Lebensmittelampel verstärkt Selbstkontrolle

10. März 2015
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Die Ampelauszeichnung von Lebensmitteln hilft besser, hochkalorischen Lebensmitteln zu widerstehen als eine reine informationsbasierte Auszeichnung. Dadurch werden individuell verstärkt Gesundheitsaspekte bei der Entscheidung für Lebensmittel berücksichtigt.

Rot, gelb, grün: Leicht verständlich soll die Ampelkennzeichnung auf den Packungen signalisieren, wie bedenklich der Konsum eines Lebensmittels ist. „Rot“ symbolisiert zum Beispiel einen hohen Anteil an Fetten, Zucker oder Salz, „Grün“ dagegen einen geringen. Gelb nimmt wie an der Verkehrsampel eine Mittelposition ein. „Bislang ist noch kaum wissenschaftlich untersucht, welche Wirkung diese Ampelsignale auf die Bewertungsprozesse bei Kaufentscheidung im Gehirn von Konsumenten haben“, sagt Prof. Dr. Bernd Weber vom Center for Economics and Neuroscience (CENs) der Universität Bonn. Hilft die „Ampel“ Verbrauchern dabei, sich beim Einkauf für eine gesündere Ernährungsweise zu entscheiden? Dieser Frage gingen Wissenschaftler des CENs in einer aktuellen Studie nach.

100 Produkte – von der Schokolade bis zum Fertiggericht

Insgesamt 35 erwachsene Probanden, davon 19 Frauen, nahmen an der Untersuchung am Life&Brain Center in Bonn teil. Im Hirnscanner wurden die Nährstoffangaben zu 100 Produkten eingeblendet – von der Schokolade über Joghurt bis hin zu Fertiggerichten. Die Teilnehmer bekamen diese Informationen entweder über herkömmliche Nährwertkennzeichnungen mit Gramm- und Prozentzahlen pro Portion, oder über die Ampelkennzeichnung zu sehen. Anschließend mussten sie angeben, wie viel sie für das jeweilige Produkt zu zahlen bereit sind.

Die Teilnehmer boten deutlich mehr Geld für das gleiche Produkt, wenn die Ampelauszeichnung „grün“ war, als wenn die herkömmliche Darstellung der Nährstoffwerte aufschien. Sprang die Ampel dagegen auf „Rot“, sank die Kaufbereitschaft stärker als bei den konventionellen Angaben. „Die Ampelauszeichnung wirkt also wie ein Verstärker: Die Gesundheitsrelevanz der Inhaltsstoffe wird stärker bei der Kaufentscheidung berücksichtigt als bei reinen Auflistungen“, sagt Erstautorin Laura Enax vom CENs.

Zwei Gehirnregionen wirken auf das Belohnungssystem ein

Während die Probanden überlegten, welchen Preis sie für das jeweilige Produkt zahlen wollten, registrierten die Wissenschaftler mit Hilfe funktioneller Magnetresonanztomographie die Aktivität verschiedener Hirnregionen. Eine rote Ampelauszeichnung aktivierte eine Struktur in der linken unteren Stirnwindung, der Funktionen der Selbstkontrolle zugeschrieben werden. Diese Aktivität beeinflusste den ventromedialen präfrontalen Cortex, der die Kaufbereitschaft über das Belohnungssystem anspricht und dafür sorgte, dass die Probanden weniger bezahlen wollten.

„Die Ampelauszeichnung scheint die Untersuchungsteilnehmer dazu zu befähigen, ungesunden Lebensmitteln besser zu widerstehen im Vergleich zu den herkömmlichen Angaben über Gramm- und Prozentwerte der jeweiligen Inhaltsstoffe. Wahrscheinlich sorgt sie dafür, implizit stärker die Gesundheitsaspekte in seiner Entscheidung zu berücksichtigen“, fasst Weber das Ergebnis zusammen. Die Wissenschaftler der Universität Bonn wollen nun noch genauer untersuchen, wie verschiedene Arten von Lebensmittelauszeichnungen dazu dienen können, Verbraucher in ihren Entscheidungen zu unterstützen.

Originalpublikation:

Nutrition labels influence value computation of food products in the ventromedial prefrontal cortex
Laura Enax et al.; Obesity, doi: 10.1002/oby.21027; 2015

12 Wertungen (4.42 ø)

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6 Kommentare:

Heilpraktikerin

Jaaa, die Banane! Jetzt wird es ja ganz absurd: Ich plädiere dafür, dass diese sowohl einen grünen, als auch einen roten Punkt bekommt. Und eine Gebrauchsanweisung, die ungefähr folgendermaßen lautet: “Bitte in grünem Zustand den grünen Punkt aufkleben und bei Sichtbarwerden brauner Pünktchen in ROT umetikettieren. In grünem Zustand dürfen Sie von dem Produkt etwas mehr verzehren als in braunem Zustand. Bei Fragen kontaktieren Sie bitte unsere Hotline um die Verwirrung komplett werden zu lassen!”
Also, wenn ich das richtig verstanden habe, geht z.B. trockener Rotwein klar, hat ja weder Zucker noch Salz noch Fett im Übermaß, aaaber leider muss ich auf Avocados, Nüsse oder fetten Fisch demnächst verzichten? (An dieser Stelle fehlt mir echt ein Emoticon das Tränen lacht!)
Fazit: Herzlichen Glückwunsch, läuft bei Euch!

#6 |
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Arzt
Arzt

Grüne Ampel heißt jou, du darfst essen.
Ich kannte ein dickes Mädchen, die sich auch an die Ampel hielt
und als Zwischenmahlzeit 8 gesunde Bananen vertilgte.

Außerdem ist die deutsche Ges, für Ernährung DGE und besonders die Psychologen eher eine Belastung als eine Hilfe, mit ihrer Kohlenhydratschlagseite, von der sie einfach nicht wegkommen
und den Oberquatsch mit den vielen Mahlzeiten 5x egal was
Psychologen sagen sogar wenn du Appetit auf Süßes hast nicht dagegen ankämpfen, sonder nachgeben.
Kein Wunder, dass Deutschland bald so dick ist wie USA

#5 |
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Ich finde die Ampelregelung grundsätzlich gut, aber verbesserungsfähig!
Wie bereits erwähnt von anderen Kommentatoren muss auch Gewicht auf die Zusatzstoffe usw. gelegt werden.
Aber da die allermeisten Bürger ziemlich wenig über prozentuale Anteile, gute und “schlechte” Fette und Zucker etc. wissen und auch meist zu faul oder zu sehr in Eile sind, sich bei jedem Einkauf jedes verpackte Nahrungsmittel genau anzusehen und die Inhaltsstoffe zu bewerten, ist die Ampel ein wenigstens kleiner Richtungsweiser.
Jedenfalls ein Anfang!

#4 |
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Arzt
Arzt

Ich bin ein Gegner einer “Ampel”, weil das nicht sachlich genug begründet ist.

#3 |
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Heilpraktikerin

Dieses Ampelsystem bedarf noch einer Überarbeitung. Demnach wären z.B. Rapsöl oder Käse rot auszuzeichnen. Potentiell gesunde Lebensmittel bei moderater Zufuhr. Gesüßter “Frucht”joghurt wahrscheinlich eher gelb?
Der Focus läge m. E. besser auf den Zusatzstoffen, wie Aromenzusätze, Süßstoffe, Konservierungsstoffe und Behandlungsarten, die gesunde Lebensmittel in (gesundheitlich) wertloses verwandeln.
Für grüne Kennzeichnung eines zucker-, salz-, fettreduzierten Industrieproduktes was evtl. voller Zusätze ist, auch noch mehr bezahlen?!

#2 |
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h

#1 |
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