Klinische Versorgung: Wochenend und Totenschein

22. April 2015
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Am Freitag eilen die Menschen ins Wochenende. Auch in Kliniken, wo Patienten immer eine hochwertige Versorgung benötigen, kehrt das Personal größtenteils am Montag zurück. Erhöhte Sterblichkeit und Behandlungsfehler sind die Folge. Warum?

Dass es in Kliniken und anderen Heilstätten abseits der Werktage etwas gemächlicher zugeht, kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass sich behandlungsbedürftige Erkrankungen und Notfälle nicht an Zeitpläne halten. Die Pädiaterin und Journalistin Dr. Perri Klass gewann durch den Leidensweg ihrer Mutter die Perspektive der Angehörigen und der Patienten hinzu und schilderte ihre Erkenntnisse eindringlich in einem kürzlich veröffentlichten Artikel des New England Journal of Medicine: „Ich habe es erst spät im Leben begriffen, aber Biologie, Leben und Krankheit nehmen keine Rücksicht auf den Kalender. Wenn man krank und verängstigt ist, gibt es keinen Unterschied zwischen Sonntag und Dienstag.“

Aus ärztlicher Sicht sei es für sie immer offensichtlich gewesen, dass das personelle Defizit in der Nacht und an Wochenenden die Abläufe zwar verlangsame und dass die Patienten am besten versorgt seien, wenn die vollständige Belegschaft anwesend ist, aber schließlich täten alle ihr Bestes. Doch aus Sicht der Patienten bestehe eine erhebliche Diskrepanz zu dieser Auffassung: „Wenn das Wochenende naht, wird einem stattdessen immer wieder deutlich, dass in einem Krankenhaus nicht wirklich die Patienten der Dreh- und Angelpunkt sind“, konstatiert Dr. Klass. „Im Mittelpunkt stehen Ärzte, Schwestern, Physiotherapeuten und Ernährungswissenschaftler“, erklärt sie. Selbst in ausgezeichneten Krankenhäusern wirke am Wochenende vieles behelfsmäßig und mit Verweisen auf die schmale Personaldecke und die fehlenden Befugnisse werde man meist darauf vertröstet, dass die entscheidenden Personen erst am Montag wieder da seien.

Endlich Montag!

Bei der klinisch spürbaren Entschleunigung zwischen Freitag und Montag handelt es sich um ein vielfach kritisch beäugtes und eingehend untersuchtes Phänomen – den sogenannten Wochenendeffekt. In den meisten Fällen wird die Mortalität als wesentliches Kriterium im Vergleich zwischen Werk- und Wochenendtag herangezogen. Und tatsächlich konnten zahlreiche Studien bezüglich diverser Indikationen, wie zum Beispiel des Herzinfarkts, des Schlaganfalls, des reanimationspflichtigen Kreislaufstillstands, der Lungenembolie und fortgeschrittener Krebserkrankungen, eine erhöhte Sterblichkeit an Wochenenden verzeichnen. Wenn auch meist nur gering ausgeprägt, waren die Unterschiede überwiegend signifikant.

In einer unlängst erschienenen Retrospektive sammelten amerikanische Wissenschaftler die Daten von über 400.000 Kindern und Jugendlichen, die zwischen 1988 und 2010 einer chirurgischen Standardprozedur unterzogen wurden. Die Zahlen offenbarten den Forschern, dass auch die chirurgischen Disziplinen nicht vor dem Wochenendeffekt gefeit sind: „Numerisch ausgedrückt war die Zahl der Tode ziemlich gering, aber bloß ein einziger vermeidbarer Tod ist einer zu viel“, mahnt Fizan Abdullah, einer der Hauptverantwortlichen der Studie. Insgesamt lag das Risiko für intraoperative Komplikationen und Todesfälle am Wochenende knapp eineinhalb Mal höher als unter der Woche. „Das sind alarmierende Ergebnisse und wir hoffen, dass dadurch eine wissenschaftliche Diskussion angeregt wird“, sagt Erstautor Seth Goldstein.

Nach dem Wochenende ist vor dem Wochenende

Da insbesondere Notfälle sehr empfindlich auf Schwankungen in der Qualität der medizinischen Versorgung reagieren, ist ein geringfügiger Unterschied zwischen den Werktagen und dem Wochenende in der Größenordnung des Wochenendeffekts zwar unbefriedigend, aber kaum überraschend. Allerdings scheint die Tragweite dieses Problems noch weitaus umfangreicher zu sein. Britische Forscher konzentrierten sich vor rund zwei Jahren in ihrer Analyse ausschließlich auf elektive Eingriffe und überblickten dabei ein Datenvolumen von über 4.000.000 Operationen aus den Jahren 2008 bis 2011. Trotz des geplanten Vorgehens lag die 30-Tages-Sterblichkeit von Samstags- oder Sonntagseingriffen um 82 Prozent höher als bei den Montagspatienten. Allein die Tatsache, dass für das Wochenende anberaumte Operationen auch in Großbritannien eher die Ausnahme sind, schränkt die Aussagekraft dieses Werts ein.

Doch selbst freitags durchgeführte Operationen trugen bereits ein um 44 Prozent höheres Risiko mit sich. Erstautor Dr. Paul Aylin vom Londoner Imperial College erklärt: „Wenn die Behandlungsqualität am Wochenende geringer ist, erwartet man nicht nur für am Wochenende operierte Patienten höhere Sterberaten, sondern auch für jene, die zum Ende der Woche hin operiert werden, deren postoperative Behandlung sich mit dem Wochenende überschneidet. Und genau das haben wir herausgefunden.“ Das Wochenende stellt demnach für sämtliche chirurgische Patienten eine erhebliche Versorgungslücke dar. Mit jedem zusätzlichen Wochentag stieg die 30-Tage-Sterblichkeit der betreffenden OP-Patienten. Während Dienstagsoperationen das Sterberisiko um 7 Prozent erhöhten, waren es am Mittwoch bereits 15 Prozent und am Donnerstag 21 Prozent im Vergleich zu Montagen.

Quo vadis?

In Anbetracht der besorgniserregenden Hinweise, dass Wochenenden einen mitunter tödlichen Stolperstein für den Behandlungserfolg darstellen, fordert Katherine Murphy, die Hauptgeschäftsführerin der britischen Patients Association, dass den vielfach bestätigten Forschungsergebnissen endlich Taten folgen: „Es ist eine Schande, dass trotz der Veröffentlichung hunderter Seiten von Berichten und Empfehlungen so wenig unternommen wurde, um die Probleme tatsächlich in Angriff zu nehmen.“ Ihre Erfahrungen als Angehörige hatten für Dr. Perri Klass die Konsequenz, dass sie ab Donnerstagnachmittag zunehmend hektischer wurde und versuchte, vor dem Wochenende noch sämtliche Konsile einzuholen, Anordnungen zu schreiben und auf diese Weise ärztliche Kollegen und Pflegekräfte unter Druck setzte: „Ich wurde eine dieser Personen, denen man am Freitagnachmittag nicht begegnen möchte.“ Wirklich erreicht hat sie mit dieser verkrampften Attitüde wenig.

Wechsel im Management

Wesentlich effizienter scheint eine Optimierung der strukturellen Voraussetzungen für eine adäquate medizinische Behandlung zu sein, durch die sich insgesamt das Behandlungsergebnis verbessern und im Zuge dessen auch die Diskrepanzen zwischen Wochenenden und Werktagen beseitigen lassen. In manchen Bereichen ließen sich auf diese Weise schon bemerkenswerte Erfolge verbuchen. Im französischen Dijon untersuchten Forscher die Sterblichkeit innerhalb eines Monats nach einem Schlaganfall, der sich am Wochenende oder unter der Woche ereignete. In der Phase der Jahre 1985 bis 2003 offenbarte sich das bekannte Bild vom Wochenendeffekt. Mit der Einrichtung einer Stroke Unit verschwand der schädliche Effekt ab dem Jahr 2004.

Auch bei einer weiteren kardiovaskulären Notfallindikation, dem akuten Myokardinfarkt, geht der Trend in den letzten Jahren hin zum Risikoausgleich zwischen Werk- und Wochenendtagen. In einer landesweiten Analyse beobachteten amerikanische Forscher, dass der Wochenendeffekt mit den Jahren allmählich verschwand, bis in der Phase zwischen 2006 und 2008 kein signifikanter Unterschied mehr bezüglich der Mortalität bestand. Ursächlich sei laut den Experten der den Leitlinien entsprechende, häufigere Einsatz des Herzkatheters samt Koronarintervention, der im gleichen Zeitraum stetig zunahm und zuletzt ebenfalls keine signifikanten Unterschiede mehr zeigte, nachdem zu Beginn der Beobachtung im Jahr 2000 Herzinfarkt-Patienten unter der Woche noch weitaus häufiger katheterisiert wurden als an Wochenenden. Trotz der positiven Entwicklung mahnen die Autoren jedoch, dass bei anderen Indikationen, beispielsweise der akuten Lungenembolie, ähnliche Konzepte für eine einheitliche Verbesserung des klinischen Managements noch auf sich warten ließen.

Originapublikation:

Death Takes a Weekend
Perri Klass, M.D.; N Engl J Med, doi: 10.1056/NEJMp1413363; 2015

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28 Kommentare:

Gast
Gast

Ein Elektriker,ein Installateur,halt ein angestellter Handwerker,hat gefälligst einen acht-Stunden Tag zu arbeiten.Beschäftigt man ihn 10 Stunden,geht das auch noch aber nur ab und zu.Wenn man aber diesen Handwerker wagt,regelmässig oder auch zeitweilig länger zu beschäftigen oder ihn gar Sonntags mal 16 Stunden in einer Fabrik einen Notfall an einer Bandstrasse beheben lässt,bekommt man es bei der nächsten Sozialversicherungsprüfung mit den deutschen Behörden zu tun. Egal auch,wenn ein solcher Handwerker das wegen des zusätzlichen Geldes und der entsprechenden Herausforderung gerne machen möchte.Das spielt dabei gar keine Rolle!Er wird dann ja überfordert! Sowas ist eine Zumutung! Der Elektriker,welcher sowas macht,gehört in Urlaub!Und zwar nach jeder solchen Aktion! Wie sieht das bei den Ärzten denn aus?Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken.

#28 |
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Nichtmedizinische Berufe

Meine Schwester war sonntags, wenige Tage nach schwieriger, aber chirurgisch meisterhafter und gelungener Operation, auf der Intensivstation gestorben. Ursache waren eindeutig zunächst fehlerhafte Betreuung und dann wurde der Arzt zu spät aus dem Wochenende gerufen, so dass er sie nicht mehr retten konnte.

#27 |
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Chirurg
Chirurg

Mit dieser Statistik ist KEINESFALLS belegt, dass am Wochenende die Zahl der Behandlungsfehler steigt!!!
Selbst der Dümmste sollte zwischen “Regel-Behandlung” und Notbehandlung unterscheiden können. Bei Operationen spricht man von gut geplanten und auch vorbereiteten Regeleingriffen (Elektiv-Op) im Gegensatz zu Noteingriffen.

#26 |
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Gast
Gast

@Torsten Borghaus, das mit dem “selber zahlen” haben wir einmal durchexerziert,
bei einem “Angetrunkenen”, der vom Barhocker gefallen war und vom Notarzt nachts ins Krankenhaus eingeliefert wurde, in dem er schon wieder recht fit war und auch dort nicht bleiben wollte. Der aus dem Schlaf geweckte Arzt machte geduldig seine Arbeit einschließlich, entsprechend der “Unfallschilderung”, eine Schädel-Rö-Aufnahme und musste sich deshalb noch anhören: Doc, beeile dich gefälligst, denn der wartende RTW ist teuer!” Damals gab noch eine “Transportzettel” den der Dr. unterschreiben musste, mit den beiden Kästchen RTW-Transport notwendig oder nicht notwendig.
Er hat “nicht notwendig” angekreuzt, was objektiv richtig war, aber natürlich einen Rattenschwanz an “juristischen” Komplikationen nach sich zog,
denn der Betrunkene erhielt die Rechnung der Feuerwehr von der AOK und nahm sich dagegen einen Jurist, der zunächst die AOK verklagte, diese dann mit dem Finger auf den armen Krankenhausarzt zeigte, der das Krezchen auf derv falschen Stelle gemacht hätte, aber volle Rückendeckung von seinem Chefarzt hatte,
welcher auf höchster Ebene mit dem Direktor der AOK erklärte, er würde dem Patient ja gerne helfen, aber er könne keine Urkundenfälschung begehen und das richtig ausgefüllte Krankenblatt rückwirkend verändern. Und als Krankenhausarzt könne er sich nicht in die Bezahlung der Transportkosten einmischen.
Der Anwalt hatte übrigens dabei den peinlichen Unfallhergang verändert und als Zeuge die nicht anwesende Mutter angeführt, also gelogen, dass sich die Balken bogen.
Ein Grund mehr für den Chefarzt, hier nicht nachzugeben.
Entscheidend war hier letztlich neben der guten Untersuchung, die schriftliche Notiz über die Äußerung des Betrunkenen.

#25 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Ich bin regelmäßig in einer interdisziplinären Notaufnahme tätig und kann Herrn Dr. Andreas Splett (#23) nur beipflichten!
Die Penetranz so mancher Patienten, auf eine sofortige, notfallmässige Behandlung Ihrer “Erkrankung” zu bestehen, ist schlichtweg zum Kotzen!
Während das knapp besetzte (weil teure) Personal, für jeden unschwer erkennbar, mit zumindest kritisch erkrankten, wenn nicht sogar lebensbedrohlich erkrankten Patienten beschäftigt ist, sieht man sich mit schöner Regelmäßigkeit regelrechten Hasstiraden ausgesetzt. Die Bereitschaft, mal 2 Stunden mit einem Pickel auf dem Hintern warten zu müssen, tendiert gegen 0. Ich selber bin vor einiger Zeit sogar tätlich vom Sohn eines etwas angetrunkenen Patienten, der sich ansonsten aber bester Gesundheit erfreute, angegriffen worden, weil ihm (dem Sohn) alles zu lange dauerte!
Außerdem ist es immer wieder erstaunlich, mit welcher Dreistigkeit das pflegerische und ärztliche Personal morgens um 2 Uhr mit Lappalien, die bereits seit Tagen bestehen, konfrontiert werden! Und bei all dem soll man immer schön freundlich bleiben!?
Das Ganze wird geradezu absurd, wenn sich solche Patienten mit dem Rettungswagen oder gar Notarztwagen einliefern lassen, und nach einer Wartezeit, die sich nicht vermeiden lässt, zu Fuß, laut schimpfend, “den Scheissladen” wieder verlassen!
Meiner Meinung nach müssten diese Leute den Einsatz des Rettungsdienstes selber bezahlen!

#24 |
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#21 und #22:
Amen

#23 |
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Viel wäre erreicht für die Qualität der Versorgung der tatsächlichen Notfälle, wenn das System nicht verstopft würde durch all die Systemmissbraucher, die wegen Lappalien und über Tage gezüchteter Leiden die Notdienste nachts und am Wochenende frequentieren oder, noch besser, als Angehörige mit Anspruchsdenken, Krankenhausärzte zu Unzeiten von deren eigentlichen Arbeit abhalten. Oder eben auch B e r e i t s c h a f t s dienst tuenden Ärzten die notwendige Ruhezeit stehlen.
Ärzte sind nämlich auch Menschen. Nicht nur mit Menschenrechten (Unversehrtheit der eigenen Gesundheit, bei den herrschenden Bedingungen und Arbeitszeiten in Krankenhäusern nicht wirklich zu erreichen) sondern eben auch mit biologischen Limitationen.
Erst wird der Arzt müde gemacht mit Unwichtigem und dann, wenn er am Ende ist und schlecht konzentriert, kommt das Wehklagen, wenn er einen Fehler macht.
Oder das, was das der anspruchsvolle Laie dafür hält. – Nach meiner Erfahrung gibt es die meisten Beschwerden und juristischen Auseinandersetzungen für völlige Absurditäten. Für die Patientin zum Beispiel, die Schadensersatz für das erlittene seelische Trauma fordert, das sie erlitten zu haben glaubt, weil das Gesundheitsamt nach Nachweis eines pathogenen Keims in der Stuhlkultur von ihr wissen wollte, in welcher Pommesbude sie sich den denn geholt hat. Und das, nachdem man sie nach Heilung ihres Durchfalls und bei völligem Wohlbefinden schon entlassen hatte.

Und weil das hier in Deutschland so ist, sehen Sie in deutschen Krankenhäusern so wenig junge Ärzte aus Deutschland.

Es liegt nicht alleine an finanziellen Limitationen, wenn etwas nicht gut läuft, ein Umdenken im Konsumentenverhalten brächte mehr als noch so viel Geld.

#22 |
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Gast (u.a. in der Notaufnahme tätig)
Gast (u.a. in der Notaufnahme tätig)

Ich möchte den erhobenen Daten keineswegs widersprechen, aus eigener Erfahrung weiss ich wie die Patienten und deren Angehörige manchmal darunter leiden (ebenso wie das Personal), dass am Wochenende die Personaldichte reduziert wird.

Allerdings ist es meiner Erfahrung nach leider oft so, dass manche Patienten und Angehörige die Situation mit ihrem eigenen Verhalten noch verschlimmern:

Zum Beispiel Patienten, die wegen einer Bagatelle am Wochenende in die Notaufnahme kommen z.B. weil sie während der Woche keine Zeit hatten zum Arzt zu gehen (Pat: “Wie stellen sie sich das vor, ich muss doch die ganze Woche arbeiten!!!”)

Oder Patienten die bereits seit über einer Woche stationär liegen, jeden Tag während der Visite ausreichend Gelegenheit gehabt hätten mit dem zuständigen Stationsarzt zu sprechen und dann am Wochenende (“notfallmäßig”) den Dienstarzt ans Bett zitieren um Einzelheiten zu besprechen (z.B. ob denn die Biopsieergebnisse endlich da sind oder dass das Essen nicht schmeckt und warum sie denn jetzt bitte nicht sofort entlassen werden)

Oder Angehörige die sich die ganze Woche über nicht gemeldet haben (weder telefonisch noch persönlich), dann am Wochenende den obligatorischen Pflichtbesuch absolvieren und sogleich (“notfallmäßig”) den Dienstarzt ans Bett zitieren um Einzelheiten zu besprechen (“ich will jetzt endlich mal wissen was mit der Mama ist!”, “wie soll denn das zu Hause weitergehen? Alleine kommt er/sie doch so nicht mehr zurecht!”)

Oftmals würde das am Wochenende tätige Personal durchaus ausreichen um sich um die Notfälle zu kümmern, jedoch nicht wenn zuviel Zeit für subjektive Notfälle draufgeht.
Da hilft nur Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung. Patienten und Angehörige kennen oftmals Abläufe und Gegebenheiten in Kliniken/Arztpraxen oder die Nummer 116 117 nicht. Woher sollen sie denn wissen, dass der Arzt den sie gerade in Beschlag nehmen eigentlich dringenderes zu tun hat? Davon abgesehen scheinen viele Menschen nicht die leiseste Ahnung zu haben was ein medizinischer Notfall ist.

#21 |
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Gast
Gast

Polemik gegenüber der Ärzte- und Belegschaft erachte ich als unangebracht, sie können auch nichts dafür.
Wir müssen uns wieder in die Richtung des Patienten bewegen und vor allem weg vom “Sparen über alles”.
Ärzte brauchen ihre Integrität wieder und vor allem die Zeit, sich zu erholen nach einer Mammutschicht.
Ich sehe es jeden Tag in der Apotheke:
Es wird auch bei uns gespart am Personal und so kommt es, dass man zu zweit mehrere Hundert Kunden am Tag bedienen muss plus Herstellung von Individualrezeptur, Labor, Wareneingang usw…
Es ist eine enorme Belastung auf Seiten des Arbeitsnehmers, was einem dort zugemutet wird.
Aber es ist nirgendwo besser.
Für einen Hungerlohn schuften und sich vom Arbeitgeber respek. der Wirtschaft (unserem neuen Gott) unterdrücken und versklaven lassen.
Wann kommt endlich das Erwachen?
Wann merkt man, dass die Heilkundigen keine Aufziehroboter sind und die Patienten auch psychologisch betreut werden müssen (Im Sinne von “Good Care”)?
Wann merkt man, dass eine einzelne Person nicht die Arbeit von dreien oder vieren machen kann, ohne irgendwann völlig danieder zu liegen?
Und dann hat man noch so etwas wie ein Verantwortungsbewusstsein, das einen dazu zwingt, seine Arbeit gut zu machen und sich völlig erschöpft in den “Gottes”dienst der Wirtschaft begibt…
Tag für Tag, ein Leben lang…..

#20 |
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Ärztin

Die Patienten, die ich am Wochenende im Notdienst einweise sind bereits kranker als die mittwochsnachmittags oder freitagsnachmittags (ebenfalls im Notdienst). Grund: Die mittwochs und freitags sind die Erkrankungen noch nicht so schlimm, also die COPD oder Pneumonie noch nicht so exazerbiert, die Exsikkose noch nicht so ausgeprägt, der Wurm noch nicht durchgebrochen, der Abszess noch nicht reif, die eingestauchte Schenkelhalsfraktur wird noch für eine Prellung gehalten; insgesamt sind die Patienten kompensierter.
in der Häuslichkeit hofft man, am Montag noch zum Hausarzt gehen zu können, im den Heimen macht der Hausarzt am Montag oft seine Visite. Und spätestens Sonntag haben die Exsikkierten dann noch ihr Nierenversagen und so weiter.

Auch wenn jeder von uns weiß, dass die Personaldecke am Wochenende in den Kliniken noch dünner ist als ohnehin, liegt dies nicht in der Verantwortung des Pflegepersonal und der Doktorinnen.

#19 |
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Christiane Leu
Christiane Leu

In meiner Klinik betreut am Wochenende ein Dienstarzt 130 internistische Patienten und die Notaufnahme. Ist ja total komisch, dass die Qualität der Versorgung da stark nachlässt. Aber wahrscheinlich liegt es daran, dass der betreffende Kollege alles so gemählich angehen lässt und ständig nur die Beine hochlegt.
Abhilfe schafft da wohl nur die 7-Tagewoche für den Arzt. Aber warum nicht. Wir faulen Halbgötter in weiß können auch ruhig mal was tun für unser Geld.

#18 |
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Tina A.
Tina A.

Es wäre toll wenn mehr Studien aus Deutschland gebracht werden würden.Vor allem, wäre interessant, wie alt die Studienteilnehmer waren (waren es multimorbide Menschen die älter als 65 Jahre waren oder eher jüngere gesündere)? Es kommt meiner Meinung nach immer auf das Gesamtbild an. Ich selber arbeite in der Geriatrie es gibt bei uns Menschen die sterben im Beisein ihrer Liebsten tagsüber egal an welche, Wochentag und egal zu welcher Tages- bzw. Nachtzeit. Es gibt aber auch Patienten die sterben lieber für sich, gerade dann wenn die Angehörigen mal auf Toilette sind oder mal kurz nach Hause gehen um sich frisch zu machen. Daher finde ich diese Studie nich besonders lehrreich. Es kommt bei Notfällen immer darauf an wann der Patient sich entschließt in KH zu gehen bzw sich untersuchen lässt und wieviele Erkrankungen werde erst recht spät erkannt, wo noch versucht wird das Beste bzw Optimalste Ergebnis herausholen kann. Das spielt bei der Mortalitätsrate, meiner Meinung, auch wieder eine sehr große Rolle. Da sollte man sich auch mal drüber Gedanken machen. Menschen sind keine Maschinen die man x-beliebig reparieren kann bis sie endgültig auf dem Schrottplatz landen, sonder wir sind Lebewesen, deren biologische Uhr tickt. Ich bin auch der Überzeugung mit der Geburt steht fest wann man wie stirbt…

#17 |
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Medizinphysiker

Amerikanische Studie, Britische Studie? Die Gesundheitssysteme in USA und GB waren bisher nicht ohne weiteres vergleichbar mit unserem. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen: Wir haben gewaltig aufgeholt im negativen Sinne!

#16 |
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Dr. med. vet. Trong Hung Quang
Dr. med. vet. Trong Hung Quang

Es liegt m.E. wesentlich in Gewissenbildung. Die ist mit der Zeit immer vernachlässigt bzw. verschlechtert. Wir alle sind dafür verantwortlich. Deshalb müssen wir entweder solchen Missstande akzeptieren oder Grundprinzip „Kostenfaktor ist das wichtigste unseres Lebens“ umkippen! Anders geht nichts.
Gast

#15 |
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Dr. Eiden, Internist, Anästhesist
Dr. Eiden, Internist, Anästhesist

Nicht nur die Sterblichkeit von Patienten ist an Wochenenden erhöht – sehr wohl bei gleichen Notfallsituationen – auch die von Assistenzärzten nach 24 Diensten.
Offensichtlich sind die für das Personal nicht so “gemächlich”, wie sie meinen.

Wieviele Dienste haben sie schon hinter sich? Schon mal einen Sekundenschlaf auf der Fahrt nach hause nach Akkordarbeiten bis 3:00 Uhr nachts im “Bereitschaftsdienst”?

Beste Grüße,

#14 |
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Nichtmedizinische Berufe

Hm, da der Tupfer bei mir an einem Dienstag hinter das Peritoneum direkt vor der Leber versenkt wurde, überlege ich mir welche noch deutlicher imponierende Hardware denn dann wohl an einem Freitag nicht vermisst worden wäre.

Und auch der Ventrikelkatheter wurde an einem Dienstag lediglich suboptimal platziert.

Die Revisions-OP dazu an einem Donnerstag brachte in der Folge eine dann doch noch halbwegs gut überstandene Meningomyeloenzephalitis.

Da es also auch ansonsten mit der hier plakatierten Statistik bei mir nicht so funktionieren mag, würde ich mich schon auf potentielle Überraschungen für den Eingriff zur Explantation des epigastrial liegen gebliebenen Fremdkörpers in drei Wochen an einem Dienstag besser mal einstellen wollen.
Da wäre viel möglich, wie z.B. besonders gesteigert eine VP-Shunt-Infektion.

Hat denn mal jemand bei der Statistik die Häufung der Wochentagverteilung über das Jahr herausgerechnet?
So kann das Mysterium mit dem Freitag, dem 13. ja auch leicht entzaubert werden, wenn ich als Spaßbremse den Leuten erzähle, dass Freitage auf keinen anderen Monatstag so oft fallen wie auf den 13. eines Monats.
Und dann ist ja logischerweise rein statistisch an Freitagen mit der 13 eben mehr Zeit für Happenings aller Art…

#13 |
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Gast
Gast

Das sich die Anzahl der Fehler / Todesfälle von Montags an bis zum Wochenende kontinuierlich steigert, könnte genauso daran liegen, dass das behandelnde Personal dann ja immer mehr Arbeitstage hintereinander gearbeitet hat- denn die am Wochenende Verantwortlichen haben zumeist auch schon die ganze Woche ‘in den Knochen stecken’.

#12 |
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Nichtmedizinische Berufe

Wochenende in einer neurologischen Klinik : Meine Bettnachbarin erleidet einen Bandscheibenvorfall, schreit vor Schmerzen. Die herbeigerufene Ärztin ( Abteilung weiß ich nicht) wagt nicht, irgendein Medikament anzusetzen, behilft mit Wärmekissen und Stufenlagerung. Die Patientin schreit, weint und jammert Samstag und Sonntag. Montag früh endlich die Stationsärzte, Infusion wird gelegt, Opioide werden gegeben, die Frau beruhigt sich. Ich habe später einen anderen Arzt befragt, was wir denn hätten tun können. Er sagte: “Den Krankenwagen rufen!” – mir hat es gereicht. Allen Patienten, die die OP programmieren können, würde ich aber raten, Donnerstag und Freitag außen vor zu lassen. Das gilt auch für zahnärztliche größere Behandlungen.

#11 |
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Nichtmedizinische Berufe

Natürlich hat Herr Heit Recht: Die Personalsituation ist auch unter der Woche schon angespannt genug, ich habe erlebt, dass eine Schwester zusammen mit einer Hilfskraft eine große Station betreuen musste. Eine andere Kraft war krank geworden und es gab keine Hilfe. So wurde mein Mann, nach der Narkose nach oben gebracht und die Schwester wurde nicht einmal informiert, weil der Bettenschieber sie nicht gefunden hat.

#10 |
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Alex Baird-Winter
Alex Baird-Winter

Für mich gibt es nur ein einziges relevantes Argument: Leben und Lebensqualität. Richtig ist: auch nur ein einziges Leben, das wegen einem (auch noch schlecht deutsch sprechenden! ) Assistenzarzt am WE verspielt wird, ist eines zuviel. Das Gemeckere derer, die die Off-Stimmen kritisieren, kann ich schon lang nicht mehr hören und treiben einem doch das Adrenalin in die Gefässe – solche sind wahrscheinlich diejenigen, die niemals ländliche Versorgung (=selbstverständlich auch abends oder WE) akzeptieren würden, weil das schöne Gehalt und alle Annehmlichkeiten des städtischen klinischen Alltags Prio darstellen. Würde natürlich nie jemand zugeben und hochrote Köpfe wären eher die Folge. Ein selbstkritisches Wort über sich und Kollegen habe ich nur ein einziges Mal gehört. Tatsächlich kann ich im eigenen Fall einen schweren Behandlungsfehler am Wochenende nachweisen, der mir beinahe das Leben gekostet hätte, jedenfalls aber unsägliche Schmerzen bereitet hat (eine Entschuldigung kam ein paar Tage später von der Pflege, nicht vom Verursacher). 4 Jahre später starb eine sehr nahe Angehörige, ebenfalls durch Behandlungsfehler. Ist gerade bei der Gutachterkommission. Bleibt mir blos in Deckung mit dem ewigen Kostengejammere und bringt doch mal Ideen. Wie wäre es mit Menschlichkeit?

#9 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ich kann dies aus vielen Fällen eigener Erfahrung bestätigen. Mein Vater wurde Samstag mit Schlaganfall eingeliefert. Am Sonntag wollte ich mit einem Arzt sprechen und erhielt die Antwort: Heute ist Sonntag. Der Arzt der heute da ist, kennt Ihren Vater ja gar nicht. Leider steht man in solchen Momenten unter Schock und besteht nicht auf seinem Recht. Mein Vater starb Montag früh, ohne dass uns jemand über die Schwere seines Zustands aufgeklärt hatte. Dies war vor 20 Jahren.

Als ich in den letzten Jahren selbst geplant und notfallmäßig ins Krankenhaus musste, meine Mutter während eines Notfallkrankenhausaufenthaltes betreute sowie meinen Mann, ebenfalls ein Notfall, hat sich dies weiter bestätigt. Wer am Wochenende notfallmäßig in ein Krankenhaus muss, ob Privatpatient oder nicht, kann nur hoffen.

#8 |
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Student der Humanmedizin

Es wird hierzulande kaum elektiv am WE operiert, von daher ist der Vergleich von OPs die werktags bzw. am WE stattfinden, Quatsch.
Interessant wäre eine Studie, die weiter in die Vergangenheit reicht und einmal die Mortalität mit der (immer dünner werdenden) Personaldecke in Verbindung setzt!
Und ich gebe #2 recht, das Personal steht sicherlich nicht im Mittelpunkt! Aus meiner Sicht ist und bleibt der Patient der Mittelpunkt meiner beruflichen Tätigkeit – auch wenn er immer mehr zu kurz kommt! Aber es geht (leider Gottes) irgendwie immer – die Frage ist nur: Zu welchem Preis? (Und das bsp. bei uns bei 1 Pflegekraft zu 28 Patienten nachts!)
PS: Und es war/ist/bleibt ein deutscher Trend: Es ändert sich erst was, wenns mal gewaltig kracht (in diesem Fall jmd. nachweislich durch “Personalmangel” o.ä. zu einem offensichtlichen Schaden kommt)!!!
PPS: Nach Texten/Kommentaren zu diesem Thema hab ich immer einen RR von gefühlt 190 syst. :-D

#7 |
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Gast
Gast

Das mit der “Operation am Sonntag” ist doch eine Milchmädchenrechnung, hier gibt es selbstverständlich nur Notfälle, die man nicht mit Routine-Chirurgie vergleichen kann.

#6 |
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Volker Gustedt
Volker Gustedt

Aus Patienten/Angehörigensicht muss der Studie noch einer weiterer Aspekt hinzugefügt werden: die Nacht. Ich hatte jetzt einen Fall in der Familie, schwere Darmoperation in der Berliner Charité, da war in der Nacht 1 Schwester/Pfleger für 30 (1) Patienten zuständig. Von ärztlicher Versorgung ganz zu schweigen.

#5 |
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Gast
Gast

Anders Herr Bruckmeyer:
Das Wochenendversorgung qualitativ schlechter ist, als Werktags ist eine Binse, dazu braucht es keine Studien. Wer da stets Veränderungen fordert, hat meistens nie selber am Wochenende im KH gestanden und sollte sich gefälligst mal an der Wochenendversorgung beteiligen, statt nur aus dem Off Studien dazu zu veranstalten oder zu zitieren. Eine besondere Größe in dieser Disziplin ist z.B. Auch der Werte Herr Kollege Lauterbach.
Mein Credo: wer weiß, wie es besser gehen sollte: Bitte erst mal überhaupt mitmachen!

#4 |
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Dr. Herbert Bruckmayer
Dr. Herbert Bruckmayer

Wie sollte eine gleichmäßige Versorgung über 365 Tage und dann ja auch über 24 Stunden sicher gestellt werden? Wer dies fordert möge auch die Möglichkeiten und Kosten bennen.

#3 |
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Gast
Gast

Warum vergleicht die Studie denn Operationen, die planmäßig zB am Montag durchgeführt werden mit Operationen, die sicherlich bei vitaler Bedrohung am WE erfolgen?
In unseren heutigen Krankenhäusern steht mit Sicherheit NICHT das Personal im Mittelpunkt. Ansonsten würde man Inanspruchnahmen durch Patienten mit Bagatellerkrankungen zu Feiertagen und mitten in der Nacht zumindest überdenken.
Die Studien hat für mich keinen Nutzen

#2 |
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Psychologe

Sehr interessant. Cool wäre sowas auch für die Psychiatrie, wo ich sicher bin, dass die Daten ähnlich ausfallen würden.
Es bleibt wie immer ein Kostenfaktor.

#1 |
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