Vitamin D: Mangel führt zu erhöhter Sterblichkeit

2. Mai 2013
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Wissenschaftler untersuchten in einer Studie den Zusammenhang zwischen einem Mangel an Vitamin D und der Sterblichkeitsrate. Probanden mit niedrigem Vitamin D-Spiegel starben häufiger an Atemwegserkrankungen und an Krebs, auch ihre Gesamtsterblichkeit war erhöht.

Vitamin-D-Mangel ist seit langem als Risikofaktor für Osteoporose bekannt. Neuere Studien lassen vermuten, dass Vitamin D aufgrund seiner Hormonwirkung auch andere chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs und Infektionen beeinflussen könnte. Träfe dies zu, müsste eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung auch einen Effekt auf die Sterblichkeit der Bevölkerung zeigen.

Dieser Frage gehen Wissenschaftler in der ESTHER-Studie nach. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) führt die Untersuchung in Kooperation mit dem Epidemiologischen Krebsregister Saarland, Saarländisches Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, durch. Die Studie schließt knapp 10.000 Teilnehmer aus dem ganzen Saarland ein. Studienleiter ist Prof. Hermann Brenner vom DKFZ.

Zu wenig UV-B-Licht für Vitamin-D-Produktion im Winter

Vor allem im Winter war die Konzentration von Vitamin D im Blut vieler Studienteilnehmer besonders niedrig. Im Januar wiesen beispielsweise 24 Prozent der Probanden einen sehr niedrigen und 71 Prozent einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel auf. Im Vergleich hierzu lag der Anteil der ESTHER-Teilnehmer mit sehr niedrigen Vitamin-D-Werten im Juli nur bei 6 Prozent, mit einem niedrigen Vitamin-D-Wert bei 41 Prozent.

Die besonders niedrigen Vitamin-D-Spiegel im Winter lassen sich dadurch erklären, dass der Körper den größten Teil seines Vitamin-D-Bedarfs unter Einfluss der UV-B-Strahlung des Sonnenlichts selbst produziert. Die geringe Menge an UV-B-Licht in Deutschland in der dunklen Jahreszeit reicht häufig nicht aus, die Vitamin-D-Produktion ausreichend anzukurbeln.

Erhöhtes Sterberisiko bei einer Erkrankung der Atemwege

Die Sterblichkeit war bei Teilnehmern der ESTHER-Studie mit sehr niedrigen und niedrigen Vitamin-D-Spiegeln statistisch signifikant höher als bei Probanden, die höhere Vitamin-D-Konzentrationen im Blut aufwiesen. Nach Berücksichtigung aller Störfaktoren war die Sterblichkeitsrate innerhalb der achtjährigen Beobachtungszeit bei Probanden mit sehr niedrigen Vitamin-D-Werten 1,7-fach, und bei Teilnehmern mit niedrigen Vitamin-D-Werten 1,2-fach erhöht.

Studienteilnehmer mit sehr niedrigen Vitamin-D-Werten hatten insbesondere ein erhöhtes Risiko, an einer Erkrankung der Atemwege zu versterben (2,5-faches Sterberisiko). Auch erlagen sie häufiger Herz-Kreislauferkrankungen (1,4-fach) oder Krebs (1,4-fach).

Mehr Zeit für präzise Ergebnisse

Sollte daher jeder prophylaktisch Vitamin-D-Präparate einnehmen? Wissenschaftler diskutieren diese Frage kontrovers: Randomisierte kontrollierte Studien, die den Einfluss der Vitamin-D-Einnahme auf die Sterblichkeit untersuchten, zeigten insgesamt eher geringe Effekte. Zurzeit laufen große Untersuchungen, die noch einige Jahre Nachbeobachtungszeit benötigen, um die Frage der Wirksamkeit von Vitamin-D-Präparaten zu klären. “Die Ergebnisse der ESTHER-Studie zeigen jedoch, dass sich dieser Forschungsaufwand durchaus lohnen könnte, da niedrige Vitamin-D-Spiegel in Deutschland sehr verbreitet sind”, sagt Dr. Ben Schöttker, der Erstautor der Arbeit.

Wohldosiert Sonne tanken

Bis gesicherte Erkenntnisse zur Vitamin-D-Supplementation vorliegen, empfiehlt der Wissenschaftler, in der warmen Jahreszeit wohldosiert Sonne zu tanken, um eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung sicherzustellen und ein Depot für den Winter anzulegen. Über Nahrungsmittel allein lässt sich der Bedarf meist nicht decken. Die Dauer der Sonnenexposition sollte – in Abhängigkeit vom Hauttyp – jedoch so begrenzt werden, dass sich das Hautkrebsrisiko nicht erhöht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, dass für die meisten Menschen in Deutschland von März bis Oktober je nach Hauttyp 5 bis 25 Minuten Sonnenbestrahlung pro Tag auf Gesicht, Hände und Unterarme genügen, um ausreichend Vitamin D zu produzieren.

Originalpublikation:

Strong associations of 25-hydroxyvitamin D levels with all-cause, cardiovascular, cancer and respiratory disease mortality in a large cohort study

Ben Schöttker et al.; American Journal of Clinical Nutrition, doi: 10.3945/ajcn.112.047712; 2013

46 Wertungen (4.78 ø)

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9 Kommentare:

Die Artikelüberschrift suggeriert Kausalität zwischen Vitamin D Mangel und erhöhter Sterblichkeit. Die Variable “Viatamin D Mangel” ist aber konfundiert durch die Aufenthaltsdauer unter Sonnenlicht und diese wiederum konfundiert durch Mangel an Bewegung, z.B. infolge von Krankheit oder sonstigem ungesunden Lebensstil. Interessant wäre auch zu wissen, was die Erhöhung der Sterblichkeitsrate um den Faktor 1,2 bei niedrigen Vitamin D Werten absolut bedeutet.

#9 |
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Olaf Andrews
Olaf Andrews

In einem anderen Artikel wurde der sorgfältigere Umgang der Medien mit medizinischen Themen angefragt – völlig zu Recht!
In diesem Zusammenhang möchte ich in Bezug auf d i e s e n Artikel anfragen, auf den Zusammenhang zwischen Begriffen u n d deren Bedeutung zu achten!!
Was, bitte schön, soll ich mir unter “erhöhter”, “gesamt-” oder “statistischer” Sterblichkeit vorstellen? Was für ein Quatsch!
Es gibt e i n e Sterblichkeit und zwar die ganz ureigene! Eine andere gibt es nicht! Die Wahrscheinlichkeit, dass das Leben immer tödlich endet, ist statistisch gesehen nahezu bei 100 %!
Meine Bitte: geht etwas sensibler mit Begriffen und deren Bedeutung um! Suggeriert den Menschen nicht, sie könnten später versterben als vorgesehen!
Wir haben eine Zeit, ein Leben und wir haben, wenn es soweit ist, ein Sterben!

#8 |
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Kai Degenhart
Kai Degenhart

Es macht Sinn sich einmal auf einen Vitamin D-Mangel testen zu lassen, denn damit hat man Gewissheit und kann gezielt dagegen angehen. Man kann Tests mittlerweile im Internet erwerben, auf Seiten wie Cerascreen bin ich fündig geworden [Kommentar von der Redaktion gekürzt].

#7 |
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gefordert werden international 25 (OH) Vit D3 – Serum – Spiegel von 30 bis 60 ng/ml, umgerechnet sind das 75 bis 150 nmol/l.
Die Spiegel aus der Studie waren:
“sehr niedrig: < 30nmol/l, niedrig: 30 bis 50 nmol/l".
Das sind ganz klar und simpel Mangelsituationen und kein niedrigen oder sehr niedrigen Spiegel!!
Im Winter (OKt bis März) kann man in Deutschland nicht genügend Vit D bilden.
Das haben wir ja nun hochoffiziell bestätigt:-(((
Außerdem muß man mehr freie Hautfläche als Gesicht, Hände, Unterarme exponieren und berücksichtigen, daß die Fähigkeit der Haut zur Vit D Bildung im Alter nachlässt: näherungsweise mit 50 Jahren nur noch 50%.
Warum erfolgte keine Substitution?
Zur Calciumresorption ist ein Spiegel von mindestens 32 ng/ml erforderlich.
Vit D ist eminent wichtig, insofern ist diese Veröffentlichung als Anstoß zur Beschäftigung damit hilfreich. Schade nur für die Studienteilnehmer, daß der Mangel nicht ausgeglichen wurde.
MFG M. Zimmermann

#6 |
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Arzt
Arzt

zu#2 das Wort “strongly associations” und “significantly” [HR (95% CI)] für “overall mortality” sind mathematisch-statistische Korrelationen, die den Grad der Wahrscheinlichkeit exakt definieren! Signifikanz schließt jedenfalls den Zufall praktisch aus (p=0,05 oder kleiner)
Dabei sind bei starken Unterschieden nur rel. wenige Fälle erforderlich, bei geringeren eine größere Fallzahl. Bei sehr komplexen biologischen Objekten wie einem Menschen ist eine größere Fallzahl immer sinnvoll.
Signifikanz ist so gut wie Kausalität und kann durch eine Interventionsstudie wohl kaum verbessert werden, denn auch diese muss statistisch in gleicher Weise ausgewertet werden.
Selbstverständlich gibt es bereits zahlreiche “Intervetionsstudien” bezüglich der Knochengesundheit und des Frakturrisikos, die eigentlich alle sagen, dass eine dosisabhängige Wirkung besteht und 800IE (20µg) Substitution das Minimum bedeuten.
Hier eine Metaanalyse von 2009 aus der Schweiz:
Bischoff-Ferrari HA et al. Fall prevention with supplemental and active
forms of vitamin D: A meta-analysis of randomised controlled trials. BMJ 2009 Oct 1; 339:b3692.
Hier geht es also um zusätzliche extraossale Wirkungen
und ich empfinde die Haltung der DGE schon als skandalös, nach dem sie jahrzehntelang eine zu niedrige Tagesdosis gepredigt hat, nun
WEITERHIN diese Fehler zu verteidigen und vor Substitution zu warnen.

mfG

#5 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Ines Carius
Ernährungsberaterin Traditionelle Chinesische Medizin

Interessant ist, w a r u m der Körper Sonnenenergie für seinen komplexen Metabolismus nutzt und braucht. Warum werden
unkritische Empfehlungen für möglichst hohe Sunblocker ausgesprochen ? Entscheidend ist die Dosis und das Gefühl für den eigenen Körper. Aber das scheint oft von der Kosmetikindustrie bestimmt zu sein. Die Wirkungen von Parabenen, Mineralölmischungen, chemischen Filtern und Aldehyden sind zusätzlich nicht förderlich für einen natürlichen Stoffwechsel.(Mineralische Filter eine Alternative)
Selbst Dermatologen machen sich darüber kaum Gedanken.

#4 |
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Dr. med. Dieter Schoeffel
Dr. med. Dieter Schoeffel

Beschrieben wird eine Assoziation, nicht eine Kausalität. Denkbar wäre zum Beispiel, dass kränkere Menschen sich weniger im Freien aufhalten und so eine umgekehrte Kausalität besteht.
Die Frage der Kausalität kann nur durch Interventionsstudien geklärt werden (sind derzeit im Gange)
DS

#3 |
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Heilpraktiker

“…Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, dass für die meisten Menschen in Deutschland von März bis Oktober je nach Hauttyp 5 bis 25 Minuten Sonnenbestrahlung pro Tag auf Gesicht, Hände und Unterarme genügen, um ausreichend Vitamin D zu produzieren…”. Na, Gott sei dank hatten wir einen sonnendurchfluteten Winter! Und Gott sei dank gibt es auch völlig unkomplizierte Möglichkeiten zur Substitution mit entsprechenden Präparaten. 1000 bis 3000 IEinheiten pro Tag im Winter sind ganz sicher förderlich.

#2 |
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Aufwachen!
na klar hilft Vit.D-Substitution!
Wers nicht glaubt, mache einfach Blutspiegelkontrollen. In der Regel (Aldi) wird auch hier unterdosiert. Es sollten mindestens 1000 IE sein, das ist belegt
und sollte auch nicht verwundern im Vergleich zu einem Säugling mit deutlich unter 10 kg KG, der bekanntlich täglich 500 IE erhält.

mfG

#1 |
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