Eisenmangel: Metall für die Massen

17. April 2015
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Sollten alle Schwangeren und alle Kleinkinder mit niedrigen Eisenwerten Supplementationen einnehmen? Nein, sagen Forscher. Auf der Basis mehrerer Studien zeigen sie, dass nur Frauen mit Anämie vom Mineralstoff profitieren. Gezielt statt Gießkanne - so lautet ihr Fazit.

In der Schwangerschaft haben verschiedenen Untersuchungen zufolge etwa 18 Prozent aller Mütter niedrige Eisenwerte. Eisenmangel-Anämien manifestieren sich nur bei fünf Prozent der untersuchten Frauen. Grund genug für die US Preventive Service Task Force (USPSTF), auch bei asymptomatischem Verlauf entsprechende Supplemente zu empfehlen. Unsicherheiten blieben dennoch.

Gezielt ergänzen

Forscher der Oregon Health & Science University, Portland, Oregon, nahmen jetzt elf Arbeiten kritisch unter die Lupe. Im Fokus standen mögliche Komplikationen niedriger Eisenspiegel, etwa Kaiserschnitte, Frühgeburten oder Mangelgeburten. Zusammenhänge ließen sich nicht nachweisen. Frauen mit manifester Anämie waren zuvor ausgeschlossen worden. Auch bei der Frage, ob Kleinkinder gescreent werden sollten, um einen Eisenmangel gezielt zu ergänzen, gab es kaum Evidenz. Hier stand die Frage im Mittelpunkt, ob das Metallion kognitive und körperliche Entwicklungsprozesse tatsächlich beschleunigt.

Achtung Anämie

Sinken die Eisenwerte noch stärker, kommt es zur Anämie – inklusive Gefahr für Mutter und Kind. Wissenschaftler der Harvard School of Public Health, Boston, wollten wissen, welchen Effekt Eisensalze in diesem Kontext haben. Sie werteten 48 randomisierte Interventionsstudien und 44 Kohortenstudien aus. Ihr Fazit: Verabreichten Ärzte oder Apotheker Eisensubstitutionen, erhöhte sich der Hämoglobinwert im Mittel um 4,59 g/l. Gleichzeitig stieg das Geburtsgewicht um 41 Gramm. Es gab 16 Prozent weniger Frühgeburten, was im Gegensatz zu den anderen Resultaten nicht signifikant war. Erhielten werdende Mütter zehn bis 66 Milligramm Eisen pro Tag, zeigten sich dosisabhängige Effekte. Anämien gingen pro zehn Milligramm um zwölf Prozent zurück, und das Geburtsgewicht stieg um jeweils 15 Gramm. Ohne Zweifel profitiert diese Patientengruppe von Eisensalzen.

3 Wertungen (5 ø)
Forschung, Pharmazie

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2 Kommentare:

Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Guter Beitrag, denn zu Eisensubstitution wird eher zu schnell gegriffen.
Der Stoffwechsel ist eine Wissenschaft für sich mit einigen Besonderheiten, die damit beginnen, dass man die vorhandene “Eisenmenge” im Körper nicht leicht messen kann, es ist nie frei, sondern wegen seiner Toxizität immer an Eiweiß gebunden, deshalb ist auch Überdosierung toxisch und Eisen wird nur sehr langsam ausgeschieden (1-2 mg/Tag).
Die Orientierung am Hb, bzw. typisches rotes BB ist sicher besser.
Es gibt auch Eisenverwertungsstörungen, auch wenn genug vorhanden ist.
Trotzdem gibt es natürlich auch Eisenmangel, insbesondere bei Blutverlust und daher bei Frauen häufiger wegen der Monatsblutung, besonders bei Vegetarierinnen. In der 2.Hälte der Schwangerschaft kann man es fast blind nehmen. Hier steigt der Tagesbedarf von 10-15mg auf 45 mg, wobei immer nur ein kleiner Teil davon auch resorbiert wird, auch ein Thema für sich.
Anämie ist immer nachteilig (Krankheit)
und es lohnt sich IMMER, diese zu behandeln, oft nicht ganz einfach.

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Rainer Steinmetz
Rainer Steinmetz

Leider wird hier gar nicht auf die Gefahren bei hämochromatose bzw. Disposition eingegangen . Daumen runter

#1 |
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