Bakterium oder Virus? Reines Kinderspiel

10. April 2015
Teilen

Ein neuer Schnelltest unterscheidet zuverlässig zwischen bakteriellen und viralen Infektionen - bislang nur im Labor und bei kleinen Studien. Der Siegeszug in Richtung Praxis steht bevor: ein Beitrag gegen überflüssige Antibiotika-Verordnungen.

Eine gute und eine schlechte Nachricht: Niedergelassene Ärzte verordnen Antibiotika immer zurückhaltender. Das fanden Wissenschaftler am Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) Ende 2014 heraus. Ihr Versorgungsatlas zeigt aber auch gefährliche Tendenzen: Immer häufiger stehen Reserveantibiotika auf der Verordnung – ohne medizinische Not. Und im „Faktencheck Antibiotika bei Kindern“ warnen Forscher der Bertelsmann Stiftung vor dem allzu freizügigen Einsatz, ohne bakterielle Infektionen überhaupt nachgewiesen zu haben. Genau hier setzen verschiedene Arbeitsgruppen an.

Mit TRAIL auf der richtigen Spur

Bislang ließen sich virale oder bakterielle Infektionen beim Kinderarzt kaum auf die Schnelle unterscheiden. Grund genug für Mediziner, erst einmal Antibiotika zu verordnen. Eran Eden von MeMed Diagnistics aus dem israelischen Tirat Carmel hat zusammen mit Kollegen jetzt einen Test entwickelt. Als Basis dienten Proben von Patienten mit bekanntem bakteriellem oder viralem Infekt. Bei Proteomanalysen identifizierten Forscher rund 600 Proteine in Zusammenhang mit Viren. Letztlich wurde der TNF-related apoptosis-inducing ligand (TRAIL) zum aussichtsreichsten Kandidaten für die weitere Studie. Besonders praktisch: Der TRAIL-Spiegel steigt bei viralen Infekten an, vermindert sich jedoch bei bakteriellen Erkrankungen.

Resultate in 99 Minuten

Ihr neues Testverfahren auf Basis von TRAIL erprobten Wissenschaftler bei rund 1.000 Patienten mit bekanntem Infekt. Zusätzlich erfasste das Team CRP-Werte. Das C-reaktive Protein ist bei viralen Infekten leicht und bei bakteriellen Infekten stark erhöht. Hinzu kam IP-10 (interferon-gamma induced protein 10 kD) als Marker für Infektionen. Beim TRAIL-Schnelltest lagen in 99 Minuten alle Ergebnisse vor. Die drei Komponenten führten zu einer Sensitivität und Spezifität von über 90 Prozent. Bakterien und Viren ließen sich Eden zufolge besser unterscheiden als mit marktüblichen Tests.

19 Wertungen (4.68 ø)
Forschung, Pharmazie

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

4 Kommentare:

Gast
Gast

Für die akute bakterielle Sepsis gibt es den Procalcitonin Test, der schneller reagiert als das CRP. Beides wie immer nicht 100% sicher.
Das Diff.BB gibt schon recht sichere Hinweise bei einem ernsten akuten Virusinfekt.
Wenig Granulozyten oft auch mit Anämie und Thrombopenie, dafür eine Lymphozytose, die optisch fast in Richtung CLL geht.
Das macht aber die Klinik für einen erfahrenen Dr. eher noch besser, wie schon #1 richtig bemerkt.

#4 |
  0
Gast
Gast

Liebe @Heilpraktikerin Petra Donau, welche “Leukos” genau,
ich hab mal von einem Medizinstudent gehört, da gäbe es verschiedene Sorten.
Das is ja sicher billiger als so ein amerikanischer TRAIL-Schnelltest.
Man weis ja, diese Amerikaner wollen ja nur an unser Geld und man weis auch,
die haben mehr Einfluss auf unsere Regierung, als unsere Ärzte in Deutschland.

#3 |
  0
Heilpraktikerin

Das finde ich doch mal super! Nicht das wieder einer glaubt Heilpraktiker und Arzthelferin wissen nicht was sie tun.Die Leukos sind ja bei viralen Infekten auch niedriger als bei einem bakteriellen Infekt.
Ich zähle Leuko mach eine Senkung dann entscheide ich ob ich den Patienten zum Arzt schicke der CRP würde einen Tag dauern das ist mir schon zu lang.
Ich arbeite auch 2 Tage bei einer Allgemeinärztin die genau wie beschrieben nicht leichtfertig Antibiotika verordnet. So ein Trail Test wäre super!

#2 |
  0
Arzt
Arzt

Ein völlig wertloser Test für einen Arzt.
Nur ein blutiger Laie kann einen Virusinfekt nicht von einem bakteriellen unterscheiden.
Nützlich wäre lediglich zu wissen WELCHER bakterielle Keim und ggf. das Antibiogramm.
Das ist nicht nur teuer, sondern im Akutfall schlicht zu langsam,
immer kombiniert mit einer gewissen Unsicherheit ob man im “Labor” auch wirklich den richtigen Keim erwischt hat.
Es ist ja meist ein Mischinfekt und das vorausgehende Virus bereitet den Weg dafür vor.

#1 |
  1


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: