Hepatitis C: Verwandtes Rindervirus entdeckt

27. März 2015
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In Rindern aus Ghana konnten neuartige Viren nachgewiesen werden, die entfernte Verwandte des Hepatitis-C-Virus sind. Unklar ist bislang, welche Symptome die Rinderviren in den Tieren verursachen und ob diese den Menschen infizieren können.

Die neu beschriebenen Erreger zählen zur Gruppe der Hepaciviren. Sie vermehren sich vermutlich in der Leber von Rindern. Die Infektion scheint sehr häufig zu sein. „Wir haben 106 Rinder von verschiedenen zufällig ausgesuchten Farmen in Ghana untersucht“, erklärt Jan Felix Drexler, Professor für Virologie an der Universität Bonn. „In neun Tieren konnten wir die Viren nachweisen.“

Die Erreger sind mit dem Hepatitis-C-Virus verwandt. Weltweit sind mehr als 180 Millionen Menschen an Hepatitis C erkrankt. Zu einer Ansteckung kommt es hauptsächlich durch Blutkontakt mit infizierten Personen. Die Infektion kann eine chronische Leberentzündung verursachen. Mögliche Folgen sind Leberversagen oder Leberkrebs.

Ansteckungsrisiko für Menschen?

Ob die neu entdeckten Viren auch Menschen anstecken können, lässt sich noch nicht sagen. „Das ist ein wichtiger Punkt, den wir nun untersuchen wollen“, sagt Drexler. „Schließlich zählen Rinder zu den häufigsten Nutztieren weltweit.“ Zudem sei bei der Schlachtung und der Zubereitung des Fleisches ein Kontakt mit Rinderblut möglich. Das Rindervirus sei aber auf keinen Fall der direkte Vorläufer des menschlichen Virus, präzisiert Drexler. „Kein Patient mit einer Hepatitis-C-Infektion kann sich bei einem Rind angesteckt haben.“

Unklar ist bislang, welche Symptome die Rinderviren in den Tieren verursachen. Es gibt aber Hinweise darauf, dass sie sich dort ebenfalls in der Leber vermehren. Inwieweit die Tiere dadurch gesundheitlich beeinträchtigt werden, soll in Zusammenarbeit mit den beteiligten Gruppen untersucht werden.

Einblicke in die Evolution der Hepaciviren

Die Entwicklungsgeschichte der Rinderviren ermöglicht neue Einblicke in die Evolution der Hepaciviren. „Wir wissen inzwischen, dass die ghanaischen Viren zwei verschiedenen Subtypen angehören“, erläutert Jan Felix Drexler. „Diese haben sich vermutlich bereits vor hunderten von Jahren entwickelt.“ Für detailliertere Analysen wollen die Forscher nun Rinder aus andere Teilen Afrikas und der Welt untersuchen – schließlich ist nicht ausgeschlossen, dass diese ebenfalls mit Hepaciviren infiziert sind.

Originalpublikation:

Highly divergent hepaciviruses from African cattle
Victor Max Corman et al.; Journal of Virology, doi: 10.1128/JVI.00393-15; 2015

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1 Kommentar:

Gast
Gast

ich hoffe doch, dass man weiter steak “englisch” essen darf!

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