„Pille danach“: Zwiespältige Zwischenbilanz

31. März 2015
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Brüssel hat Druck gemacht – und der Bundesgesundheitsminister musste nachgeben: Seit Mitte März erhalten Kundinnen öffentlicher Apotheken Notfallkontrazeptiva ohne Rezept. Zeit für eine vorläufige Bilanz von Apothekern, Ärzten und Bürgern.

Über das Für und Wider eines OTC-Switches bei der „Pille danach“ haben Apotheker, Ärzte und Politiker in den letzten Monaten mit großer Leidenschaft diskutiert. Jetzt melden sich Konsumenten zu Wort. YouGov wollte wissen, wie Laien die rezeptfreie Abgabe bewerten – und befragte 1.021 Bürger.

Breite Zustimmung – potenzielle Gefahren

Rund 63 Prozent befürworteten die neuen gesetzlichen Regelungen. Skeptisch beziehungsweise ablehnend äußerten sich nur 29 Prozent. Trotzdem spricht sich ein Großteil aller Befragten für strenge Regelungen aus – nur 28 Prozent wünschen sich den Bezug über Online-Apotheken. Alarmierend: Etwa 15 Prozent sehen in der „Pille danach“ eine Alternative zu etablierten Verhütungsmethoden. Immerhin stufen 63 Prozent Beratungsgespräche in Apotheken als notwendig ein.

Arzt basht Apotheker

Bei diesem Thema scheiden sich heilberufliche Geister. Ende Januar hatte die Bundesapothekerkammer (BAK) einen Beratungsleitfaden veröffentlicht – sehr zum Ärger von Gynäkologen. „Mit großer Besorgnis sehen die Präsidenten des Berufsverbandes der Frauenärzte, der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin der Einführung der Rezeptfreiheit für die Notfallverhütung entgegen“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. In apothekerlichen Handlungsempfehlungen seien „grundlegende Beratungsinhalte nicht enthalten“. Ärzten geht es vor allem um die nachlassende Wirkung von Levonorgestrel und Ulipristalacetat ab einem bestimmten Körpergewicht – und um die „Spirale“ als Option für Frauen mit höherem BMI. Diese Informationen sollen jetzt eingearbeitet werden. Das letzte Wort hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: Sein Haus soll den überarbeiteten BAK-Leitfaden vorab bekommen.

High Noon am HV-Tisch

Diese Kontroverse hat diverse Redaktionen auf den Plan gerufen. Zuletzt war „RTL extra“ aktiv. Eine 18-jährige Testkäuferin gab sich als 15-Jährige aus, die nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr ein Notfallkontrazeptivum benötigt. Apotheker berieten per BAK-Fragebogen und dokumentierten das Gespräch. Trotzdem gab es Schwachpunkte: Möglicherweise wäre in der gestellten Situation gar keine „Pille danach“ erforderlich gewesen. Die vermeintliche Kundin gab an, sie hätte am letzten Tag ihrer Periode ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt. Hier sei ein Eisprung kaum möglich, argumentieren Gynäkologen. Auch waren Notfallkontrazeptiva nicht in jeder Apotheke vorrätig.

16 Wertungen (2.69 ø)

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8 Kommentare:

Gast
Gast

an Gast#6 Werbung für was?
Sind Sie gegen Werbung oder gegen Ärzte?

#8 |
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Gast
Gast

#2 Isabella Stavenhagen-Neumann, typisch Frau!
Ich würde als Gynäkologe ablehnen, nicht nur weil es keine Garantie gibt.
Wenn die Frau das Baby nicht will, würde ich lieber das Baby nehmen, als ihr noch Geld dafür geben.

#7 |
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Gast
Gast

Nicht zu glauben! In vielen Arztpraxen- darunter vermehrt bei den Gynäkologen – steht Werbung auf dem Tisch und die von den Pharma-Vertretern erhaltenen Medikamente werden undokumentiert an die Patienten weitergegeben. Das stört keinen! Die Empörung der Gynäkologen hinterklässt den Eindruck, dass sie die “Pille danach” am liebsten selber verkaufen wollen und deswegen “besorgt” sind.

#6 |
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Peter Moll
Peter Moll

igh Noon am HV-Tisch

Diese Kontroverse hat diverse Redaktionen auf den Plan gerufen. Zuletzt war „RTL extra“ aktiv. Eine 18-jährige Testkäuferin gab sich als 15-Jährige aus, die nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr ein Notfallkontrazeptivum benötigt. Apotheker berieten per BAK-Fragebogen und dokumentierten das Gespräch. Trotzdem gab es Schwachpunkte: Möglicherweise wäre in der gestellten Situation gar keine „Pille danach“ erforderlich gewesen. Die vermeintliche Kundin gab an, sie hätte am letzten Tag ihrer Periode ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt. Hier sei ein Eisprung kaum möglich, argumentieren Gynäkologen. Auch waren Notfallkontrazeptiva nicht in jeder Apotheke vorrätig.

Auch waren Notfallkontrazeptiva nicht in jeder Apotheke vorrätig.

??? gerade ausverkauft….
oder wie oder was

keine Doku kein nix kein garnix

Morgen wieder alles in jeder Menge verfügbar

oder wie oder was

#5 |
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Rolf Peters
Rolf Peters

In England und Frankreich wird die Pille danach, bei Bedarf, in Schulen
verteilt. Ganz sicher von Gynäkologen, auf jeden Fall aber nach eingehender
Befragung durch entsprechend kompetente Personen. Ironie aus!
OTC oder nicht OTC? Die Risiken waren bekannt, mögliche missbräuchliche
Verwendungsmöglichkeiten auch!
Also was soll die ganze Diskussion noch?

#4 |
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Gast
Gast

Müßige Diskussion! Wie oft müssen wir für die Ärzte aufgrund fehlerhafter Rezepte und fragwüdiger Dosierangaben in die Bresche springen?

#3 |
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Selbstst. Apothekerin

Zahlen die Gynäkologen in dem zwar unwahrscheinlichen, aber dennoch möglichen Fall die Alimente?

#2 |
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Richard Meier
Richard Meier

Auch wenn der Eisprung kaum möglich ist, so ist er doch möglich….
Wie würden Gynäkologen mit der gleichen Frage abschneiden?

#1 |
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