Alzheimer: Magnetismus räumt das Feld

18. März 2015
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Niederfrequente magnetische Wechselfelder galten lange als potentielle Beschleuniger altersabhängiger neurodegenerativer Erkrankungen. Im Mausmodell konnten jedoch keine Anhaltspunkte für eine verstärkte Krankheitsentwicklung gefunden werden.

Die Entstehung altersabhängiger neurodegenerativer Erkrankungen, wie der Alzheimer-Krankheit oder der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), ist weitgehend ungeklärt. Weniger als zehn Prozent der Patienten zeigen eine familiäre Vorgeschichte, was bedeutet, dass der weitaus größte Anteil der Patienten diese Krankheiten aus bisher unbekannten Gründen entwickelt. Altersbedingte Veränderungen des Stoffwechsels, eine genetische Prädisposition oder auch Umweltfaktoren werden als mögliche Risikofaktoren diskutiert.

Einige epidemiologische Studien haben Hinweise geliefert, dass niederfrequente magnetische Felder – die beispielsweise durch den Wechselstrom (50 Herz) in Stromleitungen oder die Benützung von elektrischen Geräten erzeugt werden – die Entstehung der Erkrankungen möglicherweise befördern. Dagegen beschreiben andere jedoch, dass die Exposition mit magnetischen Feldern keinen Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit oder die ALS darstellt. Aufgrund der unklaren wissenschaftlichen Datenlage gibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) niederfrequente Magnetfelder als einen möglichen Risikofaktor für die Alzheimer-Demenz an. „Die Fachwelt diskutiert zurzeit intensiv darüber, wie niederfrequente magnetische Felder die Zellfunktion auf molekularer Ebene beeinflussen könnten“, erläutert Dr. Albrecht Clement, Leiter der Studie am Institut für Pathobiochemie der Universitätsmedizin Mainz. „Nach unserem Wissen gibt es bisher keine Untersuchung, die unter kontrollierten Bedingungen den Langzeiteinfluss dieser Felder auf das Einsetzen der Krankheitssymptome und das Fortschreiten beider Erkrankungen untersucht hat.“

Krankheitsverlauf wird nicht verändert

In dem aktuellen, vom Bundesamt für Strahlenschutz geförderten Projekt konnten die Forscher in einer Langzeitstudie zeigen, dass die kontrollierte Exposition mit niederfrequenten Magnetfeldern über einen Zeitraum von bis zu 18 Monaten im Tiermodell die Entstehung und den Krankheitsverlauf der Alzheimer-Demenz und der ALS nicht verändert. Eine detaillierte Analyse der für die jeweiligen Krankheiten charakteristischen Merkmale zeigte, dass sich diese unabhängig von der Exposition mit niederfrequenten Magnetfeldern entwickeln. Dazu zählt im Fall der Alzheimer-Demenz unter anderem das Auftreten von pathologischen Ablagerungen des Amyloid-Beta Proteins im Gehirn und bei der ALS-Erkrankung das Auftreten von Proteinen, die durch oxidativen Stress geschädigt wurden, im Rückenmark. Auch die im Krankheitsverlauf auftretende Entzündungsreaktion im Nervensystem zeigte unter Expositionsbedingungen keine Veränderung.

Im Fall der Alzheimer-Demenz entwickeln sich im Tiermodell altersabhängig Ablagerungen des Amyloid-Beta-Proteins im Gehirn. Diese können markiert und mit einem Fluoreszenzmikroskop sichtbar gemacht werden. © Dr. Albrecht Clement

Im Fall der Alzheimer-Demenz entwickeln sich im Tiermodell altersabhängig Ablagerungen des Amyloid-Beta-Proteins im Gehirn. Diese können markiert und mit einem Fluoreszenzmikroskop sichtbar gemacht werden. © Dr. Albrecht Clement

Darüber hinaus waren weder das Lernverhalten als Zeichen für das Fortschreiten der Alzheimer-Demenz, noch das Auftreten und die Dauer der ALS-Erkrankung durch die magnetischen Felder beeinflusst. „Diese Ergebnisse zeigen, dass die Exposition mit niederfrequenten Magnetfeldern weder krankheitsrelevante molekulare Prozesse noch mögliche, bisher unbekannte Krankheitsmechanismen beeinflusst“, erläutert Dr. Clement. „Diese Daten stützen damit eher diejenigen epidemiologische Untersuchungen, die keine schädigenden Wirkungen niederfrequenter magnetischer Felder zeigen.“

Originalpublikation:

Low-frequency magnetic fields do not aggravate disease in mouse models of Alzheimer’s disease and amyotrophic lateral sclerosis
Albrecht M. Clement et al.; Scientific Reports 5, doi: 10.1038/srep08585; 2015

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Forschung, Medizin, Neurologie

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2 Kommentare:

Arzt
Arzt

stimmt, Mäuse sind dem Mensch etwas ähnlicher als Hühnereier.
Aber Epidemiologie kann man nicht Menschenversuche nennen.

#2 |
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Gast
Gast

Was beweist denn bitte ein Mäuseversuch. Als Hühnereier auf Handys gelegt wurden und mißgestaltete Hühner die Folge waren wurde die Untersuchung nicht gelten gelassen. Jetzt aber ist alles gut, weil Mäuse die Prozedur (Tierquälerei) überstehen, obwohl das ganz andere Lebewesen sind mit anderen Bedürfnissen und anderen Empfindlichkeiten. Es wäre ja wohl tausend mal sinnvoller die Daten von Anwohnern der Stromtrassen zu untersuchen. Aber das wären dann ja Menschenversuche.

#1 |
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