In-vitro-Fertilisation: Flotter Dreier per Gesetz

30. März 2015
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Als erstes Land erlaubt Großbritannien Reproduktionskliniken ab Oktober die IVF mit drei Spendern. Ein Segen für Frauen mit mitochondrialen Krankheiten und Kinderwunsch. Kritiker fürchten, die Entscheidung könne den Weg zum Designer-Baby ebnen.

Nachdem bereits am 3. Februar das britische Unterhaus der Gesetzesänderung zugestimmt hatte, folgte das Oberhaus am 24. Februar 2015. Bisher war es in Großbritannien verboten, genetisch modifizierte Embryos zu implantieren. Bereits im Herbst könnten nun die ersten In-Vitro-Fertilisationen (IVF) durchgeführt werden. Der Abstimmung waren eine langjährige Debatte und zahlreiche Studien zur Sicherheit der Technik vorausgegangen.

„Dieses Abstimmungsergebnis wird das Leben vieler Frauen verändern, die mit einer mitochondrialen Erkrankung leben, indem es ihnen die wertvolle Chance gibt, gesunde Kinder zur Welt zu bringen, die Erkrankung aus dem Familienstammbaum zu tilgen und die Zahl derer zu reduzieren, die mit den verheerenden Folgen der Erkrankung konfrontiert sind“, erklärt Robert Meadowcroft, Geschäftsführer von Muscular Dystrophy UK, einer britischen Wohltätigkeitsorganisation.

Im Vorfeld der Abstimmung hatten Kritiker davor gewarnt, dass die Technik eine Form der Eugenik darstelle und unkontrollierbare Konsequenzen haben könnte. Das Schreckenswort „Designer-Baby“ machte unweigerlich die Runde. „Wir öffnen eine Büchse der Pandora“, warnt auch Fiona Bruce, konservative Abgeordnete des Unterhauses und Vorsitzende der parlamentarischen „Pro-Life“ Gruppe. Dr. Robert Winston, Fertilitätsexperte der Labour-Partei und Mitglied des Oberhauses, äußerte sich dagegen folgendermaßen zu der Anschuldigung, Ärzte würden sich in die Natur einmischen: „Wir werden manchmal beschuldigt, Gott zu spielen […] Wir versuchen nicht, Gott zu ersetzen, sondern wir versuchen, sein Werk zu verbessern.“

Endlich ein eigenes Kind – trotz Gen-Defekt

Mitochondriale DNA (mtDNA) wird nur über die Mutter weitervererbt – die wenigen Mitochondrien, die im Spermium vorhanden sind, werden dagegen nach der Befruchtung abgebaut. Bisher standen betroffenen Eltern nur wenige Möglichkeiten offen, um zu verhindern, dass ihr Kind mit einer Mutation in der mtDNA geboren wird:

  • Adoption
  • IVF mit Spender-Eizellen
  • IVF mit eigenen Eizellen und anschließender Präimplantationsdiagnostik (nur sinnvoll bei Heteroplasmie, d.h. wenn nur ein Teil der Mitochondrien mutierte DNA trägt)
  • Chorionzottenbiopsie bzw. Amniozentese mit anschließendem Abort bei positivem Befund (es gelten dieselben Einschränkungen wie für die Präimplantationsdiagnostik)

Ein von der britischen Behörde für menschliche Befruchtung und Embryologie (HFEA) berufenes Expertengremium hatte 2014 die Sicherheit von Mitochondrienaustausch-Methoden untersucht und war zum Schluss gekommen, dass maternaler Spindel-Transfer (MST) und pronukleärer Transfer (PNT) potenziell hilfreich für solche Patienten sind, die sich ein genetisch verwandtes Kind wünschen, bei deren Nachkommen aber die Gefahr besteht, dass sie aufgrund von Mutationen in der mtDNA der Mutter schwere oder tödlich verlaufende Krankheiten entwickeln. Das Expertengremium konnte zudem keine Hinweise darauf finden, dass die Methoden unsicher sind. Als Vorsichtsmaßnahme empfiehlt sie jedoch, dass bei der IVF der Mitochondrien-Spender aus derselben Haplogruppe stammt wie der Eizell-Spender, das heißt, dass sich die mtDNAs so ähnlich wie möglich sind.

Viele Wege, ein Ziel: Mitochondrienaustausch

Die beiden Methoden unterscheiden sich in dem Zeitpunkt, zu dem die defekte mtDNA ausgetauscht wird: Beim MST wird die Spindel mitsamt der assoziierten Chromosomen aus der mütterlichen Eizelle entnommen und mit einer entkernten Spender-Eizelle mit intakten Mitochondrien fusioniert, anschließend findet die IVF durch intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) statt. Beim PNT dagegen werden nach einer IVF die elterlichen Pronuklei aus der befruchteten Eizelle entnommen und in eine entkernte befruchtete Spender-Eizelle übertragen. Die Experten sind der Meinung, dass bisher keine der beiden Techniken als der anderen überlegen gelten kann. Aus diesem Grund sollen erst einmal beide Techniken weiterverfolgt werden.

Eine weitere, erst letztes Jahr beschriebene Technik, um genetisch defekte Mitochondrien zu ersetzen, ist der Polkörper-Transfer (polar body transfer, PBT). Polkörper entstehen im Zuge der Meiose und enthalten neben einem vollständigen haploiden Chromosomensatz deutlich weniger Zytoplasma als die Eizelle. Dieser Chromosomensatz kann wie der mütterliche Ei-Zellkern bei der MST entnommen und in eine entkernte Spender-Eizelle eingepflanzt werden. Das britische Expertengremium ist allerdings der Meinung, dass diese Methode noch nicht eingehend genug untersucht worden ist, um Aussagen über deren Effizienz oder Sicherheit zu machen. Die Methode sollte aber unbedingt näher erforscht werden, da sie gegenüber MST und PNT einige potenzielle Vorteile mit sich bringt. Beispielsweise könnte durch PBT die Zahl der beim Transfer verschleppten Mitochondrien reduziert werden.

Mysterium mtDNA

Die DNA der Mitochondrien kodiert nur 37 Gene – die chromosomale DNA dagegen etwa 25.000. Zudem ist die mtDNA völlig anders organisiert – laut Endosymbiontentheorie eine direkte Folge ihres bakteriellen Ursprungs. Alle 13 proteinkodierenden Gene sind dafür zuständig, Elemente der mitochondrialen Atmungskette herzustellen. Obwohl die Gene der mtDNA nur einen Bruchteil (0,2 %) aller Gene ausmachen, gibt es zahlreiche Erkrankungen, die auf Defekte in mitochondrialen Genen zurückzuführen sind. Schätzungen zufolge treten bei einem von 200 Neugeborenen pathogene Mutationen in der mtDNA auf, aufgrund epidemiologischer Studien wird die Prävalenz von mtDNA-bedingten Mitochondriopathien dagegen „nur“ mit 1:5.0001:10.000 beziffert.

Da es sich bei den von der mtDNA kodierten Proteinen um essentielle Bestandteile der Atmungskette handelt, die durch oxidative Phosphorylierung Energie in Form von ATP bereitstellt, sind meist mehrere Gewebe und Organe betroffen. Besonders häufig sind das Nervensystem, die Muskeln und die Augen geschädigt. Beispiele für mtDNA-bedingte Mitochondriopathien sind das Leigh-Syndrom, NARP-Syndrom, MERRF-Syndrom, MELAS-Syndrom, MIDD-Syndrom und die Lebersche hereditäre Optikusneuropathie (LHON).

Das Ausmaß und die Schwere der Erkrankung hängt sowohl von der Penetranz der Mutation ab als auch davon, wie hoch der Anteil mutierter mtDNA im Vergleich zu unmutierter mtDNA ist (Ausmaß der Heteroplasmie) – eine reife Eizelle kann nämlich bis zu 100.000 Kopien mtDNA enthalten, verteilt auf 1-2 Kopien pro Organelle. Der Zufall entscheidet, wie hoch der Anteil der defekten Mitochondrien ist, der weitervererbt wird. Aus diesem Grund fällt eine familiäre Mitochondriopathie häufig erst auf, wenn ein Kind, das einen hohen Anteil mutierter mtDNA erhalten hat, klinische Symptome zeigt, während die Mutter aufgrund eines geringen Anteils mutierter mtDNA asymptomatisch ist.

Der Zahn der Zeit

Ein weiteres Charakteristikum von mtDNA ist, dass sie schneller mutiert als chromosomale DNA. Den Mitochondrien fehlt nämlich ein Reparatursystem, um Replikationsfehler auszumerzen – mit der Zeit akkumulieren dann die Mutationen. Es ist daher wahrscheinlich, dass spontane und vererbte Mutationen sowie epigenetische Modifikationen der mtDNA die Pathogenese altersbedingter Krankheiten wie Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson, Diabetes mellitus und Atherosklerose beeinflussen.

Die Frage, ob durch Mitochondrienaustausch-Techniken wie MST, PNT und PBT gezeugte Kinder beispielsweise ein höheres Risiko für Chromosomenaberrationen haben, kann erst beurteilt werden, wenn genügend Daten vorliegen. Interessant ist jedoch, dass es bereits Kinder mit drei Eltern gibt: Zwischen 1997 und 2002 wurde in den USA eine Technik namens Zytoplasmatransfer praktiziert. Mithilfe dieser Technik sollten insbesondere ältere Frauen, die trotz IVF kinderlos blieben, doch noch die Möglichkeit haben, ein Kind zu bekommen. Die Idee, dass gealterte Oozyten durch die Injektion von frischem Zytoplasma (und darin enthaltenen Mitochondrien) aus einer Spender-Eizelle „verjüngt“ werden könnten, erwies sich als richtig. Es wurden etwa 30 Kinder auf diese Weise gezeugt, bevor die Technik aufgrund von Sicherheitsbedenken von der FDA auf Eis gelegt wurde. In Anbetracht der neuen Gesetzeslage in Großbritannien ist das Interesse am Schicksal dieser Kinder nun wieder erwacht: In einer Nachfolgestudie soll ihr Gesundheits- und Entwicklungszustand untersucht werden.

39 Wertungen (4.69 ø)

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20 Kommentare:

Arzt
Arzt

@Janina Untiedt, würde Sie also kranke Kinder bevorzugen?
Wissen Sie überhaupt was ein Mitochondrion ist?

#20 |
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Janina Untiedt
Janina Untiedt

Ärztin
Mir verursacht es einen großen Schrecken, wenn ich über diese “Entwicklungen” lese. Forschung ist doch immer ein Try and Error. In überschaubaren Bereichen ist das gut zu verantworten. Im Bereich Zeugung neuen Lebens sehe ich da eine große Gefahr. Wer weiß, was das für Folgen haben wird? Wie geht es solchen Kindern? Ob sie gesund und geheilt sein werden, das steht doch in den Sternen. Es ist noch nicht ein solches Kind geboren worden. Werden sie sich selbst fortpflanzen? Was kommt da möglicherweise durcheinander? Werden sie sich nicht fortpflanzen können, weil in solch einem genetischen Mix vielleicht keine Fortpflanzung funktioniert? Ich denke, in solch existentielle Bereiche sollten wir nicht eingreifen, selbst wenn wir uns das vorstellen können oder wünschen. Ich denke, in unserer modernen Gesellschaft fehlt mitttlerweie vollkommen die Fähigkeit zur Akzeptanz, daß nicht IMMER ALLES möglich ist. Ja, manche Menschen können zusammen keine Kinder bekommen. Ich denke, ich selbst könnte für mich damit zurecht kommen. Ein Kind adoptieren, bevor ich ein aus meiner Sicht so wahnsinniges Experiment starte! Die Kinderlosigkeit in unserem Land hat doch ganz andere Ursachen als rein körperliche. Die Fruchtabrkeit nimmt ab wegen zu spätem Kinder kriegen? Wegen Strahlen/Chemikalien wer weiß was Belastung? Wegen viel zu hohem Streß und viel zu extremen Karrierestreben? Ja, jeder Mensch kann frei für sich wählen. Aber man kann nicht die Natur versuchen dahingehend “zu Tunen”, daß ALLES möglich ist. Top Karriere, Top Designerkind, dabei perfekte eigene Gesundheit, makelloses Aussehen, Reisen auf die Malediven, eignes Haus….. Manchmal ist der Preis für eine TOP Karriere eben, daß man nicht rechtzeitig dran war mit Kinder bekommen. Oder oder. Die normalen Möglichkeiten und Begrenzungen akzeptieren. Das macht Sinn. Irgendwann ist doch kein Mensch mehr in der Lage, diese ganzen Superlative zu unterhalten, zu bedienen und daran nicht kaputt zu gehen. Spätestens dann wird sicher jedermann zu erschöpft sein, um überhaupt noch ein Kind zu bekommen. Darum geht es meiner Meinung nach. Zurück zu einer Welt, die den Gesetzen der Natur folgt und mit ihnen lebt. Und nicht in die Anmaßung und Selbstüberschätzung mancher Ärzte einsteigen, die die absolute Basis unseres Lebens aus dem Gleichgewicht bringen können.

#19 |
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Gast
Gast

Die “Kritik” bestätigt den schleichenden, aber eindeutigen Prozess, der Ablösung von Medizin durch Pseudomedizin.
Es geht vorwärts in Richtung Mittelalter.
Gleichzeitig Anerkennung, für die Engländer, die dem widerstanden haben.

#18 |
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Gast
Gast

Journalisten ist einfach nichts heilig,
zeigt auch die Überschrift,
die sensationelle Heilung einer schweren Stoffwechselstörung in die Nähe zu Porno rückt.

#17 |
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Gast
Gast

Lieber Medizinkritiker Licht:
“Dem überkomplexen Leben einen nicht weniger wuchernden Reparaturkomplex hinzuzufügen, wird die Menschheit zerreißen.”
Das ist grottenfalsch, wie ein kleiner Blick in die Vergangenheit zeigt.
Was die Menschheit zerreißen kann, ist ihr zunehmend erkennbarer Egoismus, als USAmerikanische Tugend beschönigt, (homo homini lupus) bis zur Normalisierung militärischer Kriege auf der ganzen Welt unterstützt durch gewissenlose Medien und Journalisten, Abkehr der Wahrheits-verpflichteten Information zum Nutzen einiger internationalen parasitären Machtstrukturen, denen auch “gewählte” Regierungen nicht mehr gewachsen sind und die das Spiel der Mächtigen mitmachen zum Schaden der arbeitenden Bevölkerung.
Auch diese angebliche Klimarettungspolitik beruht auf vorsätzlichem Betrug.
Sicher nicht die Medizin, die diesen “Destabilisierern” offenbar eher nicht passt.

#16 |
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Chirurg
Chirurg

Wen das mit den “drei Eltern” so ungeheuer reizt,
dem könnte man sicher wissenschaftlich gesunde Mitochondrien eines der beiden Eltern anbieten.
Ich sehe in den Stammzellen jedes Menschen sowie so die zukünftige Alternative der heutigen lebensrettenden und -verbessernden Fremdorganübertragung.
Nur leider,
so Menschen wie Herr “Medizinjournalist, wettern ja auch ganz besonders gegen die Gentechnik.
Und Herrn @Michael Fietzek#5 darf ich verraten, dass auch in einem rennomierten Deutschen IVF-Zentrum fast nur Ausländer wegen Kinderwunsch Schlange stehen!
Ja kaum zu glauben.
Fas 50% unserer Deutschen Akademikerinnen wollen keine Kinder.

#15 |
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Chirurg
Chirurg

Eine eindeutig abwertende Überschrift:
Es handelt sich um die Heilung einer schweren Erkrankung: Mitochondropathie.
Bitte mal nachschlagen.
Das hat nichts mit Chromosomen und Zellteilung zu tun.
Eine fremde Leber (lebenswichtig) ist auch kein drittes Elternteil!
Wer es noch nicht kappiert hat:
Kranke Menschen haben in unserer real existierenden rationierten “gesetzlichen” Krankenversorgung schlechte Karten und (reiche) Eltern leben nicht ewig.
Daher verstehe ich nicht die Kritik an dem Wunsch auf gesunden Nachwuchs
und ebenso an der Abtreibung z.B. von Trisomie.
Einen überzeugten “Grünen”, der wegen akutem Blindarm zu mir geschickt wurde, hab ich mal gefragt, o.k., das war gemein, ob wir denn in den Lauf der Natur eingreifen dürfen (Designer-Bauchhöhle)?

#14 |
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Nichtmedizinische Berufe

Herr Licht, ich glaube, Sie haben zu viele Katastrophenromane und Verschwörungstheorien gelesen, bei Ihnen wirbelt einiges durcheinander.

Es werden in Deutschland viel zu wenige Kinder geboren. Je mehr Eltern sich den Kinderwunsch erfüllen können und eine Weitervererbung von Krankheiten vermieden wird, desto besser.

Die Natur hat ohnehin ihre Korrektive, der Krieg mit der mikrobiellen Welt tobt nicht erst seit gestern.

#13 |
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Zum zweiten mal Bravo für Malta Kano!nichts über gesunden Menschenverstand.
Lieber Herr Licht,
“Die gesamten Verbesserungen unserer zivilisierten Lebensweise machen uns lebensuntüchtig” Zitat Ende.
Hallo,geht’s noch ???!!!
Wo würden Sie heute sein ohne Ihren Kinderarzt mit seinen “unnötigen”Impfungen und Antibiotica,ohne Ihren Zahnarzt der entfernte die Vereiterte Zahnwurzel oder ohne Ihren Chirurgen ,der Ihren Blinddarm operierte?
Wahrscheinlich im Grab.
Aber dann würde uns Ihre journalistische Eloquenz erspart geblieben.

#12 |
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Dankeschön, Malta Kano, mir ging Herrn Lichts Kommentar auch auf die Nerven.

#11 |
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Nichtmedizinische Berufe

Genau Herr Licht! Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl sollte der Mensch sein! Schaut sie an die kernigen Mädels und Jungs in den Slums der Welt, die ohne Medikamente und massenhafter Medizinversorgung auskommen!

#10 |
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Medizinjournalist

“Wir versuchen nicht, Gott zu ersetzen, sondern wir versuchen, sein Werk zu verbessern” d.h. Chef vom Chef oder die Götter des Gottes zu sein. Perfektion ist immer eine Illusion. Die gesamten Verbesserungen unserer zivilisierten Lebensweise machen uns überlebensuntüchtig. Die Folgen zeigen sich noch. Wann der Stresstest kommt ist unklar, aber seine Zeichen sind zu sehen. Dem überkomplexen Leben einen nicht weniger wuchernden Reparaturkomplex hinzuzufügen, wird die Menschheit zerreißen. Meeresspiegel, Kaltperiode, Multiresistenz gegen alles. Wenn ein kleiner Unbesiegbarer sich weltweit mit Flugzeugen und Schiffen herumfahren lässt. Ein Meteörchen. Eine ausgewachsene Finanzkrise etc. Die Hochzivilisierten, die nur noch mit Medikamenten und massenhafter Medizinversorgung existieren können, haben dann die goldene Arschkarte.

#9 |
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Vielleicht sollten sich die Kritiker vor Augen führen, dass es sich hierbei exklusiv um Eltern-fremde mitochondriale (!) DNA handelt. Meines Wissens trägt diese nicht zum Phänotyp bei (zumindest nicht Wesentlich; wenn überhaupt). Daher kommt es also in concreto quasi zur “Transplantation” von Zellorganellen bei Erhalt der elterlichen nukleären DNA. Wo ist denn der wesentliche Unterschied (aus ethischer Sicht) zwischen Organ- und Organellenspende, @ Rainer Balloff??? Da hat Malta Kano vollkommen Recht, denn bei der Organ- oder Knochenmarksspende kommt eben auch fremde nukleäre DNA in den Körper, zusätzlich zur fremden mitochondrialen.

Zur Frage der Identität (@ Heike Goebel): s.o.; das Kind wird sich phänotypisch vermutlich nicht von einem “normalgezeugten” Kind unterscheiden… Halt, doch: Es verstirbt nicht an mitochondrialen Erkrankungen!!! Na, wenn “Überleben” nicht ein echter Identitätskiller im Vergleich mit den zu Grabe getragenen älteren Geschwistern ist… Mist auch!
Und zur Frage der “klaren Beziehung” (@ Heike Goebel): Ich erinnere mich dunkel, mal gehört zu haben, dass ein guter Weg dazu liebevolle Eltern sind, die sich freuen, ein gesundes und lebendiges Kind haben. Aber vielleicht irre ich mich und Bindungstypen (á la Mary Ainsworth) erklären sich exklusiv durch Unterschiede in der mitochondrialen DNA zwischen Kind und Mutter… wir sollten das nochmal nachlesen, oder?!
Ja, das war jetzt alles sehr polemisch; aber mE muss Polemik ab und an auch mal sein!

#8 |
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Dr. med. Arnaud Carasso
Dr. med. Arnaud Carasso

Ausgezeichneter Artikel. Sehr umfangreich, kurz und klar dargestellt. Danke
Nun, zum Gesetzt und zur unvermeidbarer Frage der Ethik :
Abgesehen von sorgfältig abgeschätzten Risiken, darf in der Name irgendeiner hochliegender Interesse, alles was machbar ist gemacht werden ?
Die Antwort liegt nicht bei der Wissenschaft, sondern exklusiv bei der zeitlich in einer gegebenen Gesellschaft herrschenden Glaube und bei ihrer Einstufung der Interessenvorlage.
In einer Demokratie soll in so tiefgreifenden Fragen das Volk entscheiden und nicht Ethiker oder Opinion Leader jeder Art, sei es ein Parlament.

#7 |
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Bravo Malta Kano!
Ich vermisse Komentare von Fachleuten.Das Thema selbst ist hochinteressant und verdient ,weiß Gott ,andere Leser.
Mehr Sachkentniss ,weniger Ethikkeule.

#6 |
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Michael Fietzek
Michael Fietzek

Wer steht eigentlich am Ende persönlich gerade für das menschliche Leid, das bei “Schäden” im Laufe dieser Entwicklung entsteht?
Meine Phantasie: Keiner. Es sind schließlich Gremien oder Politiker, die mehrheitlich entschieden haben, ehrgeizige Wissenschaftler, die die Abläufe nur noch über begrenzte Zeit verfolgen können; oder Versicherungen, die irgendein Geld bezahlen.
Ist der Bogen zu weit gespannt, wenn ich hier nach dem Grenzwertnutzen frage, indem ich an die vielen Tausend gesunden jungen Flüchtlinge und Migranten denke, die – oft genug vergeblich – um das Überleben kämpfen?

#5 |
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Nichtmedizinische Berufe

In ethischer Hinsicht in etwa so pervers wie eine Knochenmarkspende.
Also gar nicht.

#4 |
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Diplom Psychologe Dr. Rainer Balloff
Diplom Psychologe Dr. Rainer Balloff

Wieso werden bei dem weltweiten Kinderelend elternlose Kinder oder Flüchtlingskinder, die durch Menschenhändler in die reichen Länder “verschubt” werden, nicht adoptiert? Wieso muss eine derartige perverse Reproduktionsmaschinerie in Gang gesetzt werden. die moralisch und ethisch schon längst nicht mehr vertretbar ist?
Dipl.-Psych. Dr. Rainer Balloff

#3 |
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Dr. phil. Heike Goebel
Dr. phil. Heike Goebel

Auch wenn Verständnis für den sehnlichen Kinderwunsch besteht, der alle Wege ausschöpfen lassen will, sollte doch an mögliche Identitätsprobleme für die so entstehenden Kinder gedacht werden! Wir wissen bereits, welche Nöte sogenannte “Besatzer-Kinder” hatten, die ihre Väter nicht kannten, oder wie in der Gegenwart Kinder von anonymen Samen-Spendern ihre Herkunft erfahren möchten. Wie können sensible Kinder aus einem Mix-Embryo klare Beziehungen aufbauen?

#2 |
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Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann
Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann

Perversion und Geschäftemacherei kennt keine Grenzen.

#1 |
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