Paracetamol: Giftig oder gut?

24. März 2015
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Leberzellnekrose, Packungshöchstmenge oder Einnahme in Suizid-Absicht: Über kaum ein OTC wird derart viel diskutiert wie über Paracetamol. Eine Literaturübersicht offenbart weitere Risiken bei längerfristiger Anwendung. Nicht immer sollte das Analgetikum deswegen die erste Wahl sein.

Paracetamol steht im Fokus etlicher Studien. Das Team um Philip G. Conaghan aus dem britischen Leeds verschaffte sich per Medline und Embase einen Überblick. Wissenschaftler fanden 1.888 Studien, davon waren acht Kohortenstudien mit längeren Follow-ups. Patienten nahmen mehrmals täglich Paracetamol ein, maximal vier Gramm pro Tag. Bei zwei Studien zeigte sich eine dosisabhängige Erhöhung der Gesamtmortalität relativ auf bis zu 1,63. Und aus vier Studien ließen sich dosisabhängige kardiovaskuläre Effekte ableiten (1,19 bis 1,68). Gastrointestinale Blutungen traten ebenfalls häufiger auf (1,11 bis 1,49), und renale Effekte kamen mit hinzu (1,40 bis 3,43). Bleibt als möglicher Bias, dass Patienten mit langfristiger Einnahme von Analgetika häufig an Grunderkrankungen leiden. Die Vorgeschichte wurde hier nicht erfasst. Conaghan argumentiert vor allem mit dosisabhängigen Effekten. Angesichts der Häufigkeit von Paracetamol-Medikationen werden selbst geringfügig erhöhte Risiken plötzlich relevant.

Anweisungen beachten

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) meldete sich ebenfalls zu Wort. „Hält man sich an die Dosierangaben der Hersteller und vermeidet die häufige Einnahme, kann man unbesorgt sein. Eine Schädigung der Niere, wie sie für die Vorläufersubstanz von Paracetamol – das nicht mehr erhältliche Phenacetin – bewiesen wurde, muss gemäß der Daten aus epidemiologischen Untersuchungen hier nicht befürchtet werden“, sagt Privatdozentin Dr. Stefanie Förderreuther, Neurologische Klinik der LMU München. Gefahr bestehe tatsächlich nur, wenn man es in weit höheren Dosierungen als empfohlen einnehme. Auch bei kritischer Bewertung frei verkäuflicher Analgetika ergäben sich zum jetzigen Zeitpunkte keine neuen Gesichtspunkte, die Empfehlungen in der Selbstmedikation bei Kopfschmerzen ändern würden, heißt es in einer Meldung.

In Maßen statt in Massen

Trotzdem lohnt es sich, mögliche Indikationen kritisch zu prüfen. Nicht immer ist Paracetamol Mittel der Wahl. Ein Beispiel: Patienten mit akuter Lumbalgie greifen oft zu Paracetamol. Christopher M. Williams aus Camperdown, Australien, hat eine randomisierte Studie mit 1.643 Patienten durchgeführt, um die Sinnhaftigkeit entsprechender Medikationen zu hinterfragen. Probanden erhielten Placebo oder Verum mit Einnahmehinweisen. Unter Paracetamol kam es zu keinem Mehrwert, gemessen an der Schmerzintensität, an der Stärke der Beeinträchtigung sowie am Zeitraum bis zur Erholung von Rückenschmerzen. im nächsten Schritt müssen NSAIDs ebenfalls auf den Prüfstand.

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