B-ALL: Tumorzellen in den Tod treiben

27. März 2015
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Immunbiologen entdecken einen neuen Ansatz für die Therapie der B-Zell-akuten lymphoblastischen Leukämie (B-ALL): Werden hemmende Rezeptoren oder assoziierte Phosphatasen bei den B-ALL-Tumorzellen ausgeschaltet, folgt der sofortige Zelltod.

Die normale B-Zellentwicklung und -reifung wird über ein Gleichgewicht zwischen Kinasen und Phosphatasen gesteuert. Diese Enzyme phosphorylieren oder dephosphorylieren die Signaluntereinheiten des B-Zell-Antigenrezeptors (BCR) auf der B-Zelle: Die Kinasen fügen dem BCR Phosphatgruppen hinzu, während die Phosphatasen diese entfernen. Nur der durch Kinasen phosphorylierte BCR ist voll aktiv und teilt der B-Zelle mit, dass es einen Fremdstoff gibt. Somit bestimmen die Kinasen und Phosphatasen die Signalstärke des Rezeptors. 
Bei B-ALL-Tumorzellen sind bestimmte Kinasen wie die Abelson-Tyrosinkinase (Abl-Kinase) verändert: Sie treiben als Onkogene das Tumorwachstum an. Die B-Zellen sind funktionsuntüchtig, aber teilen sich fortlaufend. Als Therapie gegen diese Erkrankung kommen Wirkstoffe zum Einsatz, die die Abl-Kinase hemmen. Oft kommt es allerdings zu resistenten Abl-Mutanten und der Tumor wächst erneut.

Regulation der Signalleitung des BCR in den Tumoren

Das deutsch-amerikanische Forschungsteam von der University of California in San Francisco/USA und vom Exzellenzcluster BIOSS Centre for Biological Signalling Studies der Universität Freiburg hat untersucht, wie genau die Signalleitung des BCR in den Tumoren reguliert ist. Sie entdeckten, dass bei B-ALL-Tumorzellen die Signaluntereinheiten des BCR wenig aktiv sind und auf der Oberfläche verstärkt hemmende Rezeptoren vorkommen. Diese binden Phosphatasen und verhindern so, dass der BCR aktiviert wird. Wenn die Wissenschaftler die hemmenden Rezeptoren oder die assoziierten Phosphatasen ausschalteten, war der sofortige Tod der ALL-Zellen die Folge. Die Forscher zeigten auch, dass ein Hemmer der Phosphatasen im Tierexperiment die Tumorausbreitung verhindert. Der Grund: Indem sie die Phosphatasen hemmten, öffneten die Forscher sozusagen den Signalweg des BCR wieder, den die Abl-Kinase zuvor unterdrückt hatte. In einer B-Zelle, bei der übermäßig viele BCR-Rezeptoren aktiviert sind, sind Kinasen und Phosphatasen nicht mehr im Gleichgewicht. Die Therapie treibt sie somit in den Zelltod.

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Zellen aus einem B-Zell-Tumor. © Arbeitsgruppe Reth/Universität Freiburg

Zukünftige Therapien der B-ALL könnten statt der Abl-Kinase die Phosphatasen hemmen und somit die BCR-Signale verstärken. „Als Teil des BIOSS-Programms haben wir in den vergangenen Jahren die Bedeutung des Kinasen-Phosphatasen-Gleichgewichts für die normale Entwicklung der B-Lymphozyten untersucht. Jetzt sehen wir, dass dieses Gleichgewicht auch bei der Entstehung und Bekämpfung von B-Zelltumoren eine wichtige Rolle spielt“, sagt Prof. Dr. Michael Reth.

Originalpublikation: 


Signaling thresholds and negative B cell selection in acute lymphoblastic leukemia
Zhengshan Chen et al.; Nature, doi: 10.1038/nature14231; 2015

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