Anorexie: Keine Gewichtszunahme durch Atypika

20. März 2015
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Eine Pharmakotherapie mit Antipsychotika der zweiten Generation führt bei stark untergewichtigen Patienten mit einer Anorexia nervosa nicht zu einer Gewichtszunahme. Das zeigt eine Diskrepanz zwischen häufiger Verordnung und fehlendem Wirksamkeitsnachweis.

Anorexia nervosa tritt mit einer Häufigkeit von etwa 0,7 Prozent in der Bevölkerung auf. Die Anorexie weist eine der höchsten Mortalitätsraten aller psychiatrischen Erkrankungen auf. In einer Metaanalyse unter der Leitung von Siegfried Kasper von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien (in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Tulln, der Stanford University und dem King‘s College London) sind die Forscher der Frage nachgegangen, ob eine Pharmakotherapie mit Antipsychotika der zweiten Generation (sogenannte atypische Antipsychotika) bei Anorexie-Patienten zu einer Gewichtszunahme führt. Einige Antipsychotika der zweiten Generation können nämlich bei Patienten, die an anderen psychiatrischen Krankheitsbildern (wie zum Beispiel einer Schizophrenie) leiden, als Nebenwirkung zu einer Gewichtszunahme führen.

Daher wurde angedacht, dass man diese Nebenwirkung möglicherweise therapeutisch bei Essstörungspatienten nutzen könne, um mittels Einsatz dieser Medikamente bei stark untergewichtigen Patienten eine Gewichtsnormalisierung herbeizuführen. Laut pharmakoepidemiologischen Studien sind aus diesem Grund die Verschreibungen von Antipsychotika der zweiten Generation bei Anorexie über die letzten Jahre kontinuierlich angestiegen.

Die Forscher konnten in ihrer Arbeit jedoch aufzeigen, dass eine Pharmakotherapie mit Antipsychotika der zweiten Generation bei Anorexie nicht zu einer signifikanten Gewichtszunahme führt. Darüber hinaus gab es auch keine positiven Effekte auf die Essstörungssymptomatik, gemessen mit verschiedenen Beurteilungsskalen. Der Einsatz der sogenannten Atypika bei Anorexia nervosa kann demzufolge nicht als evidenzbasiert angesehen werden, wenngleich einige Patientengruppen, wie zum Beispiel solche mit schizophrenen Komorbiditäten, dennoch von dieser pharmakologischen Option profitieren können.

Originalpublikation:

Second-Generation Antipsychotic Drugs in Anorexia Nervosa: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials
Siegfried Kasper et al.; Psychotherapy and Psychosomatics; 2015

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