Multiresistente Erreger: Mitbringsel aus Mumbai

7. Mai 2015
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Dass Infektionen mit multiresistenten Erregern aus dem Ausland in Deutschland zu Ausbrüchen führen können, konnte in den letzten Jahren beobachtet werden. Doch wie häufig diese Urlaubsmitbringsel im Darm auch bei großer Vorsicht sind, das überrascht sogar Experten.

Leipziger Infektiologen veröffentlichten kürzlich Daten [Paywall] im International Journal of Medical Microbiology, wonach 70 % der Indienreisenden und fast 50 % der Reisenden nach Südostasien mit gefährlichen ESBL-bildenden Bakterien im Darm nach Hause zurückkehren. Die Zahlen verdetlichen, dass das Problem multiresistenter Erreger nicht mit einfachen Aktivitäten in den Griff zu bekommen ist. Oberarzt Dr. Christoph Lübbert, Leiter des Fachbereichs Infektions- und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Leipzig und Erstautor der Publikation, erklärt: „Ich hätte nicht gedacht, dass die Prävalenz von ESBL-bildenden Darmbakterien bei jungen, gesunden Menschen im Großraum Leipzig schon sieben Prozent beträgt. Ich hätte auch nicht gedacht, dass so viele Menschen solche Keime mitbringen und dass es in Indien signifikant schlimmer ist, als in anderen Regionen.“

Katastrophale Produktionsbedingungen

Die Gründe dafür sind vielfältig. In Indien (und anderen Ländern) gibt es keinen geregelten Gebrauch von Antibiotika. Die pharmazeutische Industrie stellt große Mengen verschiedenster Antibiotika her, wobei oftmals die Abwässer der Herstellung ungereinigt in die Umwelt gegeben werden. Dadurch können Antibiotika bereits in der Produktionsphase in relevanten Mengen in die Flusssysteme gelangen. Zudem herrschen sehr schlechte hygienische Bedingungen und eine extrem hohe Bevölkerungsdichte. Das sind beste Bedingungen für die flächendeckende Entwicklung von Resistenzen. Daher können sich auch Reisende, die extrem vorsichtig sind, mit resistenten ESBL-bildenden Bakterien anstecken.

Antibiotikum bei Reisedurchfall? Besser nicht!

Eine aktuelle Studie aus Finnland hat untersucht, welche Risikofaktoren die Mitnahme resistenter Darmbakterien aus dem Urlaub begünstigen. Sie stellten, je nach Reiseziel mit unterschiedlichen Häufigkeiten, fest, dass Reiserückkehrer ohne Darminfektion und Antibiotikaeinnahme deutlich seltener mit ESBL-Bildnern besiedelt waren, als Reiserückkehrer mit Darminfektion ohne Antibiotikaeinnahme und Reiserückkehrer mit Darminfektion mit Antibiotikatherapie. Erklärungen dafür liefert unter anderem die Veröffentlichung von Sullivan [Paywall] im Lancet. Eine Durchfallerkrankung betrifft alle Bakterien im Darm gleichermaßen. Durch ein Antibiotikum werden aber nicht alle Spezies in gleicher Weise betroffen; vielmehr wird gezielt auf die resistenten Arten selektiert, welche sich in der Folge ungehindert vermehren können. Die Infektiologen fordern daher, Reisenden in Hochrisikogebiete von einer Antibiotikaprophylaxe ebenso abzuraten, wie von einer Selbstbehandlung mit Antibiotika bei leichtem bis mittelschwerem Durchfall.

Bereistes LandKeine Darminfektion, keine AB-TherapieDarminfektion, keine AB-TherapieDarminfektion, AB-Therapie
Durchschnitt11 %21 %37 %
Südasien23 %47 %80 %
Südostasien14 %37 %69 %

(Kantele A. et al., Clin Infect Dis 2015)

Muntere Mischung der Arten

Doch selbst wenn in den Studien von Lübbert und Kantele et al. kein Reisender Carbapenemase-resistente Enterobacteriaceae (CRE) mit nach Hause brachte, so darf man sie keinesfalls aus den Augen lassen: „In Indien wurden sogar schon Carbapenemase-bildende Bakterien vom NDM1-Typ im Grundwasser nachgewiesen“, erklärt Lübbert. Experten, wie der Professor für Infektionsprävention am Universitätsklinikum der Radboud Universität Nimwegen und Facharzt für Klinische Mikrobiologe am Canisius-Wilhelmina Krankenhaus Andreas Voss, vermuten, dass die CRE – zusammen mit den multiresistenten Nonfermentern (vor allem Pseudomonas und Acinetobacter) – das größte Problem in der Zukunft sein werden. „Denn“, so Prof. Voss, „es geht leider um mehr als eine Bakterienart. Es geht um Teile von Genen und mobile Elemente, die sich nicht an die eigene Spezies halten.“

Schweine-MRSA quasi endemisch

Dieses Problem bzw. das Überspringen von Artgrenzen konnte man in den letzten Jahrzehnten auch an anderer Stelle beobachten. Lange Zeit ging man davon aus, dass MRSA (multiresistenter Staphylococcus aureus), an dem in Europa jährlich mehr als 170.000 Menschen erkranken, „nur“ ein hausgemachtes Problem durch die übermäßige und unbedachte Gabe von Antibiotika bei banalen Infekten sei. Doch Prof. Voss fand im Jahr 2004 die erste Übertragung von einem Schweine-MRSA auf den Menschen. Inzwischen sind etwa 80 Prozent der Schweine und rund 50 Prozent der Rinder mit dem Schweine-MRSA (ST389) infiziert. Der Erreger kann bei engem Kontakt zu Nutztieren leicht auf den Menschen übertragen werden. Das Risiko dafür ist 138fach erhöht. Schweinezüchter in industriellen Tiermastbetrieben mit großem Antibiotikaeinsatz sind praktisch ständig positiv für Schweine-MRSA. Inzwischen gab es auch erste Übertragungen von Mensch zu Mensch, wie Prof. Voss berichtet. Deutschlandweit liegen die tierassoziierten MRSA-Fälle bei ein bis zwei Prozent – im Krankenhaus jedoch bereits bei 30 Prozent.

„Hygienefehler passieren ständig“

Solange die Darm-Blut-Barriere intakt ist, stellt das für die Betroffenen selbst kein Problem dar. Doch egal, ob es sich um einen Reiserückkehrer mit einer Besiedlung mit ESBL-bildenden Bakterien, Mitarbeiter von Tierzuchtbetrieben oder auf anderen Wegen mit multiresistenten Keimen infizierte Personen handelt, sie stellen indirekt eine Bedrohung für andere Patienten dar. Gelangen unwissend Infizierte dann noch in ein Krankenhaus, besteht die Möglichkeit, die Keime auf z. B. immunologisch geschwächte Personen zu übertragen. „Hygienefehler passieren in unseren wirtschaftlich unter hohem Druck stehenden Krankenhäusern ständig“, sagt Dr. Lübbert. In Europa weist Deutschland inzwischen den mit Abstand schlechtesten Pflegeschlüssel im Krankenhausbereich auf, sodass eine deutsche Krankenschwester doppelt so viele Patienten zu versorgen hat wie ihre Kollegin in Norwegen oder in den Niederlanden. „Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Wenn dann ein Patient beispielsweise nach langer Wartezeit auf ein Spenderorgan auf der Intensivstation mit einem multiresistenten Keim infiziert wird und daran verstirbt, dann hat das für den einzelnen Menschen eine ziemliche Dramatik erreicht.“

MRE-Epidemien aufhalten? Nur mit globaler Anstrengung!

Nun steht Deutschland im internationalen Vergleich ja noch relativ gut da und die Problematik wurde auch teilweise schon erkannt. Daher gibt es Bestrebungen, die Krankenhaushygiene zu verbessern. Denn auch hier fehlt es an Fachpersonal: „90 Prozent aller Krankenhäuser haben keinen Facharzt für Hygiene dauerhaft vor Ort. Wenn es überhaupt einen gibt, dann sitzt der Krankenhaushygieniker sehr häufig mehrere hundert Kilometer entfernt“, erklärt Prof. Dr. Alexander Friedrich, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Groningen und Projektkoordinator des MRSA-net. Um gefährdete Patienten besser schützen zu können, gibt es von verschiedenen Seiten die Forderung, dass Menschen, die eine Urlaubsreise in Risikogebiete unternommen haben oder die engen Kontakt zu Nutztieren haben, bei einem Krankenhausaufenthalt gescreent und gegebenenfalls isoliert werden.

Doch dieses Vorgehen ist natürlich bei weitem nicht ausreichend, wenn in Ländern wie Indien und anderen süd(ost)asiatischen Ländern keine Kontrolle über die Antibiotikaherstellung und den -einsatz erfolgt und „über kontaminierte Nahrungsmittel unbemerkt damit kolonisierte Reisende oder Patienten die Keime durch die Welt geschickt werden“, so Lübbert. Um das Problem auch nur ansatzweise in den Griff zu bekommen, braucht es ein globales, koordiniertes Vorgehen. Auch in der Tierzucht und der Landwirtschaft muss rigoros umgedacht und der ungezielte Einsatz von Antibiotika praktisch komplett gestoppt werden. Wie diese Herkulesaufgabe gelingen kann, weiß auch der Leipziger Infektiologe nicht. Er wirkt jedoch ein wenig resigniert, als er sagt: „Mit einer gewissen Ratlosigkeit bleibt man dann einfach stehen, weil es kein Patentrezept gibt.“

140 Wertungen (4.69 ø)

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24 Kommentare:

Arzt
Arzt

Ich beukottiere auch deutsches MRSA-Fleisch, jedenfalls Rinder.
Geflügel muss sowieso komplett durchgegart werden und nach dem Zubereiten Hände waschen.

#24 |
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Gast
Gast

woher?
Metro, preiswert, gute Qualität.

#23 |
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Gast
Gast

Ich bevorzuge deshalb auch Fleisch aus Südamerika, die haben gar nicht genug Geld für Mast und Antibiotika, also reine Weidehaltung, schmeckt auch besser.
USA-Fleisch schmeckt auch gut, da weis man nur nicht was drin ist, also lieber Finger weg.

#22 |
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Elvira M.
Elvira M.

ich finde auch, man sollte hier nicht so auf Ärzte schimpfen,
ich bin froh, dass es sie gibt

#21 |
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Angelika Engelhard
Angelika Engelhard

Ich bin erschrocken über den inzwischen doch sehr rauen Umgangston bei den Kommentatoren – sollten wir uns bei aller kontroverser Diskussion nicht doch eines Mindestmaßes an Höflichkeit befleißigen statt einander zu beleidigen?

#20 |
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Gast
Gast

Gabriela Bähre Sie brauchen uns hier wirklich nichts vorheulen, nur über Tierärzte sind es pro Jahr über 1700 Tonnen für die Tiere, erheblich mehr als bei Menschen.
Ca. 10 Tonnen auf Intensivstationen.
Und Sie wollen wirklich über Krankenhausärzte meckern???
Können Sie noch 1+1 rechnen?

#19 |
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Gabriela Bähre
Gabriela Bähre

@iris promelami…bei den heutigen Haltungsbedingungen bleibt halt kaum was anderes um die Tiere “gesund” zu haklten…nicht die bösen Tierärzte ooder die Pharmaindustrie ist schuld, sondern der Verbraucher, der billiges Fleisch will und das täglich. Artgerechte Tierhaltung und der Antibiotikaensatz wird verschwindend gering sein..ein Rind bekommt übrigens durchschnittlich an 5 Tagen im Jahr ein AB, während Hühner und Schweine viel kürzer leben aber an viel mehr Tagen behandelt werden… aber auch die Haltungsbedingungen beim Rind werden zunehmend schlechter..immer weniger Tiere kommen im Sommer auf die Weide… die Krankheitsfrequenz nimmt zu..und damit auch der AB Einsatz.

#18 |
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Gabriela Bähre
Gabriela Bähre

Als ich, Tierärztin in einer Rinderpraxis und in der amtlichen Fleischbeschau, vor vier Jahren zu einer OP ins Krankenhaus mußte, wies ich den mich untersuchenden Arzt daraufhin, daß ich zu einer Risikogruppe gehöre, da ich engen Kontakt zu landwirtschaftlichen Nutztieren habe…es hat nicht interessiert.

#17 |
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Gisela
Gisela

den Stabsarzt #10 find ich wesentlich überzeugender

#16 |
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Gisela
Gisela

Nachsatz für den Zahnarzt, es reicht ja nicht, dass die MRSA das Zeug schlucken, wenn sie überhaupt schlucken, es muss ja auch noch bestrahlt werden
und spätestens dann muss man wissen, wo die sitzen.
Sie könnten ja bei Ihren einfältigen Vorstellungen den ganzen Menschen bestrahlen und schwer schädigen,
und die MRSA haben Sie trotzdem nicht erwischt.
Ich rate ihnen mal einen Hygijehne-Kurs zu besuchen,
Sie scheinen ja keinen blassen Schimmer davon zu verstehen.

#15 |
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Gisela
Gisela

dumme Frage Herr Zahnarzt, Sie haben doch behauptet die MRSA würden das Chlorin schlucken. Woher wissen Sie das und wie finden Sie denn diese MRSA,
mit der Lupe?
Wenn Sie das Zeug EXPERIMENTELL i.v. spritzen, müssen Sie die Opfer schon sehr sehr gut juristisch aufklären und anschließend 48 in ein dunkles Zimmer legen.
Dann wissen Sie immer noch nicht wo diese MRSA stecken, denn dann sieht man noch schlechter trotz Lupe.
Wie wollen Sie die also zu über 99% töten, sachten Sie doch.
Und verschonen Sie und mit der Iris.
Erst antworten.

#14 |
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Gast
Gast

@Ina Pinzel Silber ist doch veraltet, Gold oder Platin ist in

#13 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

iris pomeliani ; es funktioniert bei Karies ,auch bei Wurzelkanälen und, und ..

Gisela XYZ wissen Sie überhaupt worum es geht ?

chlorin e6 darf eifrig injiziert werden ,sogar in die Vene , von mir aus auch unter Basaliome , wer möchte

#12 |
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Heilpraktikerin

Leute, besinnt Euch auf die bewährten Mittel: ZB Kolloidales Silber und die Welt hat ein Problem weniger. Ausser den Pharmas gewinnt dabei jeder

#11 |
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Arzt
Arzt

Nichts neues, dass in “südlichen” Ländern die Wasserqualität nachlässt und Durchfall für uns “Verwöhnte” recht häufig die Folge ist. Natürlich sind das dann ganz überwiegend ungebetene Mikroorganismen.
Dafür gibt es ein altes Naturmittel, dass ich auch als Stabsarzt immer mit 100% Erfolg eingesetzt habe:
aushungern!
Diesen bösen Keimen keine Nahrung geben nur Tee ohne Zucker und etwas Salz.
Erfordert allerdings etwas Selbstdisziplin, die der Dr. in der Sanstaffel ja schlicht militärisch befehlen darf. Zivil klappt das fast nie.

#10 |
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Gisela
Gisela

@dr. med.dent. Wolfgang Stute mit “physikalisch töten” denken Sie vermutlich an einen Boxkampf CHLORIN gegen MRSA in der engen Vene.

#9 |
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Gisela
Gisela

Herr Wunderzahnarzt, das Zeug ist mir zu teuer, da nehm ich mir lieber so ein altes Holzschutzmittel, das wirkt todsicher, auch gegen Spinnen.
In die Vene ist übrigens nicht zugelassen, also verboten,
da können Sie ins Gefängnis kommen,
ich würde zumindest nicht so doof sein, das auch noch zu posten.

#8 |
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Iris Pomeliani
Iris Pomeliani

Michaela Grigat bei “Tieren” geht es ums Geld verdienen,
das ist doch viel wichtiger, als die Gesundheit von Menschen.
Und wenn es um Menschen geht gibt es ja immer den Sündenbock Ärzte,
die sind an allem schuld.
Außer Scharlatane wie unser Zahnarzt, die sind auch bei der Regierung hochwillkommen.

#7 |
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Iris Pomeliani
Iris Pomeliani

Lieber Herr Zahnarzt warum benutzen Sie das Wundermittel denn nicht gegen Karies?
Ich habe gelesen das benutzen auch Tintenfische in der Tiefsee, die nachweislich kariesfrei sind.
Und man könne dann auch bei Dunkelheit sehen.
Ich übe schon sehen mit den Fingernägeln.

#6 |
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Michaela Grigat
Michaela Grigat

Danke für den informativen Artikel. Allerdings frage ich mich in diesem Zusammenhang, inwiefern wir bei uns multiresistente Keime alleine durch den Verzehr von antibiotikaverseuchtem Fleisch aus Masttierhaltung züchten. Wir wissen ja, dass offenbar eher in der Regel, als in der Ausnahme, bis zu fünf Gaben pro Mast (Hühner) durchgeführt werden.

#5 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

mit der photodynamischen Therapie – PDT – lassen sich kritische Keime , MRSA- Keime physikalisch zu über 99% töten ohne die Gefahr der Resistenzbildung .
dazu dient der Photosensitizer CHLORIN e6 u. ein auf die entsprechende Wellenlänge eingestellter Laser .
Chlorin e6 kann sowohl injiziert als auch äusserlich appliziert werden .
Es reichert sich innerhalb von 3 Stunden in allen Zellen ,bs.kritischen Zellen an u. man erkennt es an seiner Fähigkeit zur Fluoreszenz .

#4 |
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Gast
Gast

Schön dass die “Landwirtschaft” wenigsten erwähnt wird
und nicht immer die Ärzte, die das am Menschen nun wirklich vital benötigen.

#3 |
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Anna von Mengershausen
Anna von Mengershausen

Danke für den informativen Artikel!
Alle Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft und Pharmaindustrie müssen sich schleunigst und nachhaltig an einen Tisch setzen um wenigstens die Dokumentationspflicht über den Antibiotika-Einsatz in der Landwirtschaft flächendeckend um zu setzen. Das wäre meiner Meinung nach schon mal ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Leider gibt es aber noch sehr viele Möglichkeiten diese Dokumentation zu umgehen, weil es kein Personal gibt, das engmaschiger zu überprüfen.
Außerdem sind Patienten gut beraten, den Arzt nach alternativen Möglichkeiten der Behandlung zu fragen!
Nach meiner Erfahrung in der Vergangenheit und auch in meinem Bekanntenkreis wurden und werden leider immer noch Antibiotika bei ziemlich jedem Wehwehchen verschrieben.
Und was den Hygienestandard in Kliniken angeht… ich hätte z.B. gern die 10 Euro Praxisgebühr weiter gezahlt als kleinen Beitrag um solche Zustände zu verbessern… Liebe Grüße

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MULTIRESISTENTE SOUVENIRS IN KLINIK UN PRAXIS?
Was ich immer betont habe: Multiresistente Keime kommen nicht allein aus heiterem Himmel und werden ausschließlich von unsachgemäß hantierenden, “unhygienischen” Krankenhaus- und Praxismitarbeitern auf arglose Patienten übertragen. Sondern diese Keime müssen selbst irgendwo her kommen. Und sie werden offensichtlich zu einem relevanten Anteil von a u ß e n in Klinik und Praxisräume hineingetragen. Der englische Fachbegriff “communicable diseases” trifft den Sachverhalt: übertragbare Krankheiten, die durch interagierende, kommunizierende Personen übertragen werden.

Jeder Landwirt aus einem Tiermastbetrieb, jeder Krankenhausbesucher mit Straßenschmutz an den Schuhen, jeder Tierhalter, egal ob Hund, Katze, Maus, Pferd o. ä., jeder Klempner, Müllwerker und Entsorger, aber auch Lehrer, Erzieher und alle, die mit vielen Menschen beruflich oder privat zu tun haben, sind Träger von potenziell multiresistenten Keimen. Mittlerweile gehören Menschen, die nur kontaminiertes Putenfleisch kaufen, auch zum Kreis der “Verdächtigen”.

“Colonization with extended-spectrum beta-lactamase-producing and carbapenemase-producing Enterobacteriaceae in international travelers returning to Germany” von C. Lübbert et al. aus der Uniklinik Leipzig (UKL) belegt, dass auch Fernreisende multiresistente Keime beherbergen können. Außer Frage steht, dass wir für über 2000 Kliniken in Deutschland Hygienebeauftragte brauchen. Diese sollen keineswegs nur darüber wachen, dass Hände von Mitarbeitern, Patienten und Besuchern desinfiziert werden. Nein, vom Klinikparkplatz bis zum Schornstein müssen a l l e infektiologischen Belange der Krankenhaushygiene bei Patienten, Gebäude, Personal, Arbeitsabläufen und Logistik berücksichtigt werden.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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