Krankenhausinfektionen: Farnesols dunkle Seite

20. März 2015
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Der Hefepilz Candida albicans kann zum Beispiel über den Katheter von Patienten in deren Körper eindringen. Um zu wachsen, nutzt er den Wirkstoff Farnesol. Dieser kann das Immunsystem zusätzlich schwächen, indem er die Ausbildung von dendritischen Zellen verhindert.

Es ist eine vielfältige Mischung aus Mikroorganismen, die sich an einem Katheter im Krankenhaus festsetzen können: Bakterien, Viren und Pilze. Einer unter ihnen ist der Hefepilz Candida albicans. Dem Körper gesunder Menschen kann er nicht viel anhaben. Bei einer Schwächung des Immunsystems durch eine schwere Krankheit kann er jedoch lebensbedrohliche Infektionen auslösen. Auf einem Katheter tut er sich beispielsweise mit anderen Mikroben zusammen und dringt in den Körper ein. Die Mikroben bilden dabei bestimmte Moleküle, um auf chemischem Wege mit anderen Arten, aber auch innerhalb der eigenen Art zu kommunizieren.

Farnesol mit negativem Einfluss

Candida albicans nutzt so unter anderem das Farnesol, ein Wirkstoff, der das Wachstum des Pilzes selbst beeinflusst, aber auch auf umliegende Zellen wirkt – seien es andere Mikroorganismen oder der Mensch. In der Vergangenheit wurde gezeigt, dass Farnesol tumorveränderte Zellen zerstört und demzufolge in der Krebstherapie eingesetzt werden könnte. Vermutlich nicht ohne negative Auswirkungen, denn seine Wirkweise ist nicht vollständig bekannt. „Wir wollten wissen, inwiefern Farnesol auch auf Immunzellen wirkt und so den Körper des Patienten womöglich zusätzlich schwächt“, sagt Ines Leonhardt, Doktorandin am Forschungszentrum ZIK Septomics.

„Farnesol wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Unsere Experimente haben jetzt gezeigt, dass der Stoff das Immunsystem durchaus negativ beeinflusst: Er verhindert, dass sich sogenannte dendritische Zellen im Körper des Patienten ausbilden. Diese sind im Normalfall für eine schnelle Immunantwort auf Eindringlinge zuständig.“ Gemeinsam mit Steffi Spielberg und Michael Weber vom ZIK Septomics hat Leonhardt aus weißen Blutkörperchen dendritische Zellen gezüchtet, mit Farnesol konfrontiert und die Ergebnisse anschließend analysiert.

Ziel: Wirkstoff-Mechanismen aushebeln

Die Daten zeigen einen neuen Weg, auf dem Candida während einer Infektion mit dem menschlichen Immunsystem kommuniziert und dieses direkt beeinflusst. „Unser nächstes Ziel ist es, herauszufinden wie Farnesol wirkt und wie man diese Mechanismen aushebeln kann.“

Originalpublikation:

The Fungal Quorum-Sensing Molecule Farnesol Activates Innate Immune Cells but Suppresses Cellular Adaptive Immunity
Ines Leonhardt et al.; mBio, doi: 10.1128/mBio.00143-15; 2015

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2 Kommentare:

Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Hallo Kollegin, “leider” eher nicht, Schimmelpilze sind eine ganz andere “Familie”, die allergische Reaktionen macht und recht selten auch Absiedlungen (Aspergillom) in den Luftwegen, Nasennebenhöhlen und Lunge (CT).
Es sei denn Sie können das im Labor (Abstrich) nachweisen.
Candida ist beim Mensch nichts ungewöhnliches und immer in ca. 50% nachweisbar, aber als einer unter vielen Keimen, makroskopisch UNSICHTBAR.
Sobald das sichtbar wird (weiße Zunge!) ist das krankhaft und sollte behandelt werden,
eigentlich immer ein Zeichen einer Störung, entweder des Immunsystems, oder als Nebeneffekt von Antibiotika-Therapie, die ja nicht immer vermeidbar ist.
Was man auf der Zunge sieht, ist auch im folgenden Gastrointestinaltrakt zu vermuten nicht nur in der Speiseröhre und kann und sollte! (problemlos) oral behandelt werden.
Es besteht sonst immer ein gewisses Risiko einer Pilzsepsis, die oft tödlich ist,
siehe oben. In Deutschland sterben jedes Jahr eine 2-stellige Zahl an Candida-Sepsis.

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Kann eine ausgedehnter Befall des Oesophagus mit einer Schimmelverseuchung der Wohnung zu tun haben und was kann man tun? Mit freundlichem Gruß Dr.E.Warken

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