Raucherentwöhnung: Dampf-Doktrin 2015

1. Mai 2015
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Die aktuelle S3-Leitlinie zur Therapie des schädlichen und abhängigen Tabakkonsums hat die Wirksamkeit aller Therapieoptionen neu bewertet. Sie skizziert Wege aus einer Abhängigkeit, an deren Folgen pro Jahr in Deutschland noch immer bis zu 140.000 Menschen sterben.

Der komplette Verzicht auf das Rauchen hat in der neuen S3-Leitlinie höchste Priorität. Sie stellt die Tabakabhängigkeit mit der von Alkohol auf eine Stufe und fordert indirekt deutlich mehr Entgegenkommen durch das Gesundheitssystem. Selbst ein kurzes Gespräch beim Hausarzt kann Raucher auf dem Weg in die erfolgreiche Abstinenz geleiten. Vor allem verhaltenstherapeutische Maßnahmen und Nikotinersatz erscheinen als erfolgversprechende Maßnahmen. Auch die qualifizierte Telefonberatung hat sich als äußerst hilfreich herausgestellt.

Nikotin stimuliert Dopamin im Belohnungssystem

Nikotin reagiert mit den nikotinergen Acetylcholinrezeptoren. Die Folge ist eine Ausschüttung zahlreicher Botenstoffe, was Nikotin mit „harten Drogen“ wie Amphetamin und Kokain gemeinsam hat. Im Mittelpunkt dieser Drogenwirkungen und der des Nikotins steht der Transmitter Dopamin. Er ist der zentrale Transmitter im Belohnungssystem. Nicht selten genießen Raucher eine Zigarette zur Belohnung: nach der Arbeit oder nach einer anstrengenden Autofahrt. Diese Zigarette belohnt den Anwender und vermittelt ihm ein Wohlgefühl. Auf das will oder kann auch der Entzugswillige nicht verzichten.

Nikotin allein ist aber nur Teil des Belohnungskonzeptes. Allein das Ritual, eine Zigarette zu halten, anzuzünden, den Rauch auszublasen, setzt Dopamin frei. (Auch) deshalb ist es so schwer, sich vom Glimmstängel loszusagen. Je länger der Betroffene raucht, desto mehr Bindungsstellen für den Transmitter Acetylcholin bildet er. Diese ACh-Rezeptoren sind für die Entzugssymptomatik verantwortlich. Einige Entwöhnungsmittel blockieren diese Bindungsstellen.

Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Ansätze, sich das Rauchen abzugewöhnen: Arzneimittel mit Nikotin, Nahrungsergänzungsmittel ohne Nikotin, Pharmaka gegen das Suchtverhalten, Homöopathika, Akupunktur und verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Die Leitlinienautoren haben zahlreiche Studien ausgewertet und die Therapieoptionen beurteilt.

Medikamente zur Raucherentwöhnung

Es wäre zu schön um wahr zu sein: Einfach jeden Morgen eine Tablette schlucken und man verspürt keinen Drang mehr, sich eine Zigarette anzuzünden. Ein seit langer Zeit antrainiertes und gelebtes Ritual wie das Rauchen lässt sich aber nicht mit Sofortwirkung abtrainieren. Rauchen ist mehr als die Aufnahme von Nikotin. Es ist ein Lebensstil und ein Lebenslaster zugleich. Die Nikotinersatztherapie (NET) hat das Ziel, dem Raucher vorübergehend Nikotin ohne begleitende Schadstoffe aus dem Tabakrauch in absteigender Dosis anzubieten. Die unterschiedlichen Produkte unterscheiden sich in der Kinetik ihrer Nikotinfreisetzung.

Arzneimittel mit Nikotin

Nikotin ist seit 1983 in Deutschland als Medikament für die Raucherentwöhnung zugelassen. Pharmakologisch stehen heute auf der Basis der Nikotinersatztherapie neben dem Kaugummi und dem Nikotinpflaster auch noch Nikotinspray, Nikotininhalator und sublinguales Nikotin zur Verfügung.

Nikotinkaugummi, -tabletten oder -inhaler setzen Nikotin mit einer höheren Anflutgeschwindigkeit frei und vermitteln dem Anwender das Gefühl der Kontrolle über die Nikotinzufuhr. Gegen den Nikotinturbo einer Zigarette kommen die Systeme dennoch nicht an. Vergleichsweise lahm ist der Oldie als Transdermales Therapeutisches System (TTS). Je rascher die Anflutung, desto größer ist aber auch das Abhängigkeitsrisiko.

In der Leitlinie kommt die Nikotinersatztherapie gut weg, folgende Aussagen erhielten den höchsten Empfehlungsgrad:

  • Der Einsatz der Nikotinersatztherapie (Nikotinkaugummi, Nikotininhaler, Nikotinlutschtablette, Nikotinnasalspray, Nikotinmundspray und Nikotinpflaster) soll angeboten werden.
  • Bei starken Rauchern soll dem 4 mg Nikotinkaugummi der Vorzug vor dem 2 mg Kaugummi gegeben werden.
  • Bei starken Rauchern soll eine 2-fach-Kombination von Pflaster und Kaugummi, Lutschtablette, Spray oder Inhaler angeboten werden.

Die Nikotinersatztherapie sollte für die Dauer von 8 bis 12 Wochen durchgeführt und während dieses Zeitraums allmählich reduziert werden. Zum Zeitpunkt der Erstellung der Leitlinie war das mittlerweile verfügbare Nikotinnasenspray noch nicht zugelassen. Deshalb wird hier keine Empfehlung ausgesprochen.

Bupropion – Transmittergewitter im Belohnungssystem

Die beiden Arzneimittel ohne Nikotin sind Bupropion und Vareniclin. Beide sind rezeptpflichtig. Das erste nikotinfreie Arzneimittel zur Raucherentwöhnung ist Bupropion. Hypothetisch steigert der als Tablette eingenommene Wirkstoff die Konzentration von Dopamin und Noradrenalin im zentralen Nervensystem. Von seiner chemischen Grundstruktur ist Bupropion ein Psychopharmakon. Zur Effizienz liegen unterschiedliche, teilweise kontroverse Studien vor.

Eine Kurzzeitstudie von Jorenby et al., die placebokontrolliert unter starken Rauchern durchgeführt wurde, lieferte auf den ersten Blick vielversprechende Ergebnisse. Die Probanden erhielten entweder Placebo, Bupropion, Nikotinpflaster oder eine Kombination aus Nikotinpflaster und Bupropion. Die Abstinenzrate war nach zwölf Monaten in der Bupropion-Gruppe doppelt so hoch wie in der Placebo-Fraktion, 15,6  vs. 30,3 Prozent. Dieses Ergebnis verleitet zu dem Schluss, dass “der Stein der Weisen” gefunden wurde. Das Ergebnis berücksichtigt jedoch nicht, dass von den 893 Studienteilnehmern 311 den Versuch abbrachen. Die Meisten, die dies mit Nebenwirkungen der Therapie begründeten, befanden sich mit großem Abstand in der Bupropion-Gruppe. Insgesamt traten drei schwere anaphylaktische Reaktionen auf, die auf die Einnahme von Bupropion zurückzuführen waren.

Eine Studie von Stapleton et al. zu Nikotinersatz, Bupropion und der Kombinationsbehandlung an 1.071 Rauchern konnte keinen Vorteil für die Kombination von Nikotinersatztherapie plus Bupropion identifizieren. Eine höhere Wirksamkeit von Bupropion wurde nur in der Subgruppe von Rauchern mit einer Depression in der Vorgeschichte nachgewiesen. „Die Wirksamkeit von Bupropion zur Tabakentwöhnung ist belegt. Es besteht allerdings ein Risiko für neurologische und der Verdacht auf schwerwiegende neuropsychiatrische Nebenwirkungen“, so das Resümee der Leitlinie.

Wenn eine leitliniengerecht durchgeführte, medikamentöse Behandlung mit einer Nikotinersatztherapie nicht ausreichend wirksam war, soll Bupropion als pharmakologische Monotherapie zur Tabakentwöhnung unter Beachtung von und nach Aufklärung über mögliche Risiken angeboten werden.

Vareniclin – Spaßbremse am Rezeptor

Der Wirkmechanismus von Vareniclin ist deutlich komplexer als beim Mitbewerber. Der Wirkstoff Vareniclin heftet sich mit großer Kraft an den α4β2-Subtyp des nikotinischen Acetylcholinrezeptors. Er stimuliert jedoch nur teilweise die Ausschüttung von Dopamin (partieller Agonismus). Diese vergleichsweise geringe Freisetzung des Belohnungsstoffes Dopamin reicht aus, das Nikotinverlangen und die Entzugssymptome zu vermindern. Da der Rezeptor jetzt durch Vareniclin belegt ist, kann Nikotin nicht mehr andocken. Der Raucher verspürt beim Rauchen einer Zigarette keinen Genuss mehr.

In einer Zulassungsstudie wurde die Wirkung an insgesamt 1.025 Rauchern untersucht. Je nach Gruppe erhielten die Teilnehmer über einen Zeitraum von zwölf Wochen entweder Vareniclin (1 mg zweimal täglich), Bupropion (150 mg zweimal täglich) oder Placebo. Die Abstinenzrate betrug nach neun bis zwölf Wochen unter Vareniclin 43,9 Prozent, unter Bupropion 29,8 Prozent und unter Placebo 17,6 Prozent. Nach 9 bis 24 Wochen waren noch 29,7 Prozent (Vareniclin), unter Bupropion 20,2 Prozent und unter Placebo 13,2 Prozent weiterhin abstinent. Dauerhaft vom Tabakkonsum loszukommen soll dem Raucher mit Hilfe von Vareniclin um den Faktor 1,5 besser gelingen als unter einer Therapie mit Bupropion.

In einer Studie von Lerman et al. wird betont, dass Vareniclin nur dann effektiv ist, wenn der Patient zu den Normalmetabolisierern gehört. Metabolisiert er Nikotin langsamer, war Vareniclin nicht wirksamer als Placebo. Die Meinung der Leitlinie zu Vareniclin: Wenn eine leitliniengerecht durchgeführte medikamentöse Behandlung mit einer Nikotinersatztherapie nicht ausreichend wirksam war, soll Vareniclin zur Tabakentwöhnung unter Beachtung von und nach Aufklärung über mögliche Risiken angeboten werden.

Wird eine Fortsetzung der laufenden medikamentösen Behandlung zur Rückfallprophylaxe erwogen, kann Nikotinersatz für 16 bis 24 Wochen, Vareniclin für 24 Wochen oder Bupropion für 16 bis 45 Wochen angeboten werden.

Unterstützende Methoden

Egal ob Autogenes Training, Hypnose, Muskelentspannung, Akupunktur oder Tees; die Liste der unterstützenden Maßnahmen, Tipps und Verhaltenstrainings ist lang.

Beim bewährten chinesischen Verfahren sticht der Akupunkteur in der Regel drei Nadeln in die „Suchtpunkte“ des Ohrs. Dort verbleiben sie eine Zeit lang. Sie sollen beim Raucher die Gier nach der Zigarette dämpfen und zugleich die Entzugserscheinungen mildern. In den meisten Fällen wird die Prozedur mehrmals wiederholt. Die Erfolgsquote ist äußerst individuell. Die aktuelle Leitlinie rät weder zur Akupunktur noch zur Hypnosetherapie. Ebenfalls eine Absage erhalten E-Zigaretten, da über die Toxikologie der inhalierten Substanzen zu wenig valide Daten vorliegen. Lediglich bei starken Rauchern kann sie eine Option sein.

Motivation? Reden Sie!

Die Leitlinien empfehlen unterschiedliche Ansätze zur motivierenden Gesprächsführung durch den Arzt. Beispielsweise die 5-A-Regel.

  • Abfragen des Rauchstatus (Ask)
  • Anraten des Rauchverzichts (Advise)
  • Abfragen der Aufhörmotivation (Assess)
  • Assistieren beim Rauchverzicht (Assist)
  • Arrangieren der Nachbetreuung (Arrange)

Ein weiteres Beratungsmodell ist das ABC-Prinzip: A = Ask (Abfragen des Rauchstatus, Dokumentation), B = Brief advice oder intervention (Individuelle und motivierende Empfehlung zum Rauchstopp) und C = Cessation support (qualifizierte Unterstützung bei Aufhörwunsch, Weiterleitung an ein anerkanntes Entwöhnungsangebot).

Fazit: Die S3-Leitlinie liefert einen aktuellen und praxisnahen Überblick über alle Therapieansätze zur Tabakentwöhnung und stellt dem Arzt relevante Arbeits- und Entscheidungshilfen zur Verfügung.

86 Wertungen (4.57 ø)

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25 Kommentare:

Gast
Gast

Die E-Zigarette ist für mich ein Ersatz, aber damit wird nicht das eigentliche Suchtverhalten gedämpft ständig an was ziehen zu müssen und etwas in den Händen zu haben. Darum würde ich davon abraten. Ich habe es mit Hypnose geschafft. Ist schon circa ein Jahr her, aber ich bin immer noch rauchfrei und glücklich darüber. Das war keine gewöhnliche Hypnose beim Therapeuten, sondern eine Hypnose Cd, ich hatte jetzt die von Eisfeld. Eigentlich bin ich nicht davon ausgegangen, dass das klappt, aber hat einwandfrei funktioniert und ich habe jede Menge Geld gespart.

#25 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Es ist schon peinlich für Doccheck, hier im Parallel-Beitrag anonyme Beiträge eines Prof. Bernd Mayer zum gleichen Thema zu veröffentlichen, wenn diesem Argumente ausgehen und in reine ad hominem Beleidigungen abgleiten (“Ihre Hasstiraden”),
aber dann auch noch den Blog zu sperren!!!
Nach diesem Prof. aus Österreich sind also auch alle Fachgesellschaften auf dem Holzweg und befolgen blind:
“eine von der WHO und damit der Pharmaindustrie diktierten Position”.

DAS KANN SO NICHT STEHEN BLEIBEN!

Da fragt man sich schon welche “sachliche” Position hier unterstützt wird.

#24 |
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Norbert Zillatron
Norbert Zillatron

@Hebamme Birgit Bauhaus #11

Die Zigarettenabhängigkeit ist vielschichtig und individuell sehr unterschiedlich, wie Professor Karl Fagerström ausführt:
http://nicotinepolicy.net/karl-fagerstrom/520-dependence-on-tobacco-and-nicotine

Bei manchen – wie Ihnen – ist das tatsächlich “reine Kopfsache”. Bei vielen anderen spielt auch eine körperliche Abhängigkeit eine Rolle. Und das muss sich nicht auf Nikotin beschränken.
Ich kenne zum Beispiel auch jemanden, der völlig problemlos vom Zigarettenrauchen direkt auf das Dampfen ohne Nikotin umgestiegen ist. Den meisten – wie mir – fehlt dann aber etwas. Und ich kenne auch ein paar Leute, die einfach nicht komplett umsteigen können, obwohl sie den Zigarettengeschmack im Vergleich zum Dampfen mittlerweile unangenehm bis widerlich empfinden. Bei denen gibt es anscheinend noch einen Aspekt der Abhängigkeit, der sich nicht alleine durch Verhalten oder Nikotin erklären lässt.

Ich habe viele Anekdoten von Dampfern gelesen, die vorher alles mögliche versucht hatten um aufzuhören. Einige davon hatten es auch mit Varenicline probiert. Die Nebenwirkungen, von denen manche berichtet haben, finde ich schon erschreckend genug. Die dokumentierten mehreren hundert Suizide die eindeutig darauf zurückzuführen sind, unterstreichen meine Zweifel, ob sich das Risiko wirklich lohnt.

#23 |
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Norbert Zillatron
Norbert Zillatron

Die Frage, ob sich die sogenannten “E-Zigaretten” nun zu Entwöhnung eignen oder nicht, ist eigentlich müßig. Denn primär handelt es sich bei den Dampfgeräten eben nicht um ein Konkurrenzprodukt zu den üblichen NRTs, sonder um ein alternatives (optinal nikotinhaltiges) Genussmittel in direkter Konkurrenz zur Tabakzigarette.
https://nzillatron.wordpress.com/2014/11/01/vaping-vs-nrt/
[Mein Blogbeitrag zu diesem Thema (englisch)]

In diversen RCTs schneidet das Dampfen im direkten Vergleich mit Pflastern, Kaugummis, etc. ähnlich “bescheiden” ab wie jene. Das scheint in heftigem Kontrast zu den vielen “Anekdoten” ehemaliger Raucher wie mir zu stehen, die sehr erfolgreich umgestiegen sind. Wenn man sich diese Studien aber näher betrachtet, wird man feststellen, dass viele bereits durch das Studiendesign dazu verurteilt waren, unrealistische Ergebnisse zu liefern! Dadurch, dass die E-Zigaretten als “unregulierte” NRTs betrachtet wurden und ähnlich kontrolliert angewendet wurden, wurden genau jene Faktoren eliminiert, die sie einem dem Tabak überlgenen Genussmittel machen: Die Vielfalt an Geräten und Liquids (Nikotinstärken und Aromen), die der Verbraucher ad lib wählen kann.
https://nzillatron.wordpress.com/2014/11/01/crippling-control/

Als ich vor gut 3 Jahren umgestiegen bin, dachte ich nicht daran, aufzuhören. Im Gegenteil! Ich hatte schon früher von deren Existenz gehört, aber immer nur im Kontext von “Entwöhnung”. Damit landete die Information in meiner geistigen Schublade “Noch ein Entwöhnungsmittelchen, sicher genauso teuer, nutzlos und ekelhaft wie die anderen”. Erst die absurde Hetzkampagne, die Ende 2011 die Medien überschwemmte hat meine Neugier entfacht und mich zu einem “Selbstversuch” inspiriert.
https://www.facebook.com/notes/norbert-zillatron/betreff-cop6-an-mpoetschke-langerdkfzde/1507605042814763
[Mein offener Brief an die Leiterin der WHO-Kollaborateure, deren Medienomnipräsenz mich damals zum Experimentieren animierte.]

Auch wenn einige Leute das Dampfen zur Entwöhnung vom Zigaretterauchen nutzen, bleibt es doch in erster Linie ein Genussmittel. Als solchen kann es nur mit dem Genussmittel verglichen werden, mit dem es konkurriert: Der Tabakzigarette. Besonders für die Leute, die garnicht aufhören wollen. Bei einem Genussmittel nimmt man – per Definition – Gesundheitsrisiken bewusst in Kauf. Und alle seriösen Studien zeigen bisher, dass die akute Belastung beim Dampfen um Größenordnungen geringer ist. Auch wenn noch keine Langzeitstudien vorliegen, so ist doch kaum zu erwarten, dass urplötzlich etwas auftritt, das dieses Verhältnis umkehrt. Besonders in Anbetracht der Tatsache, selbst bei mittlerweile vielen Millionen Benutzer weltweit seit 10 Jahren kein einziger Fall einer ernsthaften dampfbedingten Erkrankung dokumentiert ist. Ganz besonders im Vergleich zu den “Kollateralschäden”, die durch Varenicline etc. im vergleichbaren Zeitraum verursacht wurde.

#22 |
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@Gast #19: Sehr guter Kommentar. Stimme Ihnen voll und ganz zu. Umstieg auf E-Zigarette ist eine Suchtverschiebung mit noch unklarem Gefahrenpotenzial.

#21 |
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Wenn ich als Hausarzt insgesamt 7 Std. mit verbaler Intervention bei Rauchern zur Entwöhnung verbrauche, so habe ich in ca 30 % einen Erfolg, der länger als 6 Monate anhält und im Mittel 8 Lebensjahre in guter Qualtät gewinnt. Es gibt keine Krankheit in der ich derart nützlich sein kann. ( Erfahrung aus 39 Jahren Suchtmedizin )
Laßt doch bitte die Tabakschleichwerbung im Fernsehen ( übel z.B. im Tatort )sein, auch wenn es den Produktionsgesellschaften manche Million Korruptionsgeld kostet. Automobilschleichwerbung ist doch viel unschädlicher!

#20 |
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Gast
Gast

Nicht falsch verstehen, bitte, aber ich finde die Glorifizierung der E – Zigarette etwas übertrieben.
Kein Mensch weiß bisher, wie die Langzeitfolgen einer ständigen oder rezidivierenden Propylenglykol – Inhalation sind und was die Aromastoffe bei solcher Anwendung alles auslösen (sie sind für Lebensmittel zugelassen, nicht zur Inhalation!).
Ganz klar und ohne Frage enthält die E- Zigarette deutlich weniger Schadstoffe als eine gewöhnliche, aber trotzdem muss meines Erachtens dringend geklärt werden, was bei einer Dauerinhalation der oben genannten Substanzen passiert.
Funktioniert die Blut – Luft – Schranke?
Bleibt das 1,2 Propandiol in den Alveolen?
wie wird es abgebaut?
Welchen Weg nimmt es im Körper?
Welcher Dauerfolgen hat regelmässiger Konsum?
Welche Verordnung oder welches Gesetz regelt exakt, was in ein Liquid hineindarf und was nicht?
Wie verhält es sich mit den eigentlich nicht zur Inhalation bestimmten Aromastoffen nach oben genannten physiologischen Gesichtspunkten?
Mir eindeutig zuviele offene Fragen, die VOR der Glorifizierung einer dringenden Evaluation und Examination bedürfen in einer möglichst großen Studie unter der Aufsicht von vereidigten, unabhängigen Pulmologen!

#19 |
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Gast Heinke Duckeck, Hebamme
Gast Heinke Duckeck, Hebamme

An Herrn Dr. Graf:
Schwangere können häufig aufhören, entweder weil Sie weil sie wirklich die Gesundheit ihrer Kinder schützen wollen, oder weil es ihnen zu unangenehm ist, von anderen beim Rauchen gesehen zu werden. Viele Schwangere schaffen es aber auch nicht, aufzuhören. die haben fast alle (von denen, die mir (Hebamme) über den Weg laufen, ein sehr schlechtes Gewissen.
Ich finde auch, dass es schon viele Raucher gibt, die Rücksicht auf Ihre Umgebung nehmen, deswegen aber definitiv nicht aufhören können oder wollen.

#18 |
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Diätassistent

Vor 30 Jahren kam mein „Schwiegervater“ und sagte: „Ich habe einen Arbeitskollegen der kann einem das Rauchen wegmachen (Elektroakupunktur) und der kommt in einer Stunde“ (Familientherapie 3 Personen).

Ich war unbefangen habe noch eine geraucht und dann hat er es mir tatsächlich weggemacht, bei den anderen hatte es nicht funktioniert. Keine Entzugserscheinungen (aber massive Gewichtsprobleme)
und keine Probleme damit, dass meine Verlobte weiterhin geraucht hat.

Nur meiner Dummheit hatte ich es nach einem Jahr im Urlaub zu verdanken (eine kann ja nicht schaden) dass ich wieder anfing. Vor 10 Jahren (jetzt Pfeifenraucher) noch ein Versuch mit Nikotinpflaster, nach einer Woche war der Spuk endgültig vorbei.

#17 |
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@DM Oliver Körnig (#8): In Bezug auf die Bedeutung von Bewegung und Ernährung/Körpergewicht stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Aber, Ihre These, “..der dicke Nichtraucher lebt nicht länger (schon gar nicht besser) als der rauchende Läufer…” halte ich für gewagt, zumal es nach meiner Erfahrung mehr bewegungsfreudige Übergewichtige als rauchende Läufer gibt.

@alle: Die Bedeutung der permanenten Ansprache/Überzeugungsarbeit durch Ärzte, HPs und Therapeuten wurde ja mehrfach herausgestellt. Da ich kein Kliniker bin, würde mich interessieren, welche Bedeutung der Appell an Raucher hat, mit Ihrer Sucht unzweifelhaft auch ihre Mitmenschen (Passivrauchen) einschließlich der eigenen Kinder zu schädigen. Ich bin regelmäßig schockiert, wie viele junge Eltern (gerade Mütter) ihrem Baby/Kleinkind den Zigarettenqualm ins Gesicht blasen und selbst die Zahl rauchender schwangerer “Mütter in spe” scheint mir erschreckend zugenommen zu haben (ist nur eine Empfindung, keine datenbasierte Evidenz). Eigene Versuche, mit freundlicher Ansprache Überzeugungsarbeit zu leisten, werden überwiegend mit netten Äußerungen wie “.. scher Dich um Deinen eigenen Sch…” quittiert.
Wie sind Ihre Erfahrungen als Ärzte und Therapeuten? Zieht der Hindweis auf Schädigung von Mitmenschen und eigenem Nachwuchs?
Danke im Voraus für Ihr feedback.

@Matthias Bastigkeit: guter Artikel

#16 |
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Nikotin ist eine „harte Droge”, genauer: eine der härtesten bekannten überhaupt: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4311234/pdf/srep08126.pdf

#15 |
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Birgit Roos
Birgit Roos

Interessant ist, dass die gesundheitlichen Risiken des Rauchens, die ja bereits jedes Kind dank der Aufklärung in den Schulen heute kennt, oft wenig abschrecken bzw. zum Rauchverzicht motivieren. Oder wie es einer meiner Patienten mal so treffend formulierte: “Immer wenn ich die Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen lese, rauche ich erst mal eine, um mich wieder zu beruhigen.”Geld spielt übrigens auch so gut wie keine Rolle beim Rauchen. Viele Raucher haben ganz andere Gründe, warum sie der Zigarette entsagen wollen, z.B. als gutes Beispiel für den geliebten Nachwuchs, der nicht den gleichen Fehler machen soll oder wegen der Würdelosigkeit, die sie in ihrer Abhängigkeit zu erkennen glauben. Diese individuell ganz unterschiedlichen Antriebe gilt es herauszufinden und zu verstärken. Deshalb ist auch unabhängig von der sonstigen Therapie das zeitintensive Gespräch so immens wichtig.

#14 |
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franz laudenbach
franz laudenbach

Lassen sie Ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt!
Auch Rauchen ist Hirn gesteuert.
Mit etwas Willen ist Abstinenz werden, nicht schwer!
Hilfs-Krücke: Nehmen Sie einen Nagel, nehmen Sie einen Hammer, nehmen Sie eine volle Packung Zigaretten. Öffnen Sie das Zigarettenpäckchen.
Und: Nageln Sie das geöffnete Zigarettenpäckchen es an die Wand.
An die Wand; An einer Stelle im Haus die Sie ständig passieren müssen.
Wohnungseingang etwa.
Psyche nun:
Immer wen Sie den Bereich passieren, schauen Sie sich die Zigaretten, an
der Wand an.
Kommentieren Sie: “Ich benötige dich nicht mehr”!
“I Don’t Need you anymore”!
Probieren Sie es aus; es funktioniert!

#13 |
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Maria Maiwieden
Maria Maiwieden

“Selbst ein kurzes Gespräch beim Hausarzt kann Raucher auf dem Weg in die erfolgreiche Abstinenz geleiten.”… besonders, wenn der (Haus)-Arzt selber raucht ;)

#12 |
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Mein Problem ist das “wollen”!
Bei schweren Erkrankungen schmecken mir die Zigaretten nicht und es fällt mir nicht schwer, nicht zu rauchen!
Als ich schwer erkrankt auf Intensiv lag und mein Prof. mir Nikotinpflaster angedeihen lassen wollte, habe ich zu seiner Verwunderung darauf verzichtet!
Entzugserscheinungen hatte ich vom Nikotin noch nie, das scheint wohl eher eine “Kopfsache” zu sein!
Aber da ich in der Folge schmerzmittelabhängig wurde, weiss ich zu gut, was ein Entzug bedeutet!
Da ist es lachhaft, das über Nikotin zu sagen!
Andererseits ärgert es mich, dass ich einfach den Willen nicht aufbringen kann, damit aufzuhören!
Vielleicht sollte ich es tatsächlich mal mit “pharmakologischer Hilfe” versuchen (Vareniclin), obwohl ich nicht grade ein Fan von Tabletten etc. bin und sowieso unter Depressionen leide.
Aber wenn’s wirklich bei über 40 % hilft…vielleicht gehütet ich ja dazu?
Danke für den informativen Artikel und auch an einige Kommentatoren!

#11 |
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Psychotherapeut

Nur eine kurze Ergänzung des einseitig somatisch orientierten Artikels: Laut Leitlinie liegt für verhaltenstherapeutische Einzel- und Gruppeninterventionen die höchste Evidenzstufe vor, das Nutzen-Kostenverhältnis für die genannten Verfahren ist positiv, und die Umsetzbarkeit in der Versorgung ist möglich. Daher wird eine “starke („Soll“-) Empfehlung (A)” ausgesprochen (S. 87 der Langfassung).
Das wäre doch wohl auch eine Erwähnung wert gewesen, oder?

#10 |
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Gisela Lang
Gisela Lang

Hypnose zur Raucherentwöhnung funktioniert definitiv, wenn der Patient aufhören will. Wenn er auf Drängen seines Arztes oder Partners kommt, ist die Erfolgsquote allerdings nicht ganz so gut.

#9 |
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DM Oliver Körnig
DM Oliver Körnig

Die Rolle des Hausarztes kann gar nicht deutlich genug herausgestellt werden. Die immer wiederkehrende Ansprache des Hausarztes kann die Saat sein, auf der alle anderen Maßnahmen der Rauchentwöhnung überhaupt erst wirken können. Stichwort: Motivation!
Interessant wäre eine Studie, die untersucht, wie viele der Raucher sich der Folgen des Rauchens bewusst sind, wie viele die Notwendigkeit des Rauchverzichts für sich anerkennen. Ich glaube, wir würden uns alle wundern. (Auch und besonders in Bezug auf Übergewicht und Alkohol!) Die Gleichstellung der Alkohol- und Tabakabhängigkeit ist lobenswert, wenn auch pathophysiologisch gesehen vielleicht bedenklich und eher zweckorientiert. Auf die gleiche Stufe gehört auch der Risikofaktoren Übergewicht und Bewegungsarmut. Eher eine Stufe höher. Vergleichen wir mal die Mortalitätsdaten – besonders interessant – die absoluten! Nein, der dicke Nichtraucher lebt nicht länger (schon gar nicht besser) als der rauchende Läufer.
Was die Heilpraktiker betrifft, ein bisschen Werbung in eigener Sache gehört zum Geschäft, aber auch zum Erfolg. Ich glaube ihnen, weil ich weiß, wie viel mehr Zeit und Zuwendung sie aufbringen und vor allem aufbringen können als wir Hausärzte. Zeit und Zuwendung, fachliche Information, Bildung, Begleitung, Verständnis, Trost und Beistand, das sind die Dinge, deren der Mensch auf seinem Lebensweg von Seiten der Heiler bedarf, weit weniger Pharmaka und Leitlinien.
Ach ja, Herr Psychologe B., bei Ihnen würde ich gern mal eine Verhaltenstherapie machen – einfach nur so zum Spaß, einfach nur mit Willen. Ihr Beitrag überbietet den hier kommentierten Artikel an Nützlichkeit bei Weitem, das es so einfach sein kann…Aber vielleicht wollen Sie ja nur provozieren. Dann lassen Sie uns den Artikel und diese Kommentare hier weiter zum Anlass nehmen, über die Sinnhaftigkeit unserer Arbeit und Methoden, unsere Erfolge und Misserfolge – also unsere eigenen – trefflich nachzudenken.

#8 |
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Frau Elvira Graf
Frau Elvira Graf

Klar findet Herr Schumann als Arzt es lustig was die Naturheilkunde aussagt, hätte mich auch gewundert wenn es mal von den Halbgöttern Anerkennung gäbe!

#7 |
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Kay Beatrice Weißbrich
Kay Beatrice Weißbrich

Zum Kommentar von Dr. Heuser kann ich als ehemalig starke Raucherin kurz folgendes sagen: Heute vor genau 2 Jahren habe ich meine letzte “richtige” Zigarette geraucht und bin auf E-Zigarette umgestiegen. Angefangen habe ich mit nikotinhaltigen Liquids (im übrigen nur Liquids aus garantiert deutscher Herstellung von einem einizigen Hersteller und auch keine “Früchte” oder “Longdrinks”), habe dann den Nikotingehalt sehr schnell runtergefahren und bin nun 1 1/2 komplett nikotinfrei. Allerdings mag ich das Rauchritual zu bestimmten Gelegenheiten immer noch und dampfe ab und zu nikotinlos vor mich hin. Einen bzw. auch mehrere andere/n sehr positive/n Nebeneffekt/e hat das Dampfen noch: Es kostet deutlich weniger, damit kann man auch schonmal einen Kurzurlaub finanzieren, und was meinem Mann besonders gut gefällt: Ich stinke nicht mehr und meine Klamotten auch nicht! Eine Zigarette reizt mich überhaupt nicht mehr, ich vermisse sie nicht und ich bin froh, vor 2 Jahren meine E-Zigi in Betrieb genommen zu haben!

#6 |
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70% ist an sich schon ne lustige Aussage bei Entwöhnungsmassnahmen, Hypnose wurde sogar in Studien eingebunden zeigen dort dann aber keinen Effekt. Nur bei den einzelnen Heilpraktikern sieht es dann immer anders aus.

Für den der sich mit ernstzunehmender Pharmakotherapie bei wirklich starken Rauchern mit schon bestehender Folgeerkrankung (insbes. COPD) auseinandersetzen muss, finde ich die aktuelle Leitlinie sehr hilfreich.
Gut auch der Hinweis auf vorbestehende psychiatrische Erkrankungen (hier vordringlich und vergesellschaftet die Depression) als besonderen Problempunkt.

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Heilpraktiker

98% der Raucher rauchen nach einer (!) Hypnosesitzung nicht mehr. Seit Jahren. (Über 100 eigene Patienten)

#4 |
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Dr. Jörg Heuser
Dr. Jörg Heuser

Inzwischen gibt es eine gute Cochrane-Publikation zum Einsatz von E-Zigaretten, die insgesamt zu einem positivenErgebnis bzgl. der erreichbaren Abstinenz durch den Einsatz von E-Zigaretten kommt. Vorteil der E-Zigarette ist, dass das “Rauchritual” mit all seinen Belohnungseffekten erhalten bleibt. Die Liquids gibt es – je nach “Nikotin-Druck” – mit und ohne Nikotin. Nikotin ist zwar die primäre suchterzeugende Substanz, gesundheitlich aber weniger bedenklich. Das gesundheitliche Hauptproblem sind die beim Verbrennungsprozess entstehenden Abbauprodukte. Auch wenn die gesundheitlichen Auswirkungen der verschiedenen Liquids noch nicht umfassend untersucht sind, kann schon jetzt davon ausgegangen sind, dass diese Auswirkungen erheblich geringer sind als die Schädigungen durch den Tabakrauch.

#3 |
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Der beste Weg ist einfach keine mehr zu rauchen. Ein paar Tage durchhalten dann ist der körperliche Entzug weg, und dann nochmal ein paar Monate dann ist die psychische Abhängigkeit weg. Und dann nie wieder eine rauchen. Man muss es nur wirklich wollen, dann klappt es auch.
Ich habe vor 19 Jahren als starker Raucher von heute auf morgen aufgehört ohne irgendwelche “Therapien”. Einfach nur mit Willen.

#2 |
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Heilpraktikerin

Schade, dass nicht zur Hypnose geraten wird. In meiner Praxis beträgt die Erfolgsquote bei der Rauchentwöhnung ca. 70%.

#1 |
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