Berufspolitik: ABDA unter Beschuss

17. April 2015
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Erfolglose Honorarforderungen und ein Krankenkassen-„Schmusekurs“: Apothekenkooperationen kritisieren die ABDA scharf. Sie könne nicht mehr alle Apotheken vertreten, so die zentrale Kritik. Ob der MVDA oder der BVDAK mit eigenen Strategien mehr Erfolg haben, ist fraglich.

Wenn Kollegen mobil machen: Jenseits der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände sprießen allerlei berufspolitische Gewächse aus dem verdorrten Boden. Aktuellstes Beispiel: der Marketing Verein Deutscher Apotheker (MVDA). Unter seinem Dach formieren sich etwa 2.700 Inhaber. Sie haben jetzt ein brisantes Positionspapier verabschiedet und senden Botschaften in Richtung Berlin.

Auf in die Politik

Der MVDA sieht sich momentan zwar nicht als Vertragspartner gemäß Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung (V. Sozialgesetzbuch, Paragraph 129). Angesichts „zunehmender Unzufriedenheit in der Apothekerschaft mit deren Standesvertretung“ befasst man sich aber doch mit politischen Themen. Grund genug für den Verein, seine „Interessen gegen Dritten verstärkt zu artikulieren und zu vertreten“. Damit sind auch klare Botschaften in Richtung ABDA verbunden: „Es gibt nicht mehr die eine Interessenvertretung für den Apothekenmarkt.“ Mittlerweile seien Interessen und Leistungen von Inhabern zu heterogen. Fünf Positionen sollen zeigen, wohin die Reise gehen könnte.

Heilberufler im Clinch

Auch bei MVDA-Experten stehen Maßnahmen zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) im Mittelpunkt, speziell bei Menschen mit Polypharmazie. „Eine koordinierte Zusammenarbeit der niedergelassenen Haus- und Fachärzte ist zur Steigerung der AMTS obligatorisch“, heißt es dazu. Während die Therapiehoheit weiter bei Ärzten liegt, kommen Apotheker bei Fragen rund um Arzneimittel in das Spiel – etwa mit Leistungen zum Medikations- und Interaktionsmanagement. Derart deutliche Worte fand die ABDA im Herbst 2014 nicht – und erntete prompt Schelte. Beim Apothekertag redete Dr. Andreas Köhler, ehemaliger Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Klartext zum Perspektivpapier „Apotheke 2030“: „Das Wort Arzt taucht darin nicht auf. Das beschäftigt mich sehr in der Deutung und Wertung der Ärzteschaft.“ Er mutmaßte schon damals, es werde einen „Riesenkonflikt“ geben.

Gute Leistung – gutes Geld

Nicht das einzige heiße Eisen: Bei Honorierungsfragen plant der MVDA Gespräche mit Ärzten, um für eine „angemessene und jeweils leistungsgerecht verteilte Honorierung“ zu sorgen. Außerdem müsse man sektorale Grenzen des Gesundheitssystems überwinden. Bleibt noch, über Projekte zur flächendeckenden Versorgung – ein weiteres Thema der Apothekerschaft – nachzudenken. In seiner letzten Analyse sprach der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen bereits von Versorgungsdefiziten: nicht nur hinsichtlich einzelner Indikationen, sondern in gesamten Regionen. Jetzt sind neue Konzepte gefragt. Eine Lösung kann aber „nicht in der Bereitstellung von Apothekenbussen beziehungsweise in einem Dispensierrecht für Ärzte liegen“. Besser seien „systematisierte Botendienste inklusive pharmazeutischer Beratungsmöglichkeit“.

„Ohrfeige für Apotheker“

Berufspolitische Ambitionen des MVDA sind kein Einzelfall. Auch der Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) meldete sich zu Wort – und kritisierte Claudia Korf. Die ABDA-Geschäftsführerin für Wirtschaft, Soziales und Verträge hatte in einem Interview gesagt, zwischen Krankenkassen und Apotheken laufe zurzeit „wenig schief“. BVDAK-Chef Dr. Stefan Hartmann: „Solche Aussagen sind nicht nur realitätsfern, sondern auch eine Ohrfeige für jeden Apotheker, der tagtäglich mit den Krankenkassen Kämpfe austrägt.“ Von der ABDA fordert er, den aktuellen „Schmusekurs“ mit Krankenkassen zu beenden. Rabattverträge brächten Inhabern enorm viel Arbeit; an Einsparungen von rund 1,1 Milliarden Euro würden sie aber nicht beteiligt. Generell bewege sich bei der Honorierung zu wenig. Zuletzt waren sich Experten, allen voran DAV-Chef Fritz Becker, einig, nur durch ein angemessenes Honorar könne die ökonomische Basis für Apotheken gesichert werden. Kassen wollen davon wenig hören. Jetzt erwartet der BVDAK von der ABDA Erfolgsmeldungen. Gleichzeitig werden Politiker aufgefordert, Apotheker stärker mit ins Boot zu holen – etwa beim Medikationsmanagement.

Kein Druck, kein Erfolg

Entsprechende Statements zeigen, dass Verbände und Kooperationen nur allzu gerne in der Berufspolitik eigene Wege gehen würden. Ihre Begründung: „Die ABDA muss sich von der Vorstellung lösen, auch die letzte Apotheke im Bayerischen Wald vertreten zu können“, so Hartmann beim Kooperationsgipfel 2015 in München. Schlägt jetzt die Stunde spezialisierter Verbände? Mit Statements allein ist es bekanntlich kaum getan. Sowohl dem MVDA als auch dem BVDAK fehlen Mittel und Wege, ihre Forderungen auch durchzusetzen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat derzeit andere Prioritäten, vom E-Health-Gesetz einmal abgesehen. Aber auch da rangieren Apotheker unter ferner liefen.

41 Wertungen (4.1 ø)

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5 Kommentare:

Apothekerin

Kollege Andreas F. – haben Sie sich schon wieder versehentlich mit meinem account eingeloggt und schreiben daher als Gabriela Aures ????
oder wer war es diesmal ?
Irgendwo hakt es ander Technik !!!

#5 |
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Apothekerin

Das Grundproblem der ABDA ist, dass sie kammerdominiert ist! Hier geht immer Ethik vor Monetik!

In einer globalisierten Welt machen 17 Kammern und Verbände keinen Sinn mehr. Ja sicher, wir in Deutschland leben den Föderalismus, aber diese Zersplittung geht zu weit. Wie Kollege “Gast” schon schrieb: erfolgreich werden wir erst, wenn wir die 17 Landesapothekerverbände in einen großen und schlagkräftigen Verband überführen. Der darf dann auch ruhig aus der ABDA austreten, denn die vertritt -und das muss jedem selbstständigen Kollegen klar sein- Kammerinteressen (man schaue sich den Haushaltsschlüssel und die Stimmverteilung mal an!). Da aber in der Kammer immer mehr Krankenhaus- und Verwaltungsapotheker aufschlagen (die haben nämlich gemerkt, dass sie hier ihre Interessen durchsetzen können), ist die Politik der ABDA eine Politik, die nicht die inhabergeführte Apotheke untersützt.

#4 |
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Apotheker

@ Gast:

Es geht nicht darum, die Kräfte zu zersplittern, sondern darum, einen Nachfolger bzw. Ersatz für die ABDA zu finden, die, so der konsens unter vielen Kollegen, schon seit Jahrzehnten nix weiter tut als Däumchen drehen und kuschen. Unsere letzte Honoraranpassung ist ca 15 Jahre her. Jedes Jahr schließen mehr Apotheken. In vielen Bereichen (Rezeptur, BTM) ist die Honorierung schon lange nicht mehr Kostendeckend. (D.h. Die Apotheke zahlt drauf bei jedem Verkauf)

Schauen Sie mal in die Zeitung, und überlegen Sie was wohl los wäre wenn Piloten, Bahnarbeiter Busfahrer oder überhaupt irgendeine Berufsgruppe so lange keine Lohnanpassung bekommen hätte.

Auch die Statements von Herrn Hartmann sind denkbar unpassend, ich glaube kaum, dass die ländlichen Apotheken sich durch die ABDA besser vertreten fühlen als die städtischen.

Dagegen freut es mich zu sehen, dass sowohl der MVDA als auch der BVDAK viele Dinge aufgreifen, die die ABDA seit langem versäumt hat.

Ihr Vorschlag zum Zusammenschluss der LAV klingt interessant, aber viele der selbigen erscheinen mir auch eher Zahnlos und weisungsgebunden als die Interessen der Mitglieder vertretend.

Aber letztendlich ist jede Änderung, die den müßiggang und das desinteresse der ABDA-Politik beendet und endlich für Aufschwung in der Apothekenpolitik willkommen, egal ob die Führung abdankt, eine andere Vertretung sich durchsetzt oder die LAVs sich vereinigen.

#3 |
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Gast
Gast

Tja, so berechtigt manche Kritik an der Lobbyarbeit auch sein mag. Es wird garantiert nicht dadurch besser, dass die Apothekerschaft ihre Kräfte noch weiter zersplittert. Nicht das Aufstellen weiterer, konkurrierende (partikular-)Interessenvertretungen – sondern das Zusammenschmelzen aller LAV zu einem einzigen,homogenen dann vielleicht endlich schlagkräftigen DAV täte not. Wozu es dann noch einer ABDA bedürfte? Das wäre dann noch schwieriger zu beantworten.

#2 |
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Apothekerin

Ein trauriges Bild von Desinteresse und Dünkel, das weite Teile unserer Standesvertretung abgeben – und ich meine hier nicht nur die Spitze des Eisberges namens ABDA.
Für unsere guten, aber zunehmend schwerer verdienten Zwangszahlungen erwarten wir mittlerweile Einsatz, Biß, den Willen zum Erfolg und nicht weiterhin weichgespülte Erklärungen und Rückzieher, wie bisher.

Hochmut kommt vor dem Fall, Herrschaften – und vergeßt nicht, WER überhaupt Kammern , Verbände und somit auch die ABDA alimentiert !
Das muß nicht aber bis in alle Ewigkeit so bleiben.

#1 |
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