Grippesaison: Profitable Viren

31. März 2015
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Des einen Leid, des anderen Freud': Während Konzerne von Milliardenschäden durch die starke Grippewelle sprechen, freuen sich Apotheker über ein Umsatzplus. Jetzt liegen Daten des Marktes vor. Ganz klar – viele Patienten versuchen, mit OTCs Beschwerden zu lindern.

Folgenreiche Influenza: Der Konjunkturforscher Torsten Schmidt vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) rechnet aufgrund hoher Erkrankungszahlen mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,3 Prozent. Den gesamtwirtschaftlichen Schaden beziffert er auf bis zu 2,2 Milliarden Euro. Als Basis dienten folgende Parameter: Jeder fünfte Deutsche erkrankt, und die Fehlzeit pro Person liegt bei fünf Tagen pro Arbeitnehmer.

OTCs im Aufschwung

Patienten greifen dabei oft auf OTCs aus öffentlichen Apotheken zurück. Laut Insight Health stiegen die Umsätze in diesem Segment bereits im Dezember 2014 stark an, gemessen an Vorjahreswerten. Im Februar 2015 ging es steil nach oben – mit 212 Millionen Euro. Das sind 35 Prozent mehr als im Monatsdurchschnitt der letzten drei Jahre. Noch ein Blick auf den Wochenumsatz: Lag dieser Wert in starken Erkältungszeiten meist bei rund 37 Millionen Euro, waren es in der stärksten februarwoche 57,7 Millionen Euro, jeweils für Erkältungspräparate. Dabei standen Sinupret® (Bionorica), Grippostad® (Stada) und Wick-Präparate (Procter & Gamble) ganz oben auf dem Siegertreppchen. Zusammen machten sie knapp 20 Prozent des Umsatzes aus. Jetzt normalisieren sich entsprechende Umsätze wieder.

Das Chaos lichtet sich

Wie das Robert-Koch-Instituts (RKI) jetzt berichtet, hat sich die Zahl an Neuerkrankungen mit Virusnachweis mittlerweile drastisch verringert: von 12.591 (Woche neun) auf 10.165 (Woche zehn) und weiter auf 7.540 (Woche elf). Trotzdem gibt es in einigen Regionen noch stark erhöhte Influenza-Aktivitäten. Bislang starben 109 Menschen an einer Influenza-Infektion. Darunter befanden sich 68 Fälle mit nicht subtypisierter Influenza A, fünf Fälle mit Influenza A(H3N2), 17 Fälle mit Influenza A(H1N1)pdm09, neun Fälle ohne Differenzierung und sechs Fälle mit Influenza B. Inwieweit saisonale Impfstoffe Patienten vor dem Schlimmsten bewahren konnten, lässt sich abschließend noch nicht beurteilen. Virologen hatten mehrfach befürchtet, aufgrund genetischer Drifts könnte es zu Problemen bei der Wirksamkeit kommen.

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1 Kommentar:

Gast
Gast

Danke DocCheck! Sehr gute Analyse, die wieder einmal zeigt dass es sich auch finanziell nicht lohnt, bei wirklich effizienter Medizin (hier Impfung) zu sparen.
Noch drastischer ist das beim Masernthema zu sehen.

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