Gehen Depressionen auf die Gelenke?

2. April 2015
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Wer unter Depressionen leidet, hat zudem ein erhöhtes Risiko für Gelenkerkrankungen wie Arthrose und Arthritis. So die Daten einer großangelegten Schweizer Patienten-Stichprobe unter rund 14.300 Personen.

Depressionen betreffen rund 350 Millionen Menschen weltweit; in der Schweiz leiden jährlich schätzungsweise rund 400.000 Personen daran. In verschiedenen Ländern konnte gezeigt werden, dass Depressionen mit einem erhöhten Risiko für verschiedene körperliche Erkrankungen einhergehen. Für die Schweiz war jedoch nicht bekannt, mit welchen körperlichen Krankheiten depressive Symptome verbunden sind.

Dies hat nun eine Gruppe von Forschern um Prof. Gunther Meinlschmidt von der Fakultät für Psychologie der Universität Basel und der Fakultät für Medizin der Ruhr-Universität Bochum untersucht. Sie analysierten dafür die Daten einer repräsentativen Stichprobe aus der Schweiz, bestehend aus 14.348 Personen im Alter ab 15 Jahren, basierend auf der Schweizerischen Gesundheitsbefragung.

Risiko für Arthrose und Arthritis

Die Psychologen stellten fest, dass bei Depressiven ein höheres Risiko besteht, allgemein unter einer körperlichen Erkrankung zu leiden: Gut ein Drittel der Befragten mit depressiven Symptomen in der Schweiz leben mit mindestens einer körperlichen Erkrankung. Dies zeigte sich im Speziellen für Arthrose und Arthritis.

Der Zusammenhang zwischen Depressionen und Gelenkerkrankungen muss nun weiter untersucht werden. Denkbar wäre etwa, dass am Anfang Depressionen stehen, die zu Bewegungsmangel führen, was wiederum die Entwicklung von Gelenkbeschwerden fördert, so die Studie. Es könnte aber auch umgekehrt sein: Personen mit Gelenkproblemen sind in ihren Alltagsaktivitäten so eingeschränkt, dass sich dies negativ auf ihre Stimmung auswirkt, was zu Depressionen führen kann. Oder aber: Gelenkbeschwerden liegen oft entzündliche Prozesse zugrunde, was in letzter Zeit auch für manche Formen von Depressionen vermutet wird, sodass es sein könnte, dass ein Entzündungsgeschehen das verbindende Element darstellt.

Originalpublikation:

The association between depressive symptoms and physical diseases in Switzerland: a cross-sectional general population study
Gunther Meinlschmidt et al.; Frontiers in Public Health, doi: 10.3389/fpubh.2015.00047; 2015

35 Wertungen (4.14 ø)

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16 Kommentare:

Studentin der Pharmazie

die Erkrankung weitgehend. Aber wie schon erwähnt:” Was war zuerst da. Die Henne oder das Ei?” Wie unterscheide ich als Arzt!( Ich kenne es nur allzu gut, dass Ärzte sich gerne tief in den psychosomatischen Bereich begeben, wenn sie nicht weiter wissen!)

#16 |
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Studentin der Pharmazie

Interessant wäre bzgl. “autoimmuner Prozesse”, ob dies auch für einige andere Autoimmunerkrankungen ( ausser Arthrose /Arthritis gilt). Z. B. Lupus oder Diabetis….u.A.!
Trotzdem stellt sich auch mir die Frage, was zuerst da war: die Depression oder die Erkrankung! Weil sich häufig die Depression auch erst langsam mit der Erkrankung ( und allt. Belastung bzw. Umstellung) einschleicht ! Natürlich verstärkt die Depression

#15 |
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Gast
Gast

Herr Kollege, Nahrungseiweiß gelangt nicht ins Blut, daher auch nicht ins Gelenk.
“Autoimmun” bei rheumatischer Arthritis heißt, dass körpereigenes Eiweiß angegriffen wird, lokal durch die Synovia, was zu regelrechten “Löchern” am Gelenkrand führen kann.
Das war aber hier nicht das Thema. Osteoporose entsteht dagegen bereits durch mangelnde Belastung (Schonung) auch beim kerngesunden Astronaut in der Schwerelosigkeit.

#14 |
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In der postprandialen Phase sind Fremeiweiße im Gelenkbinnenraum anchzuweisen. Je nach Immunstatus entsthet daraus eine Arthritis. Ein Virusinfekt geht mit Veränderungen der Mikroglia einher. Ein Virusinfekt geht oft auch mit einer reaktiven Arthritis einher. Brennen sich die Virusinfekte an beiden Stellen ein, dann haben wir sowohl Arthritzis wie auch Belasstung der Mikroglia. Diese BElastung geht einher mit dem typhösen Status, die Homöopathen benutzen diesen BEgriff. Wir sprechen da eher von Depression. So haben wir einen Zusammenhang bei gleicher Ursache zweier Symptome. Mit der Homöopathie läßt sich das in der Regel gut behandeln, sofern die Homöopathie gesellschaftlich erlaubt ist.

#13 |
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Yvonne Müller
Yvonne Müller

Das wirft wieder die Frage auf: wer war zuerst da – Henne oder Ei! Es ist – zumindest Belesenen und Betroffenen – bekannt, dass ein Vitamin-D-Mangel Autoimmunkrankheiten begünstigt (könnte auch umgekehrt sein). Rheumatoide Arthritis zählt zu den Krankheiten mit autoimmunen Prozessen, ebenso gibt es viele Fälle von multiplen Autoimmunprozessen, d. h. Betroffene leiden an mehreren derartigen Erkrankungen, z. B. auch an einer Autoimmunthyreoiditis welche wiederum Depressionen begünstigt, bzw. die Symptome ähneln einer Depression. Viele verwirrende Zusammenhänge. Nur wenige Ärzte und andere Spezialisten haben da noch wirklich den Durchblick. Wäre also studienrelevant.

#12 |
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Gast
Gast

@Karl-Heinz Licht, es gibt kein “Körperbewusstsein”.
Speziell im Sport an die eigenen körperlichen Leistungsgrenzen zu gehen, ist eher ein Privileg der Jugend, ab einem gewissen Alter sollte man vernünftigerweise immer etwas Abstand davor bewahren, was Verletzungen vermeidet.
Das schließt keineswegs aus, dass ein 60-Jähriger mehr Muskeln hat als ein 30-Jähriger.
Wer rastet, der rostet,
auch das kann Arthrose machen.

#11 |
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Dr. med. M. Scheidthauer
Dr. med. M. Scheidthauer

Aus meinem allgemeinmedizinischen Alltag liegt ein ganz klares Korrelat zwischen Depressionen – Arthrose/Arthritis vor; allerdings gehören hierzu natürlich noch weitere Symptom-Gruppen wie z.B. “Schlafstörungen”, die oft allesamt mit einem erniedrigten Vif-D-Spiegel einhergehen.
Da Vit-D-Bestimmungen nicht routinemäßig von den Kassen übernommen werden, ist das leider kein häufig bestimmter Parameter.
Mit “Dekristol 20 000 I.E.” kommt man relativ zügig in einen wünschenswerten Vit-D-Spiegel-Bereich, so dass die Patienten innerhalb weniger Wochen deutliche Symptom-Verbesserungen berichten. Nicht nur in Bezug auf einzelne Symptome, sondern auch generell das Immunsystem betreffend, zeigen sich positive Effekte wie z.B. weniger Infekte;
auch interessant zu sehen, dass z.B. MS-Schübe vermehrt im Frühjahr auftreten, (weniger im Herbst) da hier der Vit.-D-Spiegel auch jahreszeitlich gesehen, seinen Tiefpunkt erreicht hat.
Sicherlich ein noch sehr interessantes und lohnenswertes Forschungsgebiet!!!

#10 |
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Medizinjournalist

Ja, machen Sie! Im Menschen ist das eine Einheit. Das Körperselbsbewusstsein ist Grundlage für Lust und inneren Drang zu körperlicher Aktivität. Es ist eine Rückkopplung und beeinflusst maßgeblich Gemütsstabilität, Risiko- und Leistungsbereitschaft. Das Abbild das der Körper von seiner eigenen Situation macht, steuert die Beziehungen zu sich selbst und den anderen Menschen innerhalb eines Korridor den er selbst festlegt. Er benutzt den Leistungsbereich, den er nach seinen aktuellen Leistungsdaten eingrenzt. Er macht, wovon er glaubt, was er kann und lässt deshalb nur Anstrengungen zu, die er als zumutbar einstuft. Alles davon hat direkte Wirkung auf das mentale/geistige Selbstbewusstsein. Sicher in jedem Menschen anders aber immer mit dem Einfluss, mir geht’s gut, mir geht’s schlecht. Geht’s dem Körper schlecht, zieht er Anstrengungsbereitschaft ein und dann geht’s einem wirklich schlecht, weil man den Regenrationsgrad nicht einmal mehr erreicht und ganz sicher keinen Regenerationsgrad von über 100 % erreicht. Der Körper repariert gebremst. Das Ergebnis ist, das Körperselbstbewusstsein wird immer kleiner, zusammen mit der wahren Leistungsfähigkeit des Körpers. Man kann ihn nur von mehr Leistungsfähigkeit überzeugen indem man mehr macht, als er sich gerade selbst zutraut. Wir kennen das unter eisernem Willen, den gibt es zwar nicht, aber die Verständigung mit dem Körperselbstbewusstsein ist mühelos möglich. Es liest sich wie ein Selbstbetrug, ist aber keiner, denn eine kurze Zeitverzögerung muss herausgerechnet werden. Ich pumpe Eisen, wovon ich selbst nicht glaube, dass ich es schaffe. Schaffe ich es, muss meine eigne Einschätzung korrigiert werden. Dazu gibt es keine Alternative. Der Körper merkt, das geht ja doch, ist überrascht und korrigiert das Körperselbstbewusstsein nach oben. Ich mache das wieder und wieder und er korrigiert wieder und wieder seine Einstellung zu seiner Leistungsfähigkeit. Zusammen sind wir nach Jahren auf einem irren Niveau angekommen und keiner glaubt, dass das wirklich so einfach geht. Kurz und knapp: 110 Prozent der aktuellen Möglichkeiten leisten, dann schreibt er morgen um auf 100% dann nach drei Tagen wieder 110 % und immer so weiter. Die Korridorgrenzen heißen Schmerzen. Man überschreitet sie, wenn es weh tut. Die zehn Prozent über 100 tun weh und das müssen sie, denn mit den Schmerzen begrenzt der Körper den o.g. Korridor. Es ist seine einzige Möglichkeit zur Kommunikation. Tut es weh, ist das gut. Zwiegespräch: Er sagt: mach das nicht, das wird weh tun. Ich mach es doch, dann glaubt er es, dass es geht. Wenn ich an mich glaube, haben Depressionen keinen Platz und die Gelenke werden wieder brauchbar, weil sie gebraucht werden.

#9 |
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Wurde nicht ein Vitamin D Mangel mit Depressionen und auch Gelenk- und Muskelschmerzen/Arthritis/ .. schon in Studien korreliert? Wäre interessant diesen Laborparameter bei dieser Patientengruppe zu messen.

#8 |
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Dr. Peter Mandry
Dr. Peter Mandry

Ich habe das schon beobachtet: erst Gelenkprobleme, dann Depression. Eine Zusammenhang hatte ich bisher nicht vermutet. Interessant!

#7 |
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Jürgen Schuster
Jürgen Schuster

Jeder Stress erhöht das Entzündungsgeschehen im Körper, oft zu sehen an CRP, TNF etc. Deswegen ist der Zusammenhang höchst logisch. Wird leider selten beachtet.

#6 |
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Gast
Gast

da denkt doch ein “Informatiker” TATSÄCHLICH richtig medizieeeenisch :-)

#5 |
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Medizininformatiker

Vielleicht liegt es auch ein wenig an den Nebenwirkungen der Antidepressiva.
In “seltenen” Fällen (höchstens 80% der behandelten Patienten) erfolgt eine mässige Gewichtszunahme von lediglich 50 -100%.

Naaaiiinnn – doch nicht mit unseren NOOOHIHJENNN Präparaten – die sind im Grunde praktisch so gut wie fast nebenwirkungsfrei … ääääh eigentlich sozusagen … also meistens … ziemlich oft … naja … also schon so hin und wieder … von Ausnahmen abgesehen … kommt halt drauf an, aber oft stimmts, wenn’s nicht anders ist.

#4 |
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Kyriakos Karakas
Kyriakos Karakas

Die Verbindung zwischen psyche und das muskelskeletäres System, ist das Hormon Cordisol. Wenn das Cordisol Stresshormon mehr wie drei Monate hochdosiert im Körper sich Aufhält ,wirkt sich auf den regenerationprozeß der Gelenke und Muskeln negativ.Dadurch Unterversorgung der Gelenke und der Bänder

#3 |
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Studentin der Pharmazie

Aha, dass jemand mit chronischen Schmerzen bzw. Knochenschmerzen wie bei den o.g. Krankheiten oder Osteoporose oder was auch immer meist auch an Depressionen leidet, war mir bisher klar. Verständlich! Aber dass die Entzündungsprozesse eventuell dafür verantwortlich sein sollen, ist ein interessanter Ansatz! Wäre schön , wenn der Artikel mehr Informationen enthalten würde.

#2 |
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Heilpraktikerin

Das verbindende Organ könnte auch der Darm sein:
Wenn er in seiner Funktionalität gestört ist, kann nicht genügend Tryptophan aus der Nahrung resorbiert werden und konsekutiv daraus auch nicht ausreichend Serotonin gebildet werden. Ebenso führt die mangelhafte Nährstoffresorption im Darm zur Unterversorgung der Gelenke.

#1 |
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