Malaria: Krankheitsüberträger bangen um Schutz

17. April 2015
Teilen

Ein neuartiges Insektizid könnte womöglich auch die Überträger von Malaria und Dengue-Fieber in Schach halten. Durch das Stummschalten des Proteins Obstructor-A konnte der Modellorganismus Taufliege seinen Chitin-Schutzpanzer nicht korrekt ausbilden.

Insekten verfügen über ein Außenskelett aus Chitin, das wie eine mittelalterliche Rüstung vor mechanischen Einflüssen bewahrt. Dieser Panzer ist eine Art Schutzanzug, der dafür sorgt, dass unter anderem giftige Stoffe und Bakterien nicht eindringen können. Die Hautzellen unter dem Außenskelett sondern ein Sekret ab, das diese Schutzschicht produziert. „Bislang war noch nicht verstanden, welche Auf- und Abbauprozesse dafür sorgen, dass diese schützende Schicht ihre Funktion erhält“, sagt Privatdozent Dr. Matthias Behr, der langjährig am Life & Medical Sciences (LIMES) Institut der Universität Bonn arbeitete und vor kurzem an das Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) der Universität Leipzig gewechselt ist.

Obstructor-A nimmt eine Schlüsselfunktion ein

Ein Wissenschaftlerteam unter Federführung von Dr. Behr untersuchte, zusammen mit dem Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, welche Gene und Enzyme die Produktion des Schutzanzuges steuern. Dabei diente ihnen die Taufliege (Drosophila) als genetischer Modellorganismus. „Wir haben herausgefunden, dass das sogenannte Obstructor-A dabei eine Schlüsselfunktion einnimmt“, berichtet Erstautorin Yanina-Yasmin Pesch, Doktorandin am LIMES-Institut der Universität Bonn.

Das Protein Obstructor-A bindet und ordnet Chitin, sodass es den Schutzpanzer stabilisieren kann. Blockierten die Forscher in den Taufliegen das Obstructor-A, konnte der schützende Chitinpanzer nicht korrekt ausgebildet werden. „Die Tiere starben bereits im Larvenstadium“, sagt Pesch. Offenbar nimmt das Obstructor-A die wichtige Funktion eines Bauleiters auf einer Baustelle ein. Es sorgt dafür, dass die von den Hautzellen bereitgestellten Baustoffe an den richtigen Stellen der Schutzschicht eingefügt und verkittet werden. Fehlt dieser wichtige Manager, geht es auf der Baustelle drunter und drüber: Baumaterial bleibt liegen und nichts geht geordnet voran.

Potenzieller Ansatzpunkt für neuartige Insektizide

Beim Obstructor-A handelt es sich nach den Erkenntnissen der Forscher um einen universellen Schalter, der sich im Lauf der Evolution bei Gliederfüßern herausgebildet hat und deshalb bei allen Insekten vorkommt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie einen wichtigen Ansatzpunkt für neuartige Insektizide gefunden haben. „Durch die Erwärmung des Weltklimas dringen verschiedenste Insekten von den Tropen immer weiter in höhere Breiten vor und bringen Krankheiten wie Malaria oder das Dengue-Fieber mit“, sagt Dr. Behr. Wenn es gelinge, das Gen für Obstructor-A stummzuschalten, könnte die Einwanderung gefährlicher Krankheiten vielleicht verhindert werden.

Originalpublikation:

Obstructor A organizes matrix assembly at the apical cell surface to promote enzymatic cuticle maturation in Drosophila
Yanina-Yasmin Pesch et al.; Journal of Biological Chemistry, doi: 10.1074/jbc.M114.614933; 2015

12 Wertungen (4.42 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

3 Kommentare:

Dr. Rüdiger Rössl
Dr. Rüdiger Rössl

Wenn man allgemeine Ansatzpunkte wählt für Insektiziede, wird die Welt wieder ärmer. Schließlich sind dann auch Bienen, Schmetterlinge und Käfer, betroffen. Allgemeine Insektizide sind ökologischer Unsinn und längst überholt.
Sinnvollerweise sollte man biologische Möglichkeiten suchen und ausschöpfen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. rer.nat. R.r.

#3 |
  0
Gast
Gast

Hmm…der Krill als Insekt…
Ansonsten kann ich mich dem anschliessen: davon wären alle Insekten betroffen; ein Insektizid, das seinem Namen alle Ehre macht…

#2 |
  0
Dr. med. Dipl.-Phys. Andreas-Roman Metza
Dr. med. Dipl.-Phys. Andreas-Roman Metza

Die Idee, diese Erkenntnis ggf. für die Entwicklung neuartiger Insektizide zu nutzen, klingt auf den ersten Blick verlockend … aber da gibt es auch ein signifikantes Problem, denn wegen der Universalität dieses Obstructor-A-Schalters wären nicht nur insektenartige Vektoren, sondern auch alle für uns Menschen und sonstige Lebewesen „ nützlichen „ Insekten davon betroffen … unter anderem auch der im Plankton vorkommende Krill, der im globalen Ökösystem eine relevante stabilisierende Funktion erfüllt … ?

Dr.med. Andreas-Roman Metza
Facharzt für Innere Medizin / Diplom-Physiker
Frankfurt am Main / München

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: