Kognitive Leistungsfähigkeit: Ältere mit Zugewinn

25. März 2015
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Die heute 75-Jährigen sind im Durchschnitt geistig erheblich fitter als vor 20 Jahren. Nach einem Zuwachs an guten Lebensjahren sei jedoch nach wie vor mit einem schnellen und deutlichen Nachlassen der Leistungsfähigkeit und des Wohlbefindens am Lebensende zu rechnen.

Gute Nachrichten für alle, die sich über ihr Älterwerden Gedanken machen: Das Alter wird jünger. Die heute 75-Jährigen sind im Durchschnitt geistig erheblich fitter als die 75-Jährigen vor 20 Jahren. Zugleich zeichnet sich die Generation der heute 75-Jährigen durch höheres Wohlbefinden aus und ist insgesamt zufriedener mit ihrem Leben. „Die Zugewinne, die wir an kognitiver Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden in Berlin gemessen haben, sind beträchtlich und von großer Bedeutung für die Lebensqualität im Alter“, kommentiert Ulman Lindenberger, Direktor am Forschungsbereich „Entwicklungspsychologie“ des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB).

Die Wissenschaftler bringen die Gewinne mit soziokulturellen Faktoren wie dem Bildungsniveau in Verbindung. Zum gesteigerten Wohlbefinden tragen zudem, so vermuten die Forscher, auch die bessere körperliche Fitness und die damit verbundene höhere Selbstständigkeit im Alter bei.

„Wir rechnen jedoch damit, dass die beobachteten positiven Effekte auf die geistige Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden am Lebensende deutlich abnehmen“, ergänzt Denis Gerstorf, Professor für Entwicklungspsychologie am Institut für Psychologie der Humboldt-Universität zu Berlin. Für dieses Bild sprechen aktuelle Studien von Gerstorf und Kollegen, die die letzten Lebensjahre älterer Menschen in den Blick nehmen.

Originalpublikation:

Secular Changes in Late-life Cognition and Well-being: Towards a Long Bright Future with a Short Brisk Ending?
Ulman Lindenberger et al.; SOEPaper / Psychology and Aging; 2015

21 Wertungen (3.9 ø)
Allgemeinmedizin, Medizin

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3 Kommentare:

Auf nach Niedersachsen zu der kompetenten Fachschwester–nachvollziehbare Authentizität was qualitativ möglich ist. Beruhigend ,dass solche “Inseln” existieren-wahrscheinlich aber nicht die Regel.
Den “Nachsatz” finde ich auch unpassend wie der Kollege oben-klar kommt ein Punkt des “no return” aber eben weiter hinten und vielleicht sehr kurzdauernd.

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Gast
Gast

Ohne den unpassenden Nachsatz über das unmittelbare Lebensende wäre das ein richtig guter Beitrag geworden.
Wir leben in einer Zeit handfester Altersdiskriminierung.

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Altenpflege und Fachschwester für Psychiatrie
Altenpflege und Fachschwester für Psychiatrie

Moin!
In unserer Gemeinde in Niedersachsen sind mehr als 30% richtig alte Leute, dh, weit über 80 Jahren.
Meine Tante ist 93, hatte mehrfach Ca, hat sich nie unterkriegen lassen und managt das gesamte Haus, kümmert sich um Leute in ihrer Gemeinde und hat ihrer 60 – jährige Tochter bei sich aufgenommen, die mit gesichertem Burn-out der Unterstützung bedarf. Von den hier aufgezählten “Alten“ sind nur 2 geistig nicht mehr voll auf der Höhe, aber alle leben noch selbständig. Wir haben ein reges Gemeindeleben, der Geist wird ständig gefordert.
Wenn mit einer deutlichen Abnahme der geistigen Fähigkeiten bei den Alten über 75 gerechnet werden muss, wie ist das zu erklären? Als Altenpflegerin sehe ich natürlich auch die geistig nicht fitten alten Leute, aber auch diese leben auf, wenn sie eine Aufgabe haben und Freude, lachen können und geistigen Anforderungen bestehen müssen. Es dauert eine Weile, es ist schwierig, dies im stressigen Alltag hinzubekommen, aber man wird mit wunderbar fitteren Menschen belohnt, die eine Menge leisten können, was übers Kartoffelnschälen hinaus geht! Wie erklären Sie sich das? Und außerdem geht der Medikamentenverbrauch deutlich zurück. Die Ressourcen finden und nutzen, mit Freude am Beisammensein mit denen, die viel Erfahrung haben und uns gern davon abgeben, das ist besser als still zu warten, bis satt und zufrieden gemachte Leute geistig absteigen, weil sie nicht mehr gefordert werden. Seit 36 Jahren bin ich Altenpflegerin. Da habe ich viel erlebt, kann darüber mit Kompetenz sprechen. Natürlich gibt es auch die Verwirrten, klar, aber das müssen sie längst nicht immer bleiben, manchmal aber leider schon.

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