Vogelgrippe: Wirtswechsel mit geringem Aufwand

13. März 2015
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Vogelgrippeviren unterscheiden sich in nur einem Baustein ihrer Polymerase von Viren, die sich in Säugern vermehren können: An Position 627 befindet sich Glutaminsäure statt Lysin. Diese Mutation verhindert, dass das Erbmaterial für das Abwehrenzym RIG-I zugänglich ist.

„Das Influenza-A-Virus führt weltweit immer wieder zu Grippeausbrüchen, indem es sich aus einem anscheinend unbegrenzten Vorrat neuer Varianten bei Geflügel erneuert“, erläutert Prof. Dr. Friedemann Weber, Mitverfasser der Studie. Wie schafft es das Vogelgrippevirus, auf Säugetiere überzuspringen? Der Antwort auf diese Frage sind die Wissenschaftler jetzt ein Stück näher gekommen. Sie untersuchten, wie das Virus mit einem Molekül der Wirtszelle interagiert, das für die Abwehr einer Infektion verantwortlich ist.

Der Eindringling bleibt unerkannt

Das Enzym RIG-I sorgt in der Zelle von Säugetieren dafür, dass das Erbmaterial von eingedrungenen Viren erkannt wird. „Unsere neuen Daten zeigen, dass schon die Bindung von RIG-I an das Virus dessen Vermehrung hemmen kann“, erklärt Weber. Hühnern fehlt das Abwehrenzym RIG-I. Damit Grippeerreger von ihnen auf Säugetiere überspringen können, muss das Virus mit RIG-I zurande kommen, das im neuen Wirt vorliegt. Die Autoren zeigen, dass hierbei das Virus-Enzym Polymerase von Bedeutung ist. Vogelgrippeviren unterscheiden sich in einem einzigen Baustein ihrer Polymerase von Viren, die sich in Säugern vermehren können – an Position 627 befindet sich Glutaminsäure statt Lysin.

Hängt dieser Austausch mit dem Abwehrenzym RIG-I zusammen? Das Team infizierte Zellen mit Viren verschiedenen Typs und maß die Aktivität von RIG-I. Das Ergebnis: RIG-I reagiert auf Vogelgrippeviren viel stärker als auf Grippeviren, deren Polymerase an den Säugerorganismus angepasst ist. Offenbar bewirkt die Mutation von Glutaminsäure zu Lysin, dass die Polymerase das virale Erbmaterial besser abschirmt, so dass dieses nicht für einen Angriff durch RIG-I zugänglich ist. „Unsere Befunde weisen darauf hin, dass diese Mutation eine Gegenstrategie ist, um das virale Erbmaterial vor RIG-I zu verstecken“, fasst Weber zusammen. Die Ergebnisse lassen sich möglicherweise dereinst nutzen, um neuartige Wirkstoffe gegen Virusinfektionen zu entwickeln, hoffen die Autoren.

Originalpublikation:

Influenza Virus Adaptation PB2-627K Modulates Nucleocapsid Inhibition by the Pathogen Sensor RIG-I
Friedemann Weber et al.; Cell Host & Microbe, doi: 10.1016/j.chom.2015.01.005

9 Wertungen (4.33 ø)

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4 Kommentare:

Gast
Gast

der allgemeine Trend geht ja gegen die Impfung
um es den armen Viren nicht so schwer zu machen.
Egal was die Ärzte dazu sagen.
Ein par besonders kluge schließen sich an und alle klatschen Beifall.
Operieren kommt auch aus der Mode,
das freut die Internisten,
obwohl auch diese Chemotherapie ja nicht gut sein soll,
da bleiben dann nur die Heilpraktiker
Ein par besonders kluge Ärztinnen schließen sich an und geben homöopathische Mittel,
die nicht wirken und alle klatschen Beifall.
Am besten stehen die Psychologen da,
die dir sehr schön erklären können, wenn du was falsch gemacht hast,
dass immer die anderen Schuld sind.

#4 |
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Gast
Gast

Das ist bekannt, die Vogel-Viren gelten ja unter Virologen sowieso als Ursprung aller unserer Grippe-Viren. Wegen dieser “Ähnlichkeit” werden sie ja auch überwacht.
Man muss deshalb nur nicht in Panik verfallen.
Früher ohne moderne Medizin war das alles viel gefährlicher, wie Dr.Bayerl richtig sagt.
In einem guten Geschichtsbuch ist zu lesen dass die Lebenserwartung in Deutschland um 1000 bei 21 Jahren lag, in Worten einundzwanzig.

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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Verehrter @Karl-Heinz Licht
“Der Verfall der Tüchtigkeit” als sinnvoller Beitrag zur Gesellschaft ist immer zu beklagen.
Ansonsten ist “biologisch” aber genau das Gegenteil richtig von dem was Sie behaupten, insbesondere die Rolle der Medizin, auf die heute gerne extrem UNDANKBAR eingedroschen wird:
Das was potentiell in “Keimzellen”, also auch Embryos als Entwicklungsmöglichkeit steckt, wird IMMER UNVOLLSTÄNDIG realisiert auch wenn das Ergebnis immer noch Staunen hervorbringen darf.
Der “ausgewachsene Mensch” ist daher vorsichtig ausgedrückt immer nur die 2.beste Lösung von dem was potentiell möglich wäre.
Das “wachsende Kind” wächst also weiter, auch wenn die Bausteine für eine geplante Funktion fehlen und sucht dabei die nächst (schlechtere) Ersatzlösung.
Das gilt für JEDEN MENSCH!
Fehlt z.B. Jod, kann das zu Schwachsinn führen (Kretinismus) und die Menschheit wird genetisch absolut nicht besser, wenn man das zulässt. Eine “Anpassung” an Jodmangel ist nicht denkbar, so wenig das auch ist, denn das Schilddrüsenhormon ist unverzichtbar für jede menschliche Zelle (Energiestoffwechsel).
So hat es durch bessere Nahrung, vor allem Eiweißzufuhr zur Nachkriegsakzelleration geführt, die Kinder wurden größer als ihre Eltern (ist jetzt abgeschlossen) und leben länger. Das gilt auch für Chinesen, die inzwischen genau so groß werden wie Europäer. Das noch längere Leben der Japaner verschwindet sofort, wenn sie in die USA auswandern und (wie üblich), die dortige Lebensweise übernehmen (reduzierte Lebenserwartung).
Das gleiche gilt für Antibiotika und Impfungen, die die früher mit Abstand häufigste Todesursache (Infektion) fast beseitigt hat. Schiller starb sehr früh an dem Tbc – Keim (auch der Komponist Chopin).
Und ein solches geistiges Supertalent ist mehr wert als eine (häufige) ausreichende Resistenz gegen diesen Keim. Diese natürlich wünschenswerte Resistenz gibt es KEINESWEGS immer, weshalb es völlig sinnlos wäre z.B. Menschen mit Syphilis NICHT zu behandeln in der Hoffnung die “Natur” würde vielleicht in einer Million Jahre selbst ein Gegenmittel finden. Nietzsche ist daran wahnsinnig geworden, auch ein völlig unnötiger Verlust. Auch für den Pestkeim, Yersinia pestis, der halb Nordwesteuropa hinweggerafft hat, gibt es bis heute KEINE Resistenz, er wütet gerade in Madagaskar.
Wirksame ärztliche Tätigkeit ist also eines der ganz großen Erfolgsstories der Menschheit, neben der Technik mit der Nutzung von Energie.
Irgendwie scheinen sich viele Menschen zurück ins Mittelalter zu sehnen.
mfG

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Medizinjournalist

Leben ist Wettlauf! Seine Macht, seine Kunst ist eine Antwort auf eine Frage – eine Lösung finden. Nicht mehr, nicht weniger. Alle Medizin bedingt einen Vorteil auf Seiten der Menschen, gemacht für einen oder viele Einzelne. Die Natur, also all die Anderen finden Antworten auf unsere Lösungen, die ihre Fragen sind. Bis dahin ist alles o.k. Es könnte ewig so weiter gehen, wenn – ja wenn da nicht das Problem der Tüchtigkeit der Spezies wäre.

Mit all den Assistenzen der Medizin helfen wir bei einem kleinen Problem und vergrößern ungewollt aber ganz natürlich das größere Problem. Mit der Hilfe von außerhalb des Individuums, mit jeder medizinischen Unterstützung verringern wir die existentielle Tüchtigkeit der Spezies. Außer uns Menschen macht das bislang keine andere Spezies.

Mit unseren medizinischen Zutaten von außen stellen wir gültige Fragen für die Antworten der Gegenspieler. Sie werden hierdurch ertüchtigt. Wir fallen dadurch, dass Antworten auf unsere Fragen gefunden werden, mit unserer endogenen Tüchtigkeit zurück und werden Stück für Stück abhängig von all den Zugaben, die wir nicht original aus uns selbst erbringen.

Die Abhängigkeit von diesen Assistenzkampfmitteln wächst mit jeder gefunden Forschungsantwort. Sie wächst massiv in der ganzen Menschheit wegen der allüberall herrschenden Nachfrage nach diesen Kampfmitteln. Sie wächst unaufhaltsam, weil Produzenten hochintensiv nach Methoden forschen, die gerade wegen der vielen noch nicht behandelten jedoch irgendwann behandelbaren Krankheiten von Massen über Massen von Menschen reichlich Geschäft versprechen.

Kurz: Die Gegner werden von uns zu kontinuierlich größerer und raffinierter werdender Kampfkraft gezwungen – nur wir Menschen werden gewollt exponentiell schwächer.

Also! Wer wird wohl am Ende gewinnen? Völlig logisch – die Natur.

P.S. Damit das alles etwas schneller geht, leben wir möglichst bequem und stützen so den Verfall unserer Tüchtigkeit höchstselbst und absolut nachhaltig.

#1 |
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