Zoll: Heiße Ware

31. März 2015
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Der deutsche Zoll versucht nach Kräften, Arzneimittelfälschungen abzufangen. Eine jetzt veröffentlichte Bilanz zeigt beeindruckende Erfolge – bei unbekannt hoher Dunkelziffer. Europäische Organisationen versuchen deshalb, Sicherheitsmerkmale gegen Fälschungen voranzubringen.

Neue Zahlen aus der Zoll-Jahresstatistik 2014 zu Betäubungsmitteln: Beamten gelang es, 13,5 Tonnen an illegalen Substanzen zu beschlagnahmen. Darunter befanden sich Marihuana (1,6 Tonnen), Kokain (1,2 Tonnen), Haschisch (674 Kilogramm) und verschiedene Amphetamine (383 Kilogramm). Bei Metamphetamin halbierte sich die sichergestellte Menge von 47 auf 22 Kilogramm, während Heroin-Mengen von 128 auf 264 Kilogramm steil nach oben gingen. Haschisch und Marihuana scheinen dem Zoll zufolge an Relevanz zu verlieren.

Arzneimittelfälschungen boomen

Außerdem haben Fahnder im Berichtszeitraum 118.967 Arzneimittelgebinde beschlagnahmt. Der Gesamtwert: zirka 1,40 Millionen Euro. Ermittlern gelang es in 537 Fällen, illegale Einfuhren zu stoppen. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum gab es 272 Fälle mit einem Volumen von 1,1 Millionen Euro. Darin steckt eine klare Tendenz: Von 2008 bis 2013 erhöhte sich die Zahl an Ermittlungsverfahren wegen gefälschter Medikamente von 407 auf 1.854 Fälle. Wie hoch die Dunkelziffer ist, lässt sich kaum abschätzen. Zu den Pharmaka selbst: Im Mittelpunkt stehen Wachstumshormone, Potenz-, Verhütungs- und Schlankheitsmittel, Schmerzmittel sowie Antidepressiva. Fälscher arbeiten dabei immer professioneller – sie kopieren auch Qualitätsmerkmale diverser Originalpräparate. Im letzten Jahr kam eine neue Strategie mit hinzu: Originalgebinde wurden gestohlen und teilweise ohne Wirkstoff in die legale Lieferkette geschleust.

Europaweit aktiv

Jetzt haben der Europäische Dachverband der forschenden Pharmaunternehmen und -verbände (EFPIA), die europäische Generika- und Biosimilars-Association (EGA), der Dachverband der Offzinapotheker (PGEU), die Europäische Vereinigung der vollversorgenden Großhändler (GIRP) und der Europäische Verband der Parallelvertriebshändler (EAEPC) Nägel mit Köpfen gemacht. Über ihre neu gegründete European Medicines Verification Organisation (EMVO) wollen sie Fälschungen erfolgreich bekämpfen. Ziel ist es, den gesamten Weg einer Packung lückenlos zu verfolgen – vom Hersteller über den Großhandel und die Apotheke bis zum Patienten. Deutschland beteiligt sich über das securPharm-Pilotprojekt. Hersteller und Großhändler vermuten, dass viele Länder das System umsetzen werden.

4 Wertungen (5 ø)

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2 Kommentare:

Apotheker

Das wäre mal wieder eine Vorlage gegen die (Re)Importquote. Wird wohl wieder abgewartet, bis Gras drüber gewachsen ist.

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Erstens gibt´s nichts “fälschungssicheres” und zweitens dient securPharm wohl hauptsächlich dazu, im Interesse der Industrie endlich “b2c” zu etablieren.
JWS

#1 |
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