Nierenversagen: Zellteilung mit GPS

17. April 2015
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Nierenzellen senden Signale an sich teilende Nachbarzellen aus, um die Reparatur der Niere nach akutem Nierenversagen zu organisieren. Die ermittelte Funktion des Plexin-B2-Rezeptors und seiner Bindungspartner könnte auch bei der Reparatur anderer Organe eine Rolle spielen.

Bei Patienten auf der Intensivstation versagt häufig die Niere. Dabei sterben einige der Epithelzellen ab. Die entstehende Lücke schließen überlebende Epithelzellen aus der Umgebung, indem sie durch Zellteilung neue Zellen bilden. Dabei ist entscheidend, dass sich die neu gebildeten Zellen wieder exakt an der korrekten Position einfügen. Geschieht dies nicht, könnten sich teilende Zellen das Röhreninnere der Tubuli verstopfen und so die Funktion der Niere beeinträchtigen.

Die räumliche Anordnung der sich teilenden Epithelzellen wird durch die Orientierung des Spindelapparats bestimmt. Dieses Bündel aus Proteinfäden zieht die Chromosomen zu den gegenüberliegenden Zellpolen und verteilt sie gleichmäßig auf die neu gebildeten Zellen. Die Arbeitsgruppe von Thomas Worzfeld am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim und am Pharmakologischen Institut in Marburg hat nun untersucht, auf welche Weise die Orientierung des Spindelapparats während der Zellteilung gesteuert wird.

Kommunikation über Signalmoleküle

Dabei fanden sie heraus, dass benachbarte Epithelzellen über Signalmoleküle miteinander kommunizieren. Auf diese Weise beeinflussen sie die Orientierung des Spindelapparates und steuern dadurch die räumliche Anordnung der neuen Zellen. „Wie beim GPS-System gibt es eine Antenne, die Signale empfängt. Dabei handelt es sich um den Rezeptor Plexin-B2. Dieser empfängt das Positionssignal der Nachbarzellen“, so Worzfeld.

Das „GPS-Positionssignal“ selbst stellt eine als Semaphorine bezeichnete Gruppe von Signalmolekülen dar. Durch einen gentechnischen Eingriff schaltete Worzfelds Arbeitsgruppe einzelne Semaphorine in Mäusen aus. Dies führte dazu, dass die Epithelzellen sich nicht mehr korrekt ausrichteten, sondern stattdessen die Tubuli verstopften. „Das gleiche beobachteten wir bei Mäusen, denen der Rezeptor Plexin-B2, also die Antenne, fehlt“, sagt Worzfeld.

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Nierenzellen ohne Orientierung: Während normale Nierenzellen (links) nebeneinander liegen und innen ein Röhrchen für den entstehenden Harn frei lassen, teilen sich Nierenzellen ohne Plexin-B2-Rezeptor nach innen, kommen übereinander zu liegen und verstopfen das Röhrchen. © MPI f. Herz- und Lungenforschung

Ergebnisse auf Reparatur anderer Organe übertragbar?

In beiden Fällen führte dies bei den Mäusen dazu, dass sich die geschädigte Niere nicht regenerierte und ihre Funktion beeinträchtigt blieb. „Mit dieser Studie haben wir eine bislang unbekannte Funktion des Rezeptors Plexin-B2 und dessen Bindungspartnern, den Semaphorinen, aufgedeckt“, so Worzfeld. Es handelt sich um einen grundlegenden Mechanismus, über den sich die Niere nach einem Nierenversagen wieder heilt. Die Wissenschaftler wollen nun untersuchen, ob Plexin-B2 und die Semaphorine auch bei der Reparatur anderer Organe und bei Erkrankungen wie zum Beispiel Krebs eine Rolle spielen.

Originalpublikation:

Semaphorin-plexin signaling controls mitotic spindle orientation during epithelial morphogenesis and repair
J. Swiercz et al.; Developmental Cell, doi: 10.1016/j.devcel.2015.02.001; 2015

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