittel-Rezeptur war ungeeignet. Auch habe es schon Proteste gegen Pharmazeuten gegeben, so NBC. Kurz darauf stoppten Apotheken selbst weitere Lieferungen.

Verbände reden Klartext

Die Sache wurde zum Politikum, und amerikanische Standespolitiker ergriffen das Wort. Der Berufsverband American Pharmacists Association (APhA) forderte Apotheker auf, keine Rezepturen für tödliche Spritzen anzunehmen. In einer Erklärung heißt es, die Beteiligung an Exekutionen stehe „der Rolle des Apothekers als Gesundheitsversorger fundamental entgegen“. Ähnliche Richtlinien kommen auch von der International Academy of Compounding Pharmacists (IACP). In diesem Verband engagieren sich Apotheker aus der Herstellung. Damit versiegt eine weitere Quelle für todbringende Substanzen.

Das Töten geht weiter

Trotz dieser klaren Bekenntnisse werden Apotheker weitere Hinrichtungen nicht verhindern können. In Utah stimmte der Senat für die Wiedereinführung von Erschießungskommandos. Und ein Gouverneur aus Oklahoma dachte laut darüber, ob sich Stickstoff vielleicht eignen könnte. Fehlgeschlagene „Experimente“ aus den 1980er- und 1990er-Jahren interessieren da wenig. Vor wenigen Tagen wurde das entsprechende Gesetz unterzeichnet. Bleibt noch, „Good Old Sparky“ zu reaktivieren: den elektrischen Stuhl – ein Sinnbild inhumaner Tötungen.

7 Wertungen (4.86 ø)

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7 Kommentare:

Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

#6, dann empfehle ich nach USA auszuwandern, das Tötungsparadies

#7 |
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Gast
Gast

Warum sollte er es nicht dürfen?

Im tierischen Gemeinschaften wird regelmäßig getötet, wenn ein Mitglied dauerhaft nicht “in der Spur läuft”. Nur der Mensch (in unseren Breitengraden) scheint der Meinung zu sein, dass genug für 7 Milliarden da ist, um auch einen Breivik durchzufüttern (ca. 100.000€ p.a.), ökonomischer, ökologischer und sozialer Irsinn, wenn man mal eine Stufe größer denkt.

#6 |
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Arzt
Arzt

Nein, es ist absolut KEIN Tiefpunkt, nicht nur für den Arzt, über die Frage, ob der Mensch einen Menschen töten darf, nachzudenken.

#5 |
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Dr. Wegener
Dr. Wegener

Das Niveau dieser Diskussion ist mal wieder an einem Tiefpunkt angelangt, wo man sich die Frage stellen muss, was Doccheck eigentlich noch mit einem Fachportal für medizinische Berufe zu tun hat.

#4 |
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Gast
Gast

Nun ja,
an das Töten kann man sich natürlich schnell gewöhnen,
abknallen, jeden Tag mindestens einer (Schwarzer) in USA durch “Ordnungskräfte”.
Und auf der ganzen Welt mit joystick und Drohnen von Deutschland aus.
Gaddafi aus der Luft durch die NATO bum-bum, bravo, wie bei Tom und Jerry.
Nennt man glaube ich “Demokratie und Rechtsstaat”.

#3 |
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Gast
Gast

Mimimi …

auf der seinen Seite nen SUV mit 20L/100km durch die Stadt fahren und jedes Jahr ein neues I-Phone kaufen und auf der anderen Seite gegen die Todesstrafe sein, insbesondere bei Leuten, die erwiesen haben, dass sie sich niemals in sinnvoll in die Gesellschaft einfügen werden – sprich einfach nur Luft verschwenden und Mitmenschen gefährden.

Immer diese geheuchelte Empörung … für einen lebenslang Gefagenen kann man ne Menge Leute gegen irgendwelche Krankheiten impfen.

#2 |
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Arzt
Arzt

Die USA garantieren den Niedergang der “westlichen” Gesellschaft.
Europa, besonders Deutschland ist wohl zu schwach und zu degeneriert um sich wirklich zu wehren.

#1 |
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