Intervall-Fasten: Rote Karte für Insulinresistenz

8. April 2015
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Eine Fastenkur kann eine bestehende Insulinresistenz rückgängig machen. Ein Mausmodell zeigt, dass dabei vor allem die Leberfette, die im Verdacht stehen, eine Insulinresistenz zu fördern, reduziert werden. Eine verringerte Nahrungsaufnahme verbessert den Energiestoffwechsel deutlich.

Übergewicht führt bei vielen Menschen zu einer Insulinresistenz, der Vorstufe von Typ-2-Diabetes. Wie seit langem bekannt ist, kann eine verringerte Aufnahme von Nahrungsenergie, zum Beispiel im Rahmen einer Intervall-Fastenkur, eine bereits bestehende Insulinresistenz rückgängig machen. Um die molekularen Mechanismen genauer zu untersuchen, die der positiven Wirkung des Intervall-Fastens zu Grunde liegen, führten die Wissenschaftler eine Studie an dicken Mäusen durch, die eine natürliche Veranlagung für Übergewicht und Typ-2-Diabetes besitzen. Wenn die übergewichtigen, bereits insulinresistenten Mäuse nur jeden 2. Tag uneingeschränkten Zugang zu fettreichem Futter hatten und an den anderen Tagen bloß Wasser trinken durften, reagierten sie wieder empfindlicher auf Insulin und waren vor einem Typ-2-Diabetes geschützt. „Dagegen wurden ihre Geschwister, die nach Belieben fressen durften, insulinresistent und fast die Hälfte entwickelte innerhalb kurzer Zeit einen Typ-2-Diabetes“, sagt Annette Schürmann, die am DIfE die Abteilung Experimentelle Diabetologie leitet.

Das Fasten beeinflusst vor allem die Leberfette positiv, wobei sich besonders die Menge an denjenigen Fetten deutlich reduzierte, die im Verdacht stehen, eine Insulinresistenz zu fördern. Fette liegen in der Leber in Form von winzigen Fetttröpfchen vor, die wiederum mit verschiedenen Eiweißmolekülen assoziiert sind. Dabei verändert sich nicht nur die Größe der Fetttröpfchen, sondern auch die Zusammensetzung der mit den Tröpfchen verbundenen Eiweißmoleküle. „Wir nehmen an, dass diese veränderte Eiweißzusammensetzung für den günstigen Effekt verantwortlich ist“, so Schürmann. Weitere Untersuchungen seien aber notwendig, um diesen molekularen Zusammenhang weiter aufzuklären.

Verbesserter Energiestoffwechsel der Muskulatur

„Zudem weisen unsere Messdaten darauf hin, dass sich durch das Fasten der Energiestoffwechsel deutlich verbesserte. Die Muskeln der Mäuse waren in der Lage, viel rascher zwischen der Verbrennung von Kohlenhydraten und Fetten zu wechseln. Diese größere Stoffwechselflexibilität trägt im gesunden Menschen dazu bei, die Mengen an schädlichen freien Fetten niedrig zu halten. Dies wiederum kann einer Insulinresistenz vorbeugen“, ergänzt Co-Autor Robert Schwenk. Die Erkenntnisse tragen dazu bei, die Vorgänge besser zu verstehen, die zu einer Insulinresistenz und später zu einer Diabeteserkrankung führen. Sie liefern so Ansatzpunkte für neue Behandlungsmöglichkeiten.

Originalpublikation:

Caloric restriction and intermittent fasting alter hepatic lipid droplet proteome and diacylglycerol species and prevent diabetes in NZO mice
Annette Schürmann et al.; Biochimica et Biophysica Acta, doi: 10.1016/j.bbalip.2015.01.0131; 2015

34 Wertungen (4.5 ø)
Diabetologie, Forschung, Medizin

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5 Kommentare:

Arzt
Arzt

Das ist wirklich kein neuer Befund, weder tierexperimentell noch für Menschen.
Bei GLEICHEM Übergewicht ist es stoffwechselmäßig DEUTLICH gesünder, zwischen Nahrungsspeicherung und Speicherentleerung ständig zu wechseln,
als permanent zu futtern.
Das kann man auch schlicht größere Nahrungspausen nennen, statt Fasten.
Psychologen und auch leider viele “Ernährungswissenschaftler” ignorieren das leider.
Deshalb Dank an Doccheck für diesen Beitrag,
auch wenn er einigen nicht passt. Man möchte halt lieber von morgens bis abends futtern :-).

(Für Unterernährte gilt das natürlich nicht)

#5 |
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Behaupten kann man ja viel – und siehe Kommentare: Man könnte sogar verleitet sein zu behaupten, im Krieg war alles besser…
Dass Intervallfasten wirkt, ist naheliegend. Weniger Kalorienzufuhr – weniger Fettspeicher… “Welche biochemischen oder endokrinen Mechanismen dabei im einzelnen wichtig sind … ist letztendlich sekundär” (Kommentar Dr. U. Mauser) sind so banal falsche Aussagen, wie jene, dass mit höherem Alter das Herzinfarktrisiko steigt… Kennt man die zugrunde liegenden Mechanismen (z.B. LDL/HDL als einer von vielen), kann man auch besser behandeln (Statine wirken nicht gegen das Altern). Außerdem: Wenn man den Mechanismus kennt, wird aus einer Behauptung/Hypothese eine Erkenntnis…

Gerade diese Details misse ich in dem, eigentlich interessanten, Artikel hier auf DocCheck: Welche Fette konkret haben sich denn nun verändert? Auf nem Medizinerportal muss man nicht “Leberfette” schreiben, da kann man auch ein bisschen konkreter werden (VLDL, LDL, TG, … was nun?) Hilft wohl nur der Originalartikel und sich das hier ersparen? :-(

#4 |
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Dass Kalorienreduktion – in welcher Form auch immer – günstige Effekte für übergewichtige Typ II Diabetiker bewirkt: dasn ist wirklich banal.
Welche biochemischen oder endokrinen Mechanismen dabei im einzelnen wichtig sind (wahrscheinlich sind es mehrere) ist letztlich sekundär.

#3 |
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Dr. Eberhard Stamm
Dr. Eberhard Stamm

Daß Fasten gesundheitsfördernd ist, ist nicht neu. Berichten meines Vaters zufolge als spezielles, doch zur Anwendung nicht zu empfehlendes Beispiel:
Soldaten im 2. Weltkrieg hatten bald keine Nierensteinprobleme mehr, Diabetes ging zurück u.ä. Sicher eine Auswirkung der Krautsuppen-“Diät” an der Front. Nur die “Nebenwirkungen” waren bekanntlich leider immens.

#2 |
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Stefan Kelter
Stefan Kelter

Das Intervallfasten wird von dem österreichischen Psychologen und Seminar-Kabarettisten Bernhard Ludwig unter dem Namen 10 in 2 seit Jahren beworben.
Ich habe es auch längere Zeit gemacht und es ging mir gut.
Aber das Intervallfasten konnte ich nicht aufrecht erhalten, als ich einerseits erkrankte und gleichzeitig als Selbständiger weiter arbeiten musste.

#1 |
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