Psychotherapie: Korrektur im depressiven Hirn?

16. April 2015
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Depressionen lösen in der Regel neurobiologische Effekte aus. Daher eruierten Psychotherapeuten, ob eine Psychodynamische Therapie einen Effekt auf diese Hyperaktivitäten hat. Ihre erste Studie deutet an, dass sich so Veränderungen im limbischen System normalisieren lassen.

„Das menschliche Gehirn reagiert auf eine Depression. Insbesondere in der Amygdala, im Striatum und in anderen limbischen Regionen treten typischerweise Hyperaktivitäten auf“, erklärt Svenja Taubner, die gemeinsam mit Kollegen der Universitäten Lübeck, Innsbruck, Heidelberg, Ulm, Bremen, Bochum und Delmenhorst an einer Studie zu den Veränderungen im Gehirn gearbeitet hat. Sie erklärt weiter: „Wir wollten eruieren, ob eine Psychotherapie, in unserem Fall eine Psychodynamische Therapie, einen Effekt auf diese Gehirnaktivitäten hat.“

Die Forscher haben dazu 18 Patienten, die unter einer wiederkehrenden Depression leiden und die nicht medikamentös behandelt werden, zu zwei Zeitpunkten untersucht. Dazu gab es eine Kontrollgruppe von 17 gesunden Personen. Bei allen Teilnehmern wurden individualisierte Impulse (Sätze, wie „Du würdest gerne von anderen akzeptiert werden.“ Oder „Deshalb tust du viel für sie.“) eingesetzt, auf die die erkrankten Personen vor der Psychotherapie mit Hyperaktivitäten in bestimmten Gehirnregionen reagierten.

Verbesserung in 8 Monaten?

Nach einer achtmonatigen Behandlung durch eine Psychodynamische Psychotherapie wurden die Patienten erneut untersucht. Svenja Taubner fasst die Ergebnisse zusammen: „Wir konnten zeigen, dass die Veränderungen im limbischen System, die durch individuell zugeschnittene und klinisch relevante Inhalte reflektierende Stimuli ausgelöst werden, bereits nach 8 Monaten normalisiert werden können.“

Originalpublikation:

Tracking functional brain changes in patients with depression under psychodynamic psychotherapy using individualized stimuli
D. Wiswede et al.; Plosone, doi: 10.1371/journal.pone.0109037; 2014

27 Wertungen (3.67 ø)

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5 Kommentare:

Birgit Roos
Birgit Roos

Psychotherapie ist bei Depressionen sicherlich immer sinnvoll und auf jeden Fall vor einer medikamentösen Behandlung mit Psychopharmaka angezeigt. Man sollte aber zudem auf körperliche Symptome achten und diese entsprechend behandeln. So fällt auf, dass viele Patienten mit Depressionen z.T. massive Verdauungsbeschwerden aufweisen, denen unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen können. Über die bereits mehrfach beschriebene Darm-Hirn-Achse können sich diese sicherlich auch auf die psychische Gesundheit auswirken und sollten deshalb parallel behandelt werden.

#5 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

ganz ausgezeichnet,
ich vertrete immer den Standpunkt, psychische Erkrankungen möglichst psychisch zu behandeln.

#4 |
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Psychodynamischen Therapie versus Verhaltenstherapie wäre jetzt spannend.

#3 |
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Vorsicht! Die Studienautoren sagen auch, dass es als Vergleichsgruppe KEINE unbehandelten Depressiven gab, es also durchaus andere mögliche Ursachen für die Veränderung der Aktivitäten in den genannten Regionen geben könnte.
Bitte sorgfältiger formulieren, liebe Alpen-Adria-Universität.

#2 |
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Stefan Kelter
Stefan Kelter

Einer VT traue ich das gleiche Ergebnis zu.

#1 |
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