Sterbehilfe: Keine Bedienung bei McDeath

16. April 2015
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Immer mehr Länder erlauben die ärztliche Sterbehilfe, doch hierzulande überwiegen die Stimmen der Gegner. Auch die BÄK erklärte, die Tötung von Patienten sei keine ärztliche Aufgabe. In den Niederlanden würde jeder dritte Arzt auch bei Lebensmüden eine Tötung auf Verlangen durchführen.

Sterbehilfe liegt im Trend: Am 6. Februar 2015 beschloss der oberste Gerichtshof Kanadas einstimmig das Gesetz aufzuheben, welches ärztliche Sterbehilfe unter Strafe stellt. Kanada gehört damit bald zusammen mit Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, der Schweiz, Kolumbien und den vier US-Bundesstaaten Oregon, Montana, Vermont und Washington zu den Ländern, in denen es Ärzten erlaubt ist, ihre Patienten aktiv bei einem Sterbewunsch zu unterstützen. Bisher konnten kanadische Patienten lediglich die künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr ablehnen sowie die Entfernung lebenserhaltender Systeme fordern, nicht jedoch die Hilfe eines Arztes beim Sterben erbitten.

Während Kanada nun 12 Monate Zeit hat, um das Gerichtsurteil in entsprechende gesetzliche Regelungen umzusetzen, wird in Deutschland weiterhin über ärztliche Sterbehilfe diskutiert. Der Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK) positionierte sich im Dezember 2014 klar sowohl gegen die Tötung von Patienten auf deren Verlangen als auch gegen die Beihilfe zum Suizid und betonte, dass die Mitwirkung des Arztes bei der Selbsttötung keine ärztliche Aufgabe sei. Und auch der Deutsche Ethikrat betonte in seiner im Dezember veröffentlichten Ad-Hoc Empfehlung, dass die Strafbarkeit der Tötung auf Verlangen (§ 216 StGB) und damit auch der aktiven Sterbehilfe unverändert erhalten bleiben müsse.

Keine klaren Regeln

Problematisch ist die Abgrenzung der Tötung auf Verlangen von der – in Deutschland nicht strafbaren – Beihilfe zum Suizid. Als Unterscheidungsmerkmal kann die sogenannte Tatherrschaft dienen, also die Frage, wer den Handlungsablauf dominiert: Stellt eine Person einer anderen lediglich das Mittel zur Selbsttötung zur Verfügung, wird der letzte Schritt aber vom Suizidenten selbst beherrscht, liegt eine Beihilfe zum Suizid vor. Übernimmt jedoch die andere Person die todbringende Handlung, liegt rein rechtlich gesehen kein Suizid vor, sondern ein Tötungsdelikt. Allerdings kann auch bei einer Beihilfe zum Suizid ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz (§§ 29, 30 BtmG) oder eine Strafbarkeit wegen unterlassener Hilfeleistung (§ 323c StGB) vorliegen. Doch selbst, wenn der Arzt straffrei ausgeht, kann er trotzdem seine Approbation verlieren, da die standesrechtlichen Regelungen mancher Landesärztekammern einen assistierten Suizid verbieten. Erlaubt ist es hingegen, bei der Palliativversorgung lebensverkürzende Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, wenn hierbei die Linderung des Leidens im Vordergrund steht. Liegt eine Patientenverfügung vor, ist der hierin geäußerte Wille des Patienten rechtlich bindend.

Obwohl es also keine eindeutigen Regelungen zur ärztlichen Sterbehilfe gibt, spricht sich der Ethikrat gegen eine Änderung des derzeit geltenden Strafrechts aus und will keine eigene gesetzliche Regulierung der ärztlichen Suizidbeihilfe. Warum? Weil „auf diese Weise gleichsam „erlaubte Normalfälle einer Suizidbeihilfe definiert würden“. Suizidbeihilfe und ausdrückliche Angebote dafür sollten nach Meinung des Ethikrats ebenfalls untersagt werden, wenn „sie auf Wiederholung angelegt sind, öffentlich erfolgen und damit den Anschein einer sozialen Normalität ihrer Praxis hervorrufen könnten“. Der Ethikrat begründet dies mit dem Schutz sozialer Normen, in denen sich „der gebotene besondere Respekt vor dem menschlichen Leben widerspiegelt“.

Die Mitglieder des Ethikrats befürchten, dass eine Normalisierung der ärztlichen Sterbehilfe den gesellschaftlichen Respekt vor dem Leben schwächen könnte. Stattdessen fordert der Ethikrat einen Ausbau der Palliativversorgung und mehr Angebote zur Suizidprävention. Tatsächlich zeigen Länder wie die Niederlande und Belgien, in denen die Tötung auf Verlangen seit 2002 erlaubt ist, einen deutlichen Anstieg der Fälle von aktiver Sterbehilfe: Immer mehr Menschen wollen dort selbstbestimmt sterben. Laut offizieller Statistik der Niederlande beendeten im Jahr 2013 4.829 Menschen auf diese Weise ihr Leben – ein Anstieg von rund 83 % im Vergleich zu 2009 (2.636 Menschen). Wie allerdings Angebot und Nachfrage zusammenhängen, bleibt bei diesen Zahlen unklar.

Nicht meine Aufgabe, nicht mein Problem

Ethikrat und BÄK stimmen außerdem darin überein, dass sie die ärztliche Mitwirkung bei der Selbsttötung nicht für eine Tätigkeit halten, die aus der beruflichen Verantwortung eines Arztes erwächst. Tatsächlich scheint es aber eher so, als wollten sich Ethikrat und BÄK hier schlicht und einfach aus der Verantwortung stehlen. Auf die Frage, wer denn sonst einem Suizidwilligen assistieren solle, antwortete BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery: „Lassen Sie es doch den Klempner oder den Apotheker oder den Tierarzt machen, aber eben nicht den Arzt.“

Diese Einstellung teilen jedoch längst nicht alle Ärzte. In einer 2010 von der BÄK veröffentlichten Umfrage befürwortete jeder dritte Arzt eine Regelung, die den ärztlich begleiteten Suizid erlaubt. Als Gründe gaben die Befürworter an, dass es zum Selbstbestimmungsrecht eines Patienten gehöre, den Zeitpunkt seines Todes selbst zu bestimmen. Zudem verhindere der ärztlich begleitete Suizid, dass ein Patient unnötig lange Schmerzen erleiden muss. Und obwohl die Mehrheit der befragten Ärzte es für Ausnahmefälle hielt, dass Patienten mit einer schweren, unheilbaren Krankheit den Wunsch nach einem ärztlich begleiteten Suizid äußern, war doch jeder dritte Arzt schon um Hilfe beim Suizid gebeten worden. Angesichts der immer höheren Lebenserwartung und dem damit verbundenen demografischen Wandel wird die Zahl derer, die sich mit der Problematik konfrontiert sehen, weiter zunehmen.

Tod auf Rezept – auch bei Dementen und Lebensmüden?

Dass es die Aufgabe eines Arztes ist, Leben zu schützen, ist unbestritten. Doch ist dieser Schutz tatsächlich jeden Preis wert? Ab wann überwiegt das Recht eines Patienten auf Selbstbestimmung? Für viele wäre eine unheilbare Krankheit, verbunden mit unerträglichem Leid ohne Aussicht auf Besserung ein Umstand, der Beihilfe zum Suizid rechtfertigt. Eine Umfrage unter niederländischen Ärzten förderte allerdings zutage, dass sich jeder dritte Arzt vorstellen könnte, auch bei Dementen, psychisch Kranken und Lebensmüden eine Tötung auf Verlangen durchzuführen oder Beihilfe zum Suizid zu leisten.

In den Niederlanden sind Tötung auf Verlangen und Beihilfe zum Suizid (euthanasia or physician-assisted suicide, EAS) zwar erlaubt, es müssen jedoch strenge Kriterien erfüllt sein. Das Sterbehilfegesetz macht allerdings keine Einschränkungen bezüglich der Ursache des Leidens. Aus diesem Grund verschickten die Autoren der Studie einen Fragebogen an 2.269 niederländische Allgemeinmediziner sowie Fachärzte aus den Gebieten Geriatrie, Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin, Neurologie, Pneumologie und Chirurgie, um zu klären, unter welchen Bedingungen sie sich vorstellen könnten, einer Bitte um EAS stattzugeben.

(K)eine schwere Entscheidung

Während 85 % der Befragten im Fall einer Krebserkrankung EAS leisten würden, konnten sich 34 % der Ärzte dies ebenfalls bei psychischen Erkrankungen vorstellen. 40 % würden einer Bitte um EAS stattgeben, wenn der Patient an Demenz im Frühstadium leidet, aber nur 33 % bzw. 29 % bei einem Patienten mit fortgeschrittener Demenz mit oder ohne Komorbiditäten. Bei Patienten, die des Lebens müde sind, würden 27 % EAS leisten, wenn beim Patienten zwar medizinisch gerechtfertigte Gründe für das Empfinden von Leid vorliegen, er aber keine schwere physische oder psychische Erkrankung aufweist. Und immerhin noch 18 % der befragten Ärzte würden bei einem lebensmüden Patienten einer Bitte um EAS nachkommen, selbst wenn dieser nicht an einer anderen Erkrankung leidet.

Obwohl der Umfrage zufolge 60 % der niederländischen Ärzte bereits eine EAS durchgeführt haben, betonen die Autoren der Studie, dass Patienten weiterhin kein Recht auf eine Tötung oder Beihilfe zum Suizid haben: „Jeder Arzt sollte sich seine eigene Meinung zur Tötung auf Verlangen bilden, beruhend auf gesetzlichen Vorgaben und persönlichen Werten“, erklärt Eva Bolt, Erstautorin der Studie und Ärztin am Universitätsklinikum der Freien Universität Amsterdam. Auch in den Niederlanden unterliegt also der Wunsch des Patienten nach einem selbstbestimmten Tod der individuellen Gewissensentscheidung des Arztes.

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58 Kommentare:

Dr. Wegener
Dr. Wegener

#57: Das “ins Bad schieben” ist nicht unbedingt wörtlich zu verstehen, sondern steht für alle Fälle, in denen Sterbende möglichst weit aus dem Sichtfeld des Klinikbetriebs separiert werden. Nicht, damit sie in Ruhe sterben können, sondern damit sich die Lebenden nicht daran stören. Insofern haben Sie Recht, es scheint nicht nur eine medizinische, sondern auch eine soziale (Fehl-)Entwicklung zu sein. Nun, über den optimalen Ort des Ablebens kann man geteilter Meinung sein. Leider (oder vielleicht zum Glück) kann man es sich meistens nicht aussuchen. Aber ich persönlich fände es besser, beim Sterben nicht alleine zu sein.

#58 |
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Gast
Gast

@Bernhard Filor, bitte das mit dem “ins Bad schieben” nicht verallgemeinern.
Hab ich in keinem von mehreren Krankenhäusern erlebt, übrigens alle konfessionell.
Da war auch immer ein Kreuz und eine brennende Kerze, ein “Geistlicher” (wenn erwünscht) und Platz genug für Angehörige.
Ich bin selbst Arzt und hab mir mein Lebensende auch als “worst case” allein im Badezimmer vorgestellt, hat mich nicht erschüttert. Wir müssen ja alle mal sterben,
dabei verstören wir offenbar zunehmend die Lebenden.

#57 |
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Dr. Wegener
Dr. Wegener

#55, Berhard Filor:
Vielen Dank für Ihre Rückmeldung dazu. In den wesentlichen Punkten bin ich ganz bei Ihnen. Das Recht, dass jeder Mensch seinem Leben ein Ende bereiten kann, wenn es einfach nicht mehr geht, steht außer Frage. Erfahrungsgemäß ist doch aber das Problem, dass viele Dinge dann erst recht außer Kontrolle geraten, wenn sich Politiker dieser annehmen. Und vielleicht Ärzte in eine Rolle gedrängt werden, für die sie weder ausgebildet noch vom Berufsverständnis her geeignet sind. Und wenn man das Thema “Sterbehilfe” dann noch im Kontext mit der eher nicht besser werdenden Kaputtsparpolitik von eifrigen Klinikverwaltern und knausrigen Kostenträgern sieht, ist es nicht mehr weit, bis sich so mancher Senior zu einem sozialverträglichen Ableben genötigt sieht. Oder noch schlimmer: Implizit oder gar aktiv die Schmerzgrenze bei den Behandlern gesenkt wird, um seine Klinik nicht “unnötig” mit “unökonomischer” Palliativarbeit zu belasten.
Ganz Ihrer Meinung bin ich im Übrigen auch bei der (auch heute noch zu beobachtenden) verabscheuenswürdigen Praxis in manchen Kliniken, sterbende Patienten ins Bad zu schieben. Das ist an Würdelosigkeit kaum noch zu überbieten.

#56 |
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Sehr geehrter Herr Dr. Wegener
Danke, dass Sie mir geantwortet haben. Ich habe ganz bewusst, in provokativer Absicht, diese Schlagworte gewählt. Ja ich wollte provozieren um endlich mal wieder den “Sterbenden Patienten” in den Mittelpunkt zu stellen.
Und ich bin auch weiterhin der Meinung, dass jeder Mensch das Recht hat, seinem Leben, welches ihm und NUR ihm gehört, ein Ende zu bereiten. Ein Ende in Würden!
Doch dazu bedarf es nun mal gelegentlich der Hilfe von Fachleuten. Diese Fachleute können nur Ärzte sein. Wir habe mittlerweile schon sehr gut geführte Hospize, wo Patienten bis zum Tod begleitet werden. Wo viel für den Sterbenden getan wird.
Nur den Zeitpunkt kann er leider noch nicht selbst bestimmen.
Noch ganz kurz zu Ihren weiteren Anmerkungen: Es muss sich keiner mehr bei mir behandeln lassen, denn ich bin seit einigen Jahren im Ruhestand und auch ganz zufrieden damit. Dennoch ist das ein Thema was mich sehr berührt.
Ich habe mich schon damals in meiner langjährigen Klinikzeit über die Praktik, einen sterbenden Patienten ins Bad zu schieben, geärgert. Warum werden nicht Räume in Kliniken eingerichtet, in denen auch unter Anwesenheit von Familie und Freunden, ein würdevolles Sterben möglich ist. Damals gab es das noch nicht. Soll aber doch schon in einigen Kliniken möglich sen. Wenigstens ein Anfang.

#55 |
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Dr. Wegener
Dr. Wegener

#52 Herr Filor:
Haben Sie schon mal etwas von confirmation bias gehört? In Zusammenhang mit Totschlagargumenten (“in Qualen verrecken”, “Frau erstickt qualvoll”…) ein beliebtes Meinungssteuerungsinstrument. Und plötzlich ist alles ganz einfach und die vielen schwerwiegenden Risiken einer unkritischen Euthanasie-Freigabe sind wie weggeblasen. Wenn Sie es sich als Heilberufler so einfach machen, den berechtigten Diskussionsbedarf hierzu als “ethisch und moralisch verklemmte Individuen” zu diffamieren, sollte man sich vielleicht besser nicht von Ihnen behandeln lassen. Im Übrigen kann es auch ein Zeichen ärztlichen Unvermögens, nicht politischen Unvermögens, sein, wenn ein terminaler Patient “in Qualen verreckt” oder “qualvoll erstickt”.

#54 |
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Gast
Gast

Wäre es nicht sinnvoller anstatt jahrelanges Diskutieren ob Schwerkranke /psychisch kranker Personen die austherapiert sind, der letzte innige Wunsch von aktiver Sterbehilfe zu verwhren ist oder nicht, dies endlich zuzulassen. Wir müssen diesen Wunsch nicht immer noch mit Tötungsaktionen des 3.Reichs in Verbindung bringen u. uns vor anderen rechtfertigen. Was damals geschah, war sicherlich nicht ok u. sollte nie wieder passieren, aber dies hat mit der aktiven Sterbehilfe auf Verlangen nichts zu tun!
Wäre es nicht sinnvoller liebe Politiker, wenn schriftl. festgelegte Patientenverfügungen endlich ohne zuziehen eines 2. Arztes u. dann noch unter schwierigen Bedingungen in Krankenhäusern endlich Pflicht eines jeden volljährigen Bürgers werden würde?
Warum müssen sich Menschen quälen lassen, obwohl sie nicht mehr leben möchten? Sind solche Personen noch interessant für die Versuche des Pharmakonzerns / ältere Personen dienlich für OP- Einführungen junger Assistenzärzte??????Arbeite selber in einem med. Beruf u. bekomme täglich mit was hier leider manchmal abgeht! Politiker werden dies als Privatpatienten nie erfahren. Dazu müssten sie arm, Kassenpatient u./ oder ohne Angehörige sein, die sich für das Einhalten des letzten Willens noch rigoros einsetzen. Gled u. Macht scheint Politiker wichtiger zu sein, als der Mensch u. dessen Wünsche.

#53 |
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Hallo Ihr lieben Diskutierer!
Ich meine damit: die Ärzte, die Juristen und die, ach so überheblichen, Politiker.
Zum Thema der humanen Sterbehilfe, wünsche ich JEDEM Gegner und Kritiker, dass er mal selbst in die Situation gerät, in der er oder ein naher Verwandter dringend Hilfe zum humanen Sterben benötigt. Aber er bekommt sie nicht! Warum? Nur weil ethisch und moralisch verklemmte Individuen, vielleicht auch noch an Erinnerung der Gräueltaten des 1000 jährigen Reiches, nicht den Mut aufbringen, den Wunsch nach einem sanften und humanen Lebensende zu respektieren. Mögen sie in Qualen “verrecken” so wie wir es jetzt handhaben!
Glückselig sind jene, die die Möglichkeit haben, noch selbst Hand an sich selbst anzulegen und nicht auf die Hilfe anderer angewiesen sind.
Arzt sein bedeutet: zu Heilen, zu Helfen und auch wenn es sein muss, auch verständnisvoll zu helfen, um einen humanen Abschied von dieser Welt zu finden.
Solange ich noch eine Hand heben kann und den Zeigefinger krümmen kann, werde ich das bei Bedarf tun, um ja nicht in die Mühle der Juristen und Gremien zu kommen.
Dazu nur ein Beispiel: Frau erstickt qualvoll in England, nur weil die Gerichte nicht rechtzeitig die Sterbehilfe genehmigt haben.
So kann man das Problem zu Lasten der Patienten auch lösen!

#52 |
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Dr. M. Wegener
Dr. M. Wegener

#50: Dr. Strecker
Zitat: “Unter humanen Bedingungen kann dieses Recht nur mit ärztlicher Hilfe umgesetzt werden.”
Mag ja sein, dass manche Ärzte dem Todeswilligen das Barbiturat besonders qualifiziert in den Blutkreislauf drücken könnten. Ich möchte jedenfalls nicht durch die aktive Hand eines amtlich dafür vorgesehenen Kollegen sterben.

Zitat: “Ein berufsrechtliches Verbot der assistierten Selbsttötung ist darum mit einem Rechtsstaat nicht vereinbar.”
Tatsächlich? Ich finde, es macht gerade einen Rechtsstaat aus, dass bestimmte Kreise effektiv daran gehindert werden, Gott spielen zu wollen. Und nur, weil aus Ihrer Sicht die Palliativmedizin qualitativ und quantitativ insuffizient ist, soll es die schnelle Spritze vom Doc persönlich richten? Bitte ohne mich!

#51 |
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Dr.med Wolfgang Strecker
Dr.med Wolfgang Strecker

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herrn !
Für den bekannten Palliativmediziner Gian Domenico Borasio von der Uni Lausanne ist belegt, “dass es auch bei bester Palliativversorgung Menschen gibt, die mit
Berechtigung sagen, Das, was mir noch bevorsteht, möchte ich nicht erleben”.
Auch bei Verfügbarkeit einer qualifizierten Palliativmedizin ist es darum unverzichtbar, dass neben der Palliativmedizin auch der assistierte ärztliche Suizid zur Verfügung steht, um allen(!) schwer leidenden Patienten ausreichend helfen zu können.
Zur Zeit muss außerdem davon ausgegangen werden, dass eine qualifizierte (!) Palliativmedizin ohnehin nur wenigen Patienten zur Verfügung steht. Diese Situation wird sich auch in Zukunft, trotz vieler gegenteiliger Sonntagsreden, aus zahlreichen Gründen nur wenig ändern.
In einem Rechtsstaat muß es selbstverständlich sein, dass jeder Mensch das Recht hat, über sein Leben selbst zu bestimmen.
Unter humanen Bedingungen kann dieses Recht nur mit ärztlicher Hilfe umgesetzt werden.
Ein berufsrechtliches Verbot der assistierten Selbsttötung ist darum mit einem Rechtsstaat nicht vereinbar.
22.4.2015, Dr. Wolfgang Strecker

#50 |
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Dr. M. Wegener
Dr. M. Wegener

#48: Warum? Glauben Sie etwa, Ärzte betrifft dieses Thema nicht? Es betrifft sie sogar doppelt. Einerseits, weil ihnen unreflektierte Befürworter der aktiven Sterbehilfe gern die Verantwortung dafür in die Schuhe schieben wollen. Und andererseits, welches noch viel wichtiger ist, weil auch Ärzte irgendwann ein Lebensende haben, welches sie nur ungern in die Hände eines voreiligen Sterbe(nach-)helfers, möglicherweise dann sogar eines schwarzen Schafes unter Kollegen, legen möchten.

Der “Eid” hat übrigens keine berufsrechtliche Bindungskraft mehr, allenfalls ethische. Er spiegelt sich teilweise in den Berufsordnungen der Heilberufe wider. Geblieben ist das Selbstverständnis und der weitgehende Konsens, dass Ärzte keine aktiven Tötungs”leistungen” anbieten, nur weil sie sich zufällig mit dem Leben und dem Tod “auskennen”. Sterbenden Beistand zu leisten, ist hingegen ausdrückliches ärztliches und berufsrechtliches Gebot. Den Schwangerschaftsabbruch kann man sicherlich als Grenzfall interpretieren, kann aber individuell abgelehnt werden und wäre zudem ein anderes Diskussionsthema.

#49 |
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Gast
Gast

@Dr. Wegener, Ärzte haben sich schon oft genug geäußert,
da gibt es doch diesen “Eid”, er ist älter als die Geburt Christi.

Ihr anderen könnt ja weiter diskutieren, aber die Ärzte vielleicht dabei raus lassen.

#48 |
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Dr. Wegener
Dr. Wegener

#45, Gast: Ihre Darlegung kann ich nicht nachvollziehen. Warum sollte die Diskussion um das Ende des Lebens Juristen vorbehalten sein? Was soll daran ein “niedriges Niveau” haben, wenn Menschen, die täglich mit diesem Problem konfrontiert sind (im Übrigen NICHT nur Ärzte, Sie können hier ja auch schreiben) hier individuelle Erfahrungen und Ansichten beitragen? Soweit ich es überblicken kann, hat niemand hier behauptet, er/sie habe Recht. Ich würde eher meinen, Sie haben den Sinn von Foren noch nicht ausreichend verstanden. Und nun können Sie weiter Erbrechen gehen.

#47 |
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Dr. Wegener
Dr. Wegener

Liebe Frau Klemer (Beitrag 38),

danke für Ihre Klarstellung. Im Nachhinein stimme ich Ihnen zu, dass es wohl etwas verunglückt war, die Tiereuthanasie als “behelfsweise” zu bezeichnen. Das Problem war, dass es mir eine Einlassung zu widerlegen galt, dass es Tiere offenbar “besser” als Menschen hätten, weil man sie -nach Leseart des Autors- im Zweifelsfall schnell und schmerzlos töte. Das ist schon deshalb falsch, weil -wie Sie sehr schön anmerken- auch in der Tiermedizin normalerweise nicht auf Wunsch (des Besitzers) getötet wird und auch dort Palliativtherapie gegeben ist. Meine persönlich etwas abweichende Beobachtung jedenfalls im Kleintierbereich soll hier mal keine Rolle spielen.

Und aus meiner Sicht ist es auch nicht richtig, die Tiereuthanasie in der vom Autor vorgebrachten Form mit der Sterbehilfe bei Menschen zu vergleichen. Nicht, weil Tiere keine Lebewesen sind, die ebenso Schmerzen empfinden und leiden. Auch nicht, weil Tierärzte etwa schlechtere Diagnostiker sind als Humanmediziner. Sondern weil der Mensch, soweit bekannt, das einzige Lebewesen ist, welches sich seiner Sterblichkeit bewusst ist und somit eine noch ganz deutlich differenziertere Sicht auf sein “persönliches” Sterben und seinen Tod hat.

#46 |
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Gast
Gast

diese diskussion gehört in eine juristisches forum und nicht in ein ärztliches, denn es handelt sich um eine rechtliche frage, die nebenbei auch ärzte, aber auch alle anderen menschen betrifft.
dort hätte sie auch sicherlich ein höheres niveau und bestünde nicht vorwiegend aus “ja, ICH habe da mal dasunddas erlebt, und deswegen habe ICH mit meiner meinung recht”-posts, sondern aus sachlichen, fundierten beiträgen.
sorry, aber das musste ich nun endlich mal loswerden, bevor ich erbre**en gehe.

#45 |
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Hanna-Maria Rethorn, prakt.Tierärztin
Hanna-Maria Rethorn, prakt.Tierärztin

welche Verachtung anderen Berufen gegenüber spricht aus dem Satz: Lassen Sie es doch den Klempner oder den Apotheker oder den Tierarzt machen. Es ist die Arroganz, die eine Diskussionüber dieses Themas ad absurdum führt. Ich glaube auch für den Klempner und Apotheker sprechen zu dürfen, wenn ich sage, wir wollen Ihnen nicht ins Handwerk pfuschen, Herr Dr.Montgomery.

#44 |
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Ärztin

Als früher in der Schmerztherapie, der Palliativstation und im Hospiz tätige Ärztin kann ich auch bestätigen, dass der Wunsch nach aktiver Sterbehilfe durch Patienten eine Rarität ist und durch eine adäquate Palliativversorgung absolut in den Hintergrund tritt, sich die meisten Patienten an jeden Lebenstag klammern. Auch das Angebot einer Sedierung (“möchten Sie mehr schlafen?”) wurde häufig abgelehnt. Aber auch beim Annehmen dieses Angebotes sind meiner Erfahrung nach keine so hohen Dosen notwendig, dass eine Atemdepression durch die Medikamente eintritt. Zudem wird eine sich häufig durch die Krankheit entwickelnde Atemdepression wegen einer gleichzeitigen CO2-Retention nicht als belastend empfunden (“CO2-Narkose”).

Belastend und quälend ist die Situation häufig für Angehörige, jedoch kennt wohl jeder in diesem Bereich Tätige die Versicherung durch dieselben Angehörigen nach Versterben ihrer Lieben, dass es so, wie alles gelaufen ist gut war und oft auch eine Bereicherung und Prägung. Auch als bereichernd für mich selbst habe ich Ethikberatungen im Team mit Unabhängigen bei Konfliktfällen mit Angehörigen empfunden. Hier ging es aber mehr um das nicht-loslassen-wollen durch diese. Emotionale Verstrickungen und sicherlich ernste organisatorische Probleme Angehöriger dürfen nicht zu einer Erwägung führen, aktiv das Leben zu verkürzen (wobei die Wortwahl so ja auch nicht stimmt, weil z.B. das Absetzen der Nahrungsgabe via PEG-Sonde ein aktiver Vorgang ist).

Da ich derzeit ausschließlich im Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst und Notarztdienst tätig bin habe ich tiefen Einblick in die verschiedensten ambulanten Bereiche: Gerade in den hiesigen Altenheimen empfinde ich den Umgang mit Sterbenden und Schwerstkranken als zunehmend und deutlich gebessert und sensibler als noch vor 10 Jahren. Oft wird gleich beim Eintreffen darauf hingewiesen, dass Pat. XY möglichst nicht mehr stationär verlegt werden sollte. In manchen Situationen ist aber eine Symptomkontrolle im kurzfristig benötigten Zeitraum ambulant nicht möglich, weil die benötigten Medikamente nicht schnell zur Verfügung stehen, die räumlichen Verhältnisse dies nicht ermöglichen, SAPV so kurzfristig nicht zur Verfügung steht (gerade hier, im dünnbesiedelten ländlichen Raum). Wie mir mein früherer Oberarzt sagte: Es kann leider nicht jeder zu Hause sterben.

Als zunehmend problematisch sehe ich die Situation mit einigen Intensivpflegediensten: Da wurde wiederholt von mir eine Vor-Ort-Maximaltherapie verlangt, bei präfinalen Patienten, was den Eindruck hinterlässt, dass jeder Tag Geld bedeutet und auch nur dies eine Bedeutung hat. Leider werden die Grundlagen von einigen Bereichen in den Kliniken geschaffen, womit eine Kaskade entsteht: So habe ich mehrfach erlebt, dass bei Patienten mit kurzfristig infauster Prognose PEG-Sonden zur ambulanten Versorgung gelegt wurden, bewusstlose Patienten mit fortgeschrittenem Gliom im Status epilepticus und Anmeldung auf der Palliativstation noch zur Verlegung maximal therapiert wurden, Maligner Aszites beim komplett plegischen Patienten mit Korsakow-Demenz auf Teufel komm raus parazentiert und anschließend wieder infundiert wurde (weil keine Patientenverfügung vorlag und der Betreuer das so wollte).

Gleichzeitig sind viele Patientenverfügung so laienhaft verfasst, dass bei strenger Auslegung eben kein Entlastungseingriff bei Miserere möglich wäre. Grundlage hierfür könnte auch die Angst sein, “schlecht” zu sterben. Hier hilft Aufklärung und ein Ausbau der Palliativmedizin, was natürlich teurer ist als eine Tötung auf Verlangen. Gute Erfahrungen von Angehörigen mit der Palliativmedizin sprechen sich auch herum!

#43 |
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alter Arzt
alter Arzt

Verehrter P. Klein, auch die Intensivmedizin hat eine Geschichte
und dabei war die “unmenschliche Apparatemedizin” von Anfang an ein Thema
und man hat sich recht bald darauf geeinigt, dass z.B. für die Reanimation eine belastbare Indikation bestehen muss nicht nur das inkurable Karzinom.
Denn wenn ein Herz unter optimalen Krankenhausbedingungen nicht mehr suffizient schlägt, ist auch ein Reanimationsversuch zu unterlassen.
Das “Sterben” findet dagegen NICHT auf der Intensivstation, sondern im Einzelzimmer auf der peripheren Station statt und natürlich werden dazu die Angehörigen informiert um Abschied nehmen zu können.
Ich habe auch den unerträglichen Missbrauch der Patientenverfügung erlebt durch einen etwas eigenwilligen aber sehr autoritären Anästhesie-Chefarzt, der Patienten vor einer größeren Operation fast gezwungen hat, eine Patientenverfügung zu Unterschreiben, die eine postoperative Intensivtherapie praktisch unmöglich gemacht hat.

Und was die Bemühungen bei HI und Co. belangt gibt es nicht nur bei uns bereits erhebliche Unterschiede zwischen jüngeren und alten Menschen, die fast beschämend sind. Da muss man schon fast so prominent sein wie Helmut Schmidt um einen tödlichen HI durch einen notfallmäßigen cardiochirurgischen Maximaleingriff mit 4 Bypässen zu erhalten, geschehen vor fast 15 Jahren.

Meine Erfahrung aus über 40 Jahren, “den Daumen runter” auch durch Ärzte hat es in der Altersmedizin immer schon gegeben.
Die Missbrauchsmöglichkleit bei erlaubter Tötung ist also reell vorhanden!!!

Andererseits ist es auch eine menschlich nachvollziehbare Unsitte, dass aus Pflegeheimen oft eindeutig präfinale Patienten dann doch noch schnell ins Krankenhaus verlegt werden, wo sie dort unbekannt, fast zwangsläufig zunächst “therapiert” werden müssen, bevor die Prognose eindeutig geklärt ist.

mfG

#42 |
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P. Klein, Arzt
P. Klein, Arzt

…kleines Gedankenpotpourri….
….ich arbeite seit ca. 40 Jahren im Milieu Intensivmedizin….während meines Studiums(80er Jahre) als Pfleger….dann als Intensivmediziner auf z.T. 18-Betten Stationen(Traumatologie, Neurochirurgie, aktuell eher geriatrische Intensivmedizin)…verfüge also über einige l e i d l i c h e Erfahrung….
FALL: ~ 1980, männl. Pat., um 75 Jahre, Re-Re-Re-Infarkt, intubiert + beatmet, katecholaminpflichtig i.S. einer chem. Dauerreanimation… Sohn des Pat. war niedergelassener Kollege…. im Gespräch mit dem federführenden CA ….kurz vor Ostern…der Sohn hatte einen kurzen Auslandaufenthalt mit Rückreise für Osterdienstag geplant…sinngemäße Aussage des CA….”bis dahin bekommen wir das schon hin…”, i.S. bis dahin lebt ihr Vater noch……
…aus meinem klin. Alltag: Patverfügungen sind entweder nicht direkt zur Stelle bzw.werden beigebracht wenn irreversible Entscheidungen länst getroffen und vollzogen sind und nur noch durch aktive Maßnahmen rückgängig gemacht werden können…was eine aktive Sterbehilfe bedeuten würde….
…..liegt die Patverfügung unmittelbar vor wird vom Behandlerteam unterstellt, dass dies der aktuellen Situation nicht gerecht wird…da mit allen medizin. Möglichkeiten gepaart mit maßlosen Allmachtsphantasien Chancen bestehen für eine Genesung des Pat. und, und, und……
…ist in einer Patverfügung davon die Rede …”nicht an ein Beatmungsgerät angeschlossen zu werden….dann muss man nur lange genug warten bis dem Menschen das “Wasser buchstäblich bis zum Halse steht”…um ihm dann anzubieten man könne ihm jetzt helfen….zynisch gesprochen eine andere Variante eines medizin./humantiären waterboardings…wie wird sich ein solcher Mensch wohl entscheiden……
…Altenheim, 80er Jahre, vierzehn Stockwerke, jedes Appartement mit Balkon…hier war es Aufgabe des Hausmeisters! morgens zum Arbeitsbeginn rund ums Gebäude zu gehen….in einem Jahr waren es 7 Bewohner die sich durch einen Sprung vom Balkon das Leben genommen haben….ein Hoch auf die Immobilität des Bewohnerkollektivs…..
…mein Vater verstarb 93-jährig an einer Urosepsis…sein Glück war, dass ich die behandelnden Kollegen kannte….ein Tod nach etwas mehr als 50 Std. in der Klinik u 26 Std Koma im Kreise seiner Familie….ein Umstand der einem no-name Pat, vermutlich nicht vergönnt gewesen wäre….ein Offenbarungseid…..
…Notärzte die heute in ein Alten-u Pflegeheim gerufen werden, Patienten i.d.R. zwischen 80 – 100 Jahren, viele davon zum x-ten Male im akuten Linksherzversagen, z. T. auch mit durchmetastasierten Malignomen…dem NA der die Überlegung anstellt den Menschen gehen/sterben zu lassen wird mit dem Staatsanwalt gedroht…Devise > mitnehmen, aufpäppeln und zurück ind Heim… und der Rubel rollt hier wie da weiter…..
…Patientenkollektive die immer älter und kränker werden…auch internistische Polytraumata genannt….anamnestisch über Jahren im Drehtürprinzip in immer kürzeren Abständen behandelt…ausgebrannt bis zum Entsetzen und hinfällig und – die möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen und einmal mit dem immer wieder zitierten Märchen von erbbegierigen Verwandten aufräumen die es natürlich gibt – unsere Erfahrung ist eine Andere…meist sind es Angehörige ( sind sie das eigentlich i.S. von verantwortlicher Inpflichtnahme gegenüber ihrem Leidenden und Engagement vor Ort ?), häufig sind es “lediglich” Verwandte bei deren Bitte und Wünschen sich eher der Eindruck aufdrängt dass sie nicht loslassen können/wollen, sich nicht mit Veränderungen gleich welcher Art einlassen wollen, mit einem maßlosen Anspruchsdenken gepaart mit Allmachtsoptionen die und Weißkittel natürlich entgegenkommen und uns bestärken…also keine Erbschleicher, eher ein Kollektiv welches etwas abzuarbeiten hat…früher ging man dann beichten…wäre oft der bessere u humanere Weg……
In der ganzen Diskussion wird vergessen sich gesamtgesellschaftlich mehr und intensiver mit der Frage zu beschäftigen was Intensivmedizin leisten soll und wie weit sie gehen darf und soll ohne dem Menschen seine Würde zu nehmen im Kontext seines meist langen Lebens…an dieser Stelle muss m.E. Einhalt geboten werden andernfalls satteln wir das Pferd von hinten auf…
….mit rollendem Rubel und dem Erhalt von Arbeitsplätzen und Retterphantasien ist eine differzierte Auseinandersetzung über ein solches Thema schlechterdings nicht vereinbar… ich weiß keine Lösung…jedersollte sein Gewissenbefragen und danach handeln + dazu stehen!…bei der drezeit vorherrschenden “Schwarmdemenz” allerdings auch kein beruhigender Gedanke….
…und derweil wird ca.1000 km von hier, im osteuropäischen Ausland, bei einer Tagung mit Gastdozenten aus aller Welt über Transfusionsmedizin über das Verhalten des Hodenhochhebermuskels bei Mäusen unter dem Einfluss von Kolloiden sinniert…armes Land und mein Beileid an die Zunft…..
P. S….Montgomery….mit welcher Chuzpe dieser”Kleinhäusler” sich zu diesem Thema äußert ist unerträglich…der sollte sich mal rasieren…richtig zünftig -. ich kann mich zum Glück nur durch Bilder an eine ähnliche Visage erinnern…treten sie ab sie blasierter Ignorant…..

#41 |
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KJL
KJL

Beihilfe zum Suizid durch einen Arzt?
Für mich ein undenkbarer Vorgang. Wer schon freiwillig aus dem Leben scheiden will, soll dieses auch selbst durchführen und nicht Ärzte als Erfüllungsgehilfen benutzen. Die haben schliessslich einen Eid geleistet, Leben zu erhalten, und das wohl aus Überzeugung. Das verträgt sich nicht. Doch es soll ja auch in dieser Gruppe schwarze Schafe geben, die hier eine neue Einnahmequelle sehen.
Mammon ist halt immer wieder eine Versuchung und macht auch vor dem Tod nicht halt.

#40 |
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Gast – Druide
Gast – Druide

Liebe Mitdiskutierende,
ich möchte auch gerne etwas sagen.
Nach meiner pharmazeutischen Ausbildung habe ich die Heilpraktiker – Ausbildung absolviert und habe bereits vorher im Hospiz gearbeitet.
Das Lernen dort war Gold wert.
Aus dem spirituellen Aspekt heraus, als polytheistischer, paganer Priester (es gibt mehr gläubige Heiden, als man meint!), habe ich so einiges gelernt.
Die alten Götter haben in manchen Dingen andere Ansichten als der christliche (Über-) Gott.
Ich finde den Beitrag der Ärzte Dr.Knüll und dem “alten Arzt” sehr erleuchtend und kann dem nur voll zustimmen.
Ich finde es wichtig, dass der Arzt in den letzten Tagen Begleiter und Berater ist, aber kein “Mörder” wie man es manchmal liest.
Aber genauso finde ich, dass man einen Arzt, der nach genauem Abwägen aller Möglichkeiten entscheidet, dem Patienten bei seiner Entscheidung zu unterstützen, nicht bestrafen sollte.
Ich denke, oft steht ein zu fundamentale Glaube an den Gott der Christen viel zu sehr im Vordergrund und der Wunsch oder Bitte des Patienten verblasst.
Ich habe es erlebt, dass einem Sterbenden von einem gläubigen Arzt nicht mit Opiaten behandelt wurde, weil er ja kein “Christ” war.
Das war sehr prägend, muss ich sagen.
Ein menschenwürdiges Sterben heißt schmerzfreies und leidensfreies Abgleiten in die Anderswelt.
Dafür sollte man eintreten.
Ich bin sehr froh, neben der pharmazeutischen Ausbildung auch die medizinische Ausbildung gemacht zu haben, die es mir jetzt ermöglicht, den Sterbenden zusammen mit ihrem Arzt auf dem letzten Weg zu begleiten.
Die Zusammenarbeit mit diesen Ärzten klappt prima und ich bin sehr dankbar, dass langsam ein “Umdenken” einsetzt.
Es sind Patienten, nicht Nummern oder Ziffern.
Ich wünsche allen, die in der Palliativmedizin tätig sind, weiterhin gutes Gelingen und viel Stärke für ihre tägliche Arbeit.
An die beiden genannten Ärzte: Hut ab.
Eine Zusammenarbeit wäre bestimmt spannend.

#39 |
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Lydia Klemer
Lydia Klemer

zu Beitrag #12
Lieber Dr. Wegener, als praktizierende Tierärztin möchte ich – auch wenn die Disskussion eigentlich ein anderes Thema hat – mal eines klarstellen:
Euthanasie in der Tiermedizin wird keinesfalls “behelfsweise” eingesetzt!
Das Tiere mit uns nicht sprechen können, heißt nicht, dass sie uns ihre Schmerzen oder Leiden nicht mitteilen können oder dass wir zu keiner Diagnose kommen können. Im Übrigen, wieviele der Menschen, über die hier implizit gesprochen wird, können sich auch nicht (mehr) zu ihrem Zustand äußern…

Tierärzte dürfen laut Gesetz nicht “ohne vernünftigen Grund” töten. Wirtschaftliche Belange sind definitiv kein Grund für eine Euthanasie und Besitzerwunsch ebenso wenig. Dass es auch unter Tierärzten schwarze Schafe gibt, darüber müssen wir nicht diskutieren.
Aber wir Tierärzte sind durchaus auch dazu in der Lage unsere Patienten angemessen palliativmedizinisch zu versorgen.

Ich halte es bei Tier und Mensch ähnlich wie in Beitrag #21 beschrieben: das Missbrauchspotential bei Euthanasie und Sterbehilfe ist riesig, aber es gibt genug Tage, an denen ich froh bin, das Leiden meiner Patienten verkürzen können.

#38 |
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Gast
Gast

Meiner Meinung nach sollte dabei die Krankheit und die Heilungschancen unterschieden werden. Ein Patient mit schwerwiegenden Depressionen, sollte man dennoch von einem Suizidversuch abhalten, bzw. in diesem Fall keines Falles Beihilfe leisten. Anders sieht es allerdings bei unheilbaren Krankheiten wie Krebsleiden aus!

#37 |
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Prof. Dr. Wolfgang Klosterhalfen
Prof. Dr. Wolfgang Klosterhalfen

In Deutschland erodiert zwar der christliche Glaube vor sich hin, das Christentum ist aber immer noch sehr mächtig. Vor allem in der Politik und im medizinischen Bereich. Die gesamte Bundesregierung ist gläubig (oder tut zumindest so) und deren ev. Chefin würde sich bestimmt freuen, wenn es den engagierten ev. Christen Gröhe und Kauder gelingen würde, im Herbst ein christliches Sterbehilfeverbotsgesetz durch den Bundestag zu bringen. Dann hätte das C in der CDU wieder etwas mehr Berechtigung.

So wie den deutschen Kinder- und Jugendärzten, die über das religiös motivierte deutsche Vorhautabschneidegesetz entsetzt sind, geht es nun anscheinend der großen Mehrheit der Strafrechtler in Deutschland. Ihre gerade veröffentlichte „Stellungnahme deutscher Strafrechtslehrerinnen und Strafrechtslehrer zur geplanten Ausweitung der Strafbarkeit der Sterbehilfe“ wurde von etwa 140 Professoren unterschrieben. Darin heißt es:

„Mit Sorge beobachten wir politische Bestrebungen, im Zusammenhang mit der Sterbehilfe den Anwendungsbereich des Strafrechts auszuweiten. Mit der Strafbarkeit des assistierten Suizids würde die in den letzten Jahren durch den Bundesgesetzgeber und die Gerichte erreichte weitgehende Entkriminalisierung des sensiblen Themas Sterbehilfe konterkariert. Die Vorschläge, welche in diese Richtung zielen, setzen vor allem bei der Tätigkeit einzelner Personen oder einiger weniger sog. “Sterbehilfe‐Vereinigungen” an, deren Treiben als unseriös und gefährlich eingestuft wird. Das geltende Polizei‐ und Strafrecht stellen jedoch hinlänglich Mittel zur Verfügung, um gegen Aktivitäten vorzugehen, bei denen die Freiverantwortlichkeit des Suizids nicht hinreichend geprüft wird.“

Nach geltendem Recht dürfen Ärzte weder auf Verlangen noch ohne Verlangen einen anderen Menschen töten. Bei der palliativen (terminalen) Sedierung kommen sie allerdings der Tötung auf Verlangen sehr nahe.

#36 |
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Dr. med. Birgit Rautenbach
Dr. med. Birgit Rautenbach

Kann und möchte den Kommentaren von Frau Anna Wojcik und Herrn Günther Hass nichts hinzufügen. Danke für diese Wortmeldungen, die mir aus dem Herzen gesprochen haben!

#35 |
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Gast
Gast

Ich will nicht DURCH die Hand eines Arztes sterben.
Aber falls ich mich mal dazu durchgerungen habe, es selbst in die Wege zu leiten statt auf den Tod ergeben zu warten, möchte ich es nicht unnötig brutal oder blutig machen müssen.
Es wäre dann hilfreich zu wissen, welchen Weg man gehen kann.
Das schafft Vertrauen statt Angst (!!) .
Vor allem: Ohne jemand anderen in Gewissensqualen bringen zu müssen. Es ist dann MEINE Entscheidung, nur meine.
Und warum da nicht jemand fragen können, der es per Beruf weiß, wohl besser als die meisten anderen.
Nicht den Klempner.
War für eine absurde, respektlose Antwort von Herrn Montgomery.

#34 |
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Gast
Gast

Danke @ Nr. 31!

#33 |
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Gast
Gast

Sehr geehrter Herr Dr. med. Wolfgang Knüll,

Sie bringen es wunderbar auf den Punkt! Nur gibt es von ‘Ihnen’ leider reichlich weinge…

auch Karsten Arsinakis, erwähnt einige sehr kritische Fragen.

Ich finde jedoch, es wird viel zu sehr von PATIENTEN geredet, statt von MENSCHEN.
Gebt den Menschen die Möglichkeit, für sich selbst, mit Arzt-Begleitung (nicht als Arzt-Hoheit); und dem Artz, der es kann und will, zu entscheiden, wie er, der Mensch, abtreten möchte.
Viele Menschen gehen den Weg dann doch einfach ohne ‘Mittel’, aber mit dem Wissen er KÖNNTE.
Auch bin ich dabei, die Menschen zu Hause zu begleiten. Dafür wären mehr ‘Brückenteams’ und eine einfachere Entscheidung der ‘Pflegestufe’ notwendig, ebenso die Anerkennung der ‘Auszeit’ wie bei der Elternzeit.
Viele Berufstätige KÖNNEN Ihre Angehörigen zu Hause nicht ordentlich begleiten, weil eben die ARBEIT RUFT!!! Und in der Gesellschaft ist es ja schon fast unerhört, im Trauerfall länger als vierzehn Tage zu fehlen… Okay, das ist dann schon ein anderes Thema, trifft aber hier mit rein. ARBEIT, ARBEIT, ARBEIT; darüber das Sterben der eigenen Angehörigen verdrängen. Traurig; aber mehr als wahr!

#32 |
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DGKP Günther Haas
DGKP Günther Haas

Ich arbeite nun seit 8 Jahren in meinem Beruf als Dipl-Krankenpfleger.
Erst 3 Jahre Onkologie jetzt IMCU.
Im Laufe dieser Jahre habe ich viele Patienten mit schweren, unheilbaren Erkrankungen betreut und begleitet, von Krebs über schwere Schlaganfälle/Gehirnblutungen sowie Herzinsuffizienz und COPD.
Oft hört man von Patienten den Wunsch, endlich sterben zu können, oft hört man diesen Wunsch auch von deren Angehörigen.
Nie jedoch ist mir ein Patient begegnet, welchem durch gezielte Symptomkontrolle und Schmerztherapie, psychologische Begleitung und Gespräche nicht zumindest zum Großteil gut geholfen werden konnte.

Vor Allem wichtig finde ich die frühe Information von Patienten mit chronischen Erkrankungen. Die Patienten sollen wissen, was sie erwarten kann.
Und es soll im Zuge des Therapieregimes auch besprochen werden, welche Maßnahmen ein Patient in welcher Situation noch wünscht. Aufklärung und Selbstbestimmung dürfen in keiner Lebens- und Krankheitssituation verloren gehen.

Einem Menschen zu sagen “Wenn du Atemnot bekommst, können wir sie lindern, wenn du Schmerzen bekommst, können wir sie bekämpfen” kann viel Angst und Ungewissheit nehmen.
Einem Menschen aktiv den Tod anzubieten, um ihn vor Symptomen zu bewahren mag zwar der schnellere und billigere Weg sein im Gegensatz zu psychologischer Begleitung, Schmerztherapie und intensiver Pflege, ist für mich ethisch jedoch nicht vertretbar.
Der Verzicht auf Invasive Maßnahmen, (par)enterale Ernährung um der Schmerztherapie und palliativen Begleitung den Vorzug zu geben sollte wenn möglich mit den Patienten selbst frühzeitig besprochen werden. Angehörigen hier irgend eine Entscheidung aufzubürden halte ich für Unvertretbar (Sie wollen Ihre Mutter doch nicht Verdursten/Verhungern/Ersticken… lassen) Ebenso Unvertretbar wäre allerdings auch die Entscheidung über aktive Sterbehilfe mit Angehörigen zu besprechen (z.B. bei Sachwalterschaft).
Bei all den Patienten und deren Angehörigen, die ich im Sterben betreuen durfte habe ich nur sehr, sehr selten den Wunsch eines früheren, schnelleren Todes gehört. Oft wird die Begleitung des Sterbenden durch Angehörige im Nachhinein positiv, als Abschiednehmen empfunden, so schwer es in der Situation selbst auch sein mag, am Krankenbett zu stehen und sich der eigenen Machtlosigkeit und Vergänglichkeit bewusst zu werden.

Ich denke eine Investition in eine flächendeckende stationäre sowie ambulante Palliativ- und Hospizversorgung, gute und gründliche Aufklärungsarbeit in der Patientenbetreung und eine gezielte Information der Bevölkerung über die Möglichkeit von Patientenverfügung sollten hier an erster Stelle stehen!

#31 |
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Chirurg
Chirurg

Dank an Sie Frau @Anna Wojcik

#30 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ich bin ehrenamtlich als Hospizlerin tätig und habe sehr oft Menschen angetroffen, die trotz hinterlegter Verfügung (im Sinne dieser Diskussion) ihre Entscheidung rückgängig machten und eines natürlichen Todes sterben wollten. Der Sterbeprozess ist für viele Menschen unglaublich wichtig und richtig.
Für Ärzte sollte Schmerzlinderung sollte oberste Priorität haben.

An der Hand des Arztes sterben? Ja!
Durch die Hand des Arztes sterben? Nein!

#29 |
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Altenpfleger

So lange Wissenschaft gemeinsam mit “Religiotie” im Ethikrat diskutiert und abstimmt, wird sich in Deutschland nichts ändern hinsichtlich aktiver Sterbehilfe. Leider ist es ja so, dass selbst Gesetze nur nach Zustimmung der diversen Religioten verabschiedet werden. So trifft zu diesen Themen immer wieder Wissenschaft auf Hokuspokus, welcher durch eine Christlich “Demokratische” Regierung unterstützt und finanziert wird ;-)

#28 |
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Gast
Gast

Da ich Hebamme bin ist es mein Beruf und meine Profession, Menschen ins Leben zu begleiten und wenn nötig auf die eine oder andere Weise zu helfen. Wer die Geschichte kennt, weiß vielleicht, dass dies nicht immer erlaubt war, mit dem Verweiss auf den Willen Gottes… Mir ist schleierhaft wie man im 21. Jahrhundert immernoch mit dem Hinweis auf den lieben Gott, Menschen die Hilfe beim Sterben verweigert. Ich jedenfalls zweifle nicht daran, dass es Gottes Wille und Auftag ist einander in Liebe zu helfen, bei allem Schweren… Beim Kommen und gehen. Gesetze und Regelungen tuen selbstverständlich not, doch wo ein Wille ist findet sich ein Weg.

#27 |
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Nichtmedizinische Berufe

Auf die Frage, wer denn sonst einem Suizidwilligen assistieren solle, antwortete BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery: „Lassen Sie es doch den Klempner oder den Apotheker oder den Tierarzt machen, aber eben nicht den Arzt.“ – Was für ein zynischer Hund! Oder halt nein, der Hund würde ja von seinem Leiden erlöst werden. Nur der Mensch muss alles durchstehen, weil er das Ebenbild Gottes ist.
Anderseits würde ich auch das Gewissen des Arztes nicht belasten wollen. Es kann also keine ärztliche Pflicht geben. Aber es gibt doch auch Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen und andere, die sich dem verweigern.
Vielleicht “Assistierter Suizid” als neue Spezialisation?

#26 |
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alter Arzt
alter Arzt

@Matthias Heit, das (würdige = schmerzfreie) Sterben war immer eine völlig unbestrittene ärztliche Aufgabe, und die menschliche Begleitung ein der engsten Angehörigen! Dazu gehört übrigens NICHT die Sedierung.
Wer davon etwas Ahnung hat, das wissen auch manche medizinische Volksredner nicht, weis aber, dass damit das Leben in der Regel NICHT verkürzt wird sondern verlängert wird. Das ist auch nicht ganz so einfach wie oft dargestellt -> Schmerzmittel -> Opiate, gerade in der Onkologie sind gastrointestinale Tumoren häufig, die terminal in der Regel zum Ileus neigen, was durch Opiate natürlich verschlimmert wird. Das ist so ungefähr die unangenehmste Todesart und hier ist jeder Pfleger überfordert. Beim Ileus hat palliative Chirurgie eine Jahrhunderte alte Tradition.
Und ich behaupte, heute ist menschenwürdiges Sterben möglich, ob das die Kostenträger wollen oder die Angehörigen ist eine ganz andere Frage.

Hier geht es aber um aktive Lebensbeendigung.
Das war historisch noch nie ärztliche Aufgabe und ich wundere mich immer, warum hier die Berufsethiker nicht Allarm schlagen, wir Ärzte sollen doch nicht dem lieben Gott ins Handwerk pfuschen, wie sie es bei der Gentechnik ständig behaupten und beim Kinder kriegen.
Lassen Sie sich ihren Arztberuf nicht vermiesen
und finden Sie einen eigenen Standpunkt, der ihr Gewissen nicht belastet.

#25 |
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Helfen, Heilen, Lindern, Schützen!
Feuerwehren haben mit ihren vier eingängigen Schlagworten: “Bergen, Retten, Löschen, Schützen” ein international verbindliches Motto. Bei uns Ärztinnen und Ärzten des Fachbereichs Humanmedizin könnte “Helfen, Heilen, Lindern, Schützen… und Loslassen” als Motto für unser Berufsfeld gelten. Die aktiv beschleunigende, intervenierende ärztliche Beihilfe zum Suizid fällt bisher nicht darunter, auch wenn ein juristisches Minderheitenvotum aus vordergründigen Motiven uns dazu drängen möchte.

Palliativmedizin, palliative Sedierung, Sterbebegleitung, das Unterlassen von künstlich lebensverlängernden Maßnahmen, weil keine Chancen auf Besserung oder Linderung mehr bestehen, wären mit dem Begriff “Loslassen” umrissen. Sie erfordern originär ärztlichen und keinesfalls juristischen Sachverstand, um die Selbstbestimmung von Patient und Arzt nicht zu gefährden. Denn am Lebensende treten die Grenzen der Medizin, das Ende der möglichen Machbarkeiten offen zu Tage.

Die Tatsache, dass die moderne Medizin immer mehr zu einer künstlich intensivmedizinischen Lebensverlängerung beitragen kann, dass transplantationsmedizinische Interessen in den Vordergrund treten, erschwert ihre Anwendung. Die Entscheidungsfindung wird immer problematischer, weil der oftmals gar nicht ausdrücklich erklärte und dokumentierte Patientenwille mit Wunsch, Wirklichkeit und Machbarkeit in Übereinstimmung gebracht werden muss.

Die “Beihilfe zum Suizid” in Form der „aktiven Sterbehilfe“ bei einem ärztlich „assistierten Suizid” ist im deutschen Rechtssystem mit dem Verbot der “Tötung auf Verlangen” nach § 216 StGB ebenso umstritten wie strafbar. Unabhängig davon, wie sich die Diskussion i zur “aktiven” und “passiven” Sterbehilfe bzw. zur Selbsttötung weiter entwickeln wird, ein “Tötungswunsch” oder auch der Wunsch nach Erlösung muss grundsätzlich sehr kritisch gesehen werden. Es können ein Augenblicksempfinden, eine Angst- und Schrecksekunde, eine Fehleinschätzung, ein Verzweiflungsmoment, eine schwere Depression, unaushaltbare Schmerzen oder eine Kurzschlussreaktion sein. Das Gefühl der sozialen Unerwünschtheit, der Ausgrenzung, der Panik und der Lebensmüdigkeit treten vielleicht hinzu.

Der Bundesgerichtshof (BGH) stellte klar, dass bei unzweideutiger Willenserklärung eines Todkranken oder Sterbenden gerade n i c h t die ärztliche Verpflichtung bestehe, ihn reanimieren, “retten” und “künstlich” am Leben erhalten zu müssen. Der Wunsch nach einem Tod in Würde und der unumkehrbare Sterbeprozess müsse respektiert werden. Verhinderung oder Konterkarieren dieses ureigenen Patientenwillens sei nicht statthaft.

In diesem Spannungsfeld und in der individuellen Patienten-Arzt-Beziehung finden ethisch-moralisch begründete Entscheidungsprozesse statt. Sie sind immer eine Gratwanderung, bei denen weder die BÄK noch juristische Expertisen helfen können. Niemand sollte allerdings den Stab brechen gegenüber Ärzten und auch Patienten, die in den Grenzsituationen des Lebens und Sterbens Dinge tun, die nicht für uns Alle konsensfähig bleiben.

#24 |
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Dr. med. Wolfgang Knüll
Dr. med. Wolfgang Knüll

“Die Verordnungen werde ich treffen zum Nutzen der Kranken nach meinem Vermögen und Urteil, mich davon fernhalten, Verordnungen zu treffen zu verderblichem Schaden und Unrecht. Ich werde niemandem, auch auf eine Bitte nicht, ein tödlich wirkendes Gift geben und auch keinen Rat dazu erteilen.”
Wer hat das gesagt? Hier ist vom Arzt die Rede. Nicht zufällig wird die Bezeichnung Mediziner inzwischen fast gleichrangig zu der des Arztes verwendet, und es spricht einiges dafür, dass sich die Berufsangabe “Mediziner” für die Generation des modernen Gesundheitswesens durchsetzen könnte. Leitet sie sich doch nicht mehr uneingeschränkt von der Verbindlichkeit etwa eines hippokratischen Eides ab, sondern es übernimmt das Gesetz die Führung im Gesundheitswesen, beschreibt den Verantwortungsrahmen für jede Wohltat und Untat und erlaubt in naher Zukunft vielleicht sogar den finalen pharmakologischen Abschuss. Alles legal versteht sich. Bewusst verwende ich nicht das Wort „Sterbehilfe“, denn die gibt es, richtig verstanden, schon lange, und sie hat meine volle, auch tatkräftige Unterstützung. Aber nicht als Tötungsinstrument ist sie gedacht, sondern als Begleitung des Menschen auf seinem letzten Wege unter aller möglichen Zuwendung. Sie wird durchgeführt von den Menschen in Hospizen, von Angehörigen zu Hause, von Personal in den Krankenhäusern, auf den Palliativstationen und von den Hausärzten draußen in den Wohnungen ihrer Patienten. Da muss der Arzt dann schon mal jeden Tag hingehen und Angst nehmen, auch wenn das nicht bezahlt wird. Diese Hilfe begleitet im wahrsten Sinne des Wortes das Sterben und nimmt mit der Gabe höchstdosierter Medikamente – zur kompletten Linderung von Leiden – auch den dadurch bedingten eventuell eher eintretenden Tod in Kauf. Dieser Eingriff in das menschliche Leben und Sterben geht weit genug, und ich, als Arzt, habe nie anderes gebraucht. Wer aber Hilfe zur Selbsttötung will, hat mehr vor und soll sich willige Helfer schaffen. Möge sich dazu berufen fühlen, wer immer will, auch Mediziner. Ich stünde als Arzt niemals zur Verfügung und auch nicht als Mensch. Henkersknecht liegt mir nicht, auch nicht als der von der immer laut schweigenden Mehrheit akzeptierter Hiwi oder vom Staat gedeckter Täter. Denn die Tat ausführen soll, der sie fordert, und so sollte sich der erst einmal selbst befragen, ob er es könnte und begriffe dann, was “den Tod geben” bedeutet. Stattdessen mal eben den Arzt zu fordern, offenbart ein fundamentales Missverständnis, mit dem ich ein für alle Mal aufgeräumt zu haben hoffe. Ein Arzt tötet per definitionem nicht.

#23 |
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Gast
Gast

Ich finde diese Diskussion wertvoll und wichtig. Sie muss aus der Ecke der Euthanasie heraus geholt werden. Sehr interessant wäre es zu erfahren welche Erfahrungen die Länder mit EAS gemacht haben und wie sich die Fallzahlen dort entwickelt haben.

#22 |
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Rettungsassistent

Wir alle in der Medizin tätigen sind an erster Stelle nicht dem Leben verpflichtet, sondern dem Menschen.
Heißt dass, das ich für Sterbehilfe bin, ich bin da etwas zwie gespalten.
Ich kann mir problemlos dutzende Varianten einfallen lassen (oder mich an persönliche erinnern), in denen unsere moderne Medizin versagt hat. Unntötiges Leiden wurde produziert, gegen bestehende Patientenverfügungen das Leben erhalten, Leiden zugelassen. Wäre hier ein sterben lassen oder sogar auch ein unterstützen richtig gewesen? In jedem Fall.
Genauso kann ich unfassbar viele Möglichkeiten vorstellen, wie solche Regeln zu missbrauchen wären.
Für mich geht es nicht darum, ob es erlaubt werden soll, denn dafür bin ich auf jeden Fall.
Mir fällt nur leider keine Möglichkeit ein, die sicher vor Missbrauch schützt, und davor muss man berechtigterweise auch warnen.
Ein wichtiger Schritt wäre es, wenn der Patientenwille mehr Berücksichtigung finden würde als das derzeit der Fall ist und wenn die Möglichkeiten der Palliativmedizin besser genutzt würden.

#21 |
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Gast
Gast

Apropos Palliativmedizin. Dies ist inzwischen auch ein Industriezweig, in den die Pharmakonzerne eifrig investiert.

Abgesehen davon, daß sie in den meisten Gegenden Deutschlands gar nicht verfügbar ist – sie ist absolut machtlos bei Erkrankungen, die zu völligen Verfall der Persönlichkeit und zum Verlust jeder Menschenwürde führen.

Sie kann dann evtl. terminal sedieren. Und das war’s.

#20 |
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Student der Humanmedizin

Auch wenn der Titel zwei aktuelle Themen bedient, finde ich ihn in seiner Kombination nicht gelungen.
To Topic:
Man könnte SterbeHILFE mal nicht als Beihilfe zum Suizid verstehen, sonder man sollte sich klar machen, dass SterbeHILFE auch was anderes bedeuten kann: In allen palliativen Einrichtungen wird täglich SterbeHILFE insofern geleistet, als man die Patienten 1) seelisch begleitet 2) pflegerisch versorgt 3) ihnen möglichst alle Wünsche erfüllt 4) ihnen Schmerzfreiheit gewährt etc. Man unterstützt den Patienten im Sterbeprozess, indem man ihm das Sterben “erträglicher” macht – man HILFT ihm beim Sterben – und gibt ihm nicht “den letzten Ruck”. Man bedient sich noch zu selten der “palliativen Sedierung” als Mittel, um dem Patienten a) Schmerzfreiheit und b) kein BEWUSSTES (qualvolles) Sterben zu gewähren.
Als Krankenpfleger auf einer internistisch-onkologischen Station bin ich täglich mit dem Thema konfrontiert. V.a. diese Einrichtungen müssen dringend vom Profitgedanken befreit werden. Hier herrscht m.M.n. ein noch höherer Handlungsbedarf im Bereich der Personalplanung als im Rest einer Klinik. Der Stationsarzt ist i.d.R. alleine und verständlicherweise überfordert, die Pflegekräfte sind froh, wenn schon zwei Vollkräfte eine Schicht besetzen…und dann soll man Menschen ein würdiges Sterben ermöglichen? – Meist Unmöglich!

#19 |
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Andrea Kockmann
Andrea Kockmann

Hallo!

Ich bin schwer krank und 36 Jahre alt. Ich bin trotz allem oder gerade deswegen – wer weiß das schon – ein zufriedener sogar glücklicher Mensch. Selbstverständlich mit drm Wunsch gesünder und schmerzfreier zu sein.

Ketzerisch gesagt: Als Auto wäre ich schon lange verschrottet, als Hund eingeschläfert und als Mensch darf ich zum Glück weiter Leben!

Ich habe sowohl Ärzte als auch Pflegepersonal vor mir stehen gehabt, die sagten, dass ich keine Lebensqualität habe. Sollen die bestimmen mein Leben zu beenden???

Auch wenn in Einzelfällen aktive sterbehilfe der einzige Ausweg ist, darf es leider nicht legalisiert werden.Nicht solange der Arzt als einziger die therapiehoheit hat umd der Patient nahezu alles schlucken muss.

Zwingend ausgebaut werden muss Palliativmedizin und Hospiz, aber das ist teurer.

Bitte setzt alles daran dass es nicht zu missbrauch ärztlicher macht kommt zu entscheiden ob und wann ein leben lebenswert ist. Euthanasie darf nicht erlaubt werden.

Danke

#18 |
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Gast
Gast

Der Patient hat das Recht, zu entscheiden, welche Maßnahmen am Lebensende er wünscht, und auch, welche nicht. Dieses Recht hat Vorrang vor den Meinungen der Ärztekammern, allerlei Vereinigungen sowie der Ärzte. Der Patient braucht dazu eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht. Die letztere geht an eine Person des Vertrauens, die im Notfall die Verbote des Patienten mit Hilfe eines kompetenten Anwalts durchsetzt.

Diese Notfall ist häufig, denn die Pflegeheime sind eine gewinnorientierte Industrie Industrie, die häufig so lange irgend möglich “Leben verlängern”, weil das sehr viel Geld einbringt. Es gibt für Heime kaum etwas Profitableres als einen Dementen mit PEG-Sonde. Mit dem braucht man fast nichts mehr zu machen – er kann noch Jahre in diesem Zustand vegetieren. (Und die Ärzte sind z.T. von den Heimen abhängig – wenn sie unerwünschte Entscheidungen treffen, werden sie eben nicht mehr in das betreffende Heim bestellt – potentiell existenzbedrohend.)

Dabei ist jeder lebenserhaltende Eingriff, der gegen den Willen des Patienten verstößt, strafbar (Körperverletzung) und kann zu Ansprüchen auf Schmerzensgeld und Schadensersatz führen.

Meine Mutter ist in diesem Zustand nach Jahren verendet – unfähig, zu sprechen, jemanden zu erkennen, sich zu freuen. Das hätte sie sicher nicht gewollt – aber sie hatte ihren Willen nicht niedergeschrieben.

#17 |
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Krankenpflegehelfer

Und auch hierzu meine Meinung zur Sterbehilfe:

Wenn ein Mensch schon eine Krankheit wo er/sie nurnoch paar Monate zu leben hat, dazu noch im Alter ist und unendliche Schmerzen erleidet. Wenn solche Patienten noch geistig find sind selber den Wunsch äußern das sie ihr Leben selst beenden wollen anstatt noch weiter zu leiden. Warum nicht..?

Krebspatienten sterben eher an eine Schmerzmittel-Intoxikation als an den Krebs selber soweit ich das weiß.

Ich spreche hier aber von Patienten die eh schon ein Todesurteil haben. Für die das Leben eh so gut wie zu ende ist weil sie nur noch im Krankenbett liegen und der einzige Kontakt zu anderen Menschen die Krankenschwester/Altenpfleger ist.

Bei depressive Jugendliche zum Beispiel wäre ich strikt GEGEN die Sterbehilfe.

#16 |
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Dietlinde Richter
Dietlinde Richter

Der Titel ist sehr gut gewaehlt.

#15 |
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Rettungsassistent

So langsam gehen mir diese flapsigen Titel gehörig gegen den Strich.
Was soll denn damit erreicht werden?

#14 |
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Ärztin
Ärztin

Schon wieder so ein geschmackloser Titel. Neulich “Angelina und Joliektomie” und nun das! Das bewirkt das Gegenteil dessen, was so ein reißerischer Titel ja eigentlich bewirken soll, nämlich den Artikel zu lesen. In diesem Fall echt schade, denn der Artikel ist ausgewogen und differenziert und auch die Kommentare sehr lesenswert!

#13 |
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Dr. Wegener
Dr. Wegener

#11: Wohl jeder von uns hat nahestehende Menschen beim letzten Gang begleitet und nur für sehr wenige, die gegangen sind, war es kurz und schmerzlos. Natürlich bricht es einem das Herz, wenn man geliebte Menschen so hilflos und offenbar leidend vor sich sieht. Diese psychische Ausnahmesituation darf uns aber, bei allem Schmerz, nicht dazu verleiten zu glauben, dass durch eine gesetzliche “Todesfallregelung” alles besser wird. Vielmehr wird es früher oder später neue Probleme geben. Zum Beispiel werden diejenigen, die Leben und Gesundheit als rein ökonomisches Gut betrachten (und das sind schon heute alle Entscheider im Gesundheitswesen, die keinen unmittelbaren Patientenkontakt haben), riesige Ohren bekommen. Und sollte sich mit Sterbehilfe dann auch noch Geld verdienen lassen, werden spezialisierte Unternehmen massiv für ihre “Dienstleistung” werben, nach dem Motto: Lieber einmal mehr als einmal zu wenig gestorben. Meines Erachtens liegt der Schlüssel zur Lösung in einer Rückkehr zur menschlichen Medizin, insbesondere im palliativen Bereich. Denn oft ist das, was uns umtreibt, nicht die Angst vor dem Sterben, sondern die Angst davor, als hoffnungsloser “Fall” unbeachtet in einem abgeschotteten Klinikzimmer allein und mit Schmerzen dahinzuvegetieren.

Den Vergleich, dass es ein Tier diesbezüglich besser hat als ein Mensch, halte ich im Übrigen für völlig ungeeignet. Die Euthanasie beim Tier benutzt man behelfsweise, weil das Tier sich nicht verbal zu seinem Zustand äußern kann und der Besitzer meint, damit das beste getan zu haben. Die Möglichkeiten, schwere und schwerste Krankheiten bei Haustieren sinnvoll zu therapieren oder entsprechende palliative Ansätze sind nun mal sehr begrenzt. Manchmal zwar nur implizit, aber in sehr vielen Fällen, spielen ökonomische Betrachtungen eine entscheidende Rolle.

Menschen sterben, seitdem es Menschen gibt. Und nur die wenigsten Gestorbenen hatten einen “schönen” Tod. Seit Jahrmillionen. Es fällt uns immer wieder schwer, das zu akzeptieren, weil wird diesbezüglich Verdränger sind. Der einzige Unterschied ist der, dass wir heute die technischen und therapeutischen Möglichkeiten hätten, jedem das Ende des Lebens und das Sterben einigermaßen leidensfrei zu gestalten. Wenn wir das wollen.

Das allerdings gibt es nicht zum Nulltarif, und es ist auch keine schnelle Lösung wie die Barbituratspritze vom netten Sterbehelfer. Es braucht medizinische Entscheider, die sich gegen eine Fünf-Minuten-Medizin stellen, nur weil sie im Interesse der Aktionäre der Klinik liegt. Es braucht einfühlsame und engagierte Ärzte und Pfleger, also genau das Gegenteil von dem, was heute in Kliniken gelebte Praxis ist. Und es braucht Angehörige, die aufhören zu glauben, dass im Zweifel der schnelle Tod ein von Schwerkranken immer gewünschter Zustand ist. Da bislang noch niemand zurückgekommen ist, wissen wir ja nicht einmal, ob ein terminales Dahindämmern, auch wenn es von Außen so aussieht, überhaupt mit Leid und Schmerz für den Sterbenden verbunden ist (Stichwort: Endorphine). Ob nicht vielleicht die Evolution über diese lange Zeit sich nicht auch etwas für den letzten Weg hat einfallen lassen.

#12 |
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Heilpraktikerin

Interessante Kommentare, die hier zu lesen sind.
Nun mal meine Geschichte, sie liegt schon viele Jahre zurück. Ich mußte mit ansehen, wie damals mein Opa so langsam und wirklich qualvoll im Krankenhaus sterben mußte. Es bricht mir heute noch das Herz, wenn ich daran zurück denke. Ist schon sehr schlimm, wenn man im Krankenhaus auf seinen Tod warten muß, verbunden mit starken Schmerzen, gezeichnet von Tumoren und Metastasen, nicht in seiner vertrauten Umgebung, abgelegt in einem Bett, wo sich kein Arzt oder Schwester anders bemühte>> hin ran weg- wie bei allen anderen Patienten.
Am letzen Tag habe ich ihn nicht mehr erkannt. Ich stand vor seinem Bett und sagte ein paar mal hintereinander “Opa stirb, Opa stirb endlich – das tat er dann auch.
Und eines können Sie mir glauben, ich war nicht mal ansatzweise auf das Erbe scharf das war sein eigener Sohn, der sich nicht um ihn gekümmert und nicht besucht hat. Ich besuchte meine Oma fast jeden Tag und schenkte ihr einen Wellensittich, das sie auf andere Gedanken kam.
Hätte ich das Wissen damals gehabt, was ich heute habe, hätte er nicht so elende leiden müßen. Da hat es zum Glück ein Tier hier besser, es kann erlöst werden, wenn nichts mehr geht und es muß sich nicht ewig dahin raffen, Leiden und Qualen ertragen.

#11 |
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Wolfgang Klosterhalfen
Wolfgang Klosterhalfen

Die Einstellungen zum Suizid sind kulturabhängig. Ein Eid, der heute in Deutschland gar nicht mehr geschworen wird, hilft da nicht weiter. Ich empfehle zur Geschichte der Selbsttötung den gerade im Internet erschienenen Artikel von Edgar Dahl „Stirb zur rechten Zeit!“.

Innerhalb der deutschen Ärzteschaft gehen die Meinungen stark auseinander. Eine große Umfrage der Ruhr-Uni (mit allerdings schlechter Rücklaufquote) ergab u.a.: „”Das berufsrechtliche Verbot der ärztlichen Assistenz zur Selbsttötung wurde von 33,7% abgelehnt, 25,0% befürworteten ein solches Verbot und 41,4% waren unentschieden.“ Und bei rp-online las ich kürzlich: „Höchste Zustimmung zur Vereinfachung der Sterbehilferegeln gab es bei den Palliativexperten, die selbst schwer krank waren oder die das Sterben eines Familienangehörigen als leidvoll empfunden haben”, sagt Thöns, der die Befragung leitete. Die Mehrheit (54,7 Prozent) von ihnen sei bereit, selber bei einer Selbsttötung zu helfen.“

Laut FAZ haben sich gerade 135 Strafrechtler und Praktiker gegen ein Sterbehilfegesetz ausgesprochen: „Die Strafrechtslehrer, darunter der Vorsitzende des 2.Strafsenats am Bundesgerichtshof, Thomas Fischer, und die frühere Generalbundesanwältin Monika Harms, weisen in ihrer Resolution darauf hin, dass in Hospizen und Palliativstationen „tagtäglich organisiert Sterbehilfe geleistet“ werde.“

Mir geht es nicht um „Reklame für Suizid“, sondern um das Recht zurechnungsfähiger Menschen, sich umzubringen und sich dabei helfen zu lassen. Manche Menschen möchten eben nicht unter Umständen weiterleben, die sie als qualvoll (auch im psychischen Sinne) erleben. Und dass Schmerzen oft völlig oder weitgehend gelindert werden können, heißt ja nicht, dass das zuhause und in Einrichtungen auch immer so geschieht.

#10 |
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Dr. M. Wegener
Dr. M. Wegener

#7: Das war vielleicht einmal so, als man Ärzte noch für Götter gehalten hat. In der Tat hat die ärztliche Tätigkeit mit Leben und Sterben zu tun, aber sie hat definitiv nie etwas mit ärztlichem Töten zu tun gehabt. Das ist weder mit dem Selbstverständnis des Arztberufs noch mit der Berufsordnung vereinbar. Ärzte behandeln Krankheiten und lindern Schmerzen, sind manchmal auch Sterbebegleiter und können manchmal auch die “Nebenwirkung” Tod bei der terminalen Schmerzbekämpfung als Therapieoption ansprechen. Aber Ärzte töten nicht aktiv, weder aus eigenem Ermessen noch auf Verlangen. Leben und Sterben sind eben keine “ärztlichen Tätigkeiten”, es sind nicht einmal Tätigkeiten überhaupt. Wenn Sie als Arzt meinen, Sie könnten jemanden das Sterben in einer “besseren Qualität” anbieten als private Organisationen, dann sind sie offenbar entweder noch nicht lange oder schon zu lange Arzt.

#9 |
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Dr. M. Wegener
Dr. M. Wegener

#4: Ihr Umgangston ist sehr gewöhnungsbedürftig. Auch ist mir keine empirische Studie bekannt, die eine derart hohe “Nachfrage” nach aktiver Sterbehilfe belegt. Würde man die Menschen, die blauäugig die “Lizenz zum Töten” fordern, über die ungleich höheren Risiken für ihr eigenes, möglicherweise noch gar nicht am Ende befindliches Leben aufklären, würden wahrscheinlich nicht mal mehr 7 Prozent dafür stimmen. Ihnen mag die Diskussion “auf den Sack” gehen, aber ich finde es richtig und konsequent, dass man darüber gründlich diskutiert und keine politischen Schnellschüsse abgefeuert. Und ich finde es auch im übrigen auch richtig, dass die Ärzteschaft sich bislang geschlossen gegen eine derartige Instrumentalisierung stellt. Abzulehnen sind darüber hinaus auch private Organisationen, die den Tod auf Bestellung liefern.

#8 |
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Francois C. Devillers
Francois C. Devillers

Leben und Sterben sind urärztliche Tätigkeiten. Geben wir Ärzte Sie aus der Hand, dann werden Sie von Laien durchgeführt. Wollen wir das wirklich?

#7 |
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Arzt
Arzt

Verehrter Herr @Wolfgang Klosterhalfen, ihr Beitrag klingt auch wie einseitige Reklame für Suizid, weil sie von “qualvoll” sprechen, wogegen ich mich als Krankenhausarzt ganz energisch verwehren möchte! Das zu verhindern ist immer so gewesen auch ohne spezielle Palliativstationen. Menschenwürdiges (schmerzfreies) Sterben ist also möglich, man sollte da nicht immer gleich nach “Superspezialisten” rufen, wie das heute üblich ist.
Eindeutig rückläufig ist allerdings das Sterben zu hause, was früher das normale war.
Ganz überwiegend allerdings überraschend (cardial) auch im Schlaf.

#6 |
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Arzt
Arzt

Der Titel ist gut,
wer unbedingt Selbstmord machen will, das ist ja gar nicht so selten, häufiger jedenfalls als ein tödlicher Verkehrsunfall,
der soll doch bitte nicht noch Unbeteiligte damit reinziehen.
Alte Menschen (Geriatrie) werden ja schon sowieso schlechter behandelt als jüngere, nicht nur in Deutschland, hier ist Beihilfe “von außen” immer etwas missbrauchsverdächtig, die Erben scharren schon mit den Füßen. Auch kann sich ein älterer Mensch, der auf Hilfe angewiesen ist, durchaus moralisch verpflichtet fühlen hier zuzustimmen, wenn das “Mode” wird und man ihn drei mal fragt, ob er nicht ….
ein gesellschaftliches Armutszeugnis wie der Beitrag #4
Ein Arzt hat nun wirklich eine andere Aufgabe, siehe #1
da gab es doch diesen Eid …

#5 |
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Gast
Gast

Der drecksdeutsche Krampf geht mir total aufdenSack . Umfragegemäß wollen über 70 % der Deutschen die aktive Sterbehilfe erlaubt sehen nur dieParlamentarier wollen es nicht weil die den Bemühungen des Paliativverbandes unterliegen. Man will ja gerne noch 10Jahre imPflegebett liegen damitdiese Leuten ihre hohen Einkommen zu sichern helfen.

#4 |
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Wolfgang Klosterhalfen
Wolfgang Klosterhalfen

Wenn Christen auf natürliche Weise mehr oder weniger qualvoll sterben wollen (die Betreuung wird aus Mangel an Geld und Personal in vielen Krankenhäusern, Altersheimen und Pflegeheimen weiterhin schlecht bleiben; an Hospizbetten wird es noch lange fehlen), sollen sie dies „in Gottes Namen“ tun. Vielleicht will ihr „Herr“ das ja so. (In der Bibel ist „Er“ in dieser Hinsicht nicht sehr mitteilsam).
In Deutschland sterben zur Zeit jährlich etwa 870.000 Menschen. Viele von ihnen sterben langsam und qualvoll. Dieser Anteil wird sich vergrößern, wenn eine professionelle Hilfe beim Suizid strafrechtlich verboten wird. Es ist anzunehmen, dass dann noch mehr Menschen als bisher vergeblich und zum Teil mit schlimmen Folgen zu inadäquaten Suizidmethoden greifen werden. Und viele werden sich für einen vorzeitigen grausigen Suizid entscheiden (Bahn, Hochhaus, Erhängen u.s.w.), weil sie unbedingt vermeiden wollen, in eine Situation der Qual und Hilflosigkeit zu kommen.
Es ist irreführend, wenn statt (ärztlicher) Hilfe beim – in Deutschland seit 1872 nicht strafbaren – Suizid regelmäßig von „Beihilfe zum Suizid“ die Rede ist. Beihilfe ist nach §27 StGB die strafbare Hilfe bei einer Straftat. Auf diese Weise macht man – absichtlich oder gedankenlos – Stimmung für das von Herrn Gröhe geplante Suizidhilfeverbotsgesetz und kriminalisiert Menschen, die Sterbenskranken – man denke rückblickend z.B. an Hermine Eckert oder Brittany Maynard – in großer Not helfen. In unterlassener Hilfeleistung unter Verweis auf das ärztliche Standesrecht oder evtl. demnächst auf das StGB kann ich keinen „besondere(n) Respekt vor dem menschlichen Leben“ (Deutscher Ethikrat) erkennen.

#3 |
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Gast
Gast

Der Artikel ist gut, aber der Titel unsäglich. Welchem Redakteur sind da die Sicherungen durchgebrannt?

#2 |
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Gast
Gast

die Lobhudelei aktiver Tötung kennt offenbar keine Grenzen, denn auf den Missbrauch einer solchen Möglichkeit wird kein einziges Wort verloren.
Dieser ist keine Theorie, sondern Realität auch in Holland, wo bekanntlich Menschen auch gegen ihren Willen aktiv getötet werden.
Missbrauch ärztlicher Tätigkeit gibt es bekanntlich auch in der Psychiatrie.
Irgendwann kommt dann die Frage, ob ein Arzt, wie immer noch üblich bei einem Selbstmordversuch noch retten darf oder vielleicht lieber beim Selbstmord ein bischen nachhelfen soll.
Dann haben wir wirklich den “Herrgott in Weiß”.
Gibt es alles schon, wer mit offenen Augen durch eine Geriatrie geht. Da ist oft der Wunsch der Angehörigen wichtiger, insbesondere, wenn da noch was zu erben ist.

#1 |
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