Energy-Drinks: Hyperaktivität aus der Dose?

30. April 2015
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Gezuckerte Energy-Drinks haben signifikante Auswirkungen auf die Psychomotorik von Kindern: Sie erhöhen das Risiko für Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität um etwa zwei Drittel – auch schulische Leistungen können durch den Konsum beeinträchtigt werden.

Die im Fachmagazin Academic Pediatrics veröffentlichten Studienergebnisse entsprechen bestehenden Empfehlungen, den Konsum gesüßter Getränke für Schulkinder zu begrenzen. Darüber hinaus empfehlen die Autoren, dass Kinder insbesondere auf Energy-Drinks verzichten sollten, da sie zusätzlich zum hohen Zuckergehalt auch beträchtliche Mengen an Koffein aufweisen. Unter der Leitung von Prof. Jeanette Ickovics, der Direktorin der Community Alliance for Research and Engagement (CARE) an der Yale School of Public Health, untersuchte das Forscherteam 1.649 zufällig ausgewählte Mittelstufenschüler eines städtischen Schulbezirks im US-Bundesstaat Connecticut.

Das Durchschnittsalter der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler lag bei 12,4 Jahren. Während der Studie wurden sowohl die Anzahl als auch die Art verzehrter Zuckergetränke ermittelt, darunter insbesondere Limonaden, Fruchtsäfte, gesüßte Kaffeegetränke und Energy-Drinks. Mit zunehmender Anzahl der konsumierten Zuckergetränke stieg bei den Mittelstufenschülern auch das Risiko für Symptome fehlender Aufmerksamkeit und hyperaktiven Verhaltens, die mittels einer Selbstauskunft über Fragebögen erfasst wurden. „Interessanterweise scheint dieser Zusammenhang vor allem auf Energy-Drinks zurückzuführen zu sein“, sagt Prof. Ickovics. „Unsere Ergebnisse untermauern die Empfehlungen der American Academy of Pediatrics, dass Eltern den Konsum gesüßter Getränke bei ihren Kindern begrenzen sollten und dass Energy-Drinks überhaupt nicht konsumiert werden sollten.“

Zucker soweit die Zunge reicht

Im Mittel konsumierten die in dieser Studie eingeschlossenen Schüler zwei gezuckerte Getränke pro Tag, die Bandbreite des Konsums lag zwischen keinem und sieben oder mehr Süßgetränken. Manche der bei den Schülern beliebten, gezuckerten Getränke und Energy-Drinks enthalten bis zu 40 Gramm Zucker pro Getränk. Ernährungswissenschaftlern zufolge sollte die Tageshöchstdosis an Zucker bei Kindern in Abhängigkeit vom Alter Mengen zwischen 21 Gramm und 33 Gramm jedoch nicht übersteigen.

Innerhalb der Schülerschaft stießen die Wissenschaftler auf deutliche Unterschiede im Konsum gezuckerter Getränke: Insgesamt tranken Jungs wesentlich mehr Energy-Drinks als ihre weiblichen Mitschüler. Zudem lag der Anteil der Konsumenten in der hispanischen und schwarzen Bevölkerung der männlichen Subpopulation höher als bei den weißen Schülern.

Süßes Verhängnis

Zum besseren Verständnis der Mechanismen, die vom Konsum zuckerhaltiger Getränke zu hyperaktivem Verhalten führen, sind weitere Untersuchungen notwendig. Die weitreichenden Konsequenzen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind jedoch bereits vielfach untersucht worden. Bei Kindern korreliert ADHS stark mit schlechteren schulischen Leistungen, größeren Schwierigkeiten in den Beziehungen zu Mitschülern sowie einer höheren Anfälligkeit für Verletzungen.

Zusätzlich zu hyperaktivem und unaufmerksamem Verhalten würden stark gezuckerte Getränke auch einen bedeutenden Risikofaktor für Fettleibigkeit unter Kindern und Jugendlichen darstellen, betont Prof. Ickovics. Mit Zucker gesüßte Getränke seien eine zentrale Quelle überzähliger Kalorien in der Ernährung fettleibiger Kinder. Aktuell gelten mehr als ein Drittel aller amerikanischen Schulkinder als übergewichtig oder fettleibig.

Originalpublikation:

Energy Drinks and Youth Self-Reported Hyperactivity/Inattention Symptoms
Deborah L. Schwartz et al.; Academic Pediatrics, doi: 10.1016/j.acap.2014.11.006; 2015

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Medizin, Pädiatrie

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