PKV: Zahlenspiele mit Rx

27. März 2015
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Neue Zahlen vom Wissenschaftlichen Institut der PKV: Ausgaben für Arzneimittel steigen auch hier. Ein Grund: Privatversicherte erhalten häufiger neue und letztlich hochpreisige Medikamente. Arzt oder G-BA – wer entscheidet über die Sinnhaftigkeit pharmazeutischer Innovationen?

Aktuellen Veröffentlichungen zufolge gaben private Krankenversicherungen im Jahr 2013 rund 2,59 Milliarden Euro für Medikamente aus – das sind 5,3 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum. Entsprechende Zahlen kommen vom Wissenschaftlichen Institut der privaten Krankenversicherung (WIP). Die Studie zeigt auch, dass Privatversicherte häufiger neue, innovative Arzneimittel erhalten als Kassenpatienten.

Mehrwert auf Rezept

Ein paar Details: Der Marktanteil Privatversicherter beträgt bei neuen Medikamenten des Jahres 2013 genau 15,7 Prozent und liegt deutlich über dem PKV-Versichertenanteil in der Gesamtbevölkerung, nämlich 11,3 Prozent. Medikamente, denen der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) einen beträchtlichen Zusatznutzen attestiert hatte, lagen sogar bei 16,2 Prozent. Für Präparate mit geringem Zusatznutzen gibt das WIP immerhin noch 14,2 Prozent an. Bei Präparaten ohne Mehrwert waren es nur 11,1 Prozent – deutlich weniger als der PKV-Versichertenanteil.

Weniger Regulation

Als Erklärung für diesen Unterschied führen WIP-Experten in erster Linie Steuerungsinstrumente an, die bei gesetzlich Versicherten zum Tragen kommen. „Diese Regularien gelten auch bei Medikamenten mit nachgewiesenem Zusatznutzen und führen vor allem bei teuren Medikamenten zu einer zurückhaltenden Verordnungspraxis gegenüber GKV-Versicherten“, heißt es weiter. Privatversicherte bleiben vor allem Rabattverträge und Aut-idem-Kreuze erspart. Sowohl bei der PKV als auch bei der GKV stand Adalimumab (Humira®) in 2013 auf Platz eins, gemessen am Umsatz. Bei der PKV hatte Rivaroxaban (Xarelto®) den zweiten Platz inne, gefolgt von Ranibizumab (Lucentis®). Diese Präparate rangieren in der GKV weit abgeschlagen.

„Zahlenspielereien“

Der GKV-Spitzenverband ließ WIP-Statistiken nicht unkommentiert. „Da konstruiert die PKV durch Zahlenspielereien einen Vorteil, der gar keiner ist – denn die schlichte Häufigkeit der Verordnung neuerer Arzneimittel sagt nichts darüber aus, wie sinnvoll deren Verordnung im konkreten Fall auch tatsächlich ist“, so Verbandssprecher Florian Lanz. „Wir vertrauen darauf, dass Ärzte die Medikamente verordnen, die medizinisch sinnvoll sind und sich nicht von dem Etikett ‚Innovation‘ blenden lassen.“ Die PKV werde grundlegende Probleme nicht dadurch lösen, indem sie versuche, die GKV schlechtzureden.

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